Kiefernspeitäubling (RUSSULA SILVESTRIS c.l)

Es gibt 7 Antworten in diesem Thema, welches 1.023 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (18. November 2022 um 20:51) ist von Steigerwaldpilzchen.

  • Hallo liebe Pilzfreunde

    Ich möchte gerne wissen, ob ich mit dem Kiefernspeitäubling (RUSSULA SILVESTRIS c.l) richtig liege?

    Funddatum: 20221018_01

    Fundort: im Nadelwald

    Begleitbäume: Kiefern, Weisstannen, Fichten,

    Wuchsform: gesellig
    Hutform: eingedellt, ausgebreitet

    Huthaut- Konsistenz: glänzend und klebrig, zerbrechlich

    Huthaut-Farbe: rosa, Mitte auch cremig ausblassend

    Huthaut-Abziehbarkeit: ganz abziehbar

    Fleischfarbe unter Huthaut: weiss

    Hut-Frassstellen-Rand-Verfärbung: weiss

    Hutrand: leicht gerieft

    Lamellen: weiss

    Lamellensprödigkeit: brüchig

    Lamellenschneiden: glatt

    Lamellen-Stielübergang: schmal angewachsen, wenige gegabelt

    Stiel: weiss, voll, eher weich, brüchig, längsaderig

    Stielbasis: zylindrisch, leicht keulig

    Fleisch: weiß,

    Größe: Hutdurchmesser 4-5cm; Stiellänge 5-6cm, Stieldurchmesser ca. 10mm
    Sporenpulverfarbe: Ia – Ib Tabelle Fr. Marxmüller,

    Geruch: fruchtig  

    Geschmack: scharf in allen Teilen

    Reaktion Stielcortex mit Eisensulfat: nach 30 sec rosa

    Reaktion Stielcortex mit Guajak: sehr langsam und schwach auch nach 90 sec (hellgraugrün)

    Bild 1

    4

    Bild 2

    Bild 3

    Bild 4

    Bild 5

    Bild 6

    Bild 7

    Bild 8

    Bild 9

    1000× in Melzer Sporen aus Abwurf 9.81 – 8.52 – 8.22 x 9.31 7.46 – 7.05 Q = 1.14

    Sporenform überwiegend rundlich bis breitelliptisch, das Ornament bis 0.6 -1.0 µm hoch

    Bild 10 Sporenornament: zum teil miteinander verbunden

    Bild 11 Beobachtung in der HDS mit Kongorot (SDS) bei 400× Haare gewellt und apikal verjüngt


    Bild 12 Beobachtung in der HDS mit Kongorot (SDS) bei 400× Pileozystiden sind mehrheitlich keulig oder abgerundet

    Bild 12a

    Bild 13 Beobachtung in der HDS mit SV bei 400× Pileozystiden sichtbar, einzeln und mehrfach septiert

    Bild 13a

    Vielen Dank für die Antwort schon im Voraus.


    LG Hubi

    Einmal editiert, zuletzt von Hubi (22. November 2022 um 08:55)

  • Hallo Hubi,

    alles meiner Meinung nach richtig für Russula silvestris. :thumbup:

    Das Sporenornament darf man allerdings schon als teilnetzig bis netzig bezeichnen. Ist jedoch sehr fein und nur mit guter Optik hinreichend zu erkennen.

    LG Thiemo

    Bestimmungsvorschläge anhand von Fotos sind immer unter Vorbehalt und mit Restrisiko!

    Eine Freigabe zum Verzehr können nur Pilzsachverständige vor Ort geben! -> Pilzsachverständige finden

  • Hallo Thiemo

    Danke für Deine Stellungnahme und Bestätigung, die mich einmal mehr sehr freut.

    Noch eine kurze Frage? Sollte man das Sporenelement der Täublinge in H2O testen. Es wäre schön, einen Tipp zu bekommen.

    LG Hubi

  • Hallo Hubi,

    für das Sporenornament braucht man ganz zwingend Melzers Reagens, will man die oft bestimmungsrelevanten Verbindungslinien zwischen den Warzen und Stacheln sichtbar machen. In Wasser sieht man nur die Warzen und Stacheln selber, und das auch nicht wirklich gut.

    Im Gegensatz zu Thiemo bin ich mir nicht sicher mit R. silvestris. R. silvestris hat einen monochromatischen Hut, d. h. in der Huthaut sind lediglich rote Farbpigmente enthalten. Auf deinem Foto kommt das aber so rüber, als wären insbesondere in der Hutmitte auch blaue Farbpigmente vorhanden, was ein Ausschlusskriterium wäre. M. a. W.: die Hutfarbe finde ich ziemlich untypisch für R. silvestris, das sieht mir eher so aus wie R. betularum oder auch eine sehr blasse R. atrorubens. Selbstverständlich können auf Fotos die Farben auch täuschen.

