Beiträge von Clavaria

    Hallo zusammen


    Es ist (schon wieder) nix los... Ich tue mal noch ein paar schöne Bilder von letztem Jahr ins Forum.

    Fragen, Korrekturen? Immer her damit.


    1) Peziza nivalis - Kleinsporiger Schnee-Becherling

    Der ist eigentlich von diesem Jahr, gefunden am 22.03.2020 auf 1500m neben dem schmelzenden Schnee, typisch für diese und zwei andere Becherlinge.


    2) Inocybe tricolor - Rhabarberstieliger Risspilz:

    Am Strassenrand, unauffälliges braunes Pilzchen im flachen Gras, aber wunderbar zum Untersuchen. 07.11.2019.



    3) Lepiota pseudolilacea - Falscher Lila-Schirmling

    Im feuchten Kiefernwald, 03.11.2019



    4) Leccinum holopus - Weisser Birkenpilz.

    Im Kiefernwald mit eingestreuten Birken. Ist es wirklich der? Nicht fragen, habe keinen Längsschnitt usw.

    Wuchs direkt neben der Lepiota pseudolilacea.



    5) Amanita citrina var. alba - Weisse Form des Gelben Knollenblätterpilzes

    Auch direkt neben den zwei vorherigen.



    6) Mycena concolor - Torfmoos-Breitblatt-Helmling

    Ist offenbar ein höchst seltener Helmling - oder wird er einfach oft übersehen?

    Er wuchs jedenfalls am Strassenrand kurz oberhalb einer kleinen Stadt, am 30.10.2019


    7) Cystolepiota seminuda - Behangener Mehlschirmling

    Auch am Strassenrand, am steilen Hang auf ziemlich nackter Erde.



    8 ) Conocybe gigasperma - Riesensporiges Samthäubchen

    Die Conocybe mit den grössten Sporen und wohl auch eine ziemlich Rarität. Hier in einer grossen Gruppe, am Strassenrand.



    9) Agaricus campestris - Feld-Egerling.

    Ja, es darf auch mal ein Bild von einem Speisepilz sein. Letzten Herbst kamen die in unglaublichen Massen und in bester Qualität.

    Und das verrückteste: Etwa 100 Meter von einer Hauptstrasse entfernt, wo sie jedermann sieht. Offenbar hatte niemand Hunger.


    10) Tulostoma fimbriatum - Gewimperter Stielbovist

    Mein erster Stielbovist, hatte richtig Freude daran. Das Bestimmen der Dinger ist gar nicht so leicht, es gibt viel mehr davon als man denkt.



    Es folgt noch mehr...

    Hallo Andy,


    Die Spatelinge wären übrigens sogar essbar oder zumindest ungiftig (was natürlich keine Freigabe ist). In neueren Büchern ist das nicht mehr erwähnt, weil sie klein und recht selten sind. Hier im Wallis ist der Spateling regional sehr häufig, da kriegt man gut eine kleine Beilage zusammen.

    Früher, noch ganz grün hinter den Ohren, wohl noch keine 16 Jahre alt und mit Interesse an Speisepilzen habe ich die mal probiert, weil sie im Cetto als essbar drin waren. Gar nicht so schlecht, sie hatten ein nettes Aroma.

    Heute käme ich aber nie mehr auf die Idee sowas meiner Familie vorzusetzen ;)


    Noch zum Ritterling, falls es denn wirklich einer ist: Schwierige Gattung, da sage ich lieber nichts anhand eines Fotos.


    Lg, Raphael

    Hallo Pablo


    Ja, ich denke das Problem von Fehlbestimmungen anhand "lückenhafter" Literatur ist sehr verbreitet.

    Andererseits mache ich den Autoren von PdS wie auch Cetto, Dähncke, Bresadola usw. keinen Vorwurf, dass sie nicht jede Art darstellen konnten oder diverse Fehlbestimmungen publiziert haben (zum "Pareys" enthalte ich mich mal einer Meinung...).

