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grau ist ...

  • „Grau, teurer Freund, ist alle Theorie, und grün des Lebens goldner Baum“ (Faust 1)


    Hallo zusammen,

    jetzt ist mir beim Radeln durch den Wald trotz der Schwammerlflaute eine Pilzgruppe ins Auge gestochen. Leider schon etwas alt und vom Schneckenfraß gezeichnet. Eine Vermutung über die Art wage ich nicht abzugeben. Ich hoffe auf eure Experteneinschätzung und sage Danke im Voraus.

    Gewachsen an einem morschen Stubben; vermutlich Nadelholz

    Hut maximal 9 cm im Durchmesser, leicht schuppig, trocken

    Stiel schuppig, zylinderförmig nach unten breiter

    Fleisch fest kompakt, rein weiß

    Lamellen beim jüngeren weiß, beim älteren gelblich, herablaufend

    Lamellenschneiden auffällig ausgefranst

    Geruch unangenehm süßlich, Geschmack neutral

    Sporenpulver aufgrund des Alters nicht genau feststellbar, aber ein Hauch davon ist gelb bis ocker

    LG, Toni





  • Hallo Toni !


    Bei Deinem gut dokumentierten Fund handelt es sich um den Schuppigen Sägeblättling (Neolentinus lepideus).


    Siehe auch hier


    LG Sepp

    Eine Verzehrsfreigabe gibt es nur beim Pilzsachverständigen vor Ort

  • Allo Sepp,

    danke für die Info. Aber wie ist das mit dem Sporenpulver. Laut Literarur soll es weiß sein. Ich bemerkte aber nach einem Tag einen Hauch von gelb bis ocker. Jetzt nach 4 Tagen ist das gelb deutlicher geworden. Werden weiße Sporen im Alter gelblich?.

    VG, Tony


  • Hallo Tony,

    für mich spricht das für einen der anderen Sägeblättlinge, ohne dass ich davon viel Ahnung hätte.

    Da gibt es welche, bei denen gelbliches Sporenpulver angegeben ist. An eine Verfärbung, von weiß zu deinem deutlichen gelb, glaube ich nicht wirklich ....

    Beste Grüße aus Mecklenburg

    Jan

  • Hallo Tony !


    Die von Dir angegebene Verfärbung des Sporenpulvers erscheint mir auch irgendwie merkwürdig. Ich selbst habe noch nie Sporenpulver dieser Pilzart über mehrere Tage beobachtet, kann das also nicht nachvollziehen.


    Pablo gibt z.B. beim Artportrait des Schuppigen Sägeblättlings im Nachbarforum als Sporenpulverfarbe cremefarben an, was ich auch durchaus für zutreffend halte. Es sind ja auch die Lamellen bei älteren Exemplaren meines Wissens eigentlich nicht rein weiß, sondern eher cremeweißlich bis cremegelblich, was ja nicht zuletzt vom Sporenpulver herrührt.


    Vom makroskopischen Eindruck her fällt mir zu Deinem Fund jedenfalls keine andere Sägeblättlings-Art ein, weil die anderen Sägeblättlinge meines Erachtens alle etwas anders aussehen.


    VG Sepp

    Eine Verzehrsfreigabe gibt es nur beim Pilzsachverständigen vor Ort

  • Hallo!


    Es kann gut sein, daß hier die Farbe des Sporenpulvers ähnlich variabel ist, wie in der nahe verwandten Gattung Pleurotus (Seitlinge). Dort ist die Farbe auch innerhalb einzelner Arten recht variabel.
    Daß das hier ein Schuppiger Sägeblättling (Lentinus lepideus) ist, davon bin ich überzeugt. Selbst habe ich noch nie ein Exemplar dieser Art aussporen lassen, sondern für das von Sepp verlinkte Portrait aus einem Pilzbuch "abgeschrieben". Umso schöner, daß du hier einen Sporenabwurf gemacht hast. :agree:

    So kann man mal festhalten: Sporenpulver von Lentinus lepideus kann im Abwurf auch ockergelblich.

    Inwieweit das variiert, und inwieweit das hier mit Alter, witterungsbedingungen oder Substratbedingungen zusammenhängt, das müsste man dann weiter erforschen.



    LG; Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Hallo Pablo,

    vielen Dank für die recht umfassende Erklärung.

