Beiträge von StephanW

    Hallo Askger,

    viele Fragen auf einmal und reichlich Diskussionsstoff.

    Röhrlinge speziell unter Tanne sind mir nicht bekannt, die Ubiquisten unter den Röhrlingen wie Rotfüße, Maronen, Ziegenlippen, Steinpilze können sicher auch unter Tanne vorkommen.

    Selbst im Schwarzwald sind reine Tannenbestände sehr selten. Schau doch mal nach, ob sich zwischen die Tannen in deinem Wald Fichten und/oder Buchen dazwischengeschlichen haben.

    Dass Anfang Juni erstmal nur Hexenröhrlinge (und Sommersteinpilze?) zu finden sind, ist ganz normal. Im Schwarzwald entwickelt sich die Artenvielfalt oft erst in der zweiten Juli- bzw. ersten Augusthälfte, je nach Großwetterlage.

    Im Schwarzwald gibt es meines Wissens keinen Muschelkalk. Der Untergrund besteht im Westschwarzwald aus Urgestein (z. B. Gneis) und vor allem im Ostschwarzwald, Richtung Schwäbische Alb, aus höheren Jurakalkschichten. Auch der Dinkelberg und der südliche Hotzenwald bestehen aus Jurakalk. Die obere Bodenschicht ist im Nordschwarzwald ausgesprochen moorig-sauer, im Feldberggebiet außerhalb der Moorgebiete eher neutral, und im Ostschwarzwald leicht bis stark basisch.

    An Röhrlingen lassen sich im "typisch schwarzwäldischen" Schwarzwald vorwiegend Schönfüße, Fichtensteinis und Nadelwald-Anhängselröhrlinge finden. In der Gegend um Hornberg, wo es viele Kiefern hat, ist auch der Kiefernsteinpilz nicht selten. Rotporer wie Satanspilz und seine Verwandten finden sich reichlich im südwestlichsten Teil, z. B. südlich von Freiburg oder auf dem Dinkelberg.

    Für den Speisepilzsammler sind selbstverständlich auch die berühmten "Pfifferlingsteppiche" im Nord- und Westschwarzwald interessant, wegen diesen fahre z. B. ich alljährlich im Spätsommer in den Schwarzwald.

    Wenn du schreibst, wo genau du residierst, könnte ich dir gerne zurückschreiben, ob ich da schon mal gesucht habe und was genau ich da gefunden habe.

    FG

    StephanW

    8. Nach mehreren Stunden dann schlussendlich doch noch der erste Täubling des Jahres. Unter Roteichen stand dieses angefressene, stinkende Einzelexemplar aus der Sektion der Stinktäublinge.


    Mitnehmen wollte ich das Madenhotel dann aber nicht mehr.

    Hallo Schupfnudel,

    wird schon der Kratzende Kammtäubling (R. pectinatoides/praetervisa oder wie auch immer er gerade wissenschaftlich heißt) sein.

    FG

    StephanW

    Hallo zusammen,


    hier noch mein unmaßgeblicher Senf zum Thema:


    - auf dem Foto in Beitrag Nr. 7 sind mehrere gesplitterte Lamellenstücke zu sehen (auf 2 Uhr, auf 5 Uhr und auf 8:30 Uhr), also scheint die Angabe "Lamellen biegsam" nicht zu stimmen

    - die Sporen in der Anfragedoku sehen in Form, Größe und Ornament schon sehr nach Russula-vesca-Sporen aus

    - die nur schwach anfärbbaren, überhaupt nicht keuligen Pileozystiden passen ebenfalls gut zu R. vesca

    - den rostfleckigen, basal etwas verjüngten Stiel kennt man ebenfalls von R. vesca, ebenfalls die positive Eisensulfatreaktion (ob das nun Fleischrosa oder Lachsorange war, lässt sich ohne Foto nicht verlässlich klären)


    R. cyanoxantha fällt wegen der spröden Lamellen und der positiven Eisensulfatreaktion gänzlich raus, für eine Griseinae ist das Sporenpulver zu blass, und man hätte unter dem Mikroskop keulige, gut anfärbbare Pileozystiden finden müssen.


    Mein Fazit wäre, dass das wohl doch R. vesca sein kann. Thiemo hat natürlich recht, dass zur vollständig überzeugenden Dokumentation ein Foto von einem Crins gehört, wenn schon mikroskopiert wurde.


