Hallo, Besucher der Thread wurde 6k mal aufgerufen und enthält 9 Antworten

Was ist das für ein Pilz

  • Heute hat mir die Pilzkontrolle eine Pilz abgenommen, weil sie ihn nicht klar bestimmen konnte. Folgende Fakten: Gefunden auf 1300 Meter in der Schweiz, meiner Erinnerung nach im Fichtenwald, kann aber wenige Laubbäume nicht ausschliessen. Habitus: Röhrenpilz, Blasser beige-silbriger schimmernder Hut. Röhren blassgelb-gelblich, etwas olive (nicht rosa) Stil weiss, beige mit Netz (mittelausgeprägt) Fleisch nicht-blauend. Geschmacksprobe: neutral (hat mich an Steinpilz erinnert)
    Sie sagten keine Steinpilz, da Netz zu deutlich und Poren zu fein. Gallenröhrling auch nicht (keine rosa Röhren) Vermutung. Bitter-Röhrling, aber auch das nicht sicher, da nicht-blauned! Hat jemand eine Ahnung? Habe nur ein Unscharfes Foto von seinem grossen Bruder. PS: Ich habe ja trotzdem für ein Steinpilz gehalten!

  • "I däm Fau, herzlich willkomme do im Forum!"


    Beinahe 2 Jahre bin ich nun Mitglied hier, und ich kann dir versichern, in einem der besten Foren gelandet zu sein. Du wirst hier rege Antworten bekommen, mein Pilzwissen habe ich hier ständig erweitern können.


    Aber jetzt sag bloss nicht, dass Du im Moment Pilze findest, hier in der Region Solothurn ist nämlich nichts los...


    E schöne Obe!


    Dinu

  • Hallo, Liliane!


    Komische Geschichte, mus ich mal sagen. Das eine Pilzberatung den Röhrling nicht bestimmen kann (wundert mich schon mal) ist eine Sache. Dann können die den auch nicht zum Verzehr freigeben, soviel ist auch klar.
    Aber den Fruchtkörper können sie dir eigentlich nicht wegnehmen.
    Zumindst in Deutschland ist ein Pilzsachverständiger nicht autorisiert, bei Anfagenden eine Enteignung durchzuführen. Dazu bräuchte er ja einen richterlichen Beschluss.


    Langer Rede kurzer Sinn: Das nächste Mal einfach den Fruchtkörper mitnehmen, dann hast du ihn an der Hand und wir können den im Forum durchsprechen.
    So bekommst du zwar auch keine Verzehrfreigabe, erfährst aber, wie der Pilz heißt.
    So können wir es auch mal probieren, wird aber nicht ganz so leicht.
    Aber es ist ein Dickröhrling, gefunden in Europa. So schwer ist das nicht, es kann sich nur um eine von >diesen Arten< handeln.


    Und auch da kann man rasch aussortieren:
    - Poren im Alter gelb, ohne Rottöne
    - Stiel mit Netzzeichnung
    - nicht verfärbend (blauend) oder wenn dann kaum merklich
    - Geschmack mild
    Auf dem Bild ist lieder nicht viel zu erkennen, da kann ich jetzt keine wesentlichen Merkmale rausholen.
    Es bleiben folgende Arten in der Auswahl:
    - Gemeiner Steinpilz
    - Sommersteinpilz
    - Schwarzhütiger Steinpilz
    Kiefernsteinpilz schließe ich aus, auf dem Hut ist nichts Rotes zu sehen
    Dazu blieben noch zwei Arten übrig:
    - Anhängselröhrling
    - Nadelwaldanhängselröhrling
    Königsröhrling schließe ich auch aus, der hätte einen schülferig - rosaroten Hut.
    Wenn der Pilz stark vertrocknet hat, muss man allerdings noch ein paar Arten im Auge haben, die normalerweise blauen, bei extremer Trockenheit aber mal nicht deutlich verfärben.
    - Silberröhrling
    - Wurzelnder Bitterröhrling
    - Schönfußröhrling
    Wobei bei den beiden Letzteren wieder bitterer Geschmack da wäre, aber das ist auch manchmal ein trügerisches Merkmal.
    - dazu einige Arten, die allerdings nur im Mittelmeerraum verbreitet wären. Die lassen wir (Fundort Alpen oder Jura, nehme ich mal an) auch außen vor.


    Die drei Steinpilzarten, die ich genannt habe, haben weißes Fleisch. Die anderen Arten haben gelbliches oder teilweise rötliches Fleisch. Das wäre mal das erste Merkmal, das du vielleicht aus der Erinnerung ergänzen kannst.



    LG, pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Danke für deine ausführliche Antwort. Ich weiss nicht wie die Rechtslage ist in der Schweiz, auf dem Zettel den sie mir mitgaben gab's eine Rubrik mit dem Titel "Konfiszierte Pilze". Ich glaube aber kaum, dass es zum Polizeigrossaufgebot gekommen wäre, wenn ich darauf bestanden hätte, den Pilz mitzunehmen. Ich sammle schon seit 10 Jahren Pilze und 8 Jahre davon war ich nicht in der Kontrolle und lebe noch. Nur dieser Pilz war in der Gesamterscheinung etwas seltsam und liess mich zweifeln. Ich habe ihn tatsächlich noch aufgeschnitten, das Fleisch war weisslich. Ich hätte behauptet, es wäre einfachen ein Steinpilz, nur das Netz war etwas grober und dann dieser Hut, die Farbe: Eine Mischung zwischen silbern, beige und weisslich, sehr seltsam!