    Für mich sind das ziemliche "Pionierwerke", die geschaffen wurden in einer Zeit ohne Internet, oder als das Internet noch nicht viel hergab in der Mykologie.

    Die Literatur für die Bestimmung war zunächst mal schwierig überhaupt zu finden, dann schwierig zu beschaffen, natürlich teuer, und dann oft ohne Bilder, oder mit wenig hilfreichen Strichzeichnungen.

    Hochpräzise Monographien wie wir das heute mit Fungi Europaei für einige Gattungen haben, mit mehreren Fotos, Mikrobildern und sogar DNA-Untersuchungen für jede einzelne Art, waren kaum verfügbar oder halt eben auch dem damaligen Stand der Wissenschaft entsprechend unvollständig. Und alles stur nach Moser bestimmen war schon damals nicht die beste Empfehlung.


    Bei der Bestimmung schwieriger Gattungen muss man das halt berücksichtigen.

    Wenn ich eine Nolanea, Inocybe, Hebeloma oder einen Tintling bestimme, dann muss wirklich jedes Merkmal exakt passen. Dabei verlasse ich mich nie auf nur ein Buch (egal welches, denn jeder Autor macht Fehler).

    Ich versuche jede Bestimmung mit einer möglichst neuen Monographie oder wissenschaftlichen Publikation zu bestätigen.

    Das gelingt natürlich nicht immer, und auch damit ist man letzten Endes nicht immer absolut sicher, dass die Bestimmung stimmt.

    Oft trifft man auf Widersprüche in der Literatur, die nirgends kommentiert sind und landet damit in einer Sackgasse. Der Fund wird dann halt als "cf. a oder b" angeschrieben.

    Aber gerade das macht die Mykologie so spannend, zumindest für mich. Irgendwie wäre es langweilig, wenn ich ein Buch hätte, mit dem ich jeden Pilz zuverlässig und ohne Zweifel bestimmen kann.


    So, genug geschrieben. Ich muss noch ein Samthäubchen bestimmen, das ich gestern in einem Blumentopf zu Hause fand. Das wird vermutlich genau so ein schwieriger Fall. :)


    Gruss Raphael

    Hallo zusammen


    Am Sonntag fielen mir im Rasen vor unserer Ferienwohnung kleine, bräunliche PIlze auf.

    Von weitem dachte ich an die üblichen Düngerlinge, ging aus Langeweile aber doch schauen.

    Sieh an, ein Rötling. Sah aus wie der häufige Entoloma juncinum. Zu Hause unter dem Mikroskop wollte ich das rasch bestätigen.

    Aber eigentlich waren die Sporen durchwegs zu klein, und bei genauerem Hinsehen war der Stiel auch arg silbrig faserig.

    Somit kam ich rasch auf Entoloma ortonii, den Kleinsporigen Rötling.

    Die Untersuchung der HDS und die Schnallensuche namen noch einige Zeit in Anspruch, aber es passt alles zusammen.


    Warum gilt der als selten? Ich denke unter anderem aus folgenden Gründen:

    - Otto Normalverbraucher geht primär im Wald Pilze suchen, nicht im Rasen, und achtet nicht auf solche Pilzchen

    - Er sieht aus wie ein häufiger Rötling und wird deshalb gerne als dieser betitelt, ohne dass er untersucht wird

    - Er ist in vielen Büchern nicht drin, dann nimmt man halt den ähnlichsten den man im Buch findet




    Viele Grüsse aus dem sonnigen Wallis


    Raphael

    Hallo,


    Hygrocybe punicea bleicht im Alter gerne aus in Richtung orangegelb.

    Es gibt noch H. splendidissima, die oft als Varietät von H. punicea gesehen wird.

    Anhand des Fotos von einem alten Exemplar wird das aber kaum zu unterscheiden sein.


