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Orange Tramete ? - Nein, Prächtiger Schichtpilz (Stereum insignitum)

  • Hallo liebe Pilzgemeinde,


    bei meiner heutigen Walking-Tour sind mir diese Pilze auf einem bemoosten Ast (vermutlich Nadelholz) aufgefallen.

    Wuchs und Statur sowie die Zonierung erinnern an die Schmetterlingstrameten. Allerdings sind diese hier knallig- fast schon

    Neonorange. Zudem sind sie ganz dünn, weniger als 1 mm dick.
    Ganz auffallend ist der Geruch, sehr chemisch an Desinfektionsmittel erinnernd. In afrikanischen und arabischen Ländern gibt

    es ein Desinfektionsmittel das heißt "TCP", daran erinnert es mich.
    Zudem scheint dieser Pilz keine Sporenträger zu haben - die Unterseite sieht fast genau so aus wie die Oberseite.

    Hat jemand eine Idee? Ich habe im ganzen Net nichts passendes gefunden.
    Für Hinweise die zur Namensfindung beitragen bedanke ich mich recht herzlich im Voraus.





    Unterseite (Bild oben und unten)




    Mit freundlichem Gruß aus der Südwestpfalz

    Berni


  • Hallo Berni,


    was anderes als "Stereum subtomentosus" (Samtiger Schichtpilz) kann ich mir nicht vorstellen.


    Es gibt zwei Merkmale an denen du meine Bestimmung überprüfen kannst:

    (1) Anwuchsstelle schmal (sehr kurz gestielt, oft bucklig)

    (2) Die Unterseite verfärbt sich beim Ärgern (Reiben) gelb.

    ---------------------------------


    Es gibt Doppelgänger:


    (1) "Stereum insignitum" (Prächtiger Schichtpilz), eine bevorzugt in Südeuropa an Eiche lebende Art.


    (2) "Stereum hirsutum" (Striegeliger Schichtpilz)


    (3) Helle Formen von "Trametes versicolor" (Schmetterlings-Tramete).


    Grüße Gerd

  • Guten Abend miteinander!


    Aus meiner sicht ein ziemlich eindeutiges Stereum insignitum (Prächtiger Schichtpilz).
    Die Art hat sich in den letzten Jahren auch nördlich der Alpen rasant ausgebreitet. In der Oberrheinebene ist sie zumindest an Rotbuche extrem häufig, an dem Substrat hat sie Stereum subtomentosum zumindest in meiner Gegend komplett verdrängt.
    Stereum subtomentosum ist längst nicht so freudig gefärbt, vor allem die satten Rottöne fehlen der Art oder sind nur als dünne, schüttere Linien ausgeprägt (und dann ein etwas anderes, trüberes Rot). Um Stereum subtomentosum hier zu finden, muss ich entweder an Birke, Weide oder Erle suchen, und am besten auch rechts und links der Rheeinebene in den Hügelländern, wo Stereum insignitum nicht ganz so häufig ist.

    Der Geruch spielt hier keine Rolle, auch wenn ich bisher kein Desinfektionsmittel daran gerochen habe.
    Viele Rindenpilze udn Porlinge machen geruchlich eh was sie wollen.

    Kommt jetzt bissel auf das substrat und die Fundregion an, aber mit dem Aussehen würde ich schon wetten, daß man da Acanthohyphidien im Mikroskop findet.


    PS.: Südwestpfalz? Also schon Südwesten von Rheinland - Pfalz? Erhöht die Fundwahrscheinlichkeit für Stereum insignitum schon noch mal deutlich. Wenn Substrat = Rotbuche.



    LG; Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Vorerst mal vielen Dank für die Antworten.


    Normalerweise würde mir Schichtpilz als Bestimmung genügen, hier siegt aber meine Neugier ob ich vielleicht doch den mediterranen Einwanderer erwischt habe.


    Ich versuche mal zusammenzustellen was für Stereum insignitum spricht:

    • den Geruch lasse ich mal außen vor
    • das Gilben beim Reiben an der Unterseite konnte ich nicht feststellen oder es war nur schwach ausgeprägt
    • Fundort liegt im derzeitigen Ausbreitungsgebiet (siehe Kartenausschnitt im Anhang)
    • auf dem vierten Bild von Oben glaube ich unten links in der Ecke das Graue der Buchenrinde zu erkennen --> Substrat Rotbuche (im Umkreis von etwa 20m standen mehrere Rotbuchen und eine mächtige Weißtanne)

    Das Exemplar bei dem ich die Anwuchsstelle fotografierte, habe ich mitgenommen. Nach dem Trocknen sind die Farben jedoch bei Weitem

    nicht mehr so leuchtend wie gestern im Wald. (siehe Bild im Anhang)


    Um letztendlich jedoch Sicherheit zu erlangen bräuchte es einen freiwilligen, der dieses Kerlchen mal unters Mikro schiebt :wink:, denn mit blosem

    Auge gelingt es selbst einem Pfälzer nicht die von Pablo erwähnten Acanthohyphidien zu finden.


    Ansonsten ist es entweder der Stereum subtomentosus oder der Stereum insignitum mit Tendenz zum insignitum.


    Nochmals herzlichen Dank für Eure Hilfe.


    Gruß, Berni



  • Hallo, Berni!


    Es gibt sogar tatsächlich schon Fundmeldungen >nicht allzu weit entfernt<.

    Also ich gucke natürlich gerne rein, ist keine große Sache. Und der Beleg sieht gut aus, der darf idealerweise noch richtig durchtrocknen (zB auf der Heizung für zwei Tage), dann kriecht auch kein Schimmel drüber beim Transport.



    LG; Pablo.

