Beiträge von Steigerwaldpilzchen

    Hallo,


    dieses mal ist es an mir ein Rätselbild zu einer nicht alltäglichen, aber keineswegs seltenen Art einzustellen. Ich wünsche viel Spaß! :wink:


    Die Angaben gibt's (erstmal):

    Fund: 08.07.20

    Mykorhizapilz unter Buche





    LG Thiemo

    Hallo,


    also bei #2 bin ich mir sicher mit dem Kleinen Schuppenporling/Sklerotien-Porling P. tuberaster. #1 ist wieder so ein Wackelkanditat wo ich jetzt daran gerochen hätte und Mehlgurke erwartet hätte, da ich keine aufgerichteten Schuppen sehen: Also klare Tendenz zum Schuppigen Porling.


    Wie Uwe schon sagt brechen die Lamellen bei Frauen Täublingen normalerweise nicht. Allerdings kann das bei vertrockneten durchaus vorkommen. Bei Unsicherheit den Fund mit Eisen(II)sulfat testen. Bei rosa-orange Färbung ist's kein Frauen-Täubling.


    Ich hätte da noch Zweifel am Behangenen Faserling i.w.S. bei #3. Gibt's denn einen Sporenabdruck oder konntest du den violetten Reflex der Lamellen erkennen?


    LG Thiemo

    Hallo Sabine,


    Genau so etwas wie du (und auch ich) suchst gibt es nicht. Aber hast du Dir vielleicht mal die Wheels von Fungi of Temperate Europe angeschaut? Dort gibt es neben tollen Übersichten über das Pilzreich und ihre Gattungen auch Zeichnungen zu den Sporen und einzelnen Mikromerkmalen. Das geht zwar auch nicht über die von Pablo erwähnten Bücher (Pilze der Schweiz) hinaus, aber bringt diese Informationen sehr kompakt uns übersichtlich. Da man sich diese "Pilzräder" kostenlos von der Website der Autoren laden kann würde ich an deiner Stelle mal reinschauen -> MycoKey home. Das zweibändige, komplette Werk kann man sich bei Interesse ja auch noch zulegen.


    LG Thiemo

    Hallo,


    #5: Schönes Laubholz-Knäueling Baby. Rigo: Kremplinge oder Leistlinge wachsen für gewöhnlich nicht an morschen Holz. Und die violettfilzige Stielbasis ist schon sehr typisch.


    #6: Das kein Krempling. Ich bin da auch bei einem Würzigen Tellerling. Der Geruch ist schon auffällig würzig. Weitere Merkmale sind die unebene Lamellenschneide, die dünnen Lamellen im Verhältnis zum Hutfleisch und der gestreift-faserige Stiel. Die Art habe ich schon vielfach in der Hand gehabt. Geschmack ist für mich OK, aber nicht herausragend, da mich die ranzige Nuance stört.


    #9: Zunächt wäre zu klären ob Täubling oder Milchling. Gibt es ein Bild von den Lamellen? Milchlinge haben ALLE Lamelletten (halbe Lamellen), bei den Täublingen nur die Compactae (Schwärz- und Weißtäublinge) welche man hier definitiv ausschließen kann. Also das nächste Mal wenn die Milch nicht fließt einfach darauf achten. :wink:

    Wenn das ein Täubling ist, wäre erst einmal der scharfe Geschmack festzustellen um in den Sardoniae (Säufernasen) zu landen. Bei den Fichtennadeln am Boden tippe ich auf deren Begleiter Russula queletii den Stachelbeer-Täubling. Der müsste deutlich auffällig süßlich riechen.


    #12: Ganz klar Boletus betoniii :yay:!


    LG Thiemo

    Hi Joe,

    16 unter Eichen auf einer Wiese/meine Vermutung wäre Eichenfilzröhrling

    Wäre ich auch dafür. Die karottenroten Punkte sind gut zu sehen, zusammen mit dem recht gelben Stielfleisch und keiner/schwachen Verfärbung dürfte Hortiboletus engelii schon passen.


    LG Thiemo

    Hallo,


    (Ich kopier' meinen Beitrag aus dem Nachbarforum:)

    Die Art Perlpilz Amanita rubescens (=rötend) heist auch Rötender Wulstling. Das kann kein anderer heimischer Wulstling. Nie wird ein Pantherpilz im Fleisch röten! Wenn die Rötung fehlt oder nur schwach ist, müssen auf jeden Fall die anderen Merkmale gecheckt werden, v.a. rübenartige Knollenform, geriefte Manschette.


