Hallo, Besucher der Thread wurde 8,3k mal aufgerufen und enthält 24 Antworten
  • Liebe Pilzfreunde,
    bei folgendem Porling komme ich nicht so richtig weiter und würde ihn euch gerne zeigen. Ich habe ih n gestern gefunden, und er wuchs am Fuß einer Fichte und hatte einen Durchmesser von ca. 30 cm. Der gesamte Fruchtkörper war kompakt ineinander verwachsen, so dass es tatsächlich wie ein einzelner Fruchtkörper wirkte.
    Geruchlich konnte ich nicht viel feststellen, was vielleicht aber auch an der Kälte lag.
    Hat jemand von euch eine Idee?
    Vielen Dank schon einmal und viele Grüße
    Matthias



  • Hallo Matthias,


    ich önnte hier nur den Bergporling (Bondarzewia mesenterica) ins Rennen bringen, rein vom Äußerlichen und vom Standort her aber nur.

    Viele Grüße


    Veronika Weisheit
    Pilzberaterin Landkreis Rostock




    Hinweis: Hier im Forum wird es von mir keine Verzehrfreigaben geben, weil eine Bestimmung über Bild immer fehlerhaft sein kann.

  • Hallo miteinander!


    Ein ziemlich interessanter Pilz, würde ich sagen.
    Für Bondarzewia mesenterica (Bergporling) sieht der sehr ungewöhnlich aus, den kenne ich mit mehr flachen, fächerigen und +/- gestielten Einzelhüten. Auch die Poren müssten gröber sein. Wie weit das für ein ganz junges Exemplar passen kann, weiß ich nicht, aber irgendwie erscheint mir der nicht "ganz jung".


    Heterobasidion spec. (Wurzelschwamm) käme mir da auch komisch vor, wegen dem zonierten Kontext, da scheint ja eine nahezu gelatinöse Zone drin zu sein.


    Kann das sein, daß der ziemlich weich gewesen ist?


    Jedenfalls kann ich mir im Moment keinen richtigen Reim drauf machen, wäre aber bereit, da ein Exsikat unter die Lupe zu nehmen.



    LG, Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Hallo Pablo und Joe,
    vielen Dank für eure weiteren Einschätzungen. Es scheint ja ein richtig komplizierter Pilz zu sein.
    Der gesamte Fruchtkörper war allerdings sehr hart, auch die Zuwachszonen; sie gaben zwar etwas nach, aber trotzdem würde ich sie auch als hart bezeichenn.
    Vielen Dank Pablo dafür, dass du bereit bist, die ein Exsikat anschauen zu wollen. Ganz toll. Leider habe ich den Pilz so im Wald gelassen, könnte aber morgen dort noch einmal vorbeifahren und ein Stück besorgen.
    Viele Grüße
    Matthias

  • Hallo, Matthias!


    Ganz hart?
    Das ist überraschend und passt dann wieder eher zu einem Wurzelschwamm.
    Auch Bondarzewia ist nicht wirklich hart.


    Wenn du was von dem Pilz einsammelst, sollten auf jeden Fall Röhren aber auch Hutfleisch dabei sein. Dann gut durchtrocknen (ist auf jeden Fall besser bei Porlingen als frisch), dann kann man es in einem flachen Döschen (um das Exsikat vorm Zerkrümeln zu schützen) auch gut als Normalbrief verschicken.
    Adresse kommt per PN.



    LG, Pablo.

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  • Hallo Pablo,
    ja, er war tatsächlich sehr hart. Ich werde dann morgen in den Wald Fahren und ein Stück besorgen. Vielen Dank für die weiteren Sammelhinweise. Werde ich beachten.
    Ich habe zwar einen Dörrautomaten, aber wahrscheinlich ist es besser das Stück luftzutrocknen.
    Anfang der Woche kann ich es dann losschicken.
    Viele Grüße
    Matthias

  • Hallo,
    ich habe gerade ein Stück aus dem Wald geholt und zum Trocknen gelegt.
    Nachzuliefern hätte ich jetzt noch den Geruch: für mich riecht er etwas säuerlich, fruchtig. Nunja....
    Allerdings ist mir noch eine Idee gekommen und wollte fragen, ob sie vielleicht in Betracht kommt, und zwar der Rauchporling.
    Zumindest auf Fotos, die ich gefunden habe, hat er eine gewisse Ähnlichkeit:
    https://commons.wikimedia.org/…Bjerkandera_adusta_a1.jpg
    Viele Grüße
    Matthias

    Einmal editiert, zuletzt von antoff ()

  • Hi matthias,
    Der rauchporling hätte graue poren und würde m.m keine so massiven fruchtkörper ausbilden.
    Super dass du nochmal los bist und den pilz verschickst. Bin gespannt was da rauskommt.
    Lg joe

  • Hallo.


    Wenn Rauchporling, dann der Graugelbe (Bjerkandera fumosa), aber der ist das hier auch nicht: Nadelholz als Substrat wäre extrem ungewöhnlich, die dünne, dunkle Trennschicht zwischen Kontext und Röhren fehlt, die Hutoberfläche ist irgendwie anders. Und er ist halt auch nicht wirklich hart.


