Hallo, Besucher der Thread wurde 228 mal aufgerufen und enthält 4 Antworten

Nebelkappen mit Frostschaden? Ritterlinge!

  • Hallo Pilzfreunde!


    Beim letzten Waldgang fand ich eine kleine Dreiergruppe weißer Lamellepilze, die mich v.a. wegen ihrer Unförmigkeit rätseln lassen.

    In den Tagen zuvor hate es bereits Nachtfrost bei uns, vielleicht geht der seltsame Wuchs auf Frosteinfluss zurück.


    Nach eingenender Recherche lande ich bei Nebelkappen, bin mir aber halt nicht sicher.


    Die Pilze standen in einem Waldabschnitt mit Eichen und Rotbuchen.

    Es handelt sich um weißlich/cremefabene Exemplare und um Weißsporer.

    Die Hüte und Stiele sind unförmig gewachsen und etwas angefressen (Frostschaden?).

    Die Pilze gilben an einigen Stellen.

    Bild 1 Waldboden mit Pilzgruppe in herbstlichem Falllaub


    Ihren Duft hätte ich als süßlich (Bienenwach/Honig) beschieben.


    Der größte, trocken-samtige Hut misst nur etwa 5 cm Durchmesser.

    Der Hut ist flach, die Hutränder aber etwas eingerollt.

    Die weißen Lamellen und Lameletten stehen nicht sehr dicht, haben unregelmäßige Schneiden ohne Cheilozystiden (dafür mit Basidien).

    Der Lamellenansatz weist einen Graben auf, die Lamellen laufen mit Zahn am Stiel herunter.

    (Bei Nebelkappen sollten die Lamellen doch richtig herablaufen?)

    Die Lamellen lassen sich durch seitlichen Druck leicht und vollständig vom Hut lösen.

    Bild 1


    Bild 3 Anastomosen


    Bild 3a Lamellenkante ohne Cheilozystiden


    Weißes Myzel an der Stielbasis ist mit der Streu verwachsen.

    Bild 4 Myzel


    Im Schnitt sind keine Verfärbungen erkennbar.

    Das Hutfleisch ist weiß und in der Hutmitte um 1 cm dick.

    Das Stielfleisch ist fasrig.


    Die Sporen sind in meinen Augen am ehesten mandelförmig, mit einem großen Tropfen.

    Ich messe 5,5-7,0 x 2,8-3,2 µm².

    Die Sporen sind nicht amyloid aber cyanophil.

    Im Lamellentrama finde ich Schnallen.

    Bild 5 Abgeworfenen Sporen


    In der Gesamtheit der Merkmale könnte C. nebularis also vielleicht stimmen, oder?

    Was meint ihr dazu?


    LG, Martin

  • Hi,


    also mit den ausgebuchtet angewachsenen Lamellen (wie Du ja selbst schreibst: "mit Graben") scheidet die Nebelkappe doch wohl aus ;-)

    Ich halte das rein makroskopisch (mit Mikros kenn ich mich noch gar nicht aus) für einen der weißen Ritterlinge, eventuell Tricholoma lascivum (Unverschämter Ritterling).


    VG, Boris

  • Hallo Boris


    Jaja - Tricholoma lascivum passt natürlich SEHR VIEL besser!

    Sogar die bucklig gewachsenen Hüte scheinen zu passen.


    Da bin ich beim Schlüsseln auf den Begriff "herablaufende Lamellen'" hereingefallen, da ich dachte, auch mit Zahn herablaufend falle unter "herablaufend", das heißt aber "ausgebuchtet".

    Und dieser Begriff taucht an der entscheidenden Stelle leider nicht auf.

    (Beim Schlüsseln in Tricholoma wäre ich aber nicht bei T. lascivum/album gelandet, da ich den Geruch weder als seifig, noch als widerlich empfinde.)


    Unter T. lascivum wird in FoTE als Verwechslungspartner T. album erwähnt:

    Er sei weißer und habe einen honigartigen Geruch - der würde eventuell noch besser passen?

    Die Sporenabmessungen (tw. < 6 µm) würden besser passen.

    Die Lamellendichte sei niedriger, ich zähle nur um 50 L., die den Stiel erreichen. Das würde vielleicht auch eher zu T. album passen.


    Egel, ob T. lascivum oder T. album oder noch was anderes, das ist sicher einer der Ritterling - vielen Dank also nochmal für deine Hilfe!


    LG, Martin

  • KaMaMa

    Hat den Titel des Themas von „Nebelkappen mit Frostschaden?“ zu „Nebelkappen mit Frostschaden? Ritterlinge!“ geändert.
  • Tach!


    Diese weißen Stinkeritterlinge sind eine fiese gruppe. Die Gerüche sind komplex, und verändern sich auch mitunter während dem Reifeprozess. Tricholoma lascivum kann zB auch mehlartig riechen, Tricholoma album dagegen auch muffig bis staubartig (siehe Tricholoma stiparophyllum, der kommt hier aber nicht in Frage).

    Tricholoma album bildet Mykorrhiza mit Eichen, Tricholoma lascivum mit Rotbuchen. Weiß(lich) sind die beide, aber die Art, wie sie sich beim Verwittern verfärben ist etwas unterschiedlich. Tricholoma lascivum gerne mit diffusen Grautönen, Tricholoma album mehr ockerlich oder ockergelblich. Allerdings gibt es da auch Übergänge, was die Sache nicht gerade einfacher macht...



    LG; Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

    • Gäste Informationen
    Hallo, gefällt Dir das Thema und willst auch Du etwas dazu schreiben, dann melde dich bitte an.
    Hast Du noch kein Benutzerkonto, dann bitte registriere dich, nach der Freischaltung kannst Du das Forum uneingeschränkt nutzen.