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Aniszähling, Samthäubchen und Unbekannter

  • Liebe Pilzfreunde,
    bin heut nach längerer Zeit mal wieder auf Pilzsuche gegangen in der Hoffnung, vielleicht schon Morcheln finden zu können. Die gab es natürlich noch nicht..
    Dafür anderes für mich interessantes.


    Der ersten Pilze sind für mich Aniszählinge. Sie rochen auf jeden Fall schön nach Anis. Allerdings sehen die Hüte, die ich von anderen Aniszählingen auf Fotos gesehen haben, alle recht trichterförmig aus. Liegt nun wahrscheinlich daran, dass meine noch sehr jung sind?


    Den zweite Pilz würde ich als Samthäubchen ansprechen. Käme da vielleicht noch eine andere Gattung in Frage?


    Beim dritten Kandidaten habe ich leider überhaupt keine Ahnung. Er wuchs an einem abgestorbenen Baumstamm; die Oberfläche war borstig-striegelig; eswirkte etwas wie kleine Polster. Der Geruch war etwas erdig.



    Schon einmal vielen Dank für eure Hilfe, Matthias
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  • Hallo Matthias,


    deine Aniszählinge sind für mich ziemlich sicher Austernseitlinge. Bis auf den angegebenen Geruch paßt da alles. Möglich wäre auch noch der Lungenseitling aber für die sind mir deine Funde zu stämmig.


    http://www.123pilze.de/dreamhc/download/AusternSS.jpg


    VG Jörg

    Weil Pilze keine Bücher lesen sehen sie selten so aus wie sie sollten

    Einmal editiert, zuletzt von Heuler22 ()

  • Hallo Jörg,
    vielen Dank für deine Rückmeldung. Du hast recht, Austernseitlinge passen optisch sehr gut. (und viel besser als Aniszählinge) So jung habe ich die noch nie gefunden.
    Was mich allerdings irritiert, ist der Geruch, der tatsächlich anismäßig war. :denkend_smilie_0025:


    P. S. Habe gerade mir einmal die Beschreibung des Lungenseitlings angeschaut. Der soll anscheinend nach Anis riechen. Also könnte er es vielleicht tatsächlich sein.
    Viele Grüße
    Matthias

  • Hallo.


    Die Gerüche sind zur Seitlingsbestimmung leider nicht verwertbar. "Normalerweise" riechen Austern (Pleurotus ostreatus) "irgendwie pilzig", aber mit leicht metallischer Komponente. Lungenseitlinge (Pleurotus pulmonarius) können ansiartig (eigentlich eher bittermandelig oder marzipanig) riechen, aber können auch geruchlos sein. Rillstielige Seitlinge (Pleurotus cornucopiae) können ebenfalls stark ansiartig oder marzipanig riechen.
    Da Pleurotus pulmonarius hier wegen der Form der Fruchtkörper im Grunde nicht in Frage kommt, würde ich eher zum Rillstieligen tendieren, finde aber das dünne Substrat ungewöhnlich (eigene Funde von P. cornucopiae alle an dicken, meist recht morschen Stämmen).
    Optisch können das natürlich ebenso gut normale Austern (Pleurotus ostreatus) sein, aber der geruch wäre da wirklich sehr ungewöhnlich. Nur ausschließen will ich es da nicht.


    Pilz 2 ist TuFur (Trompetenschnitzling = Tubaria furfuracea)


    Pilz 3 ist eine Inonotus - Art (schillerporling), wenn die Fruchtkörper nicht an Nadelholz gewachsen sind. Da müsste man die ganze Kollektion sehen und mehr vom Substrat, denn das müsste man da auch zur Artbestimmung kennen.



    LG, Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Hallo, Boern ich finde Rillstielige Seitlinge riechen eher unangenehm.
    Als ich las Seitlinge mit Geruch hat ich ein wenig Kopfkino und dachte an Pleurotus ostratus var. euosmus den Estragonseitling. Eh ihr mich jetzt maßregelt ich weiß das diese Art nur in England vorkommt.


    Ein Bruthändler hatte den mal eine Zeit lang im Angebot, er schrieb selbst die Dübelbrut riecht stark nach diesen Gewürz. Warum er seit Jahren den nicht mehr hat weiß ich nicht allerdings kann es auch sein das der Geruch auf dauer nicht beständig ist und er so einer stink normalen Auster gleich kommt???
    Gruß Matthias

  • Hallo, Matthias!


    ich denke, das sollte dann eben wie auch "Taubenblauer Seitling" oder diese reichlich blasse Supermarkt - Form (die man im Sommer auch oft wild findet) einfach eine der diversen Zuchtformen von Pleurotus ostreatus sein.
    Das Lustige: Büxen diese Zuchtformen irgendwie aus, dann vermischen sie sich in freier Wildbahn rasch wieder mit anderen Formen von Pleurotus ostreatus, was für eine oft sehr verwirrende Formenvielfalt sorgt.