    H. conica müsste zumindest in dem Alter und nach Anfassen schwärzen, und die Hutform passt auch nicht.


    Gruss Raphael

    Hallo Jörg


    Darüber streiten die Experten noch. Candusso und Boertmann sagen nein und legen tristis mit conica zusammen. Jamoni trennt sie und begründet die Trennung m.E. gut.

    Letztenendes sind das alles nur Interpretationen äusserer Merkmale und der Versuch, daraus Rückschlüsse auf den Artrang zu ziehen. Wirklich Klarheit würde nur ein Interfertilitätstest bringen, oder auch genetische Untersuchungen. Beides wurde meines Wissens bisher nicht gemacht. Oder weiss da jemand mehr?


    Gruss Raphael

    Hallo Andy


    Hygrocybe ist mal sicher richtig.

    Ich hätte Hygrocybe punicea (Grösster Saftling) draus gemacht, die sind in dieser Region recht verbreitet.

    Auf der Weide hätte man sich gründlich umschauen müssen, im Gras sind dann meistens noch mehr davon und es gibt prachtvolle Fotos.


    Lg, Raphael

    Hallo zusammen


    Meine zweite Alpin-Exkursion brachte nichts Aussergewöhnliches. Bis auf einen Risspilz ist alles bestimmt:


    a) Entoloma sericeum - Seidier Rötling

    Der ist überall recht häufig, auf in der Höhe.



    2) Hygrocybe tristis - Finsterer Saftling

    (oder conica var. tristis, oder einfach conica, je nachdem wem man glauben will)

    Auch nix seltenes, aber immer wieder schön anzuschauen. Vor allem in einer so schön grossen Gruppe, es hatte noch viel mehr.


    3) Inocybe dulcamara - Bittersüsser Risspilz

    Auch diese Art kommt planar bis alpin überall vor.



    4) Laccaria montana - Berg-Lacktrichterling

    Den gibt es nur in montanen/alpinen Regionen. Vermutlich wird er oft mit L. laccata verwechselt.

    In der Literatur wird er unterschiedlich beschrieben, ich habe mich hier an die Beschreibung von Jamoni (Funghi alpini) gehalten.


    5) Lactarius salicis-herbaceae - Krautweiden-Milchling

    Dieser Milchling ist meistens höchst unmotiviert, wenn es ums Milchen geht. Ich musste ihn mit einer Präpariernadel ärgern, damit man die schöne Violettverfärbung der Milch sieht.


    6) Rickenella mellea - Honigbrauner Heftelnabeling

    Unterscheidet sich von der bekannten Rickenella fibula durch längere Sporen und natürlich den meist alpinen Standort.

    Der Honigbraune Heftelnabeling muss nicht unbedingt honigbraun sein, er ist oft so blass wie im Bild.

    Der Pilz ist angeblich selten, das liegt aber wohl daran dass die Hüte nur 3 mm breit sind und im Moos wachsen.



    7) Russula alpigenes - Gebirgstäubling

    Die Unterschiede zu Russula laccata sind sehr fein, im Wesentliche habe ich mich auf die etwas kleineren Sporen abgestützt.



    Viele Grüsse

    Raphael

    Hallo zusammen


    Schleimpilze sind nicht wirklich mein Ding... aber ich wüsste trotzdem gerne welcher das hier ist.

    Gefunden an einem liegenden, sehr altem Fichtenstamm.


    Im Internet bin ich auf Ceratiomyxa poroides gestossen, die wohl so ähnlich aussehen kann.

    Stimmt das?




    Viele Grüsse

    Raphael

    Hallo Pablo,


    Ja, das ist wirklich spannend, leider im alpinen Bereich sehr schlecht erforscht. Meistens steht in den Büchern einfach "bei Salix und Dryas".


    Interessant ist z.B. Alnicola cholae, die ich gefunden habe. Die ist offenbar streng verbunden mit Polygonum viviparum (Knöllchen-Knöterich), der alpin eigentlich überall häufig ist. Trotzdem scheint der Pilz selten zu sein, oder wird halt nicht beachtet.


