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Rechtliche Risiken bei Pilzberatung als PSV

  • Anders verhält es sich wahrscheinlich, wenn man die Pilzberatung entgeltlich anbietet.

    Dann müsstest du noch ein Kleingewerbe anmelden! Haften tust nur du allein!


    Man kann den Nachbar nicht dafür verklagen, dass er gesagt hat "die Pilze sind ok".

    Wenn du tot bist, kannst du nicht mehr klagen.


    Man ist ja kein offiziell bestellter Gutachter und die Zertifizierung "Pilzsachverständiger" der DGfM ist auch nicht gesetzlich geregelt.

    In MV ist die Pilzberatung Landessache. Es untersteht dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGus). Es ist das einzige Bundesland, wo es so perfekt geregelt ist.

    Grüße von der Insel Rügen

  • Hallo zusammen,

    Seltsamerweise hat mich noch nie ein Ratsuchender nach meinem Beraterschein gefragt, da ist also auch ziemlich viel Blauäugigkeit im Spiel.

    mich auch noch nicht, aber ich finde das weder seltsam noch blauäugig. Die Leute ziehen mich für die Beratung ja nicht aus dem Hut, sondern finden mich entweder über die DGfM-Seite, über den Giftnotruf, weil sie etwas über mich in der Zeitung gelesen haben, oder weil sie bei mir aus dem Dorf sind und wissen, dass ich "die mit den Pilzen" bin. Wenn ich Leute zufällig im Wad treffe und die mich um Rat fragen wundert mich das hingegen schon. Da könnte ja tatsächlich jede*r kommen. Aber da könnte ich den Ausweis noch nicht mal vorzeigen, den nehme ich nie mit in den Wald.

    Wenn du tot bist, kannst du nicht mehr klagen.

    Es gibt nach Pilzvergiftung ja noch mehr Zustände als gesund oder tot. Und auch bei tot könnten die Angehörigen noch klagen.


    Beste Grüße

    Sabine

  • Die Haftung kann nur eine strafrechtliche sein (etwa wegen fahrlässiger Körperverletzung/Tötung), wobei die Hürde hier sehr hoch liegt.

    Sogar da wäre ich mir als juristischer Laie nicht ganz sicher.


    § 229 StGB Fahrlässige Körperverletzung

    "Wer durch Fahrlässigkeit die Körperverletzung einer anderen Person verursacht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft."


    Hat der Berater die Körperverletzung "verursacht" wenn er sagt die Pilze sind essbar? Er hat ja selbst keine Handlung ergriffen.


    Was ist im Straßenverkehr, wenn man die Person auf dem Beifahrersitz fragt, ob von rechts einer kommt, und der sagt "alles frei" und dann fährt man ohne selbst zu schauen und es kracht? (EDIT: Und ist da ein Unterschied, wenn der Beifahrer z.B. Fahrlehrer ist?) Da kann man dann wohl kaum den Beifahrer in Haftung nehmen. Entbindet eine Pilzberatung durch einen ehrenamtlichen vermeintlichen Experten, der aber nur eine nicht gesetzlich definierte Zertifizierung einer privaten Organisation hat, den Pilzsammler von seiner eigenen Sorgfaltspflicht die Pilze selbst richtig zu bestimmen?


    Also ich wäre da nicht mal sicher, dass da der Staatsanwalt kommt...


    Wenn allerdings tatsächlich der Staatsanwalt kommt, wäre sicherlich auch eine zivilrechtliche Konsequenz (Schmerzensgeld, Verdienstausfall, Schadenersatz) zu vermuten.

  • Es gibt nach Pilzvergiftung ja noch mehr Zustände als gesund oder tot. Und auch bei tot könnten die Angehörigen noch klagen.

    Das ist auch ein Grund, warum ich nicht Pilzberater werde. Klagen ist für viele wie ein Hobby! Da braucht einer nur eine bisher unentdeckte Allergie haben oder Gammelfleisch zum Pilz essen und man hat Ärger am Hals.

    Wenn ich mal mit jemandem eine Pilzlehrtour mache, weise ich die Personen immer daraufhin, dass ich kein PSV bin. Aber das ist denen auch so bekannt.

    Folgendes sage ich immer den Leuten:

    Ich zeige euch die Pilze und die Bestimmungsmerkmale, ihr vergleicht mit euren Büchern. Wenn ihr dann selbst sicher seid, entscheidet ihr euch selbst, ob ihr die essen möchtet.

