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Ich denke auch an Austern

  • Hallo Pilzgemeinde,


    viel Starkregen, sehr warm. Und ein Haufen alter Laubholzäste mit Seitlingen. Ich finde die Farbe ist durchaus im Spektrum von Austern. Vielleicht sogenannte ausgebüchste Cfs.

    #1



    Die Behaarung an der Stielbasis:



    Und die Kleinen:




    An Buchenstämmen an denen ich im Herbst Panellus serotinus, den Gelbstieligen Muschelseitling fand jetzt diese Exemplare.

    So wie's aussieht Panus torulosus :

    #2






    Die teilweise schlechte Fotoqualität tut mir leid, hat ziemlich geregnet.

    Bin trotzdem dankbar für Eure Meinung.


    LG, Diether

  • Hallo, Diether!


    Die Laubholzknäuelinge (Panus conchatus / torulosus) würde ich auch so nennen - wenn auch schon etwas angeknabbert.

    Bei den Seitlingen ist es hier etwas schwieriger, ich könnte mir da auch gut Lungenseitlinge (Pleurotus pulmonarius) vorstellen, wegen den lang gestielten, jung irgendwie löffelförmigen Fruchtkörpern. Der Basisfilz kann auch zB durch das Moos angeregt sein - wirklich konstante merkmale um P. ostreatus und P. pulmonarius sicher zu trennen sind meiner Ansicht nach noch nicht wirklich herausgearbeitet, also muss man da immer das Geasmtbild von einer Kollektion beurteilen (meiner Einschätzung nach mit besonderer Beachtung von Habitus und Wuchsweise).



    LG; Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • wirklich konstante merkmale um P. ostreatus und P. pulmonarius sicher zu trennen sind meiner Ansicht nach noch nicht wirklich herausgearbeitet, also muss man da immer das Geasmtbild von einer Kollektion beurteilen (meiner Einschätzung nach mit besonderer Beachtung von Habitus und Wuchsweise).

    Das ist für mich auch nicht wirklich klar. Im Winter hatte ich an einer Buche Austern und die sahen deutlich grauer aus und waren vom Habitus auch fester, derber, kräftiger. Der Stiel war tendenziell dicker. Aber reicht das?

    Am Sa. ging ich mit einigen sehr guten Pilzkennern Pilze gucken und da war auch ein Lungenseitling darunter. Niemand wollte ihn sicher bestimmen. Erst mit Sulfovanillin wurde er sicher zugeordnet.

    Hast Du lieber Pablo oder sonst ein Mitleser mal den Zuchtausternpilz in freier Wildbahn in der Hand gehabt?

    Wie könnten die beiden sich tendenziell von einander unterscheiden?


    Im Übrigen wachsen bei mir am selben Baum Austern parallel zur gelbstieligen Muschel im Winter und im Sommer sind da jetzt Lungen oder eben Austern dran. Nur leider sehr hoch, sodass ich mir die Mahlzeit lieber von einem liegenden Baum hole. Zum Bestimmen eine 6m Stange durch den Wald tragen, ist mir gerade zu anstrengend.


    LG, gelBlau


  • Hallo, gelBlau!


    Also... Der Zuchtausternpilz ist Pleurotus ostreatus. Die ursprünglichen, wildwachsenden (meist in den Wintermonaten fruchtenden) Austernseitlinge hierzulande sind: Pleurotus ostreatus. Persönlich gefunden habe ich so viele so unterschiedlich aussehende "Austernseitlinge" (Pleurotus ostreatus, übrigens zu allen jahreszeiten), nur ist es bei Wildfunden ja gar nicht nachvollziehbar, aus welcher Zuchtlinie die ausgebüxt sind und ob überhaupt und wie stark bzw. wie oft die sich schon mit ursprünglichen Wildformen gepaar und vermischt haben.
    Denn das ist ja alles eine und die selbe Art (wie Dackel und Bernhardiner, und natürlich ebenso wie die untereinander reproduktiv). Lungenseitlinge (Pleurotus pulmonarius) sind allerdings eine eigene Art - Hybriden mit Austernseitlingen (Pleurotus ostreatus) will ich nicht ausschließen, aber bisher ist nicht nachgewiesen, daß das geht.

    Das Problem ist - und darum dein Nachhaken auch mehr als berechtigt: Man findet immer wieder mal Kollektionen, gerade in den Sommermonaten, die sich gar nicht einer der beiden Arten zuordnen lassen, eben weil die Morphologischen merkmale eher quantitativ sind, also eher einen Blick für ein "Durschnittsverhalten" erfordern als die Beobactung eines konkreten merkmales, wo man sagen kann "trifft zu" oder "trifft nicht zu".