    Ich hätte irgendwie auch von der „einfachen“ Literatur erwartet, zumindest Hinweise auf diese Farbvariabilität zu bekommen.

    Also werde ich zukünftig gerade solche, nicht ganz alltäglichen Pilze immer mal aussporen lassen und halt selber darauf achten ...

    Beste Grüße aus Mecklenburg

    Jan

  • Hallo, Jan!


    Vielleicht haben auch viele Autoren gängiger Litertur da eben nicht so egnau hingeschaut, oder eben auch abgeschrieben von Leuten, die nicht genau hingeschaut haben.
    Dann geht man davon aus, daß so ein Pilz ohnehin gut erkennbar ist und nimmt es mit details der Beschreibung nicht ehr so genau. Solche Situationen gibt es immer wieder mal.
    Macht es dann jemand korrekt wie du, und geht systematisch vor mit Einbeziehung vieler Merkmale, dann fällt es halt auf.
    Das ist im Grunde auch gut so, und bestimmt werden noch ein paar ähnliche Situationen kommen. Darum sind eigene Beobachtungen ja so wichtig, und idealerweise macht man es so wie du jetzt: Genaau beobachten und dann die Detaails hinterfragen. :thumbup:



    LG; Pablo.

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  • Hallo,

    ich habe jetzt eine Vermutung, wie es zu dem gelb-orangen Sporenabwurfpräparat kam. Bei meinem neuen Präparat (Coriolopsis sp.; siehe Beitrag „nix“) kam es wieder zur gleichen Färbung, obwohl „weiß“ in den Büchern angegeben ist. Da muss wohl bei mir ein Fehler vorliegen.


    Ich hatte gelesen, dass man den Pilz mit einem Glas abdecken soll, damit es die Sporen nicht fortweht. Für weiße Sporen braucht man schwarzes Papier. Da ich aber kein schwarzes Papier zur Hand hatte, nahm ich ein Tablett mit schwarzen Streifen und stülpte ein Glas über den Pilz. Nun passierte folgendes: Bei der derzeitigen Hitzeperiode kam es zu einem Temperaturunterschied zwischen der Luft unter der Glasglocke und der Tablett-Oberfläche. Auf dem Tablett bildete sich unter dem Pilz Kondenswasser. In dieser wässrigen Phase entwickelten sich gelbe Bakterien, welche die Sporen besiedelten. Vielleicht hatten diese Bakterien bereits das Hymenium bewachsen. Es gibt sehr viele Bakterienarten, die in Kolonie gelb sind. Ich werde das mal vergleichend testen, wenn ich wieder weißsporende Pilze finde (Glasglocke mit Tablett bzw. Papier).

    Servus, Toni

  • Hallo, Toni.


    Ich decke Sporenabwürfe eigentlich nie ab, oder zumindest so, daß immer noch ein Luftaustausch stattfinden kann. Sonst ist wie du bemerkt hast das Risiko hoch, daß was kaputt geht, sowohl am Abwurf als auch am Pilz.

    Wöllte man es ideal machen, lässt man einen Pilzhut übrigens auf ein Glasplättchen absporen. Das kann man erstens mehrfach verwenden (weil im Gegensatz zu Papier abwischbar), zweitens kann man darauf mit dem Sporenpulver weiterarbeiten (zusammenschieben, chemische Reaktionen, Mikroskopie), drittens kann man ein Glasplättchen wunderbar über verschiedenfarbigen Untergründen vergleichen. Das wird insbesondere bei Täublingen ganz wichtig, wo man die einigermaßen exakten Sporenpulverfarben braucht.


    Hat man kein Glasplättchen, wäre die erste Frage: Warum denn nicht?

    Die zweite: Was kann man sonst nehmen?
    Und dann geht eigentlich nur: Weißes Papier. Schwarz und alle anderen Farben taugen nichts. Sporenpulver von PIlzen wird immer in der Relation zu weiß beurteilt, also sind auch eierschalenfarbenes, graues oder lilablassblaues Papier tabu. Woher nun die Farbe hier kommt: Die Erklärung könnte durchaus passen, aber es kann eben auch sein, daß man so manchem Pilz etwas mehr Variationsspielraum einräumen muss, als es das eine oder andere Buch erlauben möchte.



    LG, Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

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