    FG

    StephanW

    die Rötung ging ruckzuck, hab ein Stück abgebrochen zum dran riechen und schon war es eingefärbt.

    Hallo Miesmuschel,

    bei einem Reizker ist die Milch von Anfang an rot. Was Pablo meinte: war die Milch von der ersten Sekunde an wein-/violettrot (was meiner persönlichen Einschätzung nach bei deinem Pilz der Fall war), oder war sie erst karottenrot und hat dann später auf weinrot umgefärbt? Dies ist bei Reizkern (es gibt hierzulande um die sechs Arten) ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal.

    FG

    StephanW

    Hallo Corinne,

    bei Täublingen dieses Aussehens solltest du die Brüchigkeit der Lamellen testen und ein Sporenabwurfpräparat machen, ob die ausfallenden Sporen weiß oder blassgelblich sind. Damit kann man eventuell bis auf die richtige Art kommen.

    Einige der von dir gezeigten Exemplare sehen mir nach Papageientäubling (Russula ionochlora) aus, aber nur dem Aussehen nach kann das auch trügen.

    FG

    StephanW

    Hallo Franz,

    der Frauentäubling ist hier möglich, aber nicht sicher. Täublinge der Sektion Griseinae können auch so aussehen. Der Hinweis mit den elastischen Lamellen ist sehr zielführend, das solltest du unbedingt testen. Es würde auch sehr helfen, ein Sporenabwurfpräparat zu machen. Frauentäubling = weiß, Griseinae = rahmgelb/buttergelb.

    FG

    StephanW

    Hallo Pilzscout,

    welchen Sinn soll es machen, Sporen anzufärben? Dadurch wird doch nur die naturgegebene Färbung übertönt, also lass das mal besser.

    Meiner Meinung nach sehen die Sporen ein wenig nach Dachpilz aus. Schau doch mal, ob du an den Lamellenflächen dickwandige Zystiden mit Haken findest. Dann könnte man den Pilz durchaus zum Dachpilz ernennen.

    Diese seltsamen grauen Böbbel könnten tatsächlich eine Reaktion der Sporen auf das Eosin sein. Hiefür fehlen mir jedoch die Erfahrungswerte, ich habe noch nie gehört, dass jemand seine Sporenpräparate mit Eosin versetzt.

    FG

    StephanW

    Die Behangenen Faserlinge, ab wann kommen jene welche in die Suppe, bzw. Brühe oder dazu?

    Hallo Ralph,

    die kommen dann dazu, wenn du sie sicher bestimmt hast. Denn ob die von dir gezeigten Pilze wirklich Behangene Faserlinge sind, hat niemand bestätigt, wird niemand bestätigen und kann auch niemand bestätigen. Ein ausgebliebener Widerspruch gegen deine Namensvergabe ist keine Bestätigung, das solltest du nicht miteinander verwechseln.

    FG

    StephanW

    Hallo Andy,

    Russula grisea hat Sporenpulverfarbe 2c, also schon ziemlich gelb. Dein Fund mit seinem weißen/weißlichen Sporenpulver kann definitiv nicht R. grisea sein, zu all den anderen an diesem Abend kann man nichts sagen.

    FG

    StephanW

    Hallo magicman,

    im Frischzustand waren die Lamellen dieses Pilzes höchstwahrscheinlich nicht gelb und auch nicht wellig. Auch der Hut hatte höchstwahrscheinlich einen anderen Farbton. Der Geruch war höchstwahrscheinlich auch anders, die süßliche Note ist typisch für welke, eintrocknende Pilze. Somit gibt es nichts mehr, worauf man eine Bestimmung stützen könnte. Es hilft nur eines: noch einmal an diese Stelle gehen, nachschauen ob noch was nachgewachsen ist, und dies dann nochmal anfragen.

    Edit: Wenn dies ein Rätsel wäre, würde ich ganz frech den Gelblamelligen Waldfreundrübling (Gymnopus ocior) oder aber den Fleischrötlichen Schönkopf (Calocybe cornea) raten - aber halt raten.

    Edit 2: mir ist schleierhaft, wie du bei dem burggrabenartigen Lamellenansatz ausgerechnet auf einen Trichterling kommst - diese Pilze sind doch nun wirklich nicht trichterförmig.