    Lg, Raphael


    Ja, mit den neuen Sporenmassen sehe ich das auch so.

    Protostropharia semiglobata.


    Lg, Raphael

    Evtl. könnte es Leratiomyces percevalii sein (Holzmulch-Träuschling).


    Makroskopisch kommt der recht nahe, Sporengrösse passt auch. Standort muss nicht Holzmulch sein wie der Name vermuten lässt, der wächst auch auf Feldern bei pflanzlichem Abfall.


    Oder hat jemand eine andere Idee?


    Lg, Raphael

    Hallo Toni


    Wird schwierig, mit nur einem Exemplar... aber ist einen Versuch wert.
    Wenn das am Stiel ein Ring ist, kann es eigentlich kein Düngerling sein, die haben keinen Ring (ausser Panaeolus semiovatus, aber der hat deutlich grössere Sporen).


    Gab es auf der Wiese auch Mist (nicht unbedingt frisch)? Ist sie beweidet?


    Lg, Raphael

    Hallo zusammen


    Ich dachte ihr habt noch ein kleines Update verdient, was es sonst noch so gab dort oben:


    1) Cortinarius (Telamonia) galerinoides, Häublingsähnlicher Alpen-Wasserkopf:

    Es gibt einige ähnliche kleine Telamonien in der alpinen Stufe, diese hier zeichnet sich nebst der nicht allzu dunklen Farbe durch recht kleine Sporen aus.

    Die Sporen sind fein warzig, das sieht man leider auf den Mikrofotos kaum.

    2) Hebeloma marginatulum, Berandeter Fälbling

    Für diese Gattung bin ich Beker, Eberhardt und Vesterholt extrem dankbar für ihre Monographie (Fungi Europaei 14).

    Man muss sich am Anfang zwar ziemlich reinknien und einige schöne Kollektionen untersuchen, bis man damit zurecht kommt.

    Aber nachher ist der Bestimmungsschlüssel und die Dokumentation in dem Buch einfach unschlagbar.


    3) Inocybe egenula, Dürftiger Risspilz:

    4) Alnicola cholea (ohne deutschen Namen):

    Eine beinahe vergessene Art, die Ludwig unter Naucoria fellea als "vermutlich identisch" erwähnt.

    Moreau et al. haben später jedoch gezeigt, dass es eine eigene Art ist.

    Die Fruchtkörper sind stark vergrössert, der grösste hatte einen Durchmesser von 8mm.

    5) Lycoperdon cf. frigidum, Zwergweiden-Stäubling:

    Restlos sicher bin ich nicht, weil es kaum Literatur dazu gibt. Makroskopisch stimmt aber alles, mikroskopisch eigentlich auch. Insbesondere gibt es kaum Sterigmenreste an den Sporen.


    Zwei weitere Kollektionen (Inocybe und Cortinarius/Dermocybe) konnte ich bisher nicht bestimmen, wird wohl auch noch länger dauern.


    Die Wälder hier sind nach wie vor leergefegt. Am Sonntag war ich im montanen Nadelwald.

    Frust pur: Es gab ein paar einzelne Täublings-Mumien, für die mir der Speicherplatz auf der Kamera zu schade war.

    Ansonsten nur das hier, aber das in Mengen. Meine Familie hatte Freude daran, wir waren sie ziemlich egal... ;)


    Ich konnte es deshalb nicht lassen und war heute wieder sehr erfolgreich alpin unterwegs. Aber dazu ein anderes Mal.


    Viele Grüsse


    Raphael

    Könnte es Amanita lepiotoides sein? Ist der einzige Wulstling mit so auffällig schuppigem Hut den ich kenne. Hatte ich aber noch nie in der Hand.

    Obwohl der eher eine bräunliche Volva und in dem Stadium zumindest Überreste eines Rings haben müsste... so richtig glaube ich auch nicht dran.


    Gruss Raphael

    Tolle Doku Raphael, vielen Dank.

