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Pilze rund um den Braunberg

  • Hallo Pilzfreunde,


    bei unserer heutigen Geocachingtour rund um den Braunberg, konnten wir nicht nur erfolgreich einige Dosen heben, sondern auch einige Pilzchen am Wegesrand entdecken.


    Den hier, hab ich schon lange nicht mehr gefunden Grüngefelderter Täubling






    ....ein Tintling, vermutlich Hasentintling, Hasenpfote







    Wunderschöne Becherlinge, ich vermute, Schwarzbraune Becherlinge (Peziza badioconfusa)









    ....viele kleine, sicher recht giftige Schirmlinge, vielleicht der Stinkschirmling? obwohl wirklich stinkig waren sie nicht....








    Allen ein schönes Wochenende

    Hermann

  • Hallo, Hermann!


    Glückspilze! Also du, und natürlich die Pilze, die offenbar an Orten wachsen dürfen, wo die Witterungsverläufe der vergangenen Monate weniger verheerend waren. :)

    Sowas wird in den meisten Gegenden in diesem Jahr nicht zu sehen sein.


    Pilz II (Tintling) ist keine Hasenpfote, sondern gehört möglicherweise zu den "Rädchentintlingen". Oder noch woanders hin, aber jedenfalls nicht nach Coprinopsis sect. Lanatuli (= Sektion Lanatuli der Gattung Coprinopsis).


    Pilz III (Becherling) sieht makroskopisch eher aus wie ein Öhrling (Gattung: Otidea), aber schon alleine die Gattung ist bei diesen Pezizaceae oft nur mikroskopisch sicher zu erkennen.
    Bei der Art ist es makroskopisch dann komplett aus ohne mikroskopische Merkmale (außer vielleicht Otidea onotica / Eselsohr oder typisch ausgeprägte Peziza vesiculosa / Blasiger Becherling an typischem Substrat.


    Pilz IV ist schon richtig als Stinkschirmling (Lepiota cristata) bestimmt, mit oder ohne Geruch. Aber der häutige Ring und die Ausprägung der Schuppen finde ich hier ausreichend typisch ausgeprägt.



    LG; Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Hallo Pablo,


    danke für deine Ausführungen. Beim Becherling, der ja wahrscheinlich ein Öhrling ist, habe ich es ja fast geahnt, dass der nicht so einfach zu bestimmen sein wird. Gibt es im Netz Mikrobilder von Pilzen um z.B. die Sporen zu vergleichen? Ich hab von den Öhrlingen eine kleine Probe mitgenommen. Meine mikroskopische Ausrüstung ist allerdings nicht die Beste, aber die Schläuche mit den 8 Sporen konnte ich sehen und auch einigermaßen genau vermessen. Sie sind durchschnittlich 15 x 7,5 um groß. Otidea bufonia käme auch noch in den engeren Kreis der Verdächtigen, soll aber recht selten sein....


    Hier einige Mikrobilder von meinem Fund:
















    LG

    Hermann

  • Halo, Hermann!


    Um die Gattungen Peziza und Otidea zu unterscheiden, brauchst du zunächst die Reaktion der Ascusspitzen mit Lugol (oder Melzer, wenn kein Lugol verfügbar): Bei Peziza blau, bei Otidea ohne Reaktion.
    Wenn man bei Becherlingen Sporenmaße nimmt, dann ist es absolut notwendig, nur reife Sporen zu brücksichtigen, also solche, die aus dem Ascus bereits abgeschossen wurden. Idealerweise (wie bei allen anderen Pilzen auch) macht man einen Sproenabwurf. Man kann auch nur in Leitungswasser genommene Maße berücksichtigen (bei frischmaterial), weil alles andere die Ergebnisse verfälschen kann.

    Sporenformen und Sporengrößen sind sehr variabel, und es gibt immer jeweils etliche Arten mit annähernd gleichen Sporenmaßen. Viel wichtiger sind die Sporenform (bei Otidea) und das Sporenornament (bei Peziza) für die Bestimmung.

    Die Sporen bei dir scheinen ornamentiert zu sein, was eher auf Peziza hindeuten würde (trotz den oft seitlich eingeschnittenen Fruchtkörpern). Aber nun muss man das Ornament genau beurteilen, ob netzig, warzig, oder gemischt, oder mhr gratig...
    Das geht am besten nach Anfärben mit Baumwollblau (weil Ornament cyanophil bei diesen Becherlingen).


    Als nächstes braucht man dann einen guten Schlüssel, was gerade bei der extrem komplizierten Gattung Peziza nicht einfach ist. Es gibt hervorragende ältere Schlüssel von Hohmeyer und von Häffner, wo man aber berücksichtigen muss, daß es zu einigen Artkomplexen inzwischen auch weitere Studien gibt. Dort findet man auch Vergleichsmaterial, was Abbildungen von Sporen etc. betrifft. Das ist in der Tat nicht einfach, an gute und vor allem korrekt ebstimmte Abbildungen zu kommen. Im Netz ist vieles falsch, und auch in Triviallitertur wie zB Pilze der Schweiz stimmt eine Menge nicht.