    Und auch ohne daß Hybriden mit Pleurotus pulmonarius oder Pleurotus cornucopiae entstehen (was anscheinend gar nicht geht), sehen solche "halbwilden" kollektionen von Pleurotus ostreatus bisweilen ganz arg wie eine der anderen beiden Arten aus. und können wohl auch mitunter so riechen. Zu den unterschiedlichen gerüchen von Pleurotus pulmonarius und Pleurotus cornucopiae siehe oben, beide können anisartig riechen, müssen es aber nicht, warum also sollte Pleurotus ostreatus das nicht auch können?
    Zur Unterscheidung gibt es eine Menge verschiedene Ansichten, alles was ich bisher rausfinden konnte: Es gibt kein einziges, wirklich hartes Trennmerkmal. Weder makro- noch mikroskopisch. Über das gesamtbild einer möglichst vollständigen Kollektion geht es meistens ganz gut, aber eben nicht immer.



    LG, Pablo.

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  • Hallo zusammen und vielen Dank Roswitha, Pablo und Matthias für eure Anregungen und Ausführungen.
    Wirklich interessant Pablo deine weiteren Ausführungen zu den Seitlingen. Ich habe alle Pilze in einer Bruchlandschaft im Ruhrgebiet gefunden, also müsste das Substrat des Schillerporlings auf jeden Fall Laubholz gewesen sein.
    Und noch eine blöde Frage: Wie kann der Trompetenschnitzling so direkt angesprochen werden? Funderfahrung? Oder gibt es ein sicheres makroskopisches Erkennungsmerkmal?


    Und auf den Seitling bin ich nun richtig neugierig geworden. Ich werde nächstes Wochenende noch einmal hinfahren und hoffe, dass ihn niemand geerntet hat. (Er war zumindest etwas abseits des Weges und ziemlich versteckt.)
    Liebe Grüße
    Matthias

  • Hallo, Matthias!


    In dem fall ist es überwiegend Erfahrung. Gerade zur Unterscheidung von einigen Galerina - und Psilocybe - Arten sind es hier vor allem Farbnuancen im Verlauf zwischen Stiel, lamellen und Hut, das Aussehen der Hutriefung, die Speckigkeit der Flächen bei gleichzitiger vermuteter guter Durchfeuchtung, Dicke der Lamellen, die Art, wie die Lamellen aneinander kleben bei gleichzeitig vermutetem Reifegrad der Fruchtkörper...
    In der tat nicht so einfach.
    Aber TuFur ist ja gerade im Winter einer der häufigsten lamellenpilze überhaupt, und nach und nach kann man den gut kennen und erkennen lernen. Auch wenn diese Art schon ein ziemliches Chamäleon sein kann.



    LG; Pablo.

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  • Hallo Pablo, vielen Dank für deine weiteren Erklärungen. Die Mühe, die du dir machst, Dinge zu erklären, ist wirklich ganz toll.:agree:
    Dann versuche ich mal, weitere Trompetenschnitzlinge zu finden und mir die Art einzuprägen. (Bei meinen Fehleinschätzungen bei diesem Post müsste ich das mit vielen Arten machen :).)
    Liebe Grüße
    Matthias

  • Hallo zusammen,
    nur noch ein kurzer Nachtrag zu den Seitlingen. Ich war gestern wieder an der Stelle, an der ich sie gefunden habe. Tja, und es waren tatsächlich Austernseitlinge. Der Anisgeruch war völlig weg (Rätsel Rätsel) und diesmal konnte ich einen irgendwie metallischen Geruch, von dem Pablo geschrieben hat, erkenn.
    Viele Grüße
    Matthias

  • Hallo, Matthias!


    Allerdings meinte ich ja, daß der Geruch zur Bestimmung unwichtig ist. Weil da alle drei Arten offenbar wesentlich variabler sind als oft angenommen wird.
    Jetzt würde ich das Büschel - also das ausgewachsenere von gestern - natürlich gerne noch von unten sehen, wie sich die Stiele so entwickelt haben und wie zentral oder lateral der Hut auf den Stielen sitzt.



    LG, Pablo.

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  • Hallo Pablo,
    ja, nur ich war wirklich erstaunt, dass von dem anfangs relativ starken Anisgeruch eine Woche später nichts mehr zu merken war.
    Das Foto von der Unterseite habe ich blöderweise nicht gemacht. :confused:
    Vielleicht schaffe ich es nächstes Wochenende, nochmal hinzufahren. (Ist ziemlich in der Nähe) Die Stiele saßen zumindest für mich recht lateral.
    Liebe Grüße
    Matthias

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