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Anfängerfrage: Welche Speisepilze (vor allem Röhrlinge) wachsen im (reinen) Tannenwald

  • Hallo,

    ich wollte dieses Jahr mit dem Sammeln von Röhrlingen beginnen und durchforste daher regelmäßig, eigentlich wöchentlich seit Mai die lokalen Wälder, bei dennen es sich fast um reine Tannenwälder handelt. Ich konnte zwar Pilze mit Lamellen wie z.B. Schwefelköpfe auf Nadelholzbaumstümpfen finden aber noch keinen einzigen Röhrling. Bei der kürzlichen Suche 20km weiter im Nadelmischwald mit Fichten hatte ich nach 10 Mintuten den ersten Flockenstieligen Hexenröhrling. Nun stelle ich mir dir Frage wieso ich hier noch nichts finden konnte. Liegt es daran dass es hier einfach keine Fichten gibt mit denen die Pilze eine Symbiose eingehen oder einfach weil es vielleicht erst Juni ist. Ich wollte mich im Internet dazu schlau machen welche Speisepilze in einem reinen Tannenwald anzutreffen sind aber konnte nichts dazu herausfinden ausser das reine Tannenwälder heute nur noch sehr selten sind.

    Ich wohne jedoch in einem Dorf am Rand des Schwarzwaldes auf ca. 650m Höhe und habe hier in direkter Umgebung fast ausschließlich Tannenwälder. Nur sehr vereinzelt kommen auch mal Fichten oder Buchen vor. Der Wald befindet sich größteils am und auf dem Berg und ist fast überall mit Moos bewachsen. Darauf befinden sich dann teils Waldsauerklee, Waldmeister, öfter mal Hasenwurz oder Wald-Wachtelweizen, teilweise Farne. Der Wald ist recht unberührt und wird auch nicht stark bewirftschaftet. Bei dem Gestein handelt es sich wohl um Muschelkalk. Eigentlich war es die letzten 2 Wochen immer regnerisch und warm so dass ich gehofft hatte es tut sich was.

    Für mich stellt sich jetzt die Frage wie ich den Wald einschätzen soll, was kann ich erwarten. Ist ein reiner Tannenwald überhaupt für Pilzsammler interessant oder sollte ich mich doch eher nach was anderem Umsehen.

  • Hallo,


    mit Röhrlingen bei Tannen sieht es nicht gut aus. Der einzige, der mir einfällt, ist ist der Gemeine Steinpilz.

    Ist ein reiner Tannenwald überhaupt für Pilzsammler interessant

    Da schlage ich Dir einmal den Lachsreizker, der nur unter Tannen wächst, und den Pfifferling vor .Das sind aber halt keine Röhrlinge. Da es bei mir kaum Tannen gibt, habe ich mit denen auch keine Erfahrung. Vielleicht weiß ja ein anderer mehr darüber.


    VG Jörg

    Weil Pilze keine Bücher lesen sehen sie selten so aus wie sie sollten

    Einmal editiert, zuletzt von Heuler22 ()

  • Ahoi!


    Wenn's denn tatsächlich Tannen sind und nicht Douglasien, ist Tannenwald schon in Ordnung. Wo überwiegend Douglasien stehen, ist der Wald halt tot, da sind quasi null Mykorrhizapilze zu finden.
    Tannen sind in Ordnung, neben Boletus edulis gehen auch Imleria badia (Maronenröhrling), Boletus pinophilus (Rothütiger Steinpilz), Xerocomus ferrugineus (Brauner Filzröhrling), einige weitere Filzröhrlinge und auch Butyriboletus subappendiculatus (Nadelwald - Anhängselröhrling). Zudem eine Reihe von weniger schmackhaften Röhrlingen (Gallenröhrling, Schönfüße, Porphyrröhrling etc).

    In anderen Familien ist die Artenzahl der Mykorrhiza bei Tannen noch erheblich höher, etliche Schleierlinge, Risspilze, Ritterlinge (und diverse weitere) haben sich bei der Mykorrhiza teilweise sogar auf Tannen spezialisiert.
    Ideal ist allerdings, wenn die Tannen einigermaßen natürliche Mischbestände bilden, da das in vielen Teilen des Schwarzwaldes die ursprüngliche und am besten funktionierende Waldgemeinschaft ist. Also vor allem Tannen - Rotbuchenwälder oder Fichten - Tannenwälder. Auch ein paar Birken, Eichen und Kiefern zwischendrin sind oft hilfreich.



