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Rötelritterlingsart ?

  • Heute habe ich einen Spaziergang zu einer völlig anderen Bodenformation unternommen. Deutschlands nördlichster Aufschluss von Kalkmergel. Ich war neugierig auf dort vorkommenden spätherbstlichen Pilzarten, die in unseren normalen Wäldern kaum zu finden sind.
    Von den Großpilzen waren in einem aufgeforsteten Gelände altbekannte Nebelkappen zu sehen. Auf der sonnendisponierten Seite mit Kalkmagerrasen und niederen Gehölzen sah alles ganz anders aus.
    Neben Judasohren an Holunder waren unter Schlehen Kaffeebraune Gabeltrichterlinge. Auch Lilastiel-Rötelritterlinge standen an der Lichtung.
    Plötzlich tauchten am Fuß einer (Doppel)Eiche einige zinnober leuchtende ritterlingsähnliche Pilzhüte auf, die ich irgendwie nicht zuordnen konnte. Sie standen in einer dicht geschlossenen Gruppe von 5 verschiedenalten Fruchtkörpern. Auf der anderen Seite der Eiche waren kleine Zinnobertäublinge und im weiteren Umfeld standen Rißpilze.


    Die fraglichen Pilze waren sehr stattlich und kompakt auf 2 cm dicken Stielen. Die gesägten und rotbraunfleckigen Lamellen nicht verschiebbar und der Pilz roch angenahm süsslich wie Zuckerrüben oder Runkeln. Der älteste Pilz war von Pilzmaden zerfressen, zeigte aber keine Verfärbung. Die weißen Hutflächen waren nicht abwischbar. Die weiße Stielflockung zeigte eine saubere Natterung, die Stielbasis war nicht verdickt. Die Hotoberfläche war gänzlich glatt.
    Nähere Untersuchungen habe ich nicht gemacht, weil ich nur zum Schauen dort war.
    Noch rätsel ich, was ich da so Hübsches und Auffälliges gefunden habe.

  • Zitat von Rumpelrudi pid='8188' dateline='1384730120'


    Plötzlich tauchten am Fuß einer (Doppel)Eiche einige zinnober leuchtende ritterlingsähnliche Pilzhüte auf,


    Das heisst, die waren nicht auf Holz? Rötelritterlinge sollten das eher nicht sein, evtl. Schüpplinge? Mehr Ideen habe ich im Moment leider nicht.

  • Hallo Rumpelrudi,


    für mich sieht der Pilz einem Rettichfälbling sehr ähnlich.


    Viele Grüße

    Viele Grüße


    Veronika Weisheit
    Pilzberaterin Landkreis Rostock




    Hinweis: Hier im Forum wird es von mir keine Verzehrfreigaben geben, weil eine Bestimmung über Bild immer fehlerhaft sein kann.

  • Ne, Uwe, da war kein Holz oder Altholz. Die wuchsen aus einem flächigen Myzelbündel aus der Erde. Im folgenden Bild habe ich das Jungstadium gekennzeichnet, was sonst schlecht zu erkennen ist. Jung kommen sie dunkelgrau mit Einschlag ins rosabraun aus der Erde. Mit dem Alter scheinen sie sich immer weiter von außen nach innen ins Weiß zu verfärben.


    Ich glaube, dass die prädestinierte Lage der Eiche, direkt an einem Abhang, auch zu Notdurften der männlichen Gesellschaft herrausfordert. Der höhere Nitratgehalt könnte durchaus zu diesem kräftigen Farbkontrast geführt haben.


    Ja, Veronika, den Fälbling (Hebeloma) hatte ich aufgrund der Stielbeschuppung auch im Verdacht. Das zeigt ziemlich deutlich in die Richtung des Großen Fälbling. Durch den Madenbefall war kein hohler Stiel, geschweige ein "Eiszapfen" zu erkennen. Auch der Geruch war weit von einem Rettich oder Radieschen entfernt, so dass ich dann eher an einen Veilchenritterling dachte. Hier sind aber die Rötelritterling-Spezialisten gefragt, denn so umfangreich sind meine Funde in der Richtung nicht, aber mir fiel überall der rosaliche Farbton in den Sporenbereichen auf.


    Dass ein Veilchenritterling nichts mit Veilchen zu tun hat und auch nicht nach Veilchen duftet ist ja eines der Verwirrspiele der Wissenschaft. Einer hat mal den Geruch nach Iriswurzel behauptet und tausend andere übernehmen die Aussage kritiklos. Wer riecht heutzutage schon an Wurzeln der Iris ? Ich nicht. Aus Kindheitstagen hat sich der Geruch nach Zuckerrüben bei mir festgesetzt, weil zum Erntedankfest die Rüben zu Masken geschnitzt und die Schnipsel aufgegessen wurden :). Genau so süss roch der Pilz.


    Mit Berücksichtigung des denkwürdigen Fundortes sortiere ich den mal vorläufig in Großer Rettichfälbling ein. Die Farbkontraste sind wirklich verblüffend und das Bild ist farbecht bei trüben Wetter aufgenommen. Leider ist der Fundort 40 km weit von hier entfernt.

  • Zitat von Rumpelrudi pid='8195' dateline='1384792581'

    Auch der Geruch war weit von einem Rettich oder Radieschen entfernt, so dass ich dann eher an einen Veilchenritterling dachte.


    Irgendwas stimmt hier nicht, kein Rettichgeruch - kein Rettichfälbling!!!
    Oder ist der Pilz von einem anderen Pilz befallen? Das Weiße sieht doch fast wie Schimmel aus??? Dadurch der andere Geruch???

  • Die Gedankenwege hatte ich auch. Insbesondere, dass hier irgend etwas nicht stimmt. Schimmel ist es definitiv nicht. Auch ausgiebige Putzversuche erhärteten nur, dass die Farbgebung fest durch die Huttrama vorgegeben ist. Durch den Putzversuch ist der ältere Pilz am Stiel abgebrochen, weil der Stiel eine madige Ruine war.


    Von Freitag auf Samstag war hier für einige Morgenstunden -3 Grad, was auch das starke Einsinken des Hutrandes und die Weißfärbung gefördert hat. Die Hüte waren trotzdem in allen Teilen sehr knackig, dickfleischig und keineswegs angegammelt. Der Hutrand ist von natur aus gewellt und leicht eingerollt. Voll ausgeschirmt hätte er es ohne die Kälteschäden auf 15 cm Durchmesser gebracht.


    Der Geruch ist mir auch ein Rätsel, weshalb mir die Einordnung zu den Fälblingen schwer fällt.

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