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  • Hallo Berni,


    wenn die Hutunterseite angefeuchtet beim Reiben nicht intensiv "chromgelb" fleckt, dann kann man meinen Vorschlag "Stereum subtomentosus" ausschließen.


    - Ein weiterer Punkt spricht für "Stereum insignitum":

    "G.J. Krieglsteiner: Die Großpilze Basen Württembergs" beschreibt den Hut als "braun bis schwarzbraun. Und das passt recht gut zu deinem jetzt gezeigten Bild.


    "Derbsch: Atlas der Pilze des Saarlandes" bringt eine Abbildung von "Stereum insignitum" mit eher +- schwarzbraunem Hut und bezeichnet diese Art "braunsamtiger Schichtpilz".


    Grüße Gerd

  • Hallo Gerd,


    der von mir sichergestellte Fund ist unterwegs zu Pablo.

    Er hat sich bereit erklärt das Mikroskop zur Auffindung der "Insignien" für Stereum insignitum zu bemühen.

    Es ist auch für mich nichts schwerer zu ertragen als die Ungewissheit, welcher Schichtpilz hier im Pfälzer Wald sein Unwesen treibt.


    Herzlichen Dank noch mal für deine Ausführungen und Dein Interesse an diesem Thema.

    Pablo wird sicher das Ergebnis hier publizieren.


    Freundliche Grüße nach Schwaben aus der Pfalz

    Berni

  • Hiatamandl

    Hat den Titel des Themas von „Orangene Tramete ?“ zu „Orange Tramete ?“ geändert.
  • Hallo, Berni - und alle, die hier mitdiskutiert haben!


    Also der Pilz ist inzwischen untersucht. Ich habe auch versucht, eine kleine Doku zu basteln:


    Also die Acanthohyphidien sind zahlreich vorhanden - aber wie immer eine scheusliche Strafe, die zu fotografieren. :wink:

    Das sind halt meistens wirklcih nur so drei bis fünf kaum mehr als 1µm große Auswüchse an den Spitzen der Hyphidien, die bei Stereum subtomentosum ganz glatt wären.


    Jedenfalls: Prächtiger Schichtpilz (Stereum insignitum) ist hiermit bestätigt. :thumbup:



    LG, Pablo.

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  • Vielen Dank Pablo für diese beweiskräftige Dokumentation.


    Zum Geruch möchte ich kurz noch folgendes anmerken:


    Bei meiner Tour am letzten Samstag fand ich an anderer Stelle diesen Schichtpilz wieder. (siehe Anhang)

    Auf den Ästen einer abgebrochenen Buchenkrone tummelten sich mehrere Arten von Schichtpilzen.

    Aufgefallen ist mir, dass nur der Prächtige Schichtpilz den von mir im Eröffnungsbeitrag erwähnten Geruch

    hat. Leider geht dieser Geruch beim Trocknen verloren.

    Dieser Geruch ist so speziell -ich hatte noch keinen Pilz der so oder so ähnlich gerochen hat.

    Ich werde weiter beobachten ob dieser Geruch dazu geeignet ist, Stereum insignitum gegenüber den ähnlichen

    Schichtpilzen, makroskopisch abzugrenzen.



    @ Pablo

    Einen nächsten Fund werde ich mit etwas Substrat bergen und dir in einer Frischepackung zukommen lassen. Würde mich

    interessieren ob nur die Funde hier im Pfälzer-Wald so riechen oder sich der Geruch mit den von dir gefundenen Exemplaren

    aus der Rheinebene deckt. (Natürlich deine Zustimmung vorausgesetzt)


    Nochmals ein herzliches Dankeschön für euer Interesse.


    Gruß aus der Südwestpfalz

    Berni

  • Hallo, Berni!


    Hm, besser kein Frischmaterial verschicken. Das geht nicht gut in dem Fall, zumal ich von kommendem Freitag bis nach Neujahr nicht daheim sein werde (und bis dahin vermutlich wenig Zeit für Untersuchungen bleibt).

    Auf den Geruch werde ich selbst aber mal achten, die Art ist hier im Mannheim rum ja jederzeit auf Kommando auffindbar (sofern irgendwo Rotbuchentotholz rumliegt).

    Bis jetzt ist nichts bekannt, ob der Geruch eine Rolle spielen würde. Kann man ja aber mal weiter testen.



    LG; Pablo.

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  • Hallo, Berni!


    Ja, tu das. :thumbup:
    Ich werd's auch tun (gucken und schnuppern).

    Frischpilze verschicken kann man schon auch mal machen, aber da muss man schnell sein. Also Paket nicht am Freitag Abend oder Samstag zur Port bringen und der Empfänger muss empfangsbereit sein. Die Sendung sollte auch besser nicht zur Packstation wandern, weil da kann man sie auch immer erst wieder am nächsten Tag abholen.


    Oder: Wir täten uns mal irgendwo auf halbem Wege treffen zu einer gemeinsamen Runde durch die Pilze. So arg weit ist es ja nicht auseinander.



    LG, Pablo.

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  • Berni1960

    Hat den Titel des Themas von „Orange Tramete ?“ zu „Orange Tramete ? - Nein, Prächtiger Schichtpilz (Stereum insignitum)“ geändert.
  • Hallo, Hexele!


    Nicht ganz einfach, ohne die Unteseite zu sehen und die ganze Kollektion (also auch Fruchtkörper an den Seiten des Stammes).

    Sieht von oben ziemlich behaart aus, also striegelig, da würde ich auch einen Striegeligen Schichtpilz (Stereum hirsutum) erstmal nicht ausschließen wollen, auch wenn das Farbspektrum ungewöhnlich wäre.



    LG; Pablo.

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