    Ich versuche auch immer den gefährlichsten Doppelgänger im Original zu zeigen. Manchmal geht das allerdings nur mit Buch.

    Grüße von der Insel Rügen

  • Wenn du tot bist, kannst du nicht mehr klagen.

    Sehr richtig, aber denkbar wäre, dass die Angehörigen oder eben der Staatsanwalt klagt.

    In MV ist die Pilzberatung Landessache. Es untersteht dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGus). Es ist das einzige Bundesland, wo es so perfekt geregelt ist.

    In der Schweiz ist das glaube ich auch irgendwie staatlich geregelt. Ein wenig staatliche Regulierung wäre in dieser Angelegenheit vielleicht wünschenswert, da es ja jedes Jahr besonders tragische (weil völlig vermeidbare) Todesfälle beim Pilzesammeln gibt.

  • Ich zeige euch die Pilze und die Bestimmungsmerkmale, ihr vergleicht mit euren Büchern. Wenn ihr dann selbst sicher seid, entscheidet ihr euch selbst, ob ihr die essen möchtet.

    Man könnte sich rein rechtlich sicherlich absichern, indem man ein Protokoll schreibt und dort deutlich rein schreibt: "Die Beratung erfolgte unverbindlich. Die Pilze wurden nur gemeinsam mit dem Ratsuchenden bestimmt. Es wurde keine Verzehrfreigabe erteilt." und dieses dem Ratsuchenden dann mit einem Augenzwinkern übergibt (ggf. mit dem Hinweis auf die hier diskutierte rechtliche Grauzone).


    Die Frage ist, ob das Ratsuchende davon abhalten würde überhaupt eine Pilzberatung in Anspruch zu nehmen. Dann wäre natürlich nichts damit gewonnen.

  • Ich zeige euch die Pilze und die Bestimmungsmerkmale, ihr vergleicht mit euren Büchern. Wenn ihr dann selbst sicher seid, entscheidet ihr euch selbst, ob ihr die essen möchtet.

    Man könnte sich rein rechtlich sicherlich absichern, indem man ein Protokoll schreibt und dort deutlich rein schreibt: "Die Beratung erfolgte unverbindlich. Die Pilze wurden nur gemeinsam mit dem Ratsuchenden bestimmt. Es wurde keine Verzehrfreigabe erteilt." und dieses dem Ratsuchenden dann mit einem Augenzwinkern übergibt (ggf. mit dem Hinweis auf die hier diskutierte rechtliche Grauzone).


    Die Frage ist, ob das Ratsuchende davon abhalten würde überhaupt eine Pilzberatung in Anspruch zu nehmen. Dann wäre natürlich nichts damit gewonnen.

    Nicht das ich falsch verstanden werde, ich mache keine Pilzberatung. Ich nehme nur gute Freunde und Bekannte mit, die etwas lernen möchten, ihren Verstand gebrauchen wollen und nicht nur ans "Futtern" denken. Z.B. Pilzfototouren.

    Grüße von der Insel Rügen

  • In der Schweiz ist das glaube ich auch irgendwie staatlich geregelt. Ein wenig staatliche Regulierung wäre in dieser Angelegenheit vielleicht wünschenswert, da es ja jedes Jahr besonders tragische (weil völlig vermeidbare) Todesfälle beim Pilzesammeln gibt.

    Auch ich fände eine staatlich organisierte/verwaltete Pilzkontrolle durchaus wünschenswert. Allerdings denke ich nicht, dass damit in nennenswertem Umfang Todesfälle vermieden werden könnten.


    Ich frage mich tatsächlich ernsthaft, wie die Personen, die (insbesondere tödlich) giftige Pilze essen, an der Information vorbeigekommen sind, dass die Möglichkeit besteht, dass sie das mit dem Leben bezahlen. Jeden Herbst sind die Medien wieder voll davon, dass es tödlich giftige Pilze gibt, die Speisepilzen zum Verwechseln ähnlich sehen. Bei uns lernt man das obendrein in der Schule. Wenn man Pilze sammelt, wird man oft von anderen angequatscht: "Waaas, du sammelst Pilze? Ich würde mich das ja nicht trauen, ich kenne mich da gar nicht aus, und dann ist das ja viel zu gefährlich".


