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Erfahrungen mit Netzhexen?

  • Hi, mir sind vorhin beim Abendspaziergang ein paar wunderschöne Netzhexen begegnet. Nun wusste ich schon vorher um den zweifelhaften Ruf dieser Damen, die Begegnung hat mich jetzt aber dazu gebracht, mich nochmal etwas genauer damit auseinander zu setzen. Die Beurteilungen fallen hier wirklich sehr unterschiedlich aus:

    • Die DGfM führt die Netzhexe bei den Pilzen mit uneinheitlich beurteiltem Speisewert ("selten individuelle Unverträglichkeit mit Alkohol")
    • Fungi of Temperate Europe markiert Suillelus Luridus mit zwei grünen Punkten als "hervorragenden Speisepilz"
    • pilzwelten.de ordnet den Pilz ebenfalls als "ausgezeichnet" ein, wenn auch mit Hinweis auf schlechte Verträglichkeit: Netzstieliger Hexenröhrling, Suillellus luridus
    • Auf 123pilze.de ist der Pilz gleichzeitig als essbar und als giftig markiert. :confused:
    • ...

    Naja, im Grunde scheint das Fazit relativ klar, der Pilz ist wohl lecker wird aber manchmal nicht vertragen, vor allem zusammen mit Alkohol. Da die Pilze hier wirklich ziemlich hübsch sind, denke ich darüber nach, mit einem vorsichtigen Kostversuch meine Verträglichkeit zu testen. Wie haltet ihr es denn mit denen? Irgendjemand unter euch, der diese Pilze gerne isst und auch verträgt? Irgendjemand, der die Pilze bekannt nicht verträgt? Und hat jemand eine Idee ab welcher Menge Pilz / Alkohol diese Unverträglichkeit üblicherweise auftritt?

  • Hallo KopfPilz


    Du hast es recht gut zusammengefasst. Die Netzhexe ist ein guter Speisepilz, der von manchen nicht vertragen wird. Die Unverträglichkeit in Verbindung von Alkohol halte (nicht nur) ich für äußerst fragwürdig, da dieser Pilz entgegen früheren Behauptungen kein Coprin enthält. Wer ihn mit Alkohol nicht verträgt, wird ihn wohl ohne auch nicht vertragen.


    Eines der Probleme, warum ihn manche nicht vertragen, ist seine Festfleischigkeit. Dieser Pilz muss wirklich lange durchgegart werden. Dennoch entstehen auch da noch individuelle Unverträglichkeiten, seiner Inhaltsstoffe, beziehungsweise deren Zusammensetzungen geschuldet.


    Ich persönlich habe kein Problem mit der Verträglichkeit und esse diesen Pilz gerne - sofern ich mal keine madigen Exemplare finde. Essen aber andere mit, so kommt dieser auf keinen Fall auf den Tisch.


    So solltest auch du vorgehen, wenn du dich an ihm probieren willst. Beginne erst mit einer kleinen Menge, gare sie gut durch und warte ab, was passiert. Wenn keine unangenehmen Erscheinungen auftreten, kannst du dich steigern, was die Menge betrifft.

    Lasse auf keinen Fall jemanden mit essen, wenn du nicht weißt, ob er/sie Netzhexen verträgt. Solltest du welche konservieren, dann immer separat zu anderen Arten.


    LG Matthias

    Bei allen online "bestimmten" Pilzen handelt es sich lediglich um Bestimmungsvorschläge.


    Gezeigte Pilze zu 100 Prozent sicher nur über Bilder zu bestimmen ist nicht möglich, deren Verzehr kann im schlimmsten Falle tödlich enden!

    Eine Verzehrfreigabe gibt es ausschließlich vom Pilzsachverständigen/Pilzkontrolleur/Pilzberater vor Ort!


    Finde HIER den nächstgelegenen PSV

  • MoinMoin!


