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Fichtenwald 13.08.2020

  • Hallo zusammen


    Gestern in der Mittagspause habe ich einen kleinen Ausflug in einen meiner Lieblingswälder gemacht.

    Montaner Fichtenwald, mit dem grossen Vorteil dass eine offene Wasserleitung (Suone) am Weg entlang verläuft.

    So richtig trocken ist es dort nie.

    Da offenbar sonst nirgends viel los ist, beschäftige ich euch mit ein paar Fotos. Das meiste sind altbekannte Arten.


    Es gab tatsächlich ein paar nette Sachen.


    1) Agaricus augustus - Riesen-Egerling

    Nicht genauer untersucht und er durfte bleiben wo er ist.


    2) Hydnellum peckii - Scharfer Korkstacheling

    Ja, er war wirklich scharf.



    3) Russula vesca - Fleischroter Speise-Täubling

    Einen habe ich zu Hause seziert, der Rest blieb dort.


    4) Suillus (Boletinus) cavipes f. aureus - Gelber Hohlfussröhrling

    In der Gegend hier ein Massenpilz. Mangels Alternativen musste auch hier einer unters Mikroskop.



    5) Phellodon melaleucus - Schwarzweisser Korkstacheling

    Leider recht ausgetrocknet und deshalb so hell. Geruch nach Maggi, Stiel absolut kahl. Kleine Sporen.


    6) Inocybe rimosa agg. - Kegeliger Risspilz

    In der Gruppe ist im Moment so viel Bewegung, dass ich mich traue einen anderen Namen dran zu schreiben.



    Das war's für heute.


    Viele Grüsse

    Raphael

  • Hallo Raphael

    Schöne Funde, vorallem der Gelber Hohlfussröhrling.

    Die Nummer 5 habe ich anders in Erinnerung, aber dieser Fund ist wohl schon etwas hinüber......

    Vielen Dank für das zeigen.

    LG Andy

  • Hallo zusammen


    Ja ich schwankte auch zwischen den beiden, da sie recht trocken sind kann man sich leider auf die Farben nicht mehr verlassen.

    Und wirklich typisch schien mir mein Fund auch nicht.


    Ausschlaggebend waren folgende zwei Merkmale:

    - Basidien: Die waren grösstenteils 30-35 µm lang. Bei Ph. tomentosus sollten sie nur bis 24µm lang sein (gemäss PdS).

    - KOH-Reaktion auf dem Fleisch: Das wurde grün, bei Ph. tomentosus sollte die Reaktion negativ sein.


    Lg, Raphael



  • Servus Raphael,


    wenn die KOH-Reaktion grün war ist P. tomentosus weg vom Fenster.


    Ich arbeite mit dem Schlüssel von Petr Hrouda und noch lieber bzw. zusätzlich mit DIE TERRESTRISCHEN STACHELPILZE EUROPAS

    The terrestrial hydnums of Europe) Mit 58 Abbildungen im Text und 40 Farbtafeln
    R. A. MAAS GEESTERANUS


    Bei Interesse am Geesteranus gerne weiter per PN,


    LG

    Peter

  • Hallo, Raphael!


    Im Schwarzwald sind die "richtigen", also authochthonen Fichtenwälder (auch mit moorigem Boden) eben erst am Aufwachen.

    Da steht bisher nur ganz vereinzelt was rum, aber es kommt.


    Bei dem Phellodon wäre entscheidend: Mit was für KOH hast du denn da gearbeitet? Also wie hoch konzentriert?
    Die Basidiengröße spielt in der Gattung keine Rolle. Das variiert bei allen vier Arten ungefähr im selben Spektrum

    Phellodon melaleucus / connatus kannst du hier ausschließen, das ist eine Art mit ganz anderem Habitus und Farbspektrum.
    Besonderes Merkmal des Schwarzweißen Duftstachelings: Die bleistiftminendünnen Stielchen, auf denen die inenanderfließenden (und ebenfalls recht dünnfleischigen) Hüte aufgestellt sind.
    Erkennt man vielleicht hier ein bissel:


    >Phellodon niger< ist eh raus, weil Trama weder duplex noch innere Stieltrama schwarz.

    >Phellodon confluens< wäre noch eine Option, aber die Struktur der Hutoberfläche ist da schon eine andere - und eben auch mit Duplextrama (außen dicke Filzschicht am Stiel, innen Stielmark), was aber ggfs mal undeutlich ausgeprägt sein kann.