    Wenn es ja nur so Fälle wären wie Leute, die schon lange Parasole und Safranschirmlinge sammeln, und dann haben sie anstelle eines "Babyparasol" einen giftigen Schirmling erwischt, oder die Stockschwämmchen hatten Gifthäublinge reingemischt. Aber das ist es ja nicht. Erwachsene Menschen latschen in den Wald, schleppen alles raus, was sie finden, und hauen sich das in die Pfanne. Essen Fliegenpilze, weil sie denken, wenn die roten Punkte fehlen, kann es ja kein Fliegenpilz sein - ohne eine Idee, was für ein rot-weißer Pilz es sein könnte, sammeln, obwohl sie seit Jahren nur Maronen gesammelt haben, aus einer Laune heraus eben doch mal die schönen orangefarbenen "Pfifferlinge" ein.


    Ich habe echt keine Idee, wie man solche Leute "einfangen" sollte, bevor sie sich das Zeug in die Pfanne hauen, auch nicht mit staatlicher Verwaltung.


    Ich bin zwar froh über jede Medienberichterstattung, die sich um Pilze und Pilzvergiftungen dreht, und mache deshalb auch ganz bereitwillig dabei mit. Schaden wird das sicher nicht - aber ob es tatsächlich hilft?


    Beste Grüße

    Sabine

  • Ich frage mich tatsächlich ernsthaft, wie die Personen, die (insbesondere tödlich) giftige Pilze essen, an der Information vorbeigekommen sind,

    Hallo Sabine

    Das sind oft Leute mit Migrationshintergrund. In ihren Heimatländern gibt es essbare Pilze, die unseren Giftpilzen (Amanita ....)sehr ähnlich sehen.

    Die letzte Pantherpilzvergiftung auf Rügen war mit ausländischen Gastarbeitern.

    Grüße von der Insel Rügen

  • Hallo Uwe,

    Ausnahmsweise stehe ich zu 100% hinter deinem Beitrag!

    😂:thumbup:


    Schade, schon wieder vorbei:

    Das sind oft Leute mit Migrationshintergrund. In ihren Heimatländern gibt es essbare Pilze, die unseren Giftpilzen (Amanita ....)sehr ähnlich sehen.

    Die letzte Pantherpilzvergiftung auf Rügen war mit ausländischen Gastarbeitern.

    Das ist unzutreffend. Also natürlich nicht das mit der Vergiftung auf Rügen - darüber weiß ich nichts.


    Aber das mit den angeblich essbaren Doppelgängern aus den Heimatändern, was in den Medien gerne immer bei Knollenblätterpilzvergiftungen aufgetischt wird.


    Das hatten wir hier im Forum vor ein paar Jahren ja auch schon mal erörtert und waren zu keinem Ergebnis gekommen, welche essbaren Doppelgänger das wohl sein sollen, und inzwischen hat die DGfM hier einen Artikel, der mit dieser Mär aufräumt.


    Dass das beim Pantherpilz in begrenztem Umfang zutreffen mag, halte ich für möglich. Der wurde in Deutschland ja zeitweise/regional anscheinend "Sachsenschreck" oder "Sachsentod" genannt, weil Sachsen anscheinend früher gerne Verwechslungspartner gesammelt haben (ob Perlpilze oder Graue Wulstlinge (örks) weiß ich nicht mehr). Bemerkenswert viele Sachsen scheinen dann im Urlaub in kalkreicheren Gegenden Pilze gesammelt haben, und es kam wohl regelmäßig zu heftigen, teils tödlichen Pantherpilzvergiftungen.


    Natürlich kann es auch bei Leuten aus dem Ausland so sein, dass sie in sauren Gegenden wohnen und dann hier auf einmal mit dem Pantherpilz konfrontiert sind. Aber das würde für mich nicht unter "in deren Heimat gibt es essbare Verwechslungspartner" fallen. Denn so, wie das in den Medien dann formuliert wird, klingt das ja schon so, als wären das irgendwelche exotischen Pilze, die es hier nicht gibt.


    Die drei Pilzsammler, die ich oben beispielhaft erwähnt hatte, waren allesamt Deutsche.