    LG; Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Hi Pablo,


    Tannen sind in Ordnung, neben Boletus edulis gehen auch Imleria badia (Maronenröhrling), Boletus pinophilus (Rothütiger Steinpilz)

    das der Kiefernsteini auch unter Tannen vorkommen kann habe ich nirgends gelesen, nicht einmal in deiner eigenen Beschreibung :/.


    VG Jörg

    Weil Pilze keine Bücher lesen sehen sie selten so aus wie sie sollten

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  • Hallo Askger,

    viele Fragen auf einmal und reichlich Diskussionsstoff.

    Röhrlinge speziell unter Tanne sind mir nicht bekannt, die Ubiquisten unter den Röhrlingen wie Rotfüße, Maronen, Ziegenlippen, Steinpilze können sicher auch unter Tanne vorkommen.

    Selbst im Schwarzwald sind reine Tannenbestände sehr selten. Schau doch mal nach, ob sich zwischen die Tannen in deinem Wald Fichten und/oder Buchen dazwischengeschlichen haben.

    Dass Anfang Juni erstmal nur Hexenröhrlinge (und Sommersteinpilze?) zu finden sind, ist ganz normal. Im Schwarzwald entwickelt sich die Artenvielfalt oft erst in der zweiten Juli- bzw. ersten Augusthälfte, je nach Großwetterlage.

    Im Schwarzwald gibt es meines Wissens keinen Muschelkalk. Der Untergrund besteht im Westschwarzwald aus Urgestein (z. B. Gneis) und vor allem im Ostschwarzwald, Richtung Schwäbische Alb, aus höheren Jurakalkschichten. Auch der Dinkelberg und der südliche Hotzenwald bestehen aus Jurakalk. Die obere Bodenschicht ist im Nordschwarzwald ausgesprochen moorig-sauer, im Feldberggebiet außerhalb der Moorgebiete eher neutral, und im Ostschwarzwald leicht bis stark basisch.

    An Röhrlingen lassen sich im "typisch schwarzwäldischen" Schwarzwald vorwiegend Schönfüße, Fichtensteinis und Nadelwald-Anhängselröhrlinge finden. In der Gegend um Hornberg, wo es viele Kiefern hat, ist auch der Kiefernsteinpilz nicht selten. Rotporer wie Satanspilz und seine Verwandten finden sich reichlich im südwestlichsten Teil, z. B. südlich von Freiburg oder auf dem Dinkelberg.

    Für den Speisepilzsammler sind selbstverständlich auch die berühmten "Pfifferlingsteppiche" im Nord- und Westschwarzwald interessant, wegen diesen fahre z. B. ich alljährlich im Spätsommer in den Schwarzwald.

    Wenn du schreibst, wo genau du residierst, könnte ich dir gerne zurückschreiben, ob ich da schon mal gesucht habe und was genau ich da gefunden habe.

    FG

    StephanW

    Für meine hier gemachten Aussagen zu Pilzen übernehme ich keinerlei Haftung, es sind insbesondere keine Essfreigaben.

  • Wohne in Horgen, das ist ein Dorf so ca. 10km westlich von Rottweil. Von mir aus sind es dann ca. weitere 10km bis Königsfeld welches dann im Schwarzwald ist. Das Dorfwappen ist sogar mit einem grünen Tannenzweig belegt.

    Es ist auch so, dass es hier auch viel Mischwälder mit Fichten gibt, jedoch direkt vor der Haustür so ca. entfernt 200-300m erstreckt sich ein größeres Waldstück geschätzte 2km entlang eines Tales, welches fast außschließlich aus Tannen besteht. Geschätzt würde ich mal sagen 30-40 Tannen auf eine Buche oder Fichte. Weil dieser für mich so leicht zu erreichen ist, galt diesem meinem Interesse.

    Ich hatte mich bis jetzt auch nie groß Interessiert was für Bäume da wachsen, erst dieses Jahr habe ich mir dass dann genau angesehen und musste feststellen, dass dieser wohl eher eine Ausnahme ist und wohl nur 2% des Waldes in Deutschland ausmachen mit Schwerpunkt in Baden-Württemberg.

    Leider fehlt mir das Wissen, aber nach den Pflanzen die ich hier finde müsste es ja auch basisch sein. Ich hab mir heute auch mal eine geologische Karten angesehen und danach ist es hier wohl Kalkgestein. Der Steinbruch hier verkauft auch Muschelkalk, jedoch befinden sich direkt in Nähe des Steinbruches wieder andere Wälder eher Mischwald auch mit Kiefern.

