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Welcher Flechtenfund auf Weidepfählen?

  • Hallo KaMaMa ,

    Flechtenfund am 05.06.2022, Sauerland bei Willingen auf alten Weidepfählen.

    Mein Laien-Bestimmungsversuch:

    Foto 1a +1b Parmelia Sulcata

    Foto 2a bis 2c Elchgeweihfl.-Pseudevernia furfuracea

    Foto 3a +3b Mehlige Astflechte - Ramalina farinacea.

    Hoffentlich ist mein Versuch nicht völlig daneben:!::?:


    Martin wie ist deine Meinung?


    LG

    Bernd


    1a


    1b


    2a


    2b


    2c


    3a


    3b

  • Hallo Bernd,


    Parmelia sulcatra (1) - sehe ich auch so - wobei diese verfärbten Parmelien wahrscheinlich schon kurz vor dem Ableben stehen...

    Pseudevernia furfuracea (2) mit prächtigen Isidien - sehe ich auch so.

    Ich sehe bei (3) eher Evernia prunastri: die Bänder sind tw. sehr breit - schau mal im Bild 3a oberes Drittel, links. Oberseite graugrün, unterseits weißlich (in rechter Bildhälfte ist die weiße Unterseite sichtbar). Sehr häufig anzutreffen!

    Ramalia farinacea hätte deutlich dünnere (und längere) Bänder, ohne Unterschied oben/unten. Kleine, begrenzte Sorale an den Rändern. Kann (muss nicht!) auch auf P farbig reagieren - Evernia nicht.

    Ramalia farinacea mit Soralen an den Lappenrändern


    LG, Martin

  • Hallo Martin,

    ja, mit Evernia prunastri stimme ich dir zu. Habe alle deine Tipps befolgt. Farinacea hat doch eine andere Struktur.

    Das neue Flechtenbuch soll heute noch kommen, bin gespannt.

    Habe noch Cladonia, auch vom 6 Juni, werden erst sortiert und kommen dann ins Forum.


    Gruß und Dank

    Bernd

  • Hallo Bernd,


    E. prunastri und R. farinacea sind die ersten beiden Flechten im neuen Büchlein!

    Kannst du dann gleich vergleichen!

    Aber der Beitrag "Flechten für Anfänger" ist schon sehr gut dargestellt.

    Davon gibt es übrigens noch einen ähnlichen Betrag (von Christian) im Forum dort über Parmelien - lohnt sich auch!


    LG, Martin

  • Hallo Martin,

    das Buch ist genial, habe meine Flechten mit tollen Beschreibungen auch gesichtet.

    Auch auf Seite 112 Pseudevernia furfuracea meine Nr.2. Seite 45 Sulcata.

    Der Beitrag von Christian auch klasse sehr gut vergrößert!!


    Habe gestern auf ein umgestürzten Pappel ein wunderschöne Gelbflechte vor die Linse bekommen.

    Muss ich erst noch genauer ansehen dann kommen die Fotos mit meinem Vorschlag.


    LG

    Bernd

  • Schöne Fotos übrigens!


    Ich mache meist den Fehler und will zu stark vergrößern mit der Kamera. Die Gefahr zu verwackeln steigt dramatisch mit der Vergrößerung, der Kontrast wird schwammiger.

    Mit am besten sind Bilder, auf denen die Flechte nur etwa die halbe Bildhöhe ausfüllt. Mehr Abstand heißt auch mehr Licht, ist zumindest im Wald wichtig.

    Die Sensoren haben mittlerweile eine so hohe Ortsauflösung, dass man da getrost reinzoomen kann und trotzdem alles makroskopisch Wesentliche erkennen kann.

    Die Tiefenschärfe nimmt zu und das Verwackeln ab. Ich mache es trotzdem regelmäßig falsch und ärgere mich später jedesmal darüber. Naja...

    Will man mehr sehen, nimmt man am besten eine Probe mit und legt sie zuhause unter die Stereolupe. Da kann man dann auch bequem gifteln (= Färbereagenzien anwenden).


    LG, Martin

  • Hallo Martin,

    nun die besagten Fotos von gestern, 2 sehr schöne Fotos an der umgestürzten Pappel, da bin ich bei Xanthoria-parietina-Wand-gelbflechte!?

    Dann wird es schwierig, auf Gestein einer älteren Bahnüberführung direkt am Ufer eines Flusses, also feucht, bin nach langen Suchen bei einer Krustenflechte, Weißgraue Lebraflechte gelandet!?

    Krustig/bröckelig unterseits dunkel, auf den Fotos 2c + 2d ( mit Nahlinse ) sind grünliche Färbungen zu erkennen. Ich glaube da würde nur Chemie helfen.:huh:

    Wie gesagt, meine Laienbestimmung, bin gespannt auf deine Meinung.


