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Generell keine Freigabe für Agaricus mehr?

  • Guten Morgen,


    ich hatte am Wochenende ein spannendes Pilzseminar und in dessen Rahmen wurde uns mitgeteilt, dass es eine Empfehlung der DGfM gibt, Agaricus generell nicht mehr durch die PSV freizugeben. Hintergrund ist sowohl die Einwanderung von sehr ähnlichen Arten im Bereich der Wiesen- als auch der Waldegerlinge als auch das Thema Agaritin. Wie geht ihr (die PSV's) mit diesem Thema um? Schließlich dürfte es sich hier um eine der meistgesammelten Gattungen handeln. Ich persönlich sammele sie weniger, sicher auch aus Unsicherheit.


    Liebe Grüße, André

  • Lieber André,


    das ist ja spannend. Ich hatte erst Mitte Juni meine letzte PSV-Fortbildung, die ja eigentlich genau dem Zweck dienen soll, bei neuen Entwicklungen auf den neuesten Stand gebracht zu werden. Da wurde nichts dergleichen erwähnt, und ich höre das zum ersten Mal. Die Positivliste der DGfM aus 2019 hat diverse Agaricus-Arten gelistet.


    Was sollen denn das für eingewanderte Arten sein, und worauf soll die neue Einschätzung bzgl. Agaritin basieren?


    Magst du verraten, wer das Pilzseminar abgehalten hat (falls es jemand ist, den man kennen könnte)?


    Beste Grüße

    Sabine

  • Hallo Sabine,


    ich bin leider nicht so der Seminarmitschreiber. Es geht wohl darum, dass sich im Bereich der Wiesenegerlinge eine eingewanderte Art breit macht, welche nicht gilbt und ansonsten den Beschreibungen anderer, essbarer Arten entspricht. Bei den Waldegerlingen habe ich dann doch mehr aufgepasst. Auch dort gibt es eine neue, eingewanderte Art aus der Sektion Xanthodermei, auch diese gilbt nicht sondert rötet. Der Geruch nach Karbol ist wohl erst sehr spät wahrnehmbar, so dass eine Verwechslung mit essbaren Arten auch bei erfahrenen Pilzsuchern möglich wäre. In Bezug auf Agaritin gibt es wohl neue Erkenntnisse bezüglich der karzinogenen Wirkung. Genauer weiß ich es nicht mehr, wie gesagt, Egerlinge sind nicht so sehr Objekt meiner Begierde.

    Das Seminar habe ich bei Berndt Meißner gemacht. Vielleicht kennt ihn der eine oder andere aus Youtube, dann allerdings unter anderem Namen.

    Sorry, mehr ist nicht drin ;-)


    Liebe Grüße, André

  • Sehr interessant, wäre super wenn ihr uns da auf dem laufenden halten könntet.

    Ich selbst gebe seit vergangenem Jahr keine Champignons mehr frei und rate auch allen davon ab welche zu sammeln. Die Unsicherheit macht die Leute verrückt, dann lieber auf Champignons verzichten.


    Herzliche Grüße aus Regen

    Frank

  • Selbst habe ich noch keine gefunden, mir wurden aber schon welche vorgelegt die ich dann zum mikroskopieren gegeben hatte.

    Da zu mir zudem auch Seminarteilnehmer aus A und CH kommen, gehe ich in dem Fall lieber auf Nummer sicher.


    Herzliche Grüße aus Regen

    Frank

  • Hallo,

    Diese neuen Erkenntnisse sind mir bisher nicht bekannt und haben mich doch verunsichert, zumal das Agaritin auch in Zuchtchampigons vorkommt.

    Um da etwas Klarheit zu schaffen, habe ich S. Berndt von der DGfM angeschrieben.

    Grüße aus dem schönen Niederbayern :P


    Jutta


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    Essensfreigaben gibts nur beim Pilzberater vor Ort , Bestimmungsvorschläge meinerseits sind keine Essensfreigaben

  • Hallo ihr beiden,

    Selbst habe ich noch keine gefunden, mir wurden aber schon welche vorgelegt die ich dann zum mikroskopieren gegeben hatte.

    Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich die Arten weiter ausbreiten.