    Coprin ist allerdings nicht die einzige Substranz, die auf irgendeine Weise in den Stoffwechsel beim Alkoholabbau im menschlichen Organismus einwirkt. :wink:

    Bei Coprin ist der Wirkmechanismus nur einfach gut bekannt und erforscht, aber es gibt offenbar noch eine ganze Reihe an pilzlichen Proteinen, die ebenfalls irgednwas bewirken können. Bei Netzhexen scheint es sowas auch zu geben, allerdings auch das im Rahmen von "individuellen Unverträglichkeiten".
    Ich selbst vertrage Netzhexen gut, auch in Verbindung mit Alkohol, kenne aber plausible Berichte von Leuten, denen genau diese verbindung (Netzhexen + Alkohol) richtig Probleme gemacht hat. Der Mechanismus ist unbekannt, aber es kann eben vereinzelt vorkommen.
    Darum, wie so oft: Ausprobieren. Kleine Mengen, und auch bei der Kombination C2H5OH zunächst vorsichtig dosieren.



    LG; Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Alles klar, und danke für eure Berichte. Mein Fund ist wie gesagt tatsächlich noch schön frisch und (größtenteils) madenfrei (bei 2 von den Pilzen hatte sich dann doch schon eine Made am Stiel vergangen, der Hut ist aber komplett top). Ich habe daher beschlossen mir heute eine kleine Portion davon zu braten und den Rest für spätere Verwendung zu trocknen.

  • Hallo Kopfpilz,


    nach den Autoren Horak und Flammer (Pilzgifte, Giftpilze) enthält der Netzstielige Hexenröhrling kein Coprin. Die individuelle Unverträglichkeit liegt also in den Personen selbst, der eine verträgt den Pilz, der andere nicht. Ist bei anderen Lebensmitteln ja auch so.

    Viele Grüße


    Veronika Weisheit
    Pilzberaterin Landkreis Rostock




    Hinweis: Hier im Forum wird es von mir keine Verzehrfreigaben geben, weil eine Bestimmung über Bild immer fehlerhaft sein kann.

  • Hi,


    zum Speisewert und vorsichtiger Handhabe wurde ja bereits alles gesagt. :thumbup:

    Pablo hat bereits darauf hingewiesen, auch wenn sich kein Coprin enthalten ist bedeutet das nicht im Umkehrschluss, dass der Pilz mit Alkohol verträglich sein muss.


    Zumindest in-vitro konnte beim Netzstieligen Hexenröhrling 2015 von Romanek eine Hemmung der Acetaldehyd-Dehydrogenase, wie bei Coprin, festgestellt werden. Der Mechanismus scheint also durchaus bekannt. Inwiefern das auf einen lebenden Organismus übertragbar ist in Punkto Dosis, individueller/genetischer Faktoren und Toxingehalt der Aufsammlung wäre weiter zu verifizieren.
    Drastischere Vergiftungen in Kombination mit Alkohol löst der Spitzschuppige Stachelschirmling Echinoderma asperum aus. Auch hier ist das Gift unbekannt, Coprin wurde nicht gefunden.
    Mit größerem Fragezeichen ist noch der Keulenfußtrichterling Ampulloclitocybe clavipes und der Umbrabraune Stäubling Lycoperdon umbrinum zu nennen. Bei diesen wurde ebenfalls eine Enzym-Hemmung in vitro festgestellt, in der Praxis schein jedoch analog zur Netzhexe nicht jede Kollektion bzw. nicht jeder Mensch betroffen.[1]


    Klugscheiß-Modus AN: :wink:
    Beorn Coprin und die meisten anderen Pilzgifte sind kein Proteine. Im Fall von Coprin oder auch Amanitin handelt es sich um (Oligo-)Peptide. Diese werden aus ein paar wenigen Aminosäuren aufgebaut. Proteine sind deutlich größer, bestehen meist aus hunderten oder tausenden Aminosäuren, besitzen komplexe gefaltete Strukturen und würden aufgrund der Größe allein vom Körper nicht resorbiert werden können, falls sie nicht schon vorher verdaut wurden. Selbst für Peptide aus nur 20 Amiosäure ist es schwierig den Magen-Darm Trakt unbeschadet zu überstehen und aufgenommen zu werden. Daher gibt's auch bis heute noch keine Insulin-Tabletten.