    Da ich ausser auf Totholz noch keine Pilze ausmachen konnte und auch in den Bestimmungsbüchern bzw. im Internet nichts rausfinden konnte, was ich an Pilzen zu erwarten habe, wollte ich hier im Forum mal fragen. Zumindest fühle ich mich jetzt ein wenig schlauer. Denke mal der Herbst wird es dann zeigen.

  • Hallo Askger,

    du Glücklicher! Du sitzt auf der Grenze zwischen basisch (auf der Karte pink/orange) und sauer (braun), dadurch kommen bei dir in geringem Umkreis extrem viele Pilzarten vor. Innerhalb Baden-Württembergs ist deine Heimat ein absoluter Hotspot, was Artenreichtum und natürlich auch Individuenreichtum angeht. Deshalb werden deine Wälder auch regelmäßig von der Pilzschule Hornberg begangen und kartiert, und Leute, z. B. ich, kommen von weit her gefahren, um die mykologischen Raritäten zu sehen. Die Pilzschule geht z. B. in folgende Wälder/an folgende Orte:

    - Seedorfer Wald (östlich von Seedorf gelegen)

    - Locherhof

    - Teufenhalde (westlich von Flözlingen gelegen)

    - Krottenwäldle (südwestlich von Dunningen gelegen)

    und... und...

    Eigentlich muss man da nur in irgendeinen Wald gehen, sofern von der Forstwirtschaft einigermaßen in Ruhe gelassen, die sind allesamt super. Dabei sind solche Wälder besser, wo es nicht nur Tannen, sondern auch reichlich Fichten hat. Der Boden sollte besser moosig statt krautig und mit Heidelbeeren bestanden sein, das mögen die bekannten Speisepilze lieber.

    Eine Bitte: wenn du auffällige, dir unbekannte Pilze findest (z. B. solche mit Stacheln auf der Hutunterseite), stell doch mal den einen oder anderen hier ein. Hier sind immer Leute aktiv, die dir Namen zu den Pilzen geben können.

    FG

    StephanW

    Für meine hier gemachten Aussagen zu Pilzen übernehme ich keinerlei Haftung, es sind insbesondere keine Essfreigaben.

  • Salve!


    Wow, da schließe ich mich Stephan an: Das ist ein traumhaftes Pilzgebiet. :thumbup:

    Wenn auch schon ein wenig speziell in manchen Aspekten. Aber das macht ja einen großen Teil vom Reiz aus.


    Und Jörg hat völlig recht: Vorkommen von Boletus pinophilus bei Fichten sind nachgewiesen, bei Tannen wohl nicht - was nicht heißt, daß das nicht gehen kann. Boletus pinophilus kann auch mehr als man denkt (zB auch Mykorrhiza mit Rotbuche und / oder Eiche).



    LG; Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Den Lachsreizker findest du bestimmt in einigen Wochen. Den finde ich hier teilweise sehr oft insbesondere zwischen jungen Tannen. Der Lachsreizker (und auch der Fichten- und Edelreizker) ist auch ein recht anfängerfreundlicher Pilz.

    Wie sieht es denn mit den Semmelstoppelpilzen aus? Können die auch mit Tannen zusammenleben?

  • Vielen Dank für die Antworten. Die genannten Orte sind wirklich nicht weit weg. Teufenhalde nur 2-3km. Hab mit dem Fahrrad aber den Wald hier weiträumiger mal abgefahren und es finden sich auch Fichten und Buchen, jedoch direkt vor dem Haus sind es wirklich alles Tannen. Nur am Rand kleinere Monokulturen mit jüngeren Fichten und Buchen. Der Wald auf der gegenüberliegenden Seite sind Fichten, Kiefern und Buchen. Jedoch auf beiden Seiten basisch. Bis gestern war es hier sehr trocken, wieso ich auch nicht mehr auf die Suche gegangen bin. So wie es aussieht wird sich das im Laufe der Woche aber ändern. Sind mehrere Regenschauer vorrausgesagt.

    Überlege auch die Pilzschule Hornberg zu besuchen ist ja auch ganz in der Nähe.

    Ich kann aber gerne hier reinstellen was ich so finde. Normal mache ich sowieso genügend Fotos oder nehme ein gefundenes Exemplar zur Untersuchung mit wenn mir ein Fund unbekannt ist.

  • Hallo,

    Ich kann aber gerne hier reinstellen was ich so finde. Normal mache ich sowieso genügend Fotos oder nehme ein gefundenes Exemplar zur Untersuchung mit wenn mir ein Fund unbekannt ist.

    das ist eine gute Idee:thumbup:. Wir freuen uns auf jeden Beitrag von diversen Pilzfunden.


    VG Jörg

    Weil Pilze keine Bücher lesen sehen sie selten so aus wie sie sollten

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