    Welche Arten sind es denn, von denen wir hier reden?


    Beste Grüße

    Sabine

  • Hallo Uwe,

    danke für den Link, der aus dem Jahr 2018/19 stammt.

    Es ist schade, dass man nicht darüber informiert wurde, auch von der DGfM. Die Informationskette bei so einer wichtigen Information sollte sofort greifen, oder sehe ich das falsch?

    Grüße aus dem schönen Niederbayern :P


    Jutta


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  • Es ist schade, dass man nicht darüber informiert wurde, auch von der DGfM. Die Informationskette bei so einer wichtigen Information sollte sofort greifen, oder sehe ich das falsch?

    Da bin ich mit dir einer Meinung. Wenn der Frank dann schon welche vorgelegt bekommen hat, müssen die sich langsam ausbreiten. Auch wenn die nur eine Magen/Darm Unverträglichkeit haben, ist doch auch jede kleine Vergiftung eine zu viel.

    Ich weiß schon, warum ich mir den Pilzberater nicht aufschwatzen lasse.

  • Hallo,

    bezüglich der Eingangsfrage gebe ich Champis zwar frei, verweise aber immer auf den hohen Gehalt an Schwermetallen, die nach meiner Auffassung das größte Fragezeichen bei der kulinarischen Bewertung dieser Gattung ist.

    Also empfehle ich einen maßvollen Umgang und die Entscheidung bleibt letztlich beim Finder .....

    Und wenn die neuen Arten auch Uwe und mich erreichen und ich die nicht richtig erkennen kann, gibt es halt keine Freigabe mehr.

    Das kenne ich hier auch vom Grünling, den wir nicht freigeben, der aber von vielen Ratsuchenden geschätzt und trotz unserer Hinweise fröhlich verspeist wird.

    Wir beraten, der Finder entscheidet!

    VG aus Mecklenburg

    Jan

  • Hallo Jan,

    Ich gebe Champi`s auch frei, wenn ich sie einwandfrei identifizieren kann und verweise auch auf die Anreicherung von Schwermetallen.

    Grünlinge wachsen bei uns zwar auch, jedoch werden sie so gut wie gar nicht gesammelt, geschweige denn kulinarisch verwertet.

    Grüße aus dem schönen Niederbayern :P


    Jutta


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  • Danke, Oliver,


    war mir doch so, dass ich vor nicht allzulanger Zeit mal den Kartierungspunkt von A. freirei angeschaut hatte, aber ich hätte für Geld und gute Worte den Thread, der mich drauf gebracht hatte, nicht wiederfinden können.


    Beste Grüße

    Sabine

  • Hallo Pilzfreunde,

    Prof. S. Berndt Toxikologe der DGfM hat mir seine Antwort per email mitgeteilt, die ich hier auch veröffentlichen darf:


    Sehr geehrte Frau Kothe,

    die zitierte Warnung stammt nicht von der DGfM sondern, soweit mir bekannt, von der Bayerischen Mykol. Gesellschaft. Ich halte sie für übertrieben und sie stößt bei Pilzfreunden auf Unverständnis! Was ist der Hintergrund?

    Es geht um den Falschen Wiesenegerling -Agaricus pseudopratensis- und um den Falschen Waldegerling- A.freirei- . Beide extrem seltene Arten geben sich nicht sicher durch eine chromgelbe Stielbasisverfärbung und den Phenolgeruch , mit denen wir u.a. die Karbolgerlinge identifizieren, zu erkennen.


    So ist A.freirei mit dem Rebhuhnegerling verwandt, gilbt aber garnicht sondern rötet nur und riecht erst nach längerem Liegen nach Phenol. Er ist ein Dünenpilz, der wohl Sand benötigt. (3 Datensätze in pilze-deutschland.de!)

    Der Falsche Wiesenegerling (14 Nachweise in Deutschland) kann mit Horak oder Gröger ausgeschlüsselt werden. Er wird als deutlich gedrungener und kleinwüchsiger beschrieben und seine Sporen sind kleiner als die der Verwechselungsart, dem Echten Wiesenchampignon. Die Angaben zu Geruch und Verfärbung der Basis nach Verletzung sind in der Literatur unterschiedlich und damit unzuverlässig. Übereinstimmend wird eine Rötung des Fleisches angegeben. E. Ludwig beschreibt ihn als "nur giftverdächtig".

