Beiträge von pilzscout

    Hallo zusammen,


    in der Bestimmungsliteratur finde ich bei den Porlingen teils genaue Angaben zur Porenform (eckig, rund, Anzahl pro mm; oft auch mit Foto), teils fehlen explizite Angaben (z.B. oft bei 123..). Wie soll ich als Laie es bewerten, wenn sich im Wachstumsverlauf (siehe Foto) die Form drastisch verändert? Ist dies normal, artspezifisch oder ein Kuriosum; ist die Porenform /-größe evtl. gar kein gewichtiges Merkmal.


    Nebenbei noch ein Foto. Auf der Schnittfläche eines umgesägten Baums (nicht auf dem Stubben) fand ich diese Objekte. Ist das etwas pilzliches? Durchmesser gut 1 cm, sehr hart, Geruch und Geschmack unauffällig. Das linke Objekt habe ich halbiert und die Bruchstücke liegen rechts. In meinem uralten Reichert-Deko-Mikroskop sah ich nur amorphe Masse. Evtl. sind Zuwachsringe zu erkennen. Bei 123.. sehen alle Abbildungen der Vielgestaltigen Holzkeule anders aus; oder sind das Schrumpfmumien.


    LG, Toni

    Hallo Pablo,


    die Hefen (Protoascomyceten, Endomyceten, Saccharomycten etc.) vermehren sich, solange es ihnen gut geht mit Sprossung, Teilung etc. Erst unter Stress (UV, Trockenheit, Hitze, Kälte, Nährstoffmangel etc.) bilden die perfekten Arten Ascosporen als Dauerformen. Die Mutterzelle ist dann der Ascus - ist wohl ein evolutionärer Vorgänger zu dem Schlauch mit 8 Sporen. Schläuche mit 8 Sporen sah ich nie, gibt es wohl auch nicht. Es werden zwei oder vier Sporen gebildet. Die Sporen sind nicht immer „tropfenförmig“ also +/- rund; bei einigen Arten sind sie Hut- oder Saturn-ähnlich. Leider fand ich dazu kein Foto mehr in meinem inzwischen stark ausgedünnten Fundus.


    In Laborkultur geht die Fähigkeit zur Ascosporenbildung meist dauerhaft verloren. Du wirst also bei Bier-oder Backhefe kaum versporte Hefezellen finden.


    Als Anlage ein weiteres Objekt, das man nicht alle Tage zu Gesicht bekommt. Die Gattung/Art Prototheca wickerhamii wächst in Kultur wie Hefezellen, wird aber obwohl chlorophylllos zu den Grünalgen gestellt. Auch so eine Übergangsform. Im Foto sieht man ebenfalls Sporen in der Mutterzelle. Man bezeichnet dies als Endosporen; sieht genauso aus wie die Ascosporen der Hefen (hier fehlt wohl die Karyogamie und Meiose). Ich habe mich aber nicht näher damit befasst. Auch hier bitte nicht die kleinen Fetttröpfchen beachten!


    LG, Toni

    Hallo Pablo,


    kannst du mir auch noch verraten, weshalb ..loma sächlich ist. Ich habe in meinem Altgriechisch-Wörterbuch nachgeschlagen. Am ähnlichsten kommt das Wort lonos = Schale, Rinde und lonos ist Masculinum. Oder gibt es einen anderen Wortstamm? Deine Erklärung ist schon plausibel, das setzt sich so fort, z.B. auch bei Hypholoma sublateritum und Hypholoma marginatum.


    LG, Toni

    Hallo Peter,
    deine Erklärung erscheint mir recht plausibel. Die Becherform dient der Oberflächenvergrößerung. Vielleicht kann ich das so zusammenfassen, auch wenn man dagegen viele Einwände wegen den Ausnahmen haben kann:


    Z.B. bei Spitz- und Speisemorchel wird die Fruchtschicht durch die Ausbildung von Falten, Lappen und Furchen vergrößert. Diese Formen wachsen saprophytisch, also auf Laub, Holzabfällen etc. und haben deshalb einen Stiel, um sich aus dem Mulch zu erheben. Bei den Lorcheln kann man zwei grundsätzliche Formen beobachten. Eine ähnlich gut ausgeprägte Form wie Morchella esculenta ist Gyromitra esculenta, und rudimentärere Formen wären Helvella, Paxina, Leptopodia oder Macroscyphus. Bei den Becherlingen sind viele Holzbewohner beheimatet. Diese verwerten wohl Lignin, Zellulose und Hemizellulose, was zum einen das Nährstoffangebot stark einschränkt und zum Energiesparen nötigt, andererseits sind die Äste oft schon erhaben, so dass sich ein Stiel erübrigt. Aufgrund des schwer zugänglichen Nährstoffs und des Verwurzelungs-Widerstands auf Holz sind sie auch meist sehr klein; vielleicht mangelt es auch an Stickstoff, Phosphor, Schwefel etc. (evtl. doch Teil-Resorption über den Becher). Ausnahmen gibt es - wie gesagt - immer. Der Gewöhnliche Orangenbecherling oder der Tiegelförmige Napfbecherling wachsen bevorzugt auf lehmigem Boden. Die Pflanzenkonkurrenz ist hier eingeschränkt; also brauchen diese keinen Stiel. Öhrlinge und Spatelinge haben das Exponieren der Fruchtschicht alternativ gelöst. Wie das nun mit Discina, Disciotis etc. erklärbar ist, lässt sich diskutieren.


