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Noch ein Maipilz-Thread

  • Hallo zusammen,



    die folgenden Kerlchen sind mir heute über den Weg gelaufen. Ich war in nem kleinen Wäldchen unterwegs, das mitten in einem Naturschutzgebiet liegt. Es gibt da kleine und größere Tümpel, Brennnesseln und Bäume, die ich noch nicht näher identifiziert habe. Also keine Eichen, Buchen oder Birken oder so :-). Und es gibt da Weinbergschneckengehäuse, was ja auf kalkhaltigen Boden hinweisen soll. Leider war meine Knipse im Geben-sie-die-PIN-ein-Modus, was sie eigentlich sonst nie macht, deshalb habe ich ein paar Studienexemplare erlegt und zuhause fotografiert:


    Gelblich-weiße, hüllen- und ringlose Pilze mit gurkigem Geruch. Verhältnismäßig kleiner Lamellenanteil im Verhältnis zum Hutfleisch. Recht massive Exemplare, von denen einer in die halbe Hand passt. Die Lamellen stehen eng zusammen. Aufgrund der Lamellenfärbung bei den älteren Schlappen würde ich die Sporenpulverfarbe mit weiß angeben:




    Der Stiel ist faserig und nicht hohl, wenn sich da nicht schon irgendwelche Viecher rangemacht haben:



    Und hierzu sagt man wohl: Die Lamellen sind buchtig angewachsen. Die Bucht macht den Ritterling:


    Also, wie siehts aus. Würdet ihr den Mairitterling aka CALOCYBE GAMBOSA bestätigen wollen?



    Danke im Voraus für euer Feedback und Grüße,

    Rolf

  • Hallo,


    sehr schöne Vorstellung. Wichtige Merkmale hast du treffend benannt ich markiere sie noch mal:


    Gelblich-weiße, hüllen- und ringlose Pilze mit gurkigem Geruch. Verhältnismäßig kleiner Lamellenanteil im Verhältnis zum Hutfleisch. Recht massive Exemplare, von denen einer in die halbe Hand passt. Die Lamellen stehen eng zusammen. Aufgrund der Lamellenfärbung bei den älteren Schlappen würde ich die Sporenpulverfarbe mit weiß angeben:

    LG Thiemo

    Bestimmungsvorschläge anhand von Fotos sind immer unter Vorbehalt und mit Restrisiko!

    Eine Freigabe zum Verzehr können nur Pilzsachverständige vor Ort geben! -> Pilzsachverständige finden

  • Ahoi, Radfahrer!


    Maipilze sind allerdings keine Ritterlinge (Tricholoma), sondern Schönköpfe (Calocybe s.l.). :wink:
    Der Begriff "Georgsritterling" ist insofern etwas irreführend, und wohl in anlehnung an die Wuchsform der Fruchtkörper, die in der Tat bei etlichen Tricholoma - Arten sehr ähnlich ist. Darum gibt es unter den "echten" Ritterlingen auch mehrere Verwechslungsmöglichkeiten, abgesehen von ebenfalls mehlartig riechenden Tigerritterlingen (Tricholoma pardinum) und Seidigen Tigerritterlingen (Tricholoma filamentosum) sowie Seifenritterlingen (Tricholoma saponaceum s.l.) gibt's da aber nichts Giftiges, worüber man besorgt sein müsste. Diese Arten haben übrigens alle dickere, mehr entfernt stehende Lamellen.



    Lg; Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Hallo zusammen,



    besten Dank für die Rückmeldung. Ein Treffer bei "weißem Pilz mit weißen Lamellen" stimmt zuversichtlich. :-)


    Pablo: Treffer, versenkt. Mein "Grundkurs Pilzbestimmung" kennt Ritterlingsartige "Tricholomatales" mit den Familien Wachsblättler "Hygrophoraceae" und Ritterlingsähnliche "Tricholomataceae". Darunter die Gattung Tricholoma mit ausgebuchtet angewachsenen Lamellen. "Die Pilze Deutschlands" verortet den Mairitterling jedoch in der Familie der "Lyophyllaceae", der sogenannnten Raslingsartigen. Ist ja voll super, ein möglicherweise gattungsbestimmendes Merkmal zum ersten Mal wo anders zu beobachten, nämlich bei der Ordnung der Champignonartigen "Agaricales" (Systematik der Pilze – Wikipedia). Und der betreffende Pilz wird dann Ritterling genannt...


    Wer bei Pilzen auch an seine Bratpfanne denkt, kann hier nur ein Fazit ziehen: Holzauge, sei wachsam!



    Gruß,

    Rolf

  • Hallo zusammen,

    man muss aber auch beachten, wie denn überhaupt aus dem Ritterling (Tricholoma) der Schönkopf (Calocybe) wurde. Der Schönkopf galt über hundert Jahre als Ritterling, bis ein kluger Mykologe die siderophile Granulation in den Basidiolen/Basidien entdeckte, was noch nicht gar so lange her ist. In alten, aus der Nachkriegszeit stammenden Pilzbüchern (z. B. Altauflagen des Michael/Hennig) findet man den Mairitterling daher in der Tat bei den Ritterlingen, als Tricholoma gambosum. Ein Schönkopf ist sozusagen ein Ritterling nur halt mit siderophiler Granulation.

    FG

    StephanW

    Für meine hier gemachten Aussagen zu Pilzen übernehme ich keinerlei Haftung, es sind insbesondere keine Essfreigaben.