    Nun raucht der Kopf!!

    Gruß und Dank

    Bernd


    1a


    1b


    2a


    2b


    2c


    2d

  • Hallo Bernd,


    die gelbe Wandflechte (Xanthoria parietina) ist sicher richtig!

    Sehr häufig, praktisch überall zu finden, da sehr stickstofftolerant.

    Meist auf Rinde, manchmal auch auf Gestein zu finden.


    Xanthoria calcicola ist recht ähnlich, hat jedoch eher selten Apothecien und ist mit dicken Isidien überzogen.

    Sie wächst, wie der Name verrät, eher auf kaligem Untergrund.

    Hier zum Gegenüberstellen ein prächtiges Exemplar an einer Kirchenmauer in den Vogesen gefunden:

    Fruchtende Xanthoria calcicola an Mauer (Vogesen)



    Mit deiner Lepraflechte muss ich dich alleine lassen, da kann ich nicht helfen!

    Die Dinger sind übel.

    Da brauchts beim Schlüsseln Färbereaktionen, Inhaltsstoff-Analysen, ...

    Vielleicht tue ich mir morgen mal den Lepraria-Schlüssel an - heute aber nicht mehr.


    Bin gerade mit (m)einer Bactrospora dryina beschäftigt. Coole Sache!


    LG, Martin

  • Hallo Bernd,


    ich selbst hatte bisher nicht versucht, lepröse Krustenflechten zu bestimmen.


    Abgesehen davon, dass auf deinen Fotos eingentlich nichts relevantes erkennbar ist, da sie zu unscharf sind, gehe ich mal davon aus, dass die Flechte vollständig sörediös aufgelöst ist (mehlig pulvrig).

    Beim Schlüsseln muss man mit als erstes die Algeart bestimmen und hier ist das zwingend Mikroskop nötig, da hilft auch keine Lupe.

    Ende des Bestimmungsversuches, da makroskopisch leider nicht bestimmbar, tut mir leid!


    Was du da an "Grünem" zeigen möchtes, kann ich nicht erkennen, da das Bild zu unscharf ist.

    Die grüne Farbe wirkt auf mich recht künstlich: Machmal versucht jemand über die Flechten zu malen (Baummarkierungen, Graffiti an Wänden,...), die Farbe blättert irgendwann langsam ab, trotzdem können die Flechten seltsame Farben zurückbehalten; manchmal wachsen die Flechten auch allmählich über ein Graffiti darüber...


    Ideal ist es, eine kleine Probe zuhause in Ruhe unter eine Lupe zu kontrollieren und so zu fotografieren, oder eventuell auch mit Nahlinse, das geht oft besser als in der freien Natur.

    Man kann ein Stativ hierfür verwendenen, wenn man möchte; man kann beleuchten, wie man will; man sitzt bequem, hat Zeit etc.


    Mir hat der Lichenologie Karl Bürgi damals geraten, mit Blattflechten zu beginnen. Er hatte Recht!

    Ich würde das erweitern auf Makroflechten, also Blatt- , Strauch- und Bartflechten.

    Denn sie sind sie groß und man kann leicht Proben nehmen.

    Krustenflechten hingegen sind klein, sitzen fest auf oder gar im (!) Substrat, sind meist schwierig oder sehr schwierig zu bestimmen und das nur unter Zuhilfenahme des Mikroskops zu knacken.


    LG, Martin

  • Hallo Martin,

    danke das du einen Blick auf die Krustenflechten geworfen hast, habe mit den Schwierigkeiten schon gerechnet. Du hast recht die Flechte war stark sörediös schon beim berühren wurde sie bröckelig pulverig.

    Werde die Fotos unbestimmt unter Krustenflechten ablegen und diese Flechten nicht mehr so stark beachten, es sei denn sie sind besonders auffällig und ein Foto wert.


    Deine Bactrospora dryina ist ja etwas ganz seltenes ( speziell auf Eichen ), ist ja wohl stark gefährdet ( habe ich gegoogelt ). Füge mal einen gefundenen Text über Bactrospora dryina ein.

    Die Eichen-Stabflechte durch Transplantation fördern

    Die Eichen-Stabflechte kommt an regengeschützten Stammseiten alter Stiel- und Traubeneichen mit tiefrissiger Borke vor. Sie ist nirgends häufig und gilt in den meisten Ländern als stark gefährdet. Eine Möglichkeit, die auf alte Bäume angewiesene Art zu fördern, ist die Transplantation von Borkenstücken mit Flechtenmaterial.

    Die Eichen-Stabflechte durch Transplantation fördern.


    Werde gleich noch Cladonia ins Flechten-Forum stellen.


    LG

    Bernd

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