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letzter Beitrag von Beorn am

Porling?

  • hallo zusammen,
    heute hat mich an einem halbtoten apfelbaum folgender kollege von der weite angelacht (leider nur handy dabei, kaum zum pilz hochgekommen).
    ausdehnung knapp über einen meter, konsolenbildung (eher kleine konsolen), an der oberfläche leicht zottig, eher säuerlicher geruch, keine verfärbung bei verletzung. schwammige konsistenz beim zusammendrücken, zäh zum zerteilen. kaum hutfleisch (sehr dicke porenschicht).
    immer wieder starkregen in den letzten tagen und eventuell ein noch junges stadium machen die bestimmung für mich auch nicht leichter, ich hab keinen plan. eventuell etwas saftporlingartiges?






    für hinweise und anregungen wie immer dankbar


    lg joe

  • Hallo, Joe!


    Ich glaube, das ist was Hübsches / Seltenes.
    Ein erster makroskopischer Anfangsverdacht würde mich mal zu Oxyporus ravidus führen, aber das müsste man in dem Fall mikroskopisch untersuchen.
    Makroskopisch siehe zB >hier<.
    Kann theoretisch auch irgendwas aus richtung Tyromyces sein, in weiterem Sinn also durchaus ein Saftporling.
    Wenn du kannst, dann geh mal mit einem Messer unter die Rinde hinter den Fruchtkörpern und nimm ein Stück davon mit Pilzkonsolen drauf ab, das sollte schon eines sein, wo auch gut Poren und Röhren dran sind. Sowas lässt sich gut trocknen und behält dennoch auch relevante makroskopische Merkmale.



    LG, Pablo.

  • Hoi pablo, danke für deine hinweise und den link zur seite.
    Interessanter/geschäftstüchtiger mann so wie es aussieht.
    Nächste woche komm ich wahrscheinlich nochmal in die gegend und werd mir ein stück genauer anschaun. So makroskopisch kommt es momentan ja schon ganz gut an oxyporus ravidus ran.
    Lg joe

  • Hallo, Joe!


    Du meinst Lothar Krieglsteiner?
    Ja, durchaus. Interessant, geschäftstüchtig, sehr sympathisch (was man so hört, kenne ihn leider noch nicht persönlich), dazu ein hervorragender Mykologe und guter Didakt.
    Aber das war eigentlich nicht der Grund für den Link, es ist nur schwierig, belastbare Aufnahmen von dieser Art zu finden. Also solche, wo Bilder und Bestimmung auch zweifelsfrei zusammen passen. Bisweilen wurde Oxyporus ravidus auch mit Oxyporus corticola synonymisiert; ich richte mich da aber nach dem >Schlüssel von Frank Dämmrich<, damnach wären beide zu trennen.


    Also wenn du noch was davon einsammeln kannst, dann sag bescheid.
    Hattest du mir schon mal was geschickt, oder brauchst du noch die Adresse?



    LG, Pablo.

  • Hallo, Joe!


    Pilz ist gut angekommen und wurde auch bereits untersucht:
    Den kann man so notieren, das ist auf jeden fall Oxyporus ravidus. In dem oben verlinkten Text schreibt Lothar Krieglsteiner ja auch etwas zur Synonymie von Oxyporus ravidus und Oxyporus corticola. Da im Schlüssel bei Frank Dämmrich die beiden aber getrennt werden und die Kollektion hier eindeutig "pileat" (= mit Hütchenbildung) wächst, folge ich diesem Konzept und trenne eben so weit wie möglich.


    Schwierig zu finden waren die Gloeozystiden, das ist in Exsikaten oft nicht ganz einfach. Aber bei einjährigen (unzonierten) Fruchtkörpern, der Porengröße (ich zähle 2-3/mm), Hütchenbildung und ovalen / elliptischen Sporen kommt ohnehin nichts Anderes in Frage.


    Bildchen dazu:



    Schöner Fund und auch für mich eine neue Art. :agree:



    LG, Pablo.

  • Hoi. :happy:


    Nuja, das hat eventuell wenig mit einfach oder kompliziert zu tun.
    Es ist eben einfach nicht geklärt, ob das zwei Arten sind oder nur eine. Die resupinate Form (Oxyporus corticola s.str.) kenne ich nicht, aber ich kenne den mikroskopisch gut unterscheidbaren Doppelgänger von Oxyporus corticola, und der sieht schon sehr anders aus.
    Oxyporus latemarginatus:


    Der hat halt keine Gloeozystiden und die Hyphen im Subikulum sind deutlich breiter, ansonsten sollte Oxyporus corticola (in der resupinaten Ausprägung) extrem ähnlich sehen.


    Nun vertreten eben manche Autoren die Ansicht, daß die makroskopischen unterschiede in der Wuchsweise ausreichen, um die beiden auf Artebene zu trennen. Andere Autoren vertreten die Ansicht, daß bei der hohen äußerlichen Variabilität von Porlingen generell auch mikroskopisch etwas verschieden sein muss, um zwei Arten zu unterscheiden.


    Meine persönliche Ansicht dazu: Es gibt diverse Arten, wo die wesentlichen trennmerkmale im makroskopischen bereich liegen. Und dort sind die Trennmerkmale noch deutlich schwieriger zu definieren. Beispiele wären Trametes ochracea (Ockertramete) und Trametes versicolor (Schmetterlingstramete) in gewissen Grenzbereichen, oder auch Trichaptum abietinum (Violetter Lederporling) und Trichaptum fuscoviolaceum (Zahnförmiger Lederporling).


    Im Fall der UNtescheidung zwischen Oxyporus corticola und Pxyporus ravidus ist mir nicht bekannt, ob es auch Kulturversuche bzw. Kreuzungsversuche und genetische Untersuchungen gibt, was weitere wichtige Merkmale wären, ob man die Arten zusammenlegen oder trennen muss.


    Aber man kann es auch so rum sehen: Wenn man so eindeutige Funde wie deinen getrennt von resupinaten Formen dokumentiert, ist das sogar der einfachere Weg, falls man irgendwann feststellt, daß das eben doch getrennte Arten sind (genetisch verschieden zB). Weil zusammenwerfen kann man zwei Datensätze immer noch, aber die Kartierungsdaten wieder aufdröseln, wenn jahrelang zwei Arten zusammengeworfen wurden, das ist ein Problem.


    In dem ZUsammenhang: Mit der Kartierung in Österreich bin ich nicht vertraut. Also wenn du den dort kartieren möchtest, müsstest vermutlich mit jemandem Kontakt aufnehmen, der sich da auskennt. Eventuell könnte >der Peter< dabei weiter helfen, der über seinen Verein auch einige Leute kennt.


    @ alle: Sorry wegen den fehlenden deutschen Namen für die ganzen Oxyporus - Arten. Aber erstens müsste ich die auch erst raussuchen, und zweitens würde es damit eher noch verwirrender, weil das auch alles andere als einheitlich ist in dem Fall.



    LG, Pablo.

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