    LG, Toni

    Servus zusammen,

    diese Woche war ich im Auwald. Morcheln fand ich nicht, dafür aber etliche Exemplare vom Mai- und Schuppigen Porling.


    Zur wissenschaftlichen Artbenennung habe ich eine Grundsatzfrage am Beispiel dieser beiden Arten.
    Polyporus lepideus
    Polyporus squamosus
    lat.: lepidus = zierlich (vermutlich sind die sehr kleinen Poren angesprochen)
    lat.: squameus = schuppig


    Mir ist schon klar, dass man bei der Erstbeschreibung eine schöpferische Freiheit hat, aber warum müssen so kleine Abwandlungen zum Latein sein. Warum nicht P. lepidus und P. squameus? War das Latein früher anders, konnten die nicht gut Latein, war das ein Spieltrieb oder ist es nicht schicklich, das Latein wörtlich zu übernehmen. Jedenfalls wäre es für einen „Lateiner“ einfacher, sich den Namen zu merken, wenn nicht diese kleinen Abwandlungen vorkämen. Manchmal enden sogar Gattungs- und Artname unterschiedlich auf ...us und ...um oder ...a und ...us etc., da bekomme ich glatt Bauchgrimmen.


    LG,Toni

    Hallo Peter und Pablo,
    hier 3 Fotos von Ascosporen bei Hefen aus der mikroskopischen Vorzeit. Bitte nicht auf die Vakuolen oder die kleinen Fetttröpfchen achten, sondern die hier vereinzelt jeweils 2 "kompakten" Einschlüsse sind die Ascosporen. Bei den Hefen hat man alles was keine Ascosporen zeigte zu Candida gestellt. Jetzt kann man aber mit Homologie-Nachweis meist belegen, dass es Doppelbenennungen für die imperfekte und perfekte Form waren. Ich stimme euch zu, bei der Systematik gilt auch der Satz "panta rhei".


    Pichia membranaefaciens


    Sasccharomyces cerevisiae


    Zygosaccharomyces rouxii


    LG, Toni

    Hallo Pablo,
    danke für deinen ausführlichen und sachkundigen Bericht. Dem gibt es nichts hinzuzufügen. Aber den eigentlichen Vorteil der Becherform weiß ich immer noch nicht. Irgend eine Qualität sollte diese doch haben; die Natur macht doch sowas Grundsätzliches nicht ohne Sinn. Interessant war zu erfahren, dass die Asci quasi expodieren können und ein Sporenstaub aufsteigt, wie man das bei den Bauchpilzen kennt. Übrigens, die Mehrzahl der Ascomyceten sind Hefe- und Schimmelpilze. Hier hat man bei der Artbenennung heute eine Definitionsdiskussion. Soll man die Artgrenze bei 90, 97 oder 99 ...% DNA-Übereinstimmung ansetzten. Bei Ascomyceten mit kompakten Fruchtkörpern sehe ich die Vielfalt nicht so groß wie bei den Basidiomyceten. Das zeigt mir jedes Pilz-Bestimmungsbuch. Aber vielleicht liege ich da auch falsch. Du wirst wahrscheinlich fragen, was ist kompakt, wo setzt man da die Grenze. Also das kann ich dir auch nicht sagen, jedenfalls ausschließlich der Schimmelpilze, ansonsten ist der Übergang von den Mikroorganismen zu den Makroorganismen fließend.
    LG, Toni

    Hallo zusammen,
    kann mir jemand etwas zum evolutionären Sinn der Becherform sagen?


    Bei den Basidiomyceten ist es klar. Der Stiel hebt die Fruchtform vom Boden ab, der Schirm schützt das Hymenium, die Sporen bleiben trocken und der Wind kann sie weit forttragen.

