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Graue Schwielenflechten?

  • Hallo,


    ich habe am Stamm eines Kirschbaums neben einem Feldweg graue Flechten beobachtet.

    Die Aufnahmen habe ich heute in der Nähe von Lauffen am Neckar (Baden-Württemberg) gemacht.


    Die grauen Flechten sehen sich alle sehr ähnlich. Die Flechten in Gruppe A und C wirken aber etwas zierlicher als die Flechte bei B. Flechte B ist allerdings auch größer als die anderen, vielleicht 3-4 cm Duchmesser.


    Gruppe A:

    Der rote Pfeil deutet die Blickrichtung in vergrößerten Bild an (s.u.)


    Flechte B (Ausschnitt):


    Flechte C:


    Die Flechte A hat viele kleine schwarze Pünktchen auf den Randlappen, die Apothecien sind teilweise bereift, teilweise nicht...


    ...Flechte B hat lauter bereifte Apothecien, aber keine schwarzen Pünktchen:


    Sind die grauen Flechten auf den Bildern die gleichen Flechten, wenn sie so dicht beisammen sitzen?

    Was sind das für schwarze Pünktchen auf Flechte A?

    Und die Bereifung erscheint mir etwas ungleichförmig über Felchte A verteilt, ist das vielleicht eine Krankheit, z.B. Pilzbefall, die auch Flechte B erwischt hat?


    Ich würde ja auf Schwielenflechten (Physcien) tippen, vielleicht P.stellaris?

    Vielleicht möchte jemand hier, der mehr davon versteht, etwas dazu sagen.


    Liebe Grüße,

    Martin

  • Nachtrag:


    hängt die weiße Bereifung der Apothecien vielleicht auch mit deren Reifung zusammen?

    Bei der Flechte (B) mit den sehr weißen Apothecien, löst sich bereits teilweise der Inhalt (Sporen) heraus...


    Hängt das damit zusammen?


    LG Martin

  • Guten Abend,


    Deine Einschätzung kann ich teilen. Denke auch, dass es sich um eine Physcia handelt, entweder P. Stellaris oder P. Aipolia. Eine sichere Unterscheidung ist durch Reaktion des Marks mit KOH möglich.


    Die schwarzen Pünktchen treten bei verschiedenen Arten von Physcia immer wieder auf. Es handelt sich um Pyknidien.


    LG René

  • Nachtrag:


    Die Bereifung der Apothecien hat nichts mit der Reife zu tun, sonst müssten alle Apothecien tragenden Flechtenarten zu einem Zeitpunkt mal bereift sein. Das wäre dann kein schönes Bestimmungsmerkmal mehr 😉

  • Aha, vielen Dank, René, für deine Einschätzung!


    Pyknidien also - wieder eine der vielen alternativen Vermehrungsmethoden der Flechten, neben Apothecien, Isidien, Soredien also nun auch noch Pyknidien.


    Ich habe mir jetzt mal die Flechten-Biologie von Nash dem III zugelegt: Ich hoffe nach der Lekture einen tieferen Einblick ins geheime Wesen unser kleinen Freunde zu bekommen. Für den Anfang liest es sich recht spannend. Wenn ich das richtig versanden habe, stellt offenbar in vielen Flechten nicht ein Pilz-Individuum alleine den Myko-Partner sondern u.U. eine ganze Anzahl von ihnen gemeninsam. Damit bilden sie wohl sowas wie eine Chimäre?! Das würde mir jedenfalls erklären helfen, mit wem eine Flechte sich eigentlich sexuell vermehrt und Apothecien bzw. Pyknidien bildet - vielleicht mit den anderen Pilzen, die mehr oder minder zufällig im gleichen Flechten-Haus mit ihren Algen leben. Und wenn man alleine wohnt, gibt's ja noch die asexuelle Vermehrung (Isidien, Soredien, ...). Clever das!

  • Hallo, ich bin's nochmal.


    In der Bestimmungsliteratur wird als Unterscheidung zwischen P.aipolia und P.stellaris natürlich die Färbung des Marks als eindeutiger Nachweis angeführt.


    Wenn man nicht unbedingt mit der Chemie hantieren möchte, werden zur Unterscheidungshilfe bei Wirth auch optische Eigenschaften der Flechten erwähnt.

    P.aipolia zeichne sich durch kleine, weiße Flecken aus, die bei P.stellaris, wenn überhaupt, nur undeutlich vorkämen.

    Auch der Grad der Bereifung der Apothecien sei tendentiell unterschiedlich: Aipolia wäre tendentiell eher bereift als Stellaris; die Randläppchen bei Aipolia eher glatt-anliegend, bei Stellaris oft gewölbt.


    Was mich nun interessiert sind die weißen Pünktchen, da man hier nur Wasser anwenden muss. Ich lese an anderer Stelle, es handele sich bei den weißen Strukturen um Pseudocyphellen.

    Also habe ich eine Flechte, die ich für P.aipolia halten würde, eingeweicht und unter der Stereolupe kontrolliert.

    Und tatsächlich: Es lassen sich dicht an dicht kleine weiße Strukturen erkennen. Womöglich handelt es sich also hier um eine P.aipolia? Stehen Pseudocyphellen tatsächlich derartig dicht?



    Apropos Wasser:


    Nocheinmal zurück zu Flechte "B" vom Anfang.

    Ich habe bei bei lichenmaritimes.org unter Physica biziana folgendes gefunden (Lichens marins Dort heißt es unter anderem

    " ... dull whitish when dry, greenish when moist (or turning green when sprayed with water - rather specific trait) ... Cf.: Physcia stellaris of which the thallus is smaller, not turning greenish when moisten, and Physcia aipolia with an upper surface dotted with pseudocyphellae and medulla K+ yellow ... "


    Die dort abgebildeten Fotos und der beschreibende Text stimmen meiner Meinung nach fast zu gut mit Flechte B überein.

    Eindrucksvolle Beispielbilder, u.a. auch der nassen Flechte im Vergleich zu einer nassen P.stellaris, werden dort gezeigt.


    Ich habe die Flechte an ihrem Baum nochmals aufgesucht und sie sowie die benachbarte Flechtengruppe A kräftig benetzt.

    Die Wirkung war frappant: während sich die nassen Flechten bei A leicht grünlich verfärbten, wurde Flechte B in der gleichen Zeit kräftig grün, mit der Tendenz nach bläulich-grün - ganz wie bei lichensmaritimes.org beschrieben und gezeigt.



    Das Verfärben dieser nassen Flechte finde ich sehr beeindruckend, was für Farben!! Vielleicht habe ich ja tatsächlich eine dieser wärmeliebenden P.bizianae hier gefunden?


    LG Martin

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