    FG

    StephanW

    Für meine hier gemachten Aussagen zu Pilzen übernehme ich keinerlei Haftung, es sind insbesondere keine Essfreigaben.

  • Hallo StephanW

    Vielen Dank für Deine Einschätzung. Vieleicht kann man die Farben auf diesen Fotos besser erkennen.

    Wenn nicht würde es mich freuen um einen Tipp wie ich weiter vorgehen muss um eine Korrekte Bestimmung zu bekommen. den ich habe noch ein Exsikkat.

    Bild 1 am Fundtag

    Bild 2 Am Morgen nach 24h Vorderseite

    Bild 2a Am Morgen nach 24h Rückseite


    LG Hubi

  • Hallo,


    Dann lege ich meine Überlegungen mal offen und stelle sie zur Diskussion.


    Mit R.betularum hatte ich aufgrund der Färbung auch etwas gehadert, jedoch passte für mich das Habitat nicht (feucht und Birke fehlen). Müssten die Sporen da nicht auch größer sein?


    R.atrorubens wäre noch eine Idee, die zu überprüfen wäre. Hatte die nicht kleine, längliche Sporen?


    Mit der Sporenform und Größe kann es auch kein R.fragilis sein.


    R.emetica s.str. wäre größer und röter gefärbt, kommt zudem nur in Mooren vor.


    Die Hutfarbe ist in der Tat nicht typisch. Mangels Alternativen ging ich von nicht farbechten Fotos aus.


    LG Thiemo

    Bestimmungsvorschläge anhand von Fotos sind immer unter Vorbehalt und mit Restrisiko!

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  • Hallo Thiemo, StephanW

    Ich habe Eure Antworten nochmals geprüft und komme nun zu folgenden Ergebnissen:

    R atrorubens

    Das Sporenpulver sollte ja nicht rein weiss sein, sondern gegen Ib. Die Sporen sollten kleiner aber relativ länglicher sein. Zudem soll die Guajak Reaktion leicht positiv sein. Daher habe ich diese Art ausgeschlossen.

    R. betuarum    

    Die Sporen sollen eher grösser sein, und die Warzen nicht über 8m. Dieser Pilz bevorzugt Birken (seltener Fichten) liebt eher Sumpfwiesen. Daher habe ich diese Art ausgeschlossen.

    R. sylvestris       

    Ich hoffe, dass man mit den Fotos vom Post 5 eher die aktuellen Farben zur Geltung kommen. Es ist sehr schwierig, die Farben zu beurteilen ohne Funderfahrungen und Vergleichsbilder. Die Grösse der Sporen und die Warzen bis 1.1µm, sowie das Gilben der Lamellen über Nacht, die 3-4 Fach septierten Pileozystiden und vor allem das Habitat sprechen eher für Russula Silvestri.

    Ich danke Euch für Eure Geduld mit meinen laienhaften Beschreibungen.


    BG Hubi

  • Hallo Hubi,

    meinen laienhaften Beschreibungen

    Das meinst du doch nicht ernst?! So viel Mühe wie in deinem Bestimmungen steckt, sehe in in den wenigsten Anfragen.

    Wenn nicht würde es mich freuen um einen Tipp wie ich weiter vorgehen muss um eine Korrekte Bestimmung zu bekommen. den ich habe noch ein Exsikkat.

    Zu deinem Fund ist denke ich soweit alles erörtert, das Namensschild musst du letzlich daran nageln.
    Ansonsten bleibt nur, Stelle wieder aufsuchen (ggf. nächstes Jahr) wegen weiteren (typischeren?) Fruchtkörpern, ggf. einen zweiten Fruchtkörper mit Sporenabwurf mikroskopieren, ggf. mehr Sporen ausmessen, an der Fundstelle noch mal schauen ob sich da nicht doch andere Baumarten verstecken, ein "cf." erst mal dazu schreiben oder für die ganz große Sicherheit eine Probe deines getrockneten Pilzes sequenzieren lassen.

    Manchmal gibt es einfach Pilzfunde wo man keine 100% Sicherheit hat. Bei mir liegt noch ein Täubling seit 2 Monaten rum, bei dem ich zwischen R.robertii und R.nitida entscheiden muss. Evtl. schicke ich den doch noch zum Sequenzieren.

    LG Thiemo

    Bestimmungsvorschläge anhand von Fotos sind immer unter Vorbehalt und mit Restrisiko!

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  • Hubi 22. November 2022 um 08:55

    Hat den Titel des Themas von „Kiefernspeitäubling (RUSSULA SILVESTRIS)“ zu „Kiefernspeitäubling (RUSSULA SILVESTRIS c.l)“ geändert.