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Regen lässt sprießen

  • Hallo zusammen,

    nachdem es bei uns für eine Woche teilweise sintflutartig geregnet hat, tut sich was im Wald. Ich fand gestern unweit voneinander folgende: Schwefelporling, Judasohr, Perlpilz, Schuppigen Porling, Hexenbutter, ~Gelben Eierschleimpilz, ~Weitlöcherigen Porling, ~Milchweißen Saftporling (sehr zäh, ging nur mit dem Sägemesser weg und nässte dabei), ~Halsbandschwindling und einen braunen ~Rinden-/Schichtpilz.

    Die letzten vier möchte ich euch zeigen und bitte um Korrektive:

    Servus, Toni


  • Hallo, Toni!


    Der auf dem letzten Bild sollte irgendwo auch feine Poren entwickelt haben (die sind manchmal schwer zu sehen), und ist dann einer der resupinaten Feuerschwämme, die häufigste Art wäre da Phellinus ferrugineus.Vorletztes Bild: Halsbandschwindlinge (Marasmius rotula) ist richtig bei Wachstum an Holz (auch kleinen Holzschnippseln, winzigen Zweiglein oder Rindenstücken). zwei weitere Arten mit so deutlichem Kollar wachsen an Laubblättern bzw. Nadeln.
    Drittes BIld von hinten: Sind Buckeltrameten (Trametes gibbosa).

    Die Stielporlinge auf dem ersten Bild sehen eher aus wie Wabenporlinge (Polyporus alveolaris = Polyporus mori). Zumindest von den Farben her und den kurzen Stielen (wo die Poren sicherlich fast zur Basis hinablaufen) und den (zumindest an den Flanken des Substrates) deutlich seitlich gestielten Hüten. Die typischen Schuppen sind offenbar etwas abgewaschen, aber rudimentär noch erkennbar.



    LG; Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Hallo Pablo,

    alles offenbar nicht so einfach. Da lag ich wohl nur mit dem Halsbandschwindling richtig; diese waren tatsächlich auf morschem Holz gewachsen. Bei dem Polyporus hatte ich aufgrund der fehlenden Schuppen PolAlv ausgeschlossen. Dass TraGib jung so weiß wächst, wusste ich noch nicht und dass Feuerschwämme so flächig wachsen können, war mir auch nicht bewusst. Gut dass es das Forum gibt. Danke für die richtige Identifizierung.

    Gruß, Toni

  • Hallo Pablo,

    könntest du dir die "Buckeltramete" nochmal ansehen. Das abgeschnittene Objekt ist 12 cm breit und 6 cm hoch an der abgeschnittenen Stelle. Die anderen großen Pilze gleicher Form an dem Stubben waren etwa gleichgroß. Geruch pilzig, Geschmack unbedeutend. Jetzt im trockenen Zustand kaut er sich wie ein Flaschenkorkenstück. Ich halbierte das Belegstück, es erscheint fast dreieckig. Der Pilz ließ sich händisch nicht entfernen, selbst mit einem Ast konnte ich ihn nicht abhebeln. Er verbog sich nur elastisch und nässte dabei etwas. Es war kein Stielansatz vorhanden, vielmehr war er breitflächig hinten und unten angewachsen. Die Vorderkannte ist ziemlich dünn. Viel Masse im Verhältnis zur Porenschicht. Hier nochmal Fotos.

    Grüße, Toni


    1) So war er am Stubben angewachsen (mit Sägemesser entfernt)

    2) Mittig durchgeschnitten

    3) Porenschicht

     

  • Hallo, Toni!


    Sehr schön weiter dokumentiert. :agree:

    Farblich können junge Buckeltrameten variieren, von weiß bis relativ dunkel graubraun. Aber der Kontext (Fleisch über den Röhren) ist immer weiß. Und zäh. Nicht unbedingt hart, aber sehr zäh, also kaum zerreißbar, wohl aber etwas elastisch. nicht von der dunklen Linie im Schnitt irritieren lassen: Da hat der Pilz wohl eine Wachstumspause eingelegt, und später ist er über einer nachgedunkelten Schicht weiter gewachsen. Die Fruchtkörperform, beschriebene Konsistenz und auch die Wuchsweise und ganz beosnders die Porenform ist hier sehr typisch für Trametes gibbosa.



    LG, Pablo.

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  • Hallo, Toni!


    Ja, das sind deutlich typischere (wenn auch ziemlich alte) Exemplare.
    Dennoch glaube ich bei den zuerst gezeigten immer noch an den Wabenporling. Auch wenn die Schuppen da nicht wirklich erkennbar sind. Da muss man auch den Habitus und das Gesamterscheinungsbild im Auge haben, und in dem Zusammenhang sind vor allem die deutlich seitlich gestielten Fruchtkörper an en Flanken des Astes wichtig.

    Polyporus arcularius (Weitlöchriger Porling) bildet auch seitlich am Substrat wachsend eigentlich immer deutliche, lange und +/- zentrische Stiele aus (und kann auch mal einen Schuppigen Hut haben.