    Discina ancilis habe ich dieses Jahr auch öfters gefunden und mich jeweils gefragt ob es nicht

    um Discina perlata handelt. Weil ich nicht immer das Substrat eindeutig ermitteln konnte.

    Ob man diese zwei überhaupt auch mikroskopisch unterscheiden kann, hast du hier schon Erfahrung gemacht?

    LG Andy

    Hallo Andy


    Discina perlata und ancilis werden inzwischen als Synonyme behandelt, ancilis ist der ältere Name und hat deshalb Vorrang. Die Unterschiede sind wohl minimal und damit in der Bandbreite einer Art. Ob es sequenzanalytische Untersuchungen in der Gattung gibt, weiss ich nicht.


    Viele Grüsse

    Raphael

    Hallo zusammen


    Ich stecke noch knietief in der Bestimmung meiner alpinen Funde von vorgestern. Zeit für eine kleine Pause, und ein paar Bilder vom Frühsommer:


    1) Mycena abramsii, Voreilender Nitrathelmling:

    Gefunden am 14.06.2020, Fichtenwald, 980m.

    Von seinem gleich nachfolgenden Doppelgänger M. leptocephala lässt er sich gut anhand der Stielhyphen unterscheiden.


    Sporen in Melzer, 1000x:


    Stielhyphen in Kongorot, 400x. Kleine Auswüchse, wie bei vielen Helmlingen:


    2) Mycena leptocephala, Grauer Nitrathelmling

    gefunden 23.06.2020, Fichtenwald mit Moor auf 1450m.


    Hier sieht man die auffällig anders geformten Kaulozystiden:


    3) Coprinopsis marcescibilis, Grauweisser Faserling (früher Psathyrella marcescibilis):

    Grosse Gruppe im Gras neben oder auf Holzresten. Leider schon alle hygrophan ausgebleicht.



    Sporen in Wasser, 1000x:


    4) Gymnopus alkalivirens, Dunkelstieliger Rübling:

    08.06.2020, Trockener Fichtenwald auf 1450m. Wird oft gleichgesetzt mit Gymnopus fuscopurpureus, wovon ich nicht überzeugt bin.

    Ein wunderschön dunkler Rübling, mit einer speziellen Laugenreaktion. Siehe unten.



    Sporen in Kongorot, 1000x:


    HDS, die sind in KOH grasgrün vefärbt, wobei sich die grobe Inkrustierung innert 1-2 Minuten auflöst.

    Diese Reaktion gibt es meines Wissens nur bei 2-3 Gymnopus-Arten.


    5) Sarcosphaera coronaria, der Kronenbecherling

    Findet man hier andauernd... Aber dieses Jahr waren keine Musterexemplare dabei.


    6) Entoloma hirtipes, Traniger Glöckling:

    30.05.2020, Wegrand im Gras bei Fichten in einer grossen Gruppe, 1570m.


    Sporen in Kongorot, 1000x:


    Cheilos in Kongorot, 1000x


    7) Discina geogenius, Erdige Lorchel

    30.05.2020, Fichtenwald, 1570m. Bodenbewohnend, leider nur ein recht alter Fruchtkörper.

    Angeblich eine sehr seltene Lorchel, aber wohl oft mit der mässig häufigen Discina ancilis verwechselt (folgt im Anschluss).

    Makroskopisch gibt es keine verlässlichen Unterschiede, ausser vielleicht Farbnuancen und dem Standort (Boden statt Holz).

    Mikroskopisch sehen die Sporen völlig anders aus.



    Sporen in Melzer, 400x: Sie haben an beiden Ende eine kleine Warze.


    8 ) Discina ancilis, Scheibenlorchel:

    10.05.2020, Fichtenwald auf Baumstumpf, 1000m.

    Doppengänger von der vorherigen Lorchel. Anhand der Sporen aber leicht zu unterscheiden. Wächst zudem auf Holz.


