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Hyperphyscia?

  • Hallo miteinander,


    neulich habe ich sehr kleine, sehr dicht an der Borke anliegende Blattflechten entdeckt - ich hätte sie fast übersehen, weil sie so unscheinbar sind.

    Die Flechtlein wachsen an einem Eschenstamm am sonnendurchfluteten Waldesrand:

    Bild 1 morgendliche Fundsituation


    Bild 2


    Bild 3


    Bild 4


    Bild 5


    Aufgrund ihrer Winzigkeit, dem rosettigen Wuchs, den Soralen und dem absolut aufgebügelt-flachen Anliegen an der Borke würde ich an Hyperphyscia adglutinata denken.

    Macht das Sinn?


    LG, Martin

  • Hallo René,

    vielen Dank für die Rückmeldung.

    An Parmeliopsis hatte ich (noch) gar nicht gedacht. Ich weiß gar nicht, ob die hier überhaupt vorkommen, sie gelten dich eher als Bergflechten, es ja wird immer auf die Schneegrenze hingewiesen ("Schneepegel-Flechte"). Der Schnee fällt hier nur alle Schaltjahre mal und ist gleich wieder weg. Die Flechten wachsen auch eher in 2m Höhe als bodennah.

    Ich finde, dass H.adglunata zumindest optisch ganz gut passt. Diese Flechte scheint sich wohl auch gerade auszubreiten, wie ich lese.


    LG, Martin

  • Hallo Martin,


    ich denke hier auch eher, dass es Hyperphyscia ist. Auch der Trägerbaum spricht hierfür. P. ambigua bevorzugt doch oft ein saureres Millieu... Es ist aber halt immer leichter Arten direkt im Feld als anhand eines Fotos zu beurteilen, deshalb tue ich mich mit endgültigen sicheren Bestimmungen nur über Fotos doch oft etwas schwerer.


    Das mit der Höhenangabe sollte man nicht immer zu ernst nehmen. Ich selbst habe schon mehrfach Berg- und Gebirgsarten bei uns im Flachland gefunden z.B. spannende Arten wie Evernia divaricata und Cetraria sepincola. Beide waren bei uns vorher auch nur aus dem Bergland bekannt. Genauso verhält es sich bei P. ambigua, die hier im Flachland unter anderem auf alten Weidezaunpfählen oder Jagdkanzeln vorkommt.


    Die Flechtenverbreitung variiert mit der Zeit sehr stark außerdem muss auch immer wieder drauf geschaut werden, wo der Autor eines Werkes herkommt... Bei den Roten Listen beispielsweise sind oft Arten unterrepräsentiert die ihren regionalen Schwerpunkt in der Umgebung der Rote-Liste Ersteller haben (betrifft verschiedene Artengruppen). Die haben aber hin und wieder keinen Blick dafür, dass diese Arten in anderen Bundesländern wesentlich seltener sein können ;-).


    LG René

  • Hallo René


    Tja, da hast du sicher Recht mit deiner Einschätzung der Bestimmungsliteratur im Allgemeinen und den dortigen Standortbeschreibungen und Häufigkeiten im Besonderen einerseits, andererseits mit den Beurteilungen in den Roten Listen. Kein Autor, und sei er noch so sachverständig, kann und wird je alle Flechtenvorkommen kennen können und allgemeingültige Aussagen für große Areale wie Süddeutschland, Hessen oder auch nur den Bayerischen Wald geben zu können. Von Deutschland oder Mitteleuropa etc. ganz zu schweigen... Und dann ist alles im ständigen Fluss, wegen der Klimaänderung, wegen den Entschwefelungsanlagen, bleifreie Benzin und und und...


    Klar ist auch, dass eine Bestimmung mit Fotos alleine zwar gelingen kann, aber natürlich nicht gelingen muss, und das auch nur bei hinreichend guten und ausreichenden Belegen, wenn keine optischen Doppelgänger existieren, etc.


    Ich denke, das erwartet hier auch niemand, ich jedenfalls bestimmt nicht. Natürlich freue ich mich, wenn ein Fund einen Namen bekommt, ganz besonders natürlich, wenn meine eigene Vermutung geteilt bzw. bestätigt wird, aber das heißt ja noch lange nicht, dass diese Zuordnung dann stimmen muss.


    Alleine der Austausch mit anderen, wie dir beispielsweise, zum Thema ist doch schon interessant und anregend, und ich kann eine Menge lernen, auf jeden Fall auch anderes, als in den Büchern steht...


    Also, ich freue mich über jede Antwort. 😃


    LG, Martin

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