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Morcheln, Zeigerpflanzen und Schneckenkönige

  • Hallo,


    auf meiner heutigen, mittlerweile wieder fast sommerlichen, Wanderung um die umliegenden Seen habe ich mal recht intensiv nach neuen möglichen Morchelstellen geschaut.
    Bei all den vielen Geschichten um entsprechende Zeigerpflanzen bzw. -tieren und den Anfragen danach hier im Forum, sind mir dabei einige Gedanken durch den Kopf gegangen.
    Eine Zeigerpflanze für Morcheln gibt es im eigentlichen Sinne nicht! Dieser Pilz ist meines Wissens nach nämlich an keines dieser oft beschriebenen Gewächse gebunden oder davon abhängig. Diese sogenannten Zeigerpflanzen beschreiben einfach nur eine bestimmte Bodenchemie. Da Morcheln kalkreiche, also nicht saure, Böden lieben, sind solche Pflanzen interessant die es ebenso mögen. Dieses ist aber regional sehr unterschiedlich und daher kaum zu verallgemeinern. Das Auffinden dieser Zeigerpflanzen garantiert keine Morchelfunde! Der Umkehrschluss jedoch sollte funktionieren, da wo z.B. Moose oder Heidelbeeren gedeihen braucht man wohl kaum nach Morcheln zu schauen. Dort sollte der Boden zu sauer sein.
    Kalkreichen Boden, also den den die Morcheln so lieben, zeigen uns vor allem viele, viele Schnecken bzw. deren Gehäuse. Vor allem die der Weinbergschnecken.
    Und genau danach habe ich heute mal intensiv gesucht und auch gefunden. Wunderbare feuchte Plätze, die sich 1:1 mit meinen Morchel-Fundstellen vom letzten Jahr decken und ich kann es kaum erwarten, von dort Erfolg zu vermelden. Ich bin mir da nämlich ganz sicher!:)


    In diesem Zusammenhang, dem betrachten der Schneckengehäuse, möchte ich noch, wen es interessiert, von einer Kuriosität bzw. einer Varietät der Natur berichten:
    Bis auf ganz wenige Ausnahmen hat es die Natur so eingerichtet, daß die Schneckenschale rechtsgewunden, wissenschaftlich dextral, ist. So wie es aber auch beim Menschen vorkommen kann, daß z.B. die inneren Organe seitenverkehrt angeordnet sind, dem sogenannten Kartagener-Syndrom, kann es auch bei Schnecken zu einem linksgewundenen, sinistralen, Aufbau ihres Hauses kommen. Bei Weinbergschnecken spricht man dann von einem sogenannten Schneckenkönig. Bei einer geschätzten Wahrscheinlichkeit von 1:10.000 bis 1:1.000.000 eine sehr, sehr seltene Konstellation!
    Jeder Morchelsucher sollte also vielleicht ganz nebenbei mal die eine oder andere Weinbergschnecke bzw. deren Häuser genauer anschauen. Zum einen kann er sich ja sicher sein, morchelmäßig im richtigen Terrain unterwegs zu sein und zum anderen wäre der Fund eines solchen Schneckenkönigs schon etwas ganz Besonderes. Ein solcher Fund hat unter Sammlern auch einen gewissen Wert.
    Es gibt z.B. in der Südsee sinistral gedrehte Meeresschneckengehäuse, deren Wert dem einer Luxusvilla entspräche!
    Vor vielen Jahren hatte ich auch einmal das Glück, einen solchen Schneckenkönig zu finden. Ich weiß nur nicht mehr, in welcher der endlos vielen Kisten mineralogischer, fossiler und anderer Funde aus der Natur er abgeblieben ist...:confused:


    Hier mal ein Bild von einem "normalen", also dextral gewundenen, Haus einer Weinbergschnecke:


    Würde jedoch, Spitze nach oben und Blick auf die Eingangsöffnung, dieser Eingang auf der linken Seite sein - GLÜCKWUNSCH, das wäre dann der legendäre Schneckenkönig!


    Viel Spass euch allen bei der kommenden Morchel- und/oder Königssuche!:)


    LG Thomas

  • Hallo Thomas,


    dein Beitrag ist wirklich hochinteressant und sehr lehrreich. Ich finde, von solchen Beiträgen können wir gar nicht genug haben. Auch deine Ausführungen zum wildwachsenden Schnittlauch in "Die Natur erwacht" haben mir schon sehr gut gefallen. Man merkt, da steckt ein sehr profundes Wissen um die Zusammenhänge in der Natur dahinter. Bitte weiter so :)


    Gruß Wolfgang

  • Hallo Thomas,


    ein sehr guter Beitrag!
    An meiner ersten Fundstelle (kleine Verkehrsinsel, mit viel Löwenzahn und Klee) von Spitz- und Speisemorcheln (nach ewiger Suche) gab es keine Zeigerpflanzen außer einem Apfelbaum.
    An meiner zweiten Fundstelle dafür umso mehr. Ich habe hier (im ersten Beitrag) davon berichtet:
    https://www.123pilze.de/000Forum/showthread.php?tid=4826


    Letztes Jahr hatte ich dann bei uns einen ersten größeren Fund. Wieder auf einer Streuobstwiese. Interessanter Weise gab es dort auch wieder Schlüsselblumen, eine Pflanzenart die ansonst in meiner Gegend nicht zu finden ist (Gebiet mit eher sauren Böden) .


    Viele Grüße
    Thomas
    PS: Letztes Jahr fand ich sie am ersten Aprilwochenende. Dieses Jahr sind noch keine aufgetaucht.

    Bestimmungsvorschläge sind immer unter Vorbehalt. Auf keinen Fall sind eine Freigabe zum Verzehr.

    Einmal editiert, zuletzt von ThomasL ()

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