    LG, Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Hallo zusammen


    Vielen Dank euch, dass ich versucht meinen vertrockneten Stacheling einzuordnen...

    Ich bin hier noch eine Antwort schuldig.

    Den KOH-Test habe ich mit 40% gemacht. Übrigens ist die Teststelle inzwischen praktisch schwarz geworden.


    Ph. confluens sollte ja eigentlich ein Laubholz-Begleiter sein - oder könnte der im absolut reinen Fichtenwald vorkommen?

    Ich hatte den vor allem deshalb gar nicht in Betracht gezogen.


    Im Moment sehe ich nicht wirklich eine Alternative, und würde vorschlagen ich lasse ihn als "vertrockneten Phellodon spec." stehen.


    Lg, Raphael

  • Hallo, Raphael!


    Phellodon confluens bildet wohl in der Tat vorwiegend Mykorrhiza mit Laubbäumen (insbesondere Rotbuche). Aber ich dachte so rein vom Äußerlichen ohnehin, daß das Phellodon tometosus sein müsste.


    Wenn du 40% KOH nutzt, ist das Ergebnis auch irrelevant. Die Konzentration ist viel zu hoch; für Thelephoraceae ist 5% bis maximal (!) 10% ideal.
    Nach eigener Erfahrung: Mit 10% reagieren auch dunklere Formen von Phellodon confluens oft schon (schwach) positiv, bei Phellodon niger und Phellodon connatus / melaleucus sind 5% bereits völlig ausreichend für eine deutliche Reaktion.
    40% KOH nutze ich iegenltich gar nicht für makrochemische Reaktionen. Am ehesten könnte man das noch bei Phlegmacien anwenden, aber auch da reichen 20% - 30% bei Fruschmaterial locker aus, um die Reaktionen nachvollziehen zu können.

    Bei Thelephoraceae und generell bei allen Rindenpilzen und Porlingen (Hymenochaetaceae ausgenommen, aber da ist es ohnehin nicht signifikant weil immer schwarz) sind 10% das absolute MAximum, das man anwenden sollte, sonst hat man haufenweise falsch - positive Reaktionen.



    LG; Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Besonderes Merkmal des Schwarzweißen Duftstachelings: Die bleistiftminendünnen Stielchen, auf denen die inenanderfließenden (und ebenfalls recht dünnfleischigen) Hüte aufgestellt sind.
    Erkennt man vielleicht hier ein bissel:



    Servas Pablo,


    deine Aufnahmen erinnern mich an einen Fund aus 2018, bei dem ich an P. niger gezweifelt habe. Den kenne ich kompakter, nicht so flach,









    Bleistiftdünne Stielchen sehe ich auf meine Aufnahmen nicht, eher zu dünn geratene Bleistifte, :wink:


    'Wenn nicht bleistiftdünn isses kein Phellodon melaleucus / connatus meinte Irmgard mitm Exsikkat in der Hand'.


    Vor ~ 3 Wochen habe ich ihn am gleichen Standort angetroffen, wieder flach wie 'ne Flunder,





    Morgen wird er abgeholt, der mMn untypische P. niger ----> mikroskopiert und die Ergebnisse hier eingestellt.


    Bleistiftminendünnes Stielchen würde ich unter deine Aufnahme aba auch nicht drunterschreiben wollen, :wink:


    LG

    Peter

  • Servus, Peter!


    Nuka, bei meinen oben aus dem Kiefernwald bei Dresden passt es schon: Vergleiche mal die Dicke des Stielchens mit den Kiefernnadeln. :wink:
    Aber natürlich ist auch das irgendwo variabel, und zwar bei beiden Arten (Schwarz udn schwarzweiß). In der ganzen Gattung Phellodon geht mikroskopisch übrigens gar nichts. Die Mikromerkmale aller vier Arten scheinen sich so stark zu überschneiden, daß man da kaum was zielführendes rauslesen kann. Bestimmungen gehen am ehesten und am sichersten makroskopisch, aber gerade zwischen Phellodon melaleucus / connatus, Phellodon niger und Phellodon confluens gibt es immer wieder mal komische Kollektionen, die besonders schwer zuzuordnen sind. Das klappt dann nur noch mit ordentlich Funderfahrung / Formenkenntnis aller Arten und Pilzfruchtkörpern in Hand.

