Beiträge von Clavaria

    Hallo zusammen


    Sitze gerade im Zug und habe nichts besseres zu tun. Im Juni war ich eine Woche im Schweizer Entlebuch (Sörenberg), eine sehr spannende Gegend.

    Ein paar schöne Funde möchte ich euch nicht vorenthalten.

    Bei Risspilzen etc. will ich euch nicht mit zu vielen Mikrobildern langweilen. Wer Interesse hat einfach fragen - seit letztem Jahr dokumentiere ich recht konsequent.


    1) Coprinellus disseminatus - Gesäter Tintling

    Keine Seltenheit, aber immer wieder schön wenn er in einer solchen Masse auftritt.



    2) Calocybe carnea - Fleischrötlicher Schönkopf

    Gefunden am Glaubenbielen-Pass in einer Moorwiese. Habe mir nasse Füsse eingefangen, aber Schönköpfe gehören zu meinen Lieblingsgattungen.



    3) Inocybe bongardii - Duftender Risspilz

    Gefunden im Auenwald bei Erlen, ein paar Fichten gab es dort auch. Der typische Geruch (Birne) war gut wahrnehmbar.


    Sporen in KOH, 1000x


    Cheilos in Kongorot, 400x


    4) Pholiotina vexans - Grosssporiger Glockenschüppling

    Ist wohl keine Seltenheit, aber viele Pilzler machen einen Bogen um diese LBMs. Mir machen die besonders Spass. Muss eine Krankheit sein...


    Sporen in KOH, 1000x


    5) Kuehneromyces lignicola - Glattstieliges Stockschwämmchen (?)

    Mit einem Fragezeichen, die Bestimmung war echt schwierig. Er fungierte drei Wochen als "brauner Holzpilz" in meiner Pendenzenliste.

    Sie wuchsen auf verbautem Holz, mit dem der Wanderweg abgestützt ist. Vermutlich Nadelholz (Fichte oder Tanne), dort wächst kaum was anderes.

    Die glatten, dickwandigen Sporen mit deutlichem Keimporus schliessen die meisten braunsporigen Holzbewohner aus.

    Der glatte, unberingte Spiel schliesst vom bescheidenen Rest nochmal viele aus.

    Alle gebräuchlichen Schlüssel (Moser, Gröger, Funga Nordica) führen mich immer wieder zu Pholiota/Kuehneromyces, wo eigentlich nur diese eine Art in Frage kommt.

    Mikroskopisch passt es auch sehr gut, aber die Fruchtkörper sind mir etwas untypisch. Leider gibt es in meiner Literatur nur wenige verlässliche Fotos.

    Vielleicht hat hier jemand noch eine andere Idee?



    Sporen in KOH, 1000x


    Cheilos in Kongorot, 400x


    Hyphige HDS in Kongorot, 400x


    Bis bald


    Raphael

    Geht mir ähnlich, wenn die sich in einer Region wohl fühlen, dann trotzen sie jeder Hitze, sind sehr standorttreu und wachsen sogar zweimal im gleichen Jahr.

    Diese wunderschönen Pilze lasse ich allerdings stehen...


    Bei mir gesellt sich gerne auch der Igel-Wulstling (Amanita echinocephala) dazu. Der soll leicht giftig sein, könnte man bei flüchtigem Hinsehen verwechseln:



    Gruss Raphael

    Vielleicht noch etwas am Rande, wir haben uns angeeignet nebst dem Lateinischen Namen auch den Deutschen Namen zu ergänzen. Hier im Forum gibt es einige Mitleser die das sicherlich begrüßen würden. 😉

    Hallo Andy


    Macht schon noch Sinn, da hast du recht.

    Ich gelobe Besserung und habe die deutschen Namen ergänzt :)


    Gruss Raphael

    Hallo zusammen


    Im Moment ist es etwas langweilig, die Pilze gönnen sich in meiner Gegend eine Pause.

    Falls niemand was dagegen hat, poste ich deshalb nach und nach ein paar meiner Funde von diesem und letztem Jahr.

    Habt Spass damit, für alle die Interesse daran haben. Einsprachen zu meinen Bestimmungen sind natürlich willkommen, ich lerne gerne dazu.


    Und nur zur Vorwarnung: Es sind keine Speisepilze in diesem Beitrag.


    1) Fomitopsis (oder Laricifomes) officinalis - Lärchenschwamm

    Sieht man nicht so oft, er wächst nur an Lärchen, ist auch dort selten und oft hoch oben am Baum, wo man gar nicht hinschaut.

    Da er in der Schweiz streng geschützt ist, durfte er natürlich am Baum bleiben. Ausserdem hatte ich keine Leiter dabei.


    2) Rhizocybe (ehemals Clitocybe) vermicularis - Lärchentrichterling:

    Gefunden im Lärchen-/Fichtenwald auf 1700m.ü.M.