    FG

    StephanW

    Hallo Peter,

    was man auf diesen beiden Fotos sieht, ist nicht wissenschaftliches Arbeiten im Sinne von Forschen, sondern es geht nur um das (Wieder-)Erkennen von Verdächtigen. wie im Fahndungsbuch der Polizei. Damals wusste ich leider noch nicht, wie man R. amoena und R. amoenicolor auseinanderhält, heute wüsste ich es. Kann ja sein, dass er heuer wieder auftaucht, dann packen wir ihn.

    Aber wir zerschießen gerade Andys Thread.

    FG

    StephanW

    Hallo Theodosius,

    Schuppige Porlinge, die Hutdurchmesser von 30 cm und mehr haben, bekommst du nicht mehr weichgekocht. Aber eine gute Pilzbrühe können sie vielleicht noch ergeben.

    FG

    StephanW

    Noch ist es ein sehr vager Entschluss, mich mit Russula zu beschäftigen.

    ...

    Wird also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht meine neue Baustelle werden,

    Och, die Täublinge machen auch Spaß, wenn man sich nicht hochwissenschaftlich mit ihnen beschäftigen will. Kommt immer drauf an, welche Ansprüche man an sich selber und an seine Bestimmungsarbeit hat.

    FG

    StephanW

    Grammatisch gesehen müsste auch "eine Griseinae" (Nominativ Plural) falsch sein (Sektionsbezeichnung Griseinae = die Grisea-artigen), und es müsste stattdessen "eine Griseina" (Nominativ Singular), oder von mir aus auch "eine Griseinarum" (Genitiv Plural; eine der Grisea-artigen) heißen, oder Herr Lateinlehrer? Ich frage das, weil jeder unreflektiert "eine Griseinae" sagt.

    FG StephanW

    Alles klar! Mein Beitrag #9 nimmt Bezug auf das zielführende Vorgehen, und richtet sich ja an die Allgemeinheit.

    Nun lasset uns jubilieren, dass es endlich wieder Täublinge gibt.:)

    FG

    StephanW

    Hallo Andy,


    hier nochmal das Makroprogramm für Griseinae:

    1) Ausschließen des Frauentäublings: Lamellen splittern, Lamellen schmecken leicht prickelnd schärflich; Sporenpulver nicht weiß (also nicht 1a oder 1b), sondern rahm-/buttergelb; Eisensulfatreaktion deutlich rosa oder orange

    2) Bestimmung innerhalb der Sektion: Eisensulfat nur schwach und schmutzig rosa oder kräftig rosaorange; Sporenpulver von 2a bis 2c/d, bei R. medullata ockergelb; drauf achten, ob der Boden exakt an der Fundstelle wirklich sauer-sandig oder nicht vielleicht doch basisch-lehmig ist.


    Im übrigen finde ich super, dass du dich aufgrund von Sachkritik nicht persönlich angegriffen fühlst, das hat nicht jeder drauf.


    FG

    StephanW

    Hallo Andy,


    mach dir nichts draus. Meine Bestimmungen von R. ionochlora und R. grisea im Vorjahr hat Stephan auch zerpflückt

    Ich will hier nichts zerpflücken, sondern nur darstellen, worauf man achten sollte, wenn man verwegenerweise vorhat, eine Griseinae ohne mikroskopische Untersuchung festzumachen. Klar besteht keine Verpflichtung, das so zu machen, aber man will ja mit seinen Bestimmungen seriös wirken.

    FG

    StephanW

    Hallo Andy,

    aus meiner Sicht kannst du den leider nicht archivieren. Andere Griseinae können auch so aussehen. Die Sporenpulverfarbe kann man anhand deiner Doku nicht erkennen, auch ist die Eisensulfatreaktion nicht deutlich zu sehen. Sporenpulverfarbe 1a oder 1b weist jedenfalls von einer Griseinae weg und hin zum Frauentäubling, ebenso der angeblich milde Geschmack, denn eine Griseinae ist typischerweise nicht ganz mild. Was du bei einer Griseinae mit Phenol und Guajak erreichen willst, weiß ich nicht. Ein Foto mit einer Guajakreaktion nach 30 Sekunden hat keine Beweiskraft, nach 5 bis 10 Sekunden müsste man es schießen.

    Tipp von mir: wenn du eine Griseinae makroskopisch festmachen willst, was bekanntermaßen schwierig ist, erhebe die exakte Sporenpulverfarbe und verwende für den Eisensulfattest Kristalle und keine flüssige Lösung. Versäume auch nicht, über die Lamellen zu streichen, vielleicht sind sie ja gar nicht spröde.

    FG

    StephanW