    Momentan fällt mir nix brauchbares ein, Bergporling war bislang noch die beste Idee, glaube ich. Warten wir's ab, mit Beleg unterm Mikro wird sich der schon zu erkennen geben. :happy:



    LG; Pablo.

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  • Hallo, Matthias!


    Das ist ein rätselhafter Pilz.
    Und damit natürlich umso interessanter, auch wenn es mich etwas fuchst, dem jetzt noch keinen schlüssigen Namen geben zu können.
    Was man sagen kann: es ist nicht Bjerkandera fumosa und es ist auch nicht Bondarzewia mesenterica.
    Meiner Ansicht nach führt die Spur zu Oligoporus bzw. Tyromyces als Gattung, und dann wäre es mit den merkmalen vermutlich eine der eher seltenen Arten. Oder eine gängige Art, nur ziemlich untypisch ausgeprägt, so daß ich sie nicht erkenne.


    Das braucht noch etwas Zeit, fürchte ich.


    Aber die Mikrodokus stelle ich gerne schon mal rein:




    Bilder kann man anklicken zur Vollansicht.



    LG; Pablo.

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  • Hallo Pablo,
    ich bin wirklich sehr beeindruckt. Es sind wirklich tolle Mikrobilder. So gut möchte ich eines Tages auch mal mikroskopieren können. (Ich wurstele noch immer recht dilettantisch mit meinem geschenkten Mikroskop herum und rätsele, wie ich das, was ich sehe, einordnen soll)
    Ich bin nun wirklich sehr gespannt, ob sich der Fund noch irgendwie zuordnen lässt. Für deine viele Mühe nochmals vielen vielen Dank.
    Liebe Grüße
    Matthias

  • Hallo, Joe & Matthias!


    Also wenn mich zu dem Pilz nicht noch über die Feiertage eine festliche Eingebung heimsucht, dann schicke ich den irgendwann voraussichtlich im Januar weiter an Frank Dämmrich. Der wohl einer der besten Porlingskenner in Deutschland ist, und dem ich dankenswerterweise hin und wieder meine Problemfälle schicken darf. Das heißt, spätestens dann bekommen wir schon ziemlich sicher einen belastbaren Namen für den Pilz.



    LG, Pablo.

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  • Hallo, Matthias!


    Was lange währt...

    Anfang des Jahres hatte ich deinen Fund weiter gereicht an Frank Dämmrich, der nun die Bestimmung als Tyromyces wakefieldiae festmachen konnte!

    Die Art ist in Deutschland >ziemlich selten<, oder wird zumindest selten dokumentiert. Was aber auch daran liegen mag, daß sie nicht einfach zu bestimmen ist, vor allem wenn ddie Färbung wie hier eher untypisch ist und die Fruchtkörper so ungewöhnlich groß. Zudem besieldelt die Art vorwiegend Laubholz, Fnde an Nadelholz sind wohl eher Ausnahmen, aber zB aus Frankreich bekannt. Falls du den Fund kartieren wollen würdest, wäre als Bestimmer Frank Dämmrich einzutragen, was auch Sinn macht, weil er jetzt das Exsikat hat und bei dem Namen eigentlich niemand mehr ernsthaft die Bestimmung anzweifeln kann.



    LG, Pablo.

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  • 'n Abend,


    beinahe wäre mir dieser interessante Beitrag durch die Lappen gegangen.


    @ Pablo, super Arbeit von dir + Lösung via Frank, besser geht's net.


    So einfach die Bestimmung über L. Ryvarden auch daherkommen mag, wenn die Fruchtkörper morphologisch nicht der Beschreibung entsprechen geht's Licht bei mir aus.


    Eine Bemerkung noch zur Taxonomie, zitiert aus Poroid fungi of Europe, 2nd Edition 2017,


    Zitat

    Früher wurde diese Art in Tyromyces platziert, aber wie Pegler und Saunders (1994) gezeigt haben, ist die Art aller Wahrscheinlichkeit nach ein Braunfäulepilz.

    Auf diesen Zustand wurde auch von englischen Mykocogisten hingewiesen.(M. Ainsworth pers.com.)


    In Österreich wurde dieser Pilz erst einmal nachgewiesen,




    Bestimmt hat den Fund damals Leif, auf Tyromyces.


    Noch was wollte ich schreiben, über's IndexFungorum oder die Mycobank ... nebensächlich ... war was anderes ...


    ...Gratuliere dir zu diesem Fund, Matthias ... das war's.


    LG

    Peter

  • Servus Peter!


    Stimmt, der Fäuletyp ist wohl das Einzige, was die Gattungen Oligoporus (s.l.) und Tyromyces trennt.

