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letzter Beitrag von Franz am

Leuchtpilz

  • Hallo Waldgänger,

    bin hier neu, aber oft im Wald. Kürzlich fand die Pilze auf dem miesen Foto und ihre Bestimmung macht mir Probleme. Eigentlich nur die Fundzeit. alles andere paßt gut zur Gattung Gymnopilus. Jedenfalls habe ich in keinem Pilzbuch gelesen, daß Pilze dieser Gattung schon im Mai fruchten. Weiß es jemand anders?

    Gruß - Franz

  • Hallo Franz,

    Pilze machen nicht das, was sie laut Pilzbuch machen sollen, nämlich nicht zu den vorgeschrieben Zeiten erscheinen. Dein Pilz würde ich mit Gelecktblättriger Flämmling bezeichnen.

    Viele Grüße


    Veronika Weisheit
    Pilzberaterin Landkreis Rostock




    Hinweis: Hier im Forum wird es von mir keine Verzehrfreigaben geben, obwohl ich Pilzberaterin bin.

  • Hallo.


    Vielleicht liegt es auch an der Interpretation, also wie wir manche Angaben verstehen.

    Oder sowohl als auch: Die meisten Angaben zur Phänologie in vielen Büchern beziehen sich wohl eher auf "Haupterscheinungszeiten".
    Wenn dann zB beim Flockenstieligen Hexenröhrling "Mai bis November" steht, soll das Funde im März, April oder Dezember nicht ausschließen, sondern eher datauf hinweisen, daß sie in den anderen Monaten halt weniger häufig sind.
    Gymnopilus penetrans (Fleckblattflämmling) zB bildet prinzipiell ganzjährig Fruchtkörper. Haupterscheinungszeit wäre aber in meiner Region September bis Januar und dann nochmal im April / Mai, immer natürlich bei geeigneter Witterung.
    Generell taugt Phänologie sowieso niemals als Merkmal zur Bestimmung. Vor allem, wenn nicht einem phänologischen Muster gleichzeitig konstant morphologische Merkmale zugeordnet werden können.



    LG, Pablo.

  • Hallo,


    das Problem ist, dass manche Autoren durchaus die Erscheinungszeit als Bestimmungskriterium bzw. Ausschlusskriterium verwenden. In einem meiner Bücher (müsste nachschauen welches) stand zum Beispiel beim Samtfußrüblinge als Verwechslungsmöglichkeit der Gifthäubling (wobei man darüber streiten kann), dazu aber, dass eine Verwechselung eigentlich nicht möglich ist, da er zu anderen Jahreszeiten wächst.

    Passt natürlich nicht, vor einigen Monaten hatte ich ja ein Bild von Gifthäublingen gepostet, auf die ich bei der Austern- und Samtfußrüblingssuche gestoßen bin – mitten im Winter.


    Viele Grüße

    Thomas

    Bestimmungsvorschläge sind immer unter Vorbehalt. Auf keinen Fall sind keine Freigabe zum Verzehr.

  • Hallo, Thomas!


    Ja, das ist dann sozusagen der Folgefehler, wenn in der Basislitertur nicht darauf hingewiesen wird, daß phänologische Angaben sich auf "Fruktifikationsschwerpunkte" beziehen, aber primär nichts mit der Artdefinition zu tun haben. Für Verfasser von Sekundärliteratur kann das dann in ungünstigen Fällen dazu führen, daß aus so einer Angabe ein Bestimmungsmerkmal gebacken wird. Gerade in solchen Fällen könnte das sogar fatal sein. Wenn jemand daraus für sich ableitet "ich muss im Winter nicht auf Gifthäublinge achtpassen, weil die kommen da nicht vor", erhöht das natürlich das Risiko gefährlicher Vergiftungen (Giftäublinge wachsen bekanntlich ganzjährig).



    LG, Pablo.

  • Hallo Pablo,

    natürlich sind Pilze unzuverlässige Kantonisten bezüglich ihrer Erscheinungszeit. Aber ist das bei anderen Kriterien anders, z.B. ihren Farben, Gerüchen und ihrem Geschmack, geschweige deren Intensitäten?

    Gruß - Franz

  • Hallo, Franz!


    Ganz klares "jein". :wink:

    Gerade Gerüche und Geschmack können schon sehr variabel sein und von vielen Faktoren sowie zudem noch von individueller Wahrnehmung abhängig sein. Farben sind schon oft deutlich wichtiger für Bestimmungen. Allerdings immer im Sinne eines "Farbspektrums". Teils aber auch ganz harte Kriterien, die bestimmte Dinge ausschließen (Beispiel: Hut ganz und gar ohne jeden noch so geringen Anflug von Pink = auf gar keinen Fall Königsröhrling; Hut mit deutlichen, klar erkennbaren Rosatönen = niemals und auf gar einen Fall Sommersteinpilz).

    Richtig harte Kriterien bekommst du dann bei Sachen wie der Sporenpulverfarbe (ist was Anderes als die Lamellenfarbe, so nebenbei) im Abwurf, Velumausprägungen, Verfäbungsverhalten im Schnitt, Haptik von Hutoberflächen, Konsistenz von Geweben...
    Klar, alles variiert immer in einem gewissen Rahmen. Es geht dann darum zu wissen, in welchem Bereich welche Merkmale am signifikantesten sind, wie man diese beurteilt und vor allem: Es geht meistens um ein Gesamterscheinungsbild aus der Kombination diverser Merkmale. Und das setzt sich im mikroskopischen Bereich fort.

    Letztlich gibt es nicht das eine, immer exakte Merkmal (auch DNA - Analysen nicht!) um eine Art zu bestimmen.

    Erscheinungszeit ist allerdings so dermaßen unsicher, daß man daran niemals Bestimmungen fest machen sollte. Da ist sogar die Fruchtkörpergröße meistens wichtiger.



    LG, Pablo.

  • "Letztlich gibt es nicht das eine, immer exakte Merkmal (auch DNA - Analysen nicht!) um eine Art zu bestimmen."

    Hallo Pablo,

    danke. Übrigens, es ärgert mich keinesfalls, daß es solches Merkmal zur Artbestimmung nicht gibt. Ganz im Gegenteil!

    Gruß - Franz

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