    Bei den Becherlingen innerhalb der Ascomyceten sammelt sich aber Schmutz und Wasser in der bodennahen Schüssel. Die Sporen verklumpen und werden - zumindest bei nassem Wetter - nur noch ausgeschwemmt. Somit wird lediglich das nähere Umfeld beimpft. Könnte das auch der Grund dafür sein, dass man in unseren Wäldern meist sehr viele Ständerpilze und sehr selten Becherlinge findet?


    Ist das nun eine evolutionäre Frühform oder hat das eine Bedeutung? Sollen vielleicht Kleintiere daraus trinken und somit die Sporen verteilen. Oder ist dies ein Wasserreservoir für trockene Zeiten wie bei der Wilden Karde. Oder werden darin Insekten gefangen und verdaut ähnlich den karnivoren Pflanzen (z.B. Schlauchpflanzengewächse).

    LG,Toni

    Hallo Boern, hallo Biologe,
    ich weiß um die Komplexität der Pilzarten (über 6000 Großpilze bei uns). Ich dachte aber, dass man mit reichlich Erfahrung auf diesem Gebiet wenigstens eine Schätzung über die Art abgeben könnte, wenn man davon ausgeht, dass eine häufig vorkommende Form vorliegt. Es sei denn, der Pilzfreund wäre in einem ungewöhnlichen Biotop fündig geworden (Moor, Gebirge, Sandfläche, Ausland etc.). Also, eine Art-Bestimmung wäre super, eine Vermutung über die Art wäre schön, eine Angabe der Gattung wäre hilfreich. Auch wilde Spekulationen können einem manchmal auf die Sprünge helfen. Ich will hier keine Wissenschaft betreiben, das geht heute eh nur noch mit DNA/RNA-Analysen.


    Was Anderes. Mikroskopische Präparate sind wohl unerlässlich für eine genauere Bestimmung. Ich hatte früher in meinem Labor ein super Phasenkontrast-Mikroskop + Stereo-Lupenmikroskop. Siehe die Fotos unten von Schwefelkopf-Sporen (1 + 2 mit Interferenzkontrast und 3 + 4 mit Phasenkontrast aufgenommen; die Maßstäbe liegen mir natürlich vor). Leider fehlt mir jetzt der Zugang. Ein solch gutes Mikroskop mit Camera kann man ab 3000 € (eher ab 5000) kaufen. Das geht mir für ein Hobby zu weit; selbst bei gebraucht liegt man noch in einer gut vierstelligen Größenordnung. Kann jemand ein preiswertes und doch gutes Mikroskop empfehlen? Ein Link zu einer entsprechenden Seite hier im Forum würde auch reichen.




    (Die Fotos wurden hierfür von ~4000 KB auf ~100 KB reduziert)
    Grüße, Euer PScout

    Hallo Wolfgang, zu1)
    Samthäubchen? Sollte da nicht der Hut mehr häubchenartig und nicht ausgebreitet sein.
    Auffällig ist bei 1, dass sich die Lamellen kurz vor dem Hutrand verzweigen und der Stiel oben wohl etwas weißflilzig ist.
    Ich fand ähnliche Pilze im Dez/17-Jan/18 auf einer sicherlich nie gedüngten Liegewiese nahe am Auenwald-Rand bei einem Badesee. Ich dachte spontan an einen Winter-Trompetenschnitzling. Der Hut war ausgesprochen hygrophan. Braunrot nass und weiß trocken. Kam dann aber zu Rasen-Häubling (GALERIA LAEVUS; siehe E. GERHARDT; BLV HANDBUCH PILZE, S. 289). Was meint die Community dazu?
    VG. Euer Schwammerlscout




    Hallo Pilzfreunde,
    leider habe ich keinen Querschnitt, kein ganz junges Exemplar etc. Ich werde mich bessern.
    Sicherlich gibt es sehr viele Braunsporer-Species. Aber die meisten sind doch klein bis mittelgroß. Wenn eine Art die Größe von einem Maronenröhrling erreicht, dürfte die Auswahl deutlich schrumpfen. Ich dachte an einen Kakofälbling. Aber es fehlte der Geruch nach Kakao. Vielleicht war nur meine Nase belegt. Ich lasse mich gerne eines Besseren hinsichtlich meiner laienhaften Einschätzung belehren. Deshalb hier die Anfrage.
    LG, Euer Schwammerlscout

    Servus zusammen,
    die Profies hier können sicherlich den Pilz auf Anhieb bestimmen. Gewachsen in Wald, überwiegend Fichten, Pilz ohne Besonderheit in Geruch und Geschmack, Hut bis 14 cm, Braunsporer, Gefunden Oktober 2017.
    Vielen Dank im Voraus,
    Euer Schwammerscout