    Ob es in Osteuropa vielleicht in der allgemeinen Bevölkerung noch eine verbreitete etwas naive Unvoreingenommenheit gegenüber Pilzen gibt, habe ich mich allerdings auch schon gelegentlich gefragt. Die Frau, die den Ziegelroten Schwefelkopf essen wollte, nachdem sie sich bereits mal am Grünblättrigen Schwefelkopf vergiftet hatte, stammte aus Russland, und der Mann, der kürzlich bei einer Pilzwanderung erzählte, dass er es so gelernt hat, dass Pilze, die gut riechen und gut schmecken, essbar sind, hatte auch einen osteuropäischen Akzent.


    Und eine Bekannte, die aus Rumänien stammt, erzählte, dass in ihrer Generation aus ihrem Dorf überhaupt niemand mehr Pilze sammelt, weil in der Generation ihrer Eltern in ihrem Dorf und den Nachbardörfern so viele an Pilzvergiftungen gestorben sind 😳. Die hatten dann ja anscheinen auch völlig untaugliche Konzepte, wie sie essbare von giftigen Pilzen unterscheiden.


    Aber dann wäre die Ursache eben, dass die Leute nicht den nötigen Respekt vor den Pilzen haben. Auch in Osteuropa ist der Grüne Knollenblätterpilz als tödlich giftiger Pilz bekannt, und essbare Verwechslungspartner (über die hier gängigen hinaus) gibt es mW nicht.


    Beste Grüße

    Sabine

  • Aber das mit den angeblich essbaren Doppelgängern aus den Heimatändern, was in den Medien gerne immer bei Knollenblätterpilzvergiftungen aufgetischt wird.

    Hallo Sabine, schon bin ich wieder etwas anderer Meinung! :)

    Fakt ist aber, es gab Vergiftungen bei Leuten mit Migrationshintergrund.

    Fakt ist aber auch, dass es z. B. den Eierwulstling gibt.

    Fakt ist sicher auch ein leichtfertiger Umgang mit Pilzen (hast du ja auch oben erwähnt)

    Wenn alles dann zusammen kommt, dann ist es passiert.

    Also natürlich nicht das mit der Vergiftung auf Rügen - darüber weiß ich nichts.

    Das Interessante, der Rettungswagenfahrer musste noch unterwegs anhalten und "Verstärkung" rufen. Delirium! Randale! Glücklicherweise haben alle ohne Langzeitschäden überlebt.

    Grüße von der Insel Rügen

  • Moin


    es gibt hier „bei uns“ (inklusives Wir!) auch essbare Pilze, die unseren Giftpilzen (Amanita…) ähnlich sehen. A. strobiliformis, A. excelsa, zum Beispiel, Mancher hat gar Fliegenpilz und Perlpilz verwechselt, ob nun auf Bildern oder direkt im Wald, und das trotz ausgiebiger und jahrelanger Beschäftigung mit den jeweiligen Arten.


    Es hilft einzig die Kenntnis der Arten, die dort vorkommen wo man sammelt. Ein bisschen Demut (genau, „der nötige Respekt „) dabei ist sicher auch nicht verkehrt, denn in allen Storys die ich bisher gehört oder gelesen habe, sind diverse Warnzeichen und good practices ignoriert worden, oder/und derjenige war einfach überheblich und vorschnell mit seinem Urteil.


    Ich werde auch oft im Wald ausgefragt von Leuten die ich nicht kenne. Was auffällig ist: Kaum jemand weiß, dass es Pilzberatung und Sachverständige überhaupt gibt. Da sollte man eher ansetzen.


    Viele Grüße

    Bernhard

  • Manchmal ist es seltsam. Ich treffe einen Sammler mit vielen Maronen und Rotfüßchen im Korb. Ganz oben schimmelte ein Rotfüßchen vor sich hin. Der schimmelt, den kann man gleich im Wald lassen, sagte ich zum Ehepaar. Nein, die Stelle schneidet er zu Hause raus. Ich sagte dann, lieber nicht, der Schimmel kann den Pilz schon ganz durchzogen haben Er hat den Pilz nicht entsorgt.

    Aber ein paar Meter weiter hörte ich dann noch die Frau sagen, wirf den Pilz endlich weg, du hast doch gehört, was der Mann gesagt hat.

    Er hat dann den Pilz entsorgt. Ein "vorbildlicher" Ehemann macht das dann so! :D

    Grüße von der Insel Rügen

  • Bist Du in der DGFM-Liste? Woher wissen Ratsuchende, dass sie sich an Dich wenden können?