    Übrigens - leider! - ist das mit dem Sulfovanillin ebenso eine Sache.
    Das kann nicht zur Bestimmung heran gezogen werden, weil die magentafarbene "Seitlingsreaktion" in erster Linie abhängig ist vom Mischungsverhältnis von Schwefelsäure und Vanillin (Hinweis von Andreas Gminder kürzlich im Nachbarforum). Das deckt sich mit meinen Beobachtungen, daß alle drei Arten (Pleurotus ostreatus, Pleurotus pulmonarius und auch Pleurotus cornucopiae; getestet wurden jeweils morphologisch eindeutige Kollektionen) mit SV reagieren können aber nicht müssen.


    Wobei cornucopiae (Rillstieliger Seitling) ganz schön anders aussieht, aber die trennung von pulmonarius (Lungeseitling) und ostreatus (Austernseitling, Zuchtseitling, einschließlich aller Farb-, Jahreszeit-, und Sonderformen) ist ein ganz schön kniffliges Thema.



    Lg; Pablo.

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  • Hallo Pablo,


    vielen Dank für die Erklärung. Um bei dem Hundebild zu bleiben: wir können also einen ostreatus mit Dackelkörper, Bernhardienerkopf, Pulihaaren und Windhundbeinen finden, also eine Art Wischmopp. Und je nachdem welches Gen sich am Stamm unten, in der Mitte oder oben als dominant erweist oder gar gedoppelt ist, verändert sich das Erscheinungsbild. Dazu käme dann noch das Futter und der genaue Ort, wie Himmelsrichtung und Ansatzform wie unten, Seite, oben, was wiederum die Ausführung der entgültigen Fruchtkörper verändert.

    Und den gleichen Wischmopp mit seinen Schattierungen gibt es auch als pulmonarius. Bleib also nur der Gentest, der dann beweisen würde, dass da eine Miezekatze und nicht ein Hund dahinter steckt. - Und die Erfahrung. Die Sporenfarbe/form scheint ja auch nicht wirklich zielführend zu sein.


    Das mit dem Sulfovanilin werde ich so weitergeben. Das wird den Sachverständigen interessieren.

    Sehr schade, denn ich dachte, so könnte man die Bürschen festnageln.


    Cornucopiae hat doch wie ich in 123Pilze gelesen habe auch eine dunklere Sporenfarbe, oder ist das falsch? Ich hab den noch nie gesehen.


    Bei solchen großen Kollektionen ist doch manchmal schon einer dabei, der schon abgeworfen hat.


    Bleibt wandern, Pilze gucken und den Profis überlassen, ob in diesem Falle Katze oder Hund auf dem Baumstamm sitzt.

  • MoinMoin!


    Ich habe selbst bisher nur wenig Sporenabwürfe gemacht, kann mir aber vorstellen, daß auch da die Farbe variabel ist, also insbesondere abhängig vom Alter der fruchtkörper. Richtig "violettes" Sporenpulver (also weißlich aber recht dunkel mit deutlichem Violetton) habe ich bisher nur bei Pleurotus ostreatus gesehen, der aber auch blass ockerlich und fast weiß kann.

    Die Bilder bei 123 von Pleurotus cornucopiae zeigen meienr Ansicht nach größtenteils andere Arten.

    Der Rillstielige ist schon eine sehr markante Erscheinung wenn einigermaßen typisch ausgeprägt, und scheint auch eine Art wärmebegünstigter Wälder mit Auwaldcharakter zu sein, gerne an deutlich morscherem Holz als ostreatus und pulmonarius.

    Einigermaßen typische Rillstieliige sehen so aus:




    Ansonsten teile ich absolut deine Einschätzung: Es ist unheimlich frustrierend, gerade pulmonarius und ostreatus auseinander halten zu wollen.
    Eigentlich müsste man dazu mal eine umfassende Studie anstellen, und am besten einige Dutzend mitteleuropäische Kollektionen makro- und mikromorphologisch dokumentieren, sequenzieren, und anschließend versuchen, die relevantesten morphologischen Merkmale herauszuarbeiten.

    Allerdings habe ich kein eigenes Genlabor daheim, und bei einem Dutzend Sequenzen ist man schnell schon mal bei einem Kostenpunkt von mehr als 200,- €...


    Ich habe also mit solchen diffusen Kollektionen, wo sich Dackel, Pudel, Windhund und Foxterrier munter durchmischen, so eine Art Übereinkunft getroffen:
    Ich bestimme die nicht mehr, sondern esse sie stattdessen auf (sofern frisch genug). :happy:

    Weil gut schmecken tun sie alle.



    LG; Pablo.

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