    LG Thiemo

    [1] Nach Krieglsteiner, L.: Vortrag "Neues an der Giftpilz-Front", Stand 2017

    Bestimmungsvorschläge anhand von Fotos sind immer unter Vorbehalt und mit Restrisiko!

    Eine Freigabe zum Verzehr können nur Pilzsachverständige vor Ort geben! -> Pilzsachverständige finden

  • MoinMoin!


    Ich hätte mal Chemie nicht in der Oberstufe abwählen sollen. :wink:
    Wobei das schon Gegenstand in 8 oder 9 gewesen sein dürfte, aber mein Wissen ist da halt doch sehr verwaschen.


    So vage meine ich mich übrigens zu erinnern, schon einmal eine madenfreie Netzhexe gesehen zu haben...
    Aber selbst wenn die so aussehen:


    ...im Inneren tobt das Leben!



    LG; Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Hallo Kopfpilz,

    ich selber habe keine Probleme mit Netzhexen, auch nicht mit einem Bier dazu.

    Ich hätte noch eine leicht verwegene Theorie zur Unverträglichkeit der Netzhexe. Diese wird von Schlechtauskennern leicht mit anderen Pilzen verwechselt, z. B. mit dem in Ostwürttemberg gar nicht so seltenen Suillellus mendax oder dem in der Würzburger Gegend verbreiteten Rubroboletus legaliae, oder dem im (Vor-)Alpenraum verbreiteten Rubroboletus rubrosanguineus, wie ich von unseren Lehrwanderungen für Anfänger her weiß. Teilweise wird nicht einmal auf die rote Porenfarbe geachtet, dann käme sogar der seltene Imperator torosus als Verwechslungspartner in Betracht. Leute, die Probleme mit der Netzhexe haben, könnten also vielleicht einen anderen Pilz mit unbekanntem Giftigkeitsfaktor gegessen haben.

    FG

    StephanW

    Für meine hier gemachten Aussagen zu Pilzen übernehme ich keinerlei Haftung, es sind insbesondere keine Essfreigaben.

  • Hier mal ein paar Fotos von der seltenen, madenfreien Spezies:



    Zur Verträglichkeit bei mir kann ich noch nichts sicheres sagen. Nach der Kostprobe am Samstag Mittag (ca. 1 Hut, gut durchgegart) hatte mein Magen zwar keinerlei Probleme, aber am Sonntag Morgen hatte ich leichte Kopfschmerzen. Keine Ahnung ob die jetzt was mit dem Pilz zu tun hatten oder nicht... ich werde jedenfalls erstmal noch vorsichtig mit denen umgehen und schauen ob sich das wiederholt.

  • MoinMoin!


    Einfache Kopfschmerzen (ohne weitere Symptome) sollten nicht ins Spektrum von individuell unverträglichen Pilzen gehören. Ich vermute, daß das eine andere Ursache hat. Aber Vorsicht ist immer besser, also meiner Meinung nach völlig richtig, das weiterhin behutsam und mit bedacht zu beobachten.



    LG; Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • "Was danach geschah..."


    Meine Netzhexen sind noch einige Male (und teilweise in großer Zahl) aufgetaucht, wurden aber inzwischen von Maden entdeckt. Selbst in jungem Alter sind die Stiele jetzt schon zerfressen, aber die Hüte ließen sich oft noch gut verwerten. Was mich dann dazu verleitet hat, sie nochmal zuzubereiten und diesmal auch ganz ohne Beschwerden. - Dann kamen die Kopfschmerzen beim ersten Mal wohl doch von der Flasche Wodka an dem Abend, deren Haltbarkeitsdatum schon was länger abgelaufen war! -


    Nein, Quatsch. Also, für eure Statistik: mit Alkohol zusammen hab ich sie noch nicht probiert (und auch keine sehr großen Portionen), aber ohne scheinen sie mir jedenfalls keine Probleme zu bereiten.

  • "Was danach geschah...Dann kamen die Kopfschmerzen beim ersten Mal wohl doch von der Flasche Wodka an dem Abend, deren Haltbarkeitsdatum schon was länger abgelaufen war! -

    Der ist nicht schlecht ^^

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