    Das wäre jetzt auch mein Problem mit deinem eigentümlichen Fund, der weder wirkllich niger noch melaleucus sein möchte.



    LG; Pablo.

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  • Servas Pablo,


    das Problem mit der marko/mikoskopischen Betrachtung erstreckt sich auch auf die Gattung Hydnellum. Mitm Pilz in der Hand und den typischen Sporen war H. scrobiculatum durch. Die Sequenzierung brachte aber H. ferrugineum ans Tageslicht, 'Es ist Hydnellum ferrugineum, da passt der Habitus gut, die Sporenornamentation ist ein wenig zu rundlich dafür, aber sie darf offensichtlich auch so sein. Die ITS-Sequenz stimmt mit norwegischen, schottischen und nordamerikanischen Sequenzen überein'.


    Meinen aktuellen Fund werde ich trotzdem mikroskopieren, trocknen und danach wegwerfen sequenzieren lassen. Was weder niger noch melaleucus sein möchte könnte eine noch zu beschreibende Form sein oder darf offensichtlich auch so sein, :wink:


    LG

    Peter


  • Moin, Peter!


    Klar, innerhalb von Hydnellum bekommt man ein wenig Hilfe noch anhand von Schnallen und Sporen, um in die richtige Sektion zu gelangen.

    MIt den Sporen ist es aber dann im einzelnen auch schon wieder verzwickt, weil man immer für eine einigermaßen schlüssige Untersuchung viele Sporen braucht.
    Denn die Größen sind ja immer variabel, ebenso die Ausprägung des Ornaments (runde Warzen, Höcker oder Stacheln), das kann an einzelnen Sporen immer undeutlich sein oder schwach ausgeprägt oder einfach nicht erkennbar.
    Daß die meisten Arten der Gattungen (Bankeraceae = Phellodon & Bankera und Thelephoraceae = Sarcodon & Hydnellum) zudem noch selten bis extrem selten sind, kommt erschwerend hinzu: Da fehlen natürlich Kenntnisse zu den Variationsbreiten, ökologischen Amplituden usw.

    Darum ist es immer nützlich, das so zu machen wie du: Wenn man Fruchtkörper hat, ein paar Bilder dazu, die zu herbarisieren und ggfs. sequenzieren zu lassen.



    LG; Pablo.

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  • Servas Pablo,


    heut' habe ich mir den Phellodon cf. niger geschnappt,





    Ca. 10 cm tief wollte ich ihm mitm Messer aushebeln, abgenommen habe ich ihn auf einer Wurzel, ca. 2 cm tief. Das schwarze Dingens rel. in der Mitte ist dick wie ein Bleistift,





    Phellodon melaleucus / connatus ist damit raus ausm Rennen.


    Morgen beginnt die Arbeitswoche der ARGE, dort werde ich ihn vorlegen,


    LG

    Peter

  • Hallo, Peter!


    Wenn man nun noch den Stiel selbst sehen könnte... Also einen Fruchtkörper in Seitenansicht, dann könnte man sich davon auch ein Bild machen.
    Also zumindest mal von diesem merkmal.

    Da es aber nichts bringt, sich nur an einem einzelnen merkmal zu orientieren, wär's auf jeden Fall nicht schlecht, auch mal noch ein Schnittbild zu machen. Das wäre ein weiterer Unetrschied zwischen Phellodon connatus und Phellodon niger, daß das Stielfleisch bei niger in der Regel deutlcih zweischichtig ist, also außen mit deutlich ausgeprägtem Tomentum. Bei connatus / melaleucus ist dieses Tomentum (Filzschicht) gar nicht oder nur schwach ausgeprägt. Zudem: Fleisch im Hut (auch hier: Nicht Tomentum, sondern Trama beachten) ist bei melaleucus / connatus meistens nicht schwarz (blass bis graubraun dunkelgrau), bei niger aber schon jung ganz schwarz. Ist aber mitunter nicht leicht festzustellen, weil Hüte vor allem bei connatus / melaleucus sehr dünn.
    Übergänge sind möglich, ebenso wie bei Farben, Dicke der Fruchtkörper, Dicke der Stiele... Darum: Möglichst umfassend beobachten, Gesamterscheinungsbild berücksichtigen.



    LG; Pablo.

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