    Die weissen Rhizoide geben der neu geschaffenen Gattung den Namen.

    Bei Trichterlingen habe ich immer Mühe vernünftige Sporenbilder zu bekommen...



    Sporen in Melzer, 1000x:



    3) Myxomphalia maura - Kohlennabeling

    Auf einem Kohlehaufen beim Grillplatz, wo er halt hingehört.


    Sporen in Melzer, 1000x:


    Cheilos in Kongorot, 400x:


    4) Inocybe ochroalba - Ockerweisser Risspilz

    Am Strassenrand bei Fichten und Lärchen.


    Sporen in Kongorot, 1000x:


    Cheilos in Kongorot, 400x:


    Pleuros in Kongorot, 400x


    Kaulos in Kongorot, 400x:



    5) Hebeloma laterinum - Bräunender Fälbling

    Waldrand bei Fichten und Lärchen:


    Sporen in Kongorot, 1000x:


    Cheilos in Kongorot, 1000x:


    6) Hebeloma celatum - Täuschender Fälbling

    In einem äusserst vielfältigen Mischwald:


    Sporen in Melzer und Wasser, zur Untersuchung der Jodreaktion. Bei Fälblingen ist es entscheidend, wie stark die Sporen reagieren.


    Cheilos in Kongo, 400x:


    So viel für heute, ein anderes Mal mehr.


    Viele Grüsse

    Raphael

    Hallo,


    Rein makroskopisch könnte es sein. Aber...


    Bei Risspilzen braucht man sehr viel mehr Infos, z.B.:

    - Geruch ganz wichtig, viel Zeit dafür nehmen. Unverletzt, im Schnitt und gerieben testen.

    - Gute Bilder von Sporen und Zystiden (Cheilo und Pleuro), inklusive viele Messungen der Sporen

    - Kaulozystiden oben und unten am Stiel suchen

    - Meist junge und alte Fruchtkörper nötig, damit man die Entwicklung des Velums beobachten kann


    Damit kriegt man sie einigermassen eingegrenzt, ohne ist es nur ein munteres Ratespiel.


    Inocybe erubescens hat die dumme Eigenschaft, dass er oft gar nicht so stark rötet wie man erwartet. Die hier habe ich neulich auf einem Kinderspielplatz gefunden - nicht unbedingt die beste Umgebung für so einen giftigen Pilz:

    So wie ich es verstanden habe ("gut war er"), ist er schon im Kopftopf gelandet. Finde ich recht mutig, ohne zu wissen was es ist und in diesem fortgeschrittenen Stadium.

    Bei Röhrlingen halte ich mich raus, da kennen sich andere besser aus.


    Lg, Raphael

    Interessant, das war auch mein erster Gedanke als ich ihn fand. Nachher war mir der Hut zu dunkel, aber das kann halt schon eine Alterserscheinung sein.


    Ich halte dieses Jahr an der Stelle nochmal Ausschau, vielleicht finde ich jüngere Fruchtkörper.


    Lg, Raphael

    Hallo zusammen


    Hier laufen ja jede Menge Röhrlingsspezialisten rum, zu denen ich mich nicht zähle. Die Röhrlinge sind mir aktuell zu verworren, die Merkmale zu wenig konstant. Aber wenn ich einen in der Hand habe, will ich halt dann doch wissen welchen.

    Letztes Jahr am 1. September bin ich auf diese hier gestossen. Es war sehr heiss, sie wuchsen am Sonnenhang, 900 m.ü.M., im Mischwald bei Fichten, Flaumeichen, Weiden und Hasel. Vielleicht auch sonst noch andere Bäume.

    Das Fleisch wurden im Schnitt schön himmelblau, mit den Stunden dann auch noch dunkler.


    Meine bescheidenen Bestimmungsversuche führten mich zu Rubroboletus rubrosanguineus.


    Hat jemand eine Idee dazu?


    Lg, Raphael




    Hallo zusammen


    Dem Goldtäubling gefällt es offenbar im Moment... bin vorgestern auch über welche gestolpert. Ja ok, keine Musterexemplare.



    Ansonsten heisst es jetzt durchhalten und auf bessere Zeiten hoffen ;)


    Viele Grüsse,

    Raphael

    Hallo zusammen


    Hallo Raphael

    Hier findet man auch noch eine schöne Aufbereitung der Becher- bzw Lorchelartigen Vielfältigkeit.

    Lorcheln / Gyromitra & Helvella - Ostsee-Pilze-Wismar

    Für die Makroskopisch Bestimmung kann es schon mal helfen, aber ich vermute mikroskopisch muss man hier auch einige Vergleiche annehmen.

    LG Andy

    Die Seite kenne ich, ist ein guter Einstieg. Leider kommen da die Mikromerkmale zu kurz und es fehlen auch viele Arten.