  • Hallo zusammen

    die Frage die ich mir hier grad stelle ist ob die Leute die sich einfach wahllos alles in die Pfanne hauen überhaupt einen Pilzberater aufsuchen würden und tendiere da ehrlich gesagt zu einem klaren "Nein".

    Ich hatte früher immer gedacht dass es solche Leute nicht gibt aber ich wurde auch dieses Jahr eines besseren belehrt.

    Die gängigste Raektion auf Pilze ist eher so "also ich mag nur die Champignons die man kaufen kann" "Was du sammelst Pilze?Das trau ich mich nicht."

    lg Kathrin

  • Interessantes Thema, bin neu hier, da mache ich mich mal direkt unbeliebt: Ich gebe seit einiger Zeit schon Touren für Interessierte, natürlich gegen Geld. Ich bin kein PSV und kein Biologe, aber ich sammle seit über 25 Jahren Speisepilze und verkaufe halt gerne. Wenn ich als Dienstleister etwas anbiete, dann kommt dabei natürlich auch ein Vertrag mit gewissen Rechten und Pflichten zustande. Um mich da juristisch wasserdicht abzusichern, muss jeder Kunde vorher unterschreiben, dass der Verzehr auf eigene Gefahr läuft und ich aus der Haftung raus bin. Um euch zu beruhigen: Ich strebe nächstes Jahr dann doch die Prüfung zum PSV an, auch wenn ich weiterhin der Meinung bin, dass diese nicht essentiell ist um Menschen etwas Wissen und Freude an der Natur zu vermitteln. Falls ich die Prüfung bestehe und mich dann PSV schimpfen darf, werden die Leute trotzdem weiterhin den Ausschluss der Haftung unterzeichnen müssen. Mein Opa war auch kein PSV und ich denke die wenigsten PSV haben den Einstieg zu den Pilzen durch einen PSV erlangt. Gerade die älteren Semester können vor 1981 gar nicht in den Genuss eines PSV gekommen sein. Bitte nicht falsch verstehen, ich habe großen Respekt besonders vor dem Umfang der Prüfung, dem Wissensstand vieler Insider, der meinen ums mehrfache übertrifft, der Hingabe für die Thematik und der Bereitschaft das tatsächlich teilweise komplett ehrenamtlich zu machen. Ich finde nur dieses teils sehr elitäre Gehabe innerhalb der DGfM sehr problematisch, wenig zielführend und für Außenstehende auch sicherlich sehr abschreckend. Diese tolle Enzyklopädie hier ist ja auch außerhalb der DGfM entstanden und für mich einer der wertvollsten Beiträge zum Thema Pilze im deutschsprachigem Raum.

    Wenn jemand außerhalb von MVP zu einer Beratung geht, dann kommt dabei auch kein rechtmäßiger Vertrag zustande. Der PSV ist keine rechtliche oder staatlich geschützte Institution und ohne erweiterte Pflichten. Rein juristisch gibt es zwischen dem "pilzkundigen" Nachbarn und einem PSV keinen Unterschied. Der Verein der DGfM und die Ansprüche an den "Titel" des PSV liefern da natürlich gewisse Sicherheiten gegenüber der rat suchenden Person, mehr allerdings auch nicht. Falls dort wirklich mal etwas verwechselt werden sollte, ist die geschädigte Person auch erst einmal in der Beweispflicht nachzuweisen, dass der PSV die Pilze der betroffenen Person gewaltsam eingeführt hat. Im Präzedenzfall könnte man ja auch nie nachweisen, welche der verzehrten Pilze nun genau mit zur Kontrolle genommen worden sind und welche dann zuhause noch zusätzlich mit in der Pfanne gelandet sind. Sonst könnte ich ja auch einfach jemanden nicht mögen, mir ein paar mide Giftpilze reinhauen und danach jemandem das Leben nachhaltig schädigen. So funktioniert unser Rechtssystem nicht und das ist auch gut so. Für den Ernstfall, dass es wirklich jemand drauf anlegt, bietet die DGfM aber die haftpflichtliche Absicherung. Würde mich ja mal interessieren, wie oft es da in den letzten 40 Jahren tatsächlich zu gekommen ist. Ist aber natürlich trotzdem gut, da von vornherein vorsichtig zu sein. Gibt ja leider immer wieder sehr hartnäckige Leute mit zu viel Freizeit und Geld für Anwälte.