    Sporenenden auffällig gespornt (Kongorot, 1000x):


    So, genug für heute. Bis bald.


    Viele Grüsse

    Raphael

    Das ist mal wieder typisch für mich. Habe mich mit den beiden Gattungen schon intensiv beschäftigt, die Monographie von Hausknecht gekauft, ein experimentelles Bestimmungsprogramm mit Merkmalen gefüttert, aber mit dem Speisewert bzw. der Giftigkeit habe ich mich nie bewusst beschäftigt. :hmmm:


    Werde mich beim Thema Essbarkeit wohl lieber zurückhalten ;)


    Lg, Raphael

    Hallo Timo


    Sieht für mich nach einem harmlosen Samthäubchen (Conocybe sp.) aus.

    Genauer bestimmen kann man die nur mikroskopisch.


    Soweit ich weiss, sind die alle ungiftig, jedoch keine Speisepilze.


    Viele Grüsse

    Raphael

    Helvella philonotis wäre schon ein sensationeller Fund. Die eigentlich in Nordamerika vorkommende Art ist in Deutschland bisher nur einmal in Niedersachsen gelistet. Ihr deutscher Name, Sumpfige Lorchel, sagt auch einiges über den Standort aus an dem die vorkommt.

    Hallo Jörg


    Die Art scheint praktisch nur arktisch/alpin vorzukommen und ist dort wohl gar nicht extrem selten.


    Vor ein paar Jahren wurden in der Gattung Sequenzanalysen durchgeführt, und folgende Namen laufen seitdem als Synonym für H. philonotis:

    - Helvella dovrensis Schum. 1992, aus Norwegen beschrieben

    - Helvella corium f. alpestris ss. Favre, 1955 aus der Schweiz (Graubünden) beschrieben

    - Helvella alpestris ss. Häffner 1987

    - evtl. auch Helvella queletii var. alpina Heim & Rémy 1932, Frankreich


    Im Schweizer Verbreitungsatlas die noch nicht alle synonymisiert, wenn man alle Namen zusammennimmt kommt man auf eine Handvoll Nachweise, alles alpin.

    Also doch recht weit verbreitet aber selten erwähnt.


    Unter dem deutschen Namen "Sumpfige Lorchel" finde ich die nahestehende Art Helvella palustris, die eher boreal/supalpin vorkommt und wohl etwas grösser wird.

    Habe ich leider noch nie in echt gesehen.


    Die "echte" Helvella alpestris, wie sie von Boudier beschrieben wurde, hat einen komplett schwarzen, weniger gefurchten Stiel.

    Die habe ich vor zwei Jahren auf einer alten Gletschermoräne auf 2700 m.ü.M. gefunden, leider nur mit einem miserablen Foto:


    Gruss Raphael

    Hallo zusammen


    In den hiesigen Wäldern ist tote Hose, deshalb bin ich ein wenig in die Höhe gefahren, nämlich hierhin:


    Der Moiry-Stausee liegt auf 2300 m.ü.M. und bietet zu dieser Zeit jede Menge Pilze, aber halt nichts für die Pfanne.

    Unten im Tal waren über 30°. Nach etwa 200 Metern Weg und den ersten zwei Kollektionen wurde ich von einem Hagelgewitter begrüsst, mit gefühlten Temperaturen um den Nullpunkt und einem bissigen Gletscherwind.

    Ich wollte Durchhaltewillen zeigen, und sammelte völlig durchnässt zwei weitere Kollektionen, bevor ich mich frustriert auf den Rückweg machte.

    Die Familien und Hundehalter waren längst alle in ihre Autos geflüchtet.

    Nur ein paar unverwüstliche Wanderer und ein Spinner auf der Suche nach LBMs waren noch draussen.

    Und natürlich viele von diesen hier:


    Beim Auto angekommen, hatte das Wetter sich umentschieden. Die Sonne war wieder da.

    Ich verbrachte noch ca. 45 Minuten dort oben, und sammelte noch einige schöne Kollektionen.