    Vergiftungen sind mir mit beiden Arten bisher nicht bekant geworden. Falls sie auftreten, dürfte ihr Verlauf eher mild sein. Selbst Intoxikationen mit Karbol-,Perlhuhn- und Rebhuhnegerlingen verlaufen i.d.R. nicht schwerwiegend und oft bleiben sie auch folgenlos.

    Noch eine Bemerkung zum Agaritin: Während in älteren Arbeiten nach Fütterung mit Pilzextrakten über längere Zeit und in hohen Dosen in Tierversuchen die Tumorinzidenz erhöht werden konnte und auf Agaritin zurückgeführt wurde, stellen neuere Untersuchungen diese Ausage in Frage. So wurde festgestellt, dass Agaritin auch in höheren Konzentrationen keine genotoxische oder kanzerogene Potenz besitzt sondern sogar eine antitumorale Wirkung gegen Leukämiiezellen hat. Außerdem ist Agaritin hitze-,kälte- und lagerungsinstabil.

    Kritischer sehe ich, dass Egerlinge Schwermetallsammler sind. Deshalb sollten Aufsammlungen von Strassenrändern und aus der Nähe von Fabrikanlagen nicht verzehrt werden. Bei nur gelegentlichem Verzehr ist aber keine Schwermetalvergiftung zu befürchten.

    Mit freunlichem Gruß und den besten Wünschgen für Sie


    Ende der email

    Grüße aus dem schönen Niederbayern :P


    Jutta


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  • Hallo Jutta

    Dafür :thumbup::thumbup::thumbup:!

    Das ist doch mal eine klare Aussage/Information von Prof. S. Berndt!

    Mir ist in letzter Zeit aufgefallen, in den Foren werden oft Kleinigkeiten aufgebauscht. So wie in diesem Fall. Ein Hitze-instabiler Wirkstoff. Ich sage jedem, Pilze muss man immer gut durchgaren. Dann ist dieses Problem auch gelöst.

    Machen wir uns in Zukunft mehr Sorgen um die Lebensmittel aus den Supermärkten, die enthalten oft mehr Schadstoffe und Bakterien als unsere gesammelten Pilze.

  • Hi.


    Vielen Dank fürs Nachhaken. Ich habe es für mich bisher auch so gehalten, dass ich die Agaritin-Arten schon ab und an mal mitnehme (eigentlich hauptsächlich Wiesenchampignons, mit A. pesudopratensis im Hinterkopf, bei dem ich aber meine, dass ich ihn wegen der Sensibilisierung für die Art hoffentlich erkennen würde - Karbol nehme ich zur Abwechslung mal sehr gut wahr), zumal sich die Werte ja beim Kochen nochmal reduzieren. Die rötenden Arten ("Waldchampignons") würde ich für mich auch noch mitnehmen - da besteht die Herausforderung aber darin überhaupt mal madenfreie Exemplare zu finden. Das ist bei mir so selten, dass die eigentlich eh fast nie mitkommen können. Ich schaue sie mir trotzdem immer an eben wegen der Hoffnung A. freirei mal anschauen zu können. Ich hätte den wirklich gerne mal zur Anschauung in der Hand um das für mich nachvollziehen zu können, gerade was eben die Verfärbung und den Geruch angeht.


    Bei den Schwermetallen bin ich dagegen kritischer. Die akkumulieren sich halt und bleiben sehr lange im Körper. Getestet wird man darauf auch nicht wirklich ohne irgendwelche Indikationen. Da ich gerne noch so +-50 Jahre Leben vor mir hätte, verzichte ich auf die teilweise extrem stark belasteten (also überwiegend die aus Sektion Arvenses), zumal ich die Bodenzusammensetzung ja nicht prüfen kann. Bei den Belastungen mancher Arten kann man stattdessen schon sehr viel Fisch futtern ehe man da auf vergleichbare Aufnahmemengen kommt, auch wenn sicherlich nicht der gesamte Gehalt resorbiert wird.


    LG,

    Schupfi

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