    Den Schlüssel kannte ich bisher nicht, der ist sehr hilfreich. Danke für den Tipp!

    Meine Bestimmung konnte ich damit bestätigen, führt mich schnurstracks zu H. confusa.

    Ich habe noch zwei letztjährige Funde von Helvella-Arten, die ich bisher nicht zufriedenstellend bestimmen konnte.

    Werde mich damit nochmal auseinandersetzen, wird spannend.


    Lg, Raphael

    Hallo zusammen


    Noch ein Nachtrag: Diese hier mussten erst noch bestimmt werden.


    Was auf den ersten Blick wie "irgendein Becherling" aussieht, ist eigentlich eine Lorchel, nämlich (höchstwahrscheinlich) Helvella confusa.

    Diese becherförmigen Lorcheln mit kurzen, geripptem Stiel sind sehr schwierig, es gibt kaum Literatur und viele widersprüchliche Abbildungen.

    Mir scheinen folgende Merkmale ausschlaggebend zu sein:

    - Gestalt und Länge der Stielrippen

    - Oberfläche der Aussenseite (die Farbe kann stark variieren)

    - Längen/Breiten-Verhältnis der Sporen

    - Standort (montaner Fichtenwald)

    Andere Meinungen sind herzlich willkommen, ich finde diese Art nun schon zum zweiten Mal und bin nicht restlos überzeugt.



    Sporen in Kongorot, 400x:


    Paraphysen in Kongorot, 400x


    Fund letztes Jahr, gleicher Fundort:

    Hallo zusammen


    Gestern im Fichtenwald auf 1500 m.ü.M. fand ich diese zwei nicht ganz alltäglichen Gesellen neben einem offenen Wasserlauf:


    Wynnella auricula (auch als Helvella silvicola bekannt )


    Sporen in KOH, 400x:



    Rhodocybe popinalis:


    Sporen in Kongo, 1000x



    Viele Grüsse

    Raphael

    Südschweiz = Ticino oder anderer Kanton?

    Hallo Pablo,


    Ich wohne im Wallis, was Pilze angeht wohl eine der vielfältigsten Regionen der Schweiz. Meistens bin ich in Kiefern-, Fichten- und Lärchenwäldern unterwegs, oder alpin was mich besonders interessiert.


    Und @Thiemo: Ja genau, so geht es mir dauernd. Ich sammle ab und zu Speisepilze für meine Familie, esse dann aber gar nichts davon oder nur ein Bissen zum Probieren. Löst regelmässig Kopfschütteln aus. Und natürlich völliges Unverständnis, wenn ich ziegelrote Risspilze heimbringe, die ich dann von den Kindern fernhalten muss :hmmm:

    Hallo, habe noch bei Breitenbach/Kränzlin ein Foto von beiden Arten mit Mikrozeichnung.

    illinita hat eine stark gelatinisierte HDS, ochraceolutea weniger stark. Ist aber schwer das anhand des Fotos oben zu entscheiden. Ansonsten hilft das Mikroskop nicht weiter.

    L. illinita kann auch eine Ringzone haben, vor allem an jungen FK (Ludwig nennt es "kantige Struktur", was eigentlich gut zum Foto passt). Der Stiel ist weisslich, bei ochraceolutea ist er ockergelb bis gelbbraun. Drum schien mir illinita besser zu passen. Aber wirklich entscheiden kann man das wohl nur mit dem Pilz in den Fingern.


    Beorn: Deinen Fund würde ich auch für ochraceolutea halten. Würde ich auch gerne mal finden...

    Hallo zusammen,


    Ich möchte mich auch kurz vorstellen.

    Ich heisse Raphael, 40 Jahre jung, lebe im Süden der Schweiz wo auch meine Pilzjagden vornehmlich stattfinden. Ich beschäftige mich seit über 30 Jahren mit Pilzen, das fing schon an bevor ich lesen konnte.


    Ich suche aber nicht für die Pfanne, sondern liebe es möglichst knifflige Arten zu bestimmen.

    Viele von euch mögen mich verurteilen, aber ich lasse regelmässig die schönsten Speisepilze im Wald stehen und nehme lieber ein paar Risspilze und Helmlinge mit.


    Ich werde mich hier ab und zu beteiligen wenn ich das Gefühl habe bei einer schwierigen Art helfen zu können, sonst werde ich eher ein passiver Leser sein.


    Viele Grüsse

    Raphael

    Hallo zusammen,


    Sieht für mich verdächtig nach Limacella illinita aus (oder Zhuliangomyces illinita, wie er jetzt so schön heisst). Passt makroskopisch, Sporengrösse auch.

    Habe mal Foto und Sporen-Mikro von meinem letztjährigen Fund angehängt

    .

    Gruss Raphael