    Interessant ist immer, wie die Reaktionen anderer Menschen auf diese Tätigkeit sind.

    Wenn man da am Boden kauert, mit einem Pilzmesser, Alufolie und Plastikschachteln, kann man folgendes erwarten:

    - Mitleidige Blicke

    - Angestrengtes Wegschauen

    - Heimliches Tuscheln

    - Vorwürfe, weil man hier die Natur zerstört (am Stadtrand jeden Babypilz ausreissen ist ok, in den Bergen ist das was völlig anderes)

    - Und ja, manchmal wird man auch freundlich gegrüsst


    Von meinen 11 Kollektionen muss ich noch die meisten bestimmen, nur schon mal diese zwei:


    1) Eine Lorchel, die ich mal vorsichtig Helvella philonotis nennen möchte.

    Keine Ahnung, ob die auch einen deutschen Namen hat.

    Die Bestimmung muss ich aber noch bestätigen lassen, da die Art in der Literatur nur dürftig vertreten ist.


    Hier im Regen:


    Und dann zu Hause, nachdem sie oberflächlich abgetrocknet sind:


    Sporen in KOH, 400x:


    2) Russula laccata (oder Russula norvegica):

    In der alpinen Region häufig, es gibt eigentlich keinen Ausflug wo man den nicht findet. Anderswo praktisch nicht zu finden.

    Das Foto ist deutlich vergrössert, die Hüte haben etwa 2 cm Durchmesser.

    Der Hut blasst oft wie im Bild extrem aus, manchmal findet man praktisch weisse Exemplare.


    Sporen in Melzer, 1000x:


    Die restlichen Kollektionen liefere ich dann irgendwann nach:

    - Zwei verschiedene Fälblinge

    - Zwei verschiedene Risspilze (oder vielleicht ist es derselbe)

    - Ein Bovist

    - Eine Telamonia

    - Und drei weitere, wo ich mich jetzt noch nicht auf eine Gattung festlegen will


    Viele Grüsse

    Raphael

    MoinMoin!


    Den ersten kann man auch mal mit Calocybe civilis (Kuhroter Schönkopf) vergleichen. Vielleicht hat Clavaria eine Idee, ob Schönkopf oder eher nicht?


    LG; Pablo.

    Ich war gedanklich auch eher bei Rhodocollybia prolixa (var. distorta), wegen dem gefurchten und gedrehten Stiel.

    Bei Calocybe sollte der Stiel völlig glatt sein.


    Makroskopisch liege ich aber regelmässig im ersten Anlauf voll daneben und muss mich erst "rantasten".

    Um Calocybe civilis sicher auszuschliessen würde ich jetzt eine siderophile Granulation versuchen oder die Sporen genauer anschauen, die sollten bei Calocybe punktiert sein.

    Nur anhand der Fotos ist es schwierig zu entscheiden. Wohl kein Zufall dass Ludwig die Arten unter "VM" erwähnt.


    Gruss Raphael

    Hallo Pablo,


    Bisher nicht, habe mir aber schon vorgenommen mich mit ein paar meiner "unsicheren" oder erfolglosen Bestimmungen dort zu melden.

    Im Verein habe ich allerdings auch einen Spezialisten auf dem Gebiet, der mir ab und zu hilft.


    Gruss Raphael

    Ich glaube ich muss mal zu dir in den Kurs für das mikroskopieren 😳

    Hallo Andy


    Das Mikroskopieren wird oft überschätzt. Ich mache das seit zwei Jahren, vorher auch nur makroskopisch. Das hat mich aber mehr und mehr frustriert, am Ende war es oft ein munteres Ratespiel.

    Gelernt habe ich es mehr oder weniger alleine, aber ein paar Tipps im Verein und an der Pilzwoche im Entlebuch haben sehr geholfen.

    Lass dir Zeit damit, wie du richtig schreibst: Erstmal makroskopisch dahinter.


    Gruss Raphael