    Die erwähnten Schlüssel gibt es im Netz allerdings frei verfügbar, weil in der Z.Mykol. vor längerer Zeit erschienen und mittlerweile freigegeben.
    Könnte man suchen, du kannst mir aber auch eine PN mit Mailadresse schicken, was einfacher sein könnte.


    PS.: Otidea bufonia ist >nicht wirklich selten<. Ist aber meiner Ansicht nach nicht dein Pilz.



    LG, Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Hallo Pablo,


    vielen Dank für die ausführlichen Erklärungen zu den beiden möglichen Gattungen und zur Sporenanalyse. Aber vieles davon ist mir dann doch noch um einige Schuhnummern zu groß. Aber Melzers Reagenz hab ich mir schon mal bestellt und einige Färbemittel dazu.....

    Momentan habe ich leider sehr wenig Zeit um mich ans Mikroskop zu setzen, da wir noch voll in den Vorbereitungen für unser Praxsisprojekt beim NLV Lehrgang stecken, das sich, wie soll es anders sein, auch mit Pilzen beschäftigt. Aber dazu vielleicht später mehr....


    Noch eine Frage: Wie konserviert man frisches Pilzmaterial am Besten für spätere mikroskopische Untersuchungen (für den Winter, wenn man mehr Zeit hat). Sollten die Proben vor dem Einfrieren getrocknet werden, oder gibt es da noch andere Behandlungsmöglichkeiten, damit nach dem Auftauen die wichtigen mikroskopischen Details erhalten bleiben?


    LG, Hermann

  • Hallo, Hermann!


    Das kommt auf den Pilz an.

    Generell ist trocknen am besten: Bei so einem Wetter wie jetzt geht das an der Luft, idealerweise aber auf dem Dörrex bei nicht zu hohen Temperaturen (<50°). Große Fruchtkörper (Röhrlinge, Lamellenpilze) am besten zuvor vierteln oder achteln. Einfrieren macht man eigentlich nicht, weil der Beleg sonst permanent tiefgefroren geahlten werden müsste (einmal aufgetaut = kaputt). Was man aber macht: Einen bereits getrockneten Beleg noch mal ein paar Stunden bei maximaler Leistung in den Froster, um noch verbliebene Tierchen zu töten, die sonst auch einen komplett trockenen Beleg in Staub verwandeln können.


    Bestimmungen von Becherlingen anhand von Herbarmaterial ist allerdings problematisch, weil gerade bei diesen Pilzen die mikroskopischen Strukturen sehr empfindlich sind und die meisten Schlüssel auf Frischmaterial basieren. Natürlich fertigt man auch davon getrocknete Belege an, aber es ist immer ideal, wenn man eine makroskopische und mikroskopische Dokumentation vom Frischmaterial hat.



    LG, Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Hallo Pablo,


    danke, da hab ich wieder viel Neues erfahren.


    Hallo Andreas,


    ja, einer von den beiden kommt sicher in Frage. Wenn ich hier schaue: Link

    dann würde das gut passen, übrigens eine tolle Seite mit vielen Beschreibungen der Mikromerkmale.


    LG, Hermann

  • Neuigkeiten zu meinem Peziza Fund vom Braunberg !!!





    Frau Ursula Kozik konnte mein Fund auf zwei mögliche Arten eingrenzen.


    Hier das Antwortschreiben und die Bilder dazu:


    Hallo und guten Tag Hermann,


    ein paar Worte zu deinem Fund.

    Aus meiner Sicht lässt sich dein Peziza-Fund aufgrund der Sporengröße 14,5 – 16,5 x 7,5 – 9µm, des Sporenornamentes warzig/gratig und der Paraphysen, die ohne erkennbare innere bzw. äußere Struktur sind, rel. stark eingrenzen.

    So kommen nach Sporenröße/Ornament nur Peziza badiofuscoides, P. natrophila und P. muscicola in Frage. P. natrophila scheidet aus, da diese Art in den Sporen viele kleine Öltröpfchen hat und bei deinem Fund, zwei große Tropfen zu sehen sind.

    Da die Paraphysen ohne innere Struktur und außen ohne Behang sind, möchte ich deinen Fund zunächst nicht P. badiofuscoides zuordnen.

    Bleibt eigentlich nur P. muscicola. Auf diese Art passen Sporengröße, Ornament, Paraphysen und so meine ich auch das Excipulum, das mehrere unterschiedliche Schichten aufweist. Allerdings ist mir eine genauere Bestimmung der Texturen nicht möglich.


    Füge die Dokumentation an, die du auch gern im Forum zeigen darfst bzw. solltest um deinen klasse Fund tatsächlich zu bestimmen, denn ich gebe nur eine Einschätzung ab.


    Hermann, dir eine gute Zeit

    Uschi









    Liebe Grüße aus dem Mühlviertel,

    Hermann

  • Hallo, Hermann!

    Super, und vielen Dank auch an Ursula für die tolle Dokumentation!
    Also wohl eine Art aus der Gruppe um Peziza badia - ziemlich spannend, wobei ich mit der Artengruppe auch schon so meine Schwierigkeiten hatte.
    Es ist halt auch eine Schwierige Gattung, und wenn Ursula da schon zu keinem belastbaren Ergebnis kommt: Ich erst recht nicht (weil viel weniger Erfahrung mit der Gattung).



    LG, Pablo.

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