    Bei T. wakefieldiae wäre das noch eingehender zu untersuchen, wenn Ryvarden schon darauf hinweist, daß es wahrscheinlich ein Braunfäulepilz ist (und damit zu Oligoporus gezählt werden müsste). Entschieden habe ich mich aber mal für den "gängigsten" Namen, auch wenn er in PFoE schon bei Oligoporus geschlüsselt wird.

    Das schwierige ist halt bei solchen seltenen Arten, daß man da erstmal das Material und das Umfeld haben müsste, um vernünftige Kulturstudien zu fahren.
    Denn wie das so in freier Wildbahn läuft ist ja bekannt: In einem Holzstück im Wald befindet sich nur in absoluten Ausnahmefällen nur eine einzige Pilzart: Die Regel sind diverse Arten, die sich ein Substrat "teilen", und damit ist bei den meisten Funden von holzzersetzenden Pilzen in freier Wildbahn eine Mischfäule vorhanden, bzw. lässt der festgestellte Fäuletyp nicht unbedingt Rückschlüsse zu, weil man eben damit rechnen muss, daß da noch ein anderes Mycel arbeitet, von dem man vielleicht noch nicht mal Fruchtkörper sieht.


    PS.: Was die Fruchtkörperausprägung betrifft: Auch da muss man damit rechnen, daß gerade bei seltenen Arten nur Fragmente der tatsächlichen Variationsbreite bekannt sind.
    Schaut man sich >diese Bilder von Hans Bender an<, erkennt man zum beispiel kaum eine Ähnlichkeit zu Matthias' Fund. Viel näher dran wären allerdings >diese Funde der französischen Kollegen<, wo ich schon ziemlcih klare Paralleleln auch makroskopisch zu erkennen glaube.



    LG; Pablo.

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  • Hallo Pablo und Peter,

    wow, ich bin begeistert. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass der Porling tatsächlich noch einen Namen bekommt. Toll, deine Hartnäckigkeit Pablo. Du hattest im letzten Jahr auf jeden Fall den richtigen Riecher, dass der Pilz entweder zu Oligoporus oder Tyromyces gehören müsste. Dass es jetzt eine solch seltene Art ist, macht mich fast sprachlos, und ich würde ihn tatsächlich gerne kartieren. (Ha, ist auch das erste Mal, dass ich das tue.) Ich habe im letzten Jahr übrigens noch ein paar Mal den Fichtenstamm besucht, an dem Tyromyces wakefieldiae wuchs. Es haben sich aber keine weiteren Fruchtkörper gebildet. Die Links zu dem Fund von Hans Bender und der französischen Seite sind sehr interessant. Bei Hans Bender hätte ich auch niemals vermutet, dass mein Pilz zur selben Art gehört. Bei den Franzosen, ja, Ähnlichkeit ist auf jeden Fall da. Falls sich noch einmal etwas an dem besagten Fichtenstamm tut, gebe ich Bescheid.

    Liebe Grüße

    Matthias

  • Hallo, Matthias!


    In Wirklichkeit hatte ich den Pilz ja erstmal zurückgelegt und bei einer früheren Zusendung an Frank einfach vergessen. :blush:

    In den sinn kam mir dein Fund wieder, als ich im letzten Herbst eben ein paar Pilze in der Hand hatte, die mirkoskopisch sehr ähnlich aussahen, hatte dann deine Tyromyces zum direkten vergleichen wieder hervorgeholt, und bin nun auch dankbar, daß Frank den (und auch die anderen Pilze) bestimmen konnte.

    Manchmal ist es auch wirklich nicht so einfach, und ich bin auch froh um jedes Stückchen, daß ich da schlauer werde.



    LG, Pablo.

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  • Hallo Pablo,

    so geht es mir auch, mit dem "um jedes Stückchen schlauer werden", nur auf einem anderen Niveau ^^

    Noch eine blöde Frage habe ich: Wie und wo kartierst du deine Pilze? Ich habe bei der DGfM geschaut, doch da kann man nichts einstellen.

    Liebe Grüße

    Matthias

  • Hallo, Matthias!


    Die Vorsitzende von meinem lokalen Pilzverein ist günstigerweise zugleich Kartierungsbeauftragte von Rheinland - Pfalz und dem nördlichen Baden - Württemberg.

    Derzeit läuft das noch so, daß zu kartierende Funde über die Landeskoordinatoren eingepflegt werden müssen.

    Der hier ist aus Nordrhein - Westfalen, oder?

    Das habe ich auch nicht genau im Blick, sollte aber entweder Karl Wehr oder Hans Bender sein, glaube ich.

    Eine Option, wo man (nach Accounterstellung) auch selbst Funde eingeben kann, wäre >diese Seite<. Soweit ich weiß, sollen díe Einträge von dort auch nach und nach in die offizielle Kartierung der DGfM übertragen werden.



    LG, Pablo.

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  • Hallo Pablo,

    vielen Dank. Ja, der Fundort war in Nordrhein-Westfalen. Da mache ich mich mal schlau, wer der Landeskoordinator ist. Ansonsten werde ich den Pilz mal auf der von dir verlinkten Seite einstellen.

    Liebe Grüße

    Matthias

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