  • MoinMoin!


    Und warzige Sporen - die hat doch der Maipilz auch, oder habe ich das falsch in Erinnerung?
    Bei Tricholoma sind die Sporen bei allen Arten immer glatt. Aber latürnich, die optische Ähnlichkeit ist schon groß, insbesondere wenn man sich zB Tricholoma columbetta (Seidigweißer Ritterling) anguckt, der in der Tat einem Maipilz sehr ähnlich sieht.



    LG; Pablo.

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  • Hallo zusammen,


    irgendwie scheint das alles im Reich der Pilze nicht so einfach. Ausgehend von der genannten Färbung konnte ich noch dieses Mosaiksteinchen von 1996 finden. Anscheinend hat sich also die Unterfamilie der Lyophyllae über die Zeit zu ner vollwertigen Familie der Lyophyllaceae gemausert.

    Ich meine, mal gelernt zu haben, dass sich in der Biologie Familien dadurch auszeichnen, dass die Angehörigen nur mit weiteren Individuen der Familie Nachkommen haben können. Hier scheint das ganze eher ein loses Konzept unter Berücksichtigung von makroskopischen, mikroskopischen und stoffwechselbezogenen Merkmalen zu sein, das konzept-, technologie- und erkenntnisbedingt im stetigen Wandel ist?


    Der Gedanke bringt mich zu ner weiteren Frage: Wenn ihr wissen wolltet, was eine Ordnung und eine Klasse in der Abteilung der Ständerpilze im Jahr 2021 genau ausmacht, wohin würdet ihr euch wenden? Gibt es dazu z.B. ein Standardwerk, oder verliert man sich auf der Suche nach den Details in Papers, Universitätsbibliotheken, Pilzzeitschriften, Foren und Vereinshinterhöfen?


    Gruß,

    Rolf

  • Hallo Rolf,

    ja, leider ist das genau so, wie du am Schluss schreibst. Die Pilze sind bisher so schlecht erforscht, dass sich die Experten über Gattungs- und Familienzuschnitt streiten. Was du über biologische Familien schreibst, kenne ich anders. Reproduzieren können sich meines Wissens nur Arten. Alles was über den Arten kommt (Gattungen, Familien, Ordnungen...) ist menschengemacht und keine natürliche Entität und daher Streitobjekt.

    FG

    StephanW

    Für meine hier gemachten Aussagen zu Pilzen übernehme ich keinerlei Haftung, es sind insbesondere keine Essfreigaben.

  • Bon Soir!


    Ich würde bei Stephans Ausführungen die Arten sogar mit einschließen. :wink:
    All das sind behelfsmäßige Einordnungen, oft allerdings schon recht präzise, wo eben auf vielen Erfahrungswerten und vielen parallelen Studien beruhend.

    Letztlich entwickelt sich Leben aber nicht so konstant, die einzige Konstante ist die ständige Veränderung.

    Und eben gerade bei Pilzen ist es schon so, daß unser Wissen, unsere Beobachtungen noch fragmentarischer sind als bei Pflanzen und Tieren - wobei es ja auch da Grenzbereiche gibt, also wo die Grenzen zwischen einzelnen Arten nicht klar definiert sind bzw. fließend. Sowohl bei Pflanzen als auch bei Tieren kommt es ja immer wieder zu Hybridbildungen bei sich nahe stehenden Arten. Weiden und Maultiere wären solche Beispiele...



    Lg; Pablo.

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  • Hallo Stephan, Pablo,


    ich hatte sowas geahnt, nachdem ich den Kuddelmuddel bei den Röhrlingen ein wenig kennengelernt habe. Ein gutes Beispiel ist das Blauen, was ja einerseits ein Merkmal für einen bestimmten Stoffwechsel- bzw. Syntheseweg ist, aber dennoch nicht für jedes Individuum obligatorisch, obwohl für eine Art beschrieben.

    Aber bei den Lamellenpilzen isses anscheinend noch lustiger: Es hat nen Burggraben und rosa Sporen. Also ist es kein Ritterling und kein Champignon, sondern einer der vielen Rötlinge. Denn die rosa Lamellen des grabenlosen Champignons werden ja durch die braunen Sporen... Oder doch was anderes? :/ ^^


    Danke und Gruß,

    Rolf

  • Hallo, Rolf!


    Nicht verwirren lassen!
    Dein Fund sind schon Maipilze, das hat ja niemand bestritten. :wink:
    Nur sind Maipilze halt keine Ritterlinge alleine darum ging's.



    LG; Pablo.

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  • Zitat von Beorn:

    warzige Sporen - die hat doch der Maipilz auch, oder habe ich das falsch in Erinnerung?


    Hallo Pablo,

    ich habe eben einen Maipilz mikroskopiert, sogar in Baumwollblau - die Sporen sind völlig glatt und sehen so aus, wie Ritterlingssporen aussehen.

    FG

    StephanW

    Für meine hier gemachten Aussagen zu Pilzen übernehme ich keinerlei Haftung, es sind insbesondere keine Essfreigaben.

  • Hallo, Stephan!


    Super, danke für's nachgucken. :thumbup:
    Und ich Dackel habe am Sonntag die Maipilze unmikroskopiert einfach aufgegessen...
    ...der Gedanke, mal reinzulinsen, kam mir erst nachdem der Hunger weg war.



    LG; Pablo.

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