    Polyporus arcularius, typische Exemplare:


    Und mit gröber schuppigen Hüten:




    LG, Pablo.

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  • Hallo Arnel,


    von welchem zweiten Pilz sprichst du ?

    Viele Grüße


    Veronika Weisheit
    Pilzberaterin Landkreis Rostock




    Hinweis: Hier im Forum wird es von mir keine Verzehrfreigaben geben, weil eine Bestimmung über Bild immer fehlerhaft sein kann.

  • HALLO PABLO;

    danke für die ausführliche Erklärung. Jetzt traue ich mir zu, die gängigen Species der Gattung Polyporus richtig anzusprechen.

    Bei der "Buckeltramete" tun sich offenbar Zweifel auf. Was unterscheidet eigentlich Buckeltramete und Treppenförmiger Steifporling? Danke im Voraus für eine Antwort. Ich werde jedenfalls die restlichen Pilze an dem Stubben weiter beobachten.

    LG, Toni

  • Hallo Toni,


    die Buckeltramete hat als ganz charakteristisches Merkmal eine besondere Porenform. Sie sind länglich gestreckt, s. auch das Bild vom Link.


    Buckeltramete, Buckelporling (TRAMETES GIBBOSA SYN. PSEUDOTRAMETES GIBBOSA, TRAMETES GIBBOSA FORMA TENUIS, DAEDALEA VIRESCENS)


    LG Steigerwaldpilzchen

    Bestimmungsvorschläge anhand von Fotos sind immer unter Vorbehalt und mit Restrisiko!

    Eine Freigabe zum Verzehr können nur Pilzsachverständige vor Ort geben! -> Pilzsachverständige finden

  • Hallo zusammen!


    Zitat

    beim zweiten Pilz tippe ich auf Eschenbaumschwamm - Perenniporia fraxinea

    Nö, eine Perenniporia ist hier auf keinem einzigen Bild zu sehen.


    Zitat


    Bei der "Buckeltramete" tun sich offenbar Zweifel auf.

    Bei mir nicht.

    Oxyporus populinus unterscheidet sich makroskopisch - wie Steigerwaldpilzchen schon festgestellt hat - durch eine völlig andere Porenform und Porengröße.
    Habitus, Oberflächenstruktur und Konsistenz wären weitere makroskopische Trennmerkmale, mikroskopisch sehen die sich dann ungefähr so ähnlich wie der Atlantische Ozean einem Fahrrad. :wink:



    LG, Pablo.

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  • Hallo Pablo,

    zunächst möchte ich meine Wertschätzung und meinen Dank aussprechen für deine prompten, sehr sachkundigen und ausführlichen Antworten.


    Doch nun zu den untypischen Buckeltrameten (2. Foto im Originalbeitrag). Ich hatte damals erwähnt, dass ich deren Wachstum an dem Stubben weiter beobachten würde. Nun, nach fast drei Monaten habe ich die Stelle wieder aufgesucht und siehe da, es hat sich einiges getan. Die Buckeltrameten sind weiter gewachsen und haben zudem Gesellschaft bekommen. Es waren ja damals drei ziemlich gleiche Exemplare und nur eines davon hatte ich abgenommen (auf dem ersten Foto hier mit rotem Pfeil markierte Stelle). Die beiden anderen ließ ich stehen. Auch jetzt habe ich diese für weitere Beobachtung nicht entfernt, weshalb das Foto von der Porenschicht nicht ganz gelungen ist.


    Für mich sehen sie jetzt noch seltsamer aus. Teilweise bilden sie oben porige Stellen. Sie erscheinen auch nicht tellerartig, wie Buckeltrameten üblicherweise abgebildet sind. Auch Algenbewuchs ist nicht zu erkennen. Ist das auf die Konkurrenzsituation zurückzuführen? Ich meine, dass es ein Buchen-Stubben ist, da er sich am Rand eines fast reinen Rotbuchen-Bestands befindet und wohl gefällt wurde, weil er eine anschließende Agrarfläche beschattete.


    LG, Toni





  • Hallo, Toni!


    Genau, das ist ein Rotbuchenstumpf.
    Solche Pilzgesellschaften sind ganz normal auf alten Stümpfen, da sind so gut wie immer mehrere Arten aktiv, um das Substrat abzubauen.

    Die "neuen" sind Schuppige Porlinge (Polyporus squamosus). Die Buckeltrameten sind nach wie vor aus meiner Sicht ganz typisch gewachsen. Auch die Bildung von Hymenophor (Poren) auf der Oberseite ist sehr oft zu beobachten, gerade bei Fruchtkörpern, die an einer horizontal ausgerichteten Substratoberseite wachsen. An mehr oder weniger senkrechten Substratflanken werden flachere, tellerförmige Fruchtkörper gebildet, während auf Fruchtkörperoberseiten die Fruchtkörper eben "buckelig" werden. Ob mit Algen oder ohne, die Algenanlagerung ist immer optional.



    LG, Pablo.

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