    Dass das beim Pantherpilz in begrenztem Umfang zutreffen mag, halte ich für möglich. Der wurde in Deutschland ja zeitweise/regional anscheinend "Sachsenschreck" oder "Sachsentod" genannt, weil Sachsen anscheinend früher gerne Verwechslungspartner gesammelt haben (ob Perlpilze oder Graue Wulstlinge (örks) weiß ich nicht mehr). Bemerkenswert viele Sachsen scheinen dann im Urlaub in kalkreicheren Gegenden Pilze gesammelt haben, und es kam wohl regelmäßig zu heftigen, teils tödlichen Pantherpilzvergiftungen.

    Ich verstehe ja seit Jahren nicht, wie man Perlpilze mit Pantherpilzen verwechseln kann. Wer bewusst Perlpilze sammelt, hat sich doch mit den Wulstlingen schon mal beschäftigt, sonst würde man doch nie auf die Idee kommen diese "Fliegenpilze" (so nennen das die Belehrenden hier gerne, wenn sie ungefragt im Wald meine Körbe begaffen) zu Speisezwecken zu sammeln. Knolle ist nackig, Ring ist gerieft. Kann ich beides nicht erkennen, nehme ich ihn nicht mit. So schwer ist das doch eigentlich nicht. Da muss ich eigentlich gar nicht wissen, was ein Pantherpilz ist, es reicht doch zu wissen, dass es kein Perlpilz sein kann. Das muss dann wohl die Gier sein...


    Ob es in Osteuropa vielleicht in der allgemeinen Bevölkerung noch eine verbreitete etwas naive Unvoreingenommenheit gegenüber Pilzen gibt, habe ich mich allerdings auch schon gelegentlich gefragt. Die Frau, die den Ziegelroten Schwefelkopf essen wollte, nachdem sie sich bereits mal am Grünblättrigen Schwefelkopf vergiftet hatte, stammte aus Russland, und der Mann, der kürzlich bei einer Pilzwanderung erzählte, dass er es so gelernt hat, dass Pilze, die gut riechen und gut schmecken, essbar sind, hatte auch einen osteuropäischen Akzent.

    Die Kultur und Haltung zur Natur ist in Osteuropa definitiv anders als hier. Es ist ja zB auch gängig in Ukraine und Russland Birkenmilchlinge zu sammeln, sie über Tage hinweg zu wässern und dann zu silieren, damit sie dann nach einigen Monaten nach altem Essig schmecken und einem trotzdem die Krebszellen anfüttern. Gibt halt auch oft noch die Meinung, dass man sich immunisieren kann. Wer von den Schwefelköpfen kotzt, hat dann halt nen schwachen Magen. Sowas muss trainiert werden! Meine Oma (ebenfalls gebürtige Russin) hat auch regelmäßig schimmliges Zeug gefuttert und da eine sehr arrogante Haltung zu gehabt - frag mich bitte nicht, wie man auf solche Ideen kommt. Wichtig ist hierbei aber: Die Leute machen das wenn völlig bewusst. Dieses Märchen von unwissenden Ausländern und Geflüchteten, die sich hier ahnungslos die Giftpilze reinhauen, halte ich wie du auch für totalen Unsinn und vermittelt auch irgendwie ein problematisches Weltbild.


    Wir mögen hier im DACH Raum bei manchen Themen bestimmt zu einer gewissen Übervorsicht neigen und anderswo macht man sich darüber bestimmt lustig, teilweise ist sie bestimmt auch falsch - wie zB beim Irrglauben zum Giftwert des Muschelseitlings. Aber ich bleib auch dabei: Vorsicht ist besser als Nachsicht. Das Leben ist so schön, da will man doch lange unbeschwert etwas von haben.

  • Beitrag von Reisegewohnheit ()

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  • Die Kultur und Haltung zur Natur ist in Osteuropa definitiv anders als hier. Es ist ja zB auch gängig in Ukraine und Russland Birkenmilchlinge zu sammeln, sie über Tage hinweg zu wässern und dann zu silieren, damit sie dann nach einigen Monaten nach altem Essig schmecken und einem trotzdem die Krebszellen anfüttern.