  • Hallo Dinu
    Du bist ja auch aus der Schweiz. Ja, ich habe gestern Pilze gefunden. Aber sehr bescheiden. 2 Steinpilze, 2 Flockstielige Hexenrörlinge, 2 dubiose Pilze (konfisziert) eine Handvoll gelbstielige Trompetenpfifferlinge und eine Handvoll Lila Lacktrichterlinge. Und das nachdem ich 6 Stunden auf den Alpen rumgestiefelt bin.

  • Hallo, Liliane!


    Musst denen halt auch sagen, daß du den Pilz nicht essen willst, sondern ihn dir nur nochmal angucken und untersuchen.
    Die von dir beschriebene Hutfarbe ist nicht der Regelfall, passt aber durchaus in die Variationsbreite sowohl von Boletus edulis (Gemeiner Steini) und Boletus reticulatus (Sommersteini).
    Wenn das Fleisch im Schnitt duchgehend weiß ist und nirgendwo verfärbt, ist es entweder Boletus reticulatus oder Boletus edulis. Alle anderen Arten sind wegen Porenfarben, Hutfarben, Verfärbungsmuster und / oder Fleischfarben nicht mehr im Rennen.
    Jetzt kann eine Beschreibung des Stielnetzes (Farbe des Netzes? Farbe des Untergrundes? Größe der Maschen ganz oben an der Stielspitze? Größe und Form der Maschen weiter unten am Stiel? Netz als fein aufliegende Zeichnung oder als grobe Rippen?) und der Hutoberfläche (samtig? glatt? beim Anfeuchten glänzig?) noch etwas weiter helfen.



    LG, Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Naja, das Netz wurde gröber bei Stielende. Schon gegen unten als Relief spürbar. Farbe: Weiss-beige. Wie gesagt, ich habe das auch schon als Varietät eines Steinpilz gesehen. Das Netz eines Gallenröhrlings oder eines Netzstieligen Hexenröhrling (das stimmt die Farbe sowieso nicht) ist bei dieser Pilzgrösse schon deutlich gröber.
    Hutoberfläche war samtig-glatt.
    Die Kontrolle hatte den Verdacht auch Varietät des Bitterröhrlings, aber da stimmt für mich einiges auch nicht.
    Ich denke, die haben mir eine Steinpilz-Varität abgenommen.
    :essend_0007:

  • Hallo.


    Varietäten sind geringfügige Abweichungen innerhalb einer Art. Also beim Gemeinen Steinpilz (Boletus edulis) zB, kann man verschiedene Varietäten oder Formen untescheiden (Weißer Steinpilz, Zitronenhütiger Steinpilz, Birkensteinpilz). Genetisch sind diese Varietäten nicht verschieden, entsprechen also dem genetischen Profil des ganz normalen Boletus edulis (Gemeiner Steinpilz / Fichtensteinpilz).
    Die anderen Arten (Boletus aereus, Boletus reticulatus, Boletus pinophilus) werden zwar auch Steinpilze genannt, unterscheiden sich aber genetisch klar von Boletus edulis. Sind also eigene Arten.


    Aber genug von dem Gedöns:
    Ich denke auch, daß du da irgendeine Steinpilz - Art abgegeben hast.
    Bitterröhrling ist auch ein eher unsicherer Begriff, je nach Region kann das den Gallenröhrling (Tylopilus felleus), den Wurzelnden Bitterröhrling (Boletus radicans) oder den Schönfußröhrling (Boletus calopus) bezeichnen. Dazu gibt es noch Kluzaks Bitterröhrling, aber den lassen wir mal außen vor. Die Art wurde bisher nur in Tschechein nachgewiesen, wenn ich das richtig im Kopf habe.
    Alle diese Arten sind hier auszuschließen.


    Ist aber alles nicht schlimm: Du wirst sicher noch viele Steinpilze finden.
    Und vielleicht sogar etwas Spaß daran entwickeln, sie nicht nur zu verzehren, sondern auch zu erkennen und selbst von anderen Röhrlingen zu unterscheiden.


    Ein Anfang ist mal gemacht.
    Auch wenn natürlich eine gewisse Unsicherheit bleibt, denn ohne den Pilz in der Hand zu halten gebe ich nie eine 100%ige Bestimmung ab. Vor allem wenn es wie hier noch quasi ohne Bild läuft.



    LG, Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

    • Gäste Informationen
    Hallo, gefällt Dir das Thema und willst auch Du etwas dazu schreiben, dann melde dich bitte an.
    Hast Du noch kein Benutzerkonto, dann bitte registriere dich, nach der Freischaltung kannst Du das Forum uneingeschränkt nutzen.