    Ich finde es trotzdem spannend,

    wie die Nebelkappe erst als essbar (2004) und dann später als ungenießbar (2007) eingestuft wurde (in etwa)

    und später erst als "giftig", nachdem Tierversuche das bewiesen haben sollen.

    es bleibt spannend

    Grüße

    Porli

  • jau, manches ist auch einfach nur mal behauptet und dann mehrfach übernommen worden. Neuere Erkenntnisse sind nicht wirklich empirisch abgesichert, aber geht ja auch teilweise noch gar nicht, da werden wir erst in den nächsten zwei Jahrzehnten dann wirklich Daten zu haben. Kann ja auch erst anfangen zu messen, sobald ich überhaupt weiß, was ich messen soll. Grad bei Krebs, der sich ja teils erst über Jahrzehnte dann anfängt zu entwickeln und eher unauffälligen Erberkrankungen wie gehemmter Adenosin-Desaminase, ist das eh immer schwer da einen Hauptschuldigen zu finden. Vieles ist weiterhin Pionierarbeit, nur wenn da schon Wirkstoffe gefunden werden und in Verbindung mit gewissen biochemischen Prozessen im Körper stehen könnten, dann möchte ich meinen Körper ungern der Wissenschaft opfern und am Ende für die Erweiterung des Datensatzes dienen - das kann gerne jemand anderes machen.

  • wie die Nebelkappe erst als essbar (2004) und dann später als ungenießbar (2007) eingestuft wurde (in etwa)

    und später erst als "giftig", nachdem Tierversuche das bewiesen haben sollen.

    es bleibt spannend

    Hallo

    Das ist total falsch. Es ist kein Speisepilz. Ungenießbar ist er auch nicht. Ein Giftpilz ist er auch nicht. Er wird bei der DGfM als unterschiedlich beurteilt.

    speisepilze?name=Pilze-uneinheitl-beurt-Speisewert-20190620.pdf&reattachment=047265223d08c00f624683dfc8513f1f

    Grüße von der Insel Rügen

  • Ich verstehe ja seit Jahren nicht, wie man Perlpilze mit Pantherpilzen verwechseln kann. Wer bewusst Perlpilze sammelt, hat sich doch mit den Wulstlingen schon mal beschäftigt, sonst würde man doch nie auf die Idee kommen diese "Fliegenpilze" (so nennen das die Belehrenden hier gerne, wenn sie ungefragt im Wald meine Körbe begaffen) zu Speisezwecken zu sammeln. Knolle ist nackig, Ring ist gerieft. Kann ich beides nicht erkennen, nehme ich ihn nicht mit. So schwer ist das doch eigentlich nicht.



    Da muss ich eigentlich gar nicht wissen, was ein Pantherpilz ist, es reicht doch zu wissen, dass es kein Perlpilz sein kann.

    Hallo,


    da ich annehme, dass Sie alternative Sichtweisen tolerieren, möchte ich meine dagegenstellen.

    Zu Argument Nr. 1: daraus, dass Sie nicht nachvollziehen können, dass es zu Verwechslungen zwischen Perlpilz und Pantherpilz kommen kann, dürfen Sie nicht ableiten, dass es in der Praxis nicht dazu kommt. Leider beweist die Empirie das Gegenteil, und genau das ergibt das Aufgabenfeld des Pilzberaters. Von einer etwa vorhandenen "intuitiven Klugheit" von Pilzsammlern auszugehen, ist sicherlich nicht angezeigt. Speziell in diesem Jahr haben etliche Pilzsammler und Pilzverkoster mir gegenüber ein wahrhaft erstaunliches Maß an Dummheit offenbart.

    Zu Argument Nr. 2: noch besser und sicherer ist es, wenn Pilzsammler die schlimmsten Giftpilze kennen würden. So lange das nicht der Fall ist, ist die Nicht-Vergiftung eigentlich Zufall. Wer Perlpilze zum Essen sammelt, muss selbstverständlich wissen, was ein Pantherpilz ist und wie der aussieht. Bei reinen Steinpilzsammlern mag das anders aussehen, da sich hier eine Verwechslung mit Bitterröhrlingen durch stark abweichenden Geschmack des Pilzgerichts offenbart.


    FG

    StephanW

    Für meine hier gemachten Aussagen zu Pilzen übernehme ich keinerlei Haftung, es sind insbesondere keine Essfreigaben.

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