    LG Thiemo

    Hi,


    danke für eure Antworten.

    Die alternative Fichtenrotkappe hatte ich gar nicht mehr im Kopf. Ich würde nur vorsichtig die Espen-, Birken- sowie Laubwaldrotkappe ausschließen. Bei einem zerfressenen und eingetrockneten Einzelfruchtkörper ist mehr wahrscheinlich nicht drinn. Allgemein bin ich von der ganzen Rotkappen-Taxonomie nicht so überzeugt ...


    @Marie: Die Systematik ist ja ständig im Umbruch. Wo ich vor 2 Jahren bei Index Fungorum nach dem Stockschwämmchen geschaut habe wurde ich überrascht. Das mir bekannte Kuehneromyces mutabilis wurde auf einmal in die nah verwandten Schüpplinge als Pholiota mutabilis integriert. Aktuell hat man die Gattung der Stockschwämmchen erneut abgespalten und der Pilz heist wieder wie vorher. Man muss nicht jeden Nomenklaturischen Schnellschuss mitmachen, dass weis ich nun besser, als vor ein paar Jahren. Eine gute Referenz ist die Seite -> Willkommen bei den Pilzen Deutschlands, wo Änderungen erst nach einiger Zeit und nicht ungeprüft übernommen werden. Zurück zum Thema; Hier hab ich irgendwie noch den Schüpplingsnamen in der Großhirnrinde abgespeichert. Aktuell (wer weis wie es morgen ist) stimmt korrekterweise wieder Kuehneromyces mutabilis. Aber ich denke du kannst beide Begriffe synonym verwenden, denn in diesem Fall dürfte die Art ja unstrittig unmissverständlich sein.


    LG Thiemo

    Das mit dem Geschmackstest ist auch immer ein Thema, Lamellen, kleines Stück vom Hut.

    Was ist Zielführend?

    Beides :D


    Fleisch und Lamellen können unterschiedlich schmecken. Aber wichtiger ist ein erbsengroßes Stück Hutfleisch kauen und dabei auch etwas im Mund bewegen.


    LG Thiemo

    Hallo Andy,


    Guajak und Eisensulfat wird auf der unverletzten Stielrinde getestet (Guajak noch mal auf den Lamellen). Ansonsten sind die Ergebnisse nicht zuverlässig.


    Zum vermuteten Buchen-Speitäubling wäre eine positive Guajak Reaktion die makroskoskopische Abgrenzung zum Kirschroten Spei-Täubling R. emetica s.str und Kiefern-Speitäubling R. silvestris.


    LG Thiemo

    Hallo,


    ich habe heute mal wieder durch die Wälder geschaut und möchte euch zeigen was bei uns zu finden war.


    Stockschwämmchen mit Trockenschaden Pholiota mutabilis




    Mit im Schnitt bräunlichen Stielfleisch Ziegenlippe Xerocomus subtomentosus




    Auch schon lediert: Gemeiner Rotfußröhrling Xerocomellus chrysenteron




    Junger Goldröhrling Suillus grevillei, die Lärche hab ich erst suchen müssen :wink:



    Gallenröhrling Tylopilus felleus




    Der erste Maronenröhrling Imleria badia der Saison



    Grauer Wulstling Amanita excelsia var. spissa




    Perlpilz Amanita rubescens




    Samtfuß-Holzkrempling Tapinella atrotomentosa




    Eine sehr ledierte Rotkappe, keine Espen, Birken, Eichen, in der Nähe, gewachsen unter Fichte, Kiefer, weiter entfernt Buche. Im Schnitt nur schwach verfärbend, rötend, dann grau. Der Stiel hat einige blaugrüne Stellen. Für eine Laubwaldrotkappe ist mir der Hut zu rot, ich denke das geht in Richtung Leccinum cf. vulpinum was in dem Zustand natürlich geraten ist. Egal, die Freude ist groß da ich bei uns nur selten Rotkappen finde.






    Dann ncoh die Funde, welche meine Trockenpilz-Vorräte auffüllt.


    Flockenstieliger Hexenröhrling Neoboletus erythropus





    LG Thiemo

    Hallo Rigo,


    Das kommt doch ganz gut hin. Die grüngelbliche Huthaut müsste sich bei R. violeipes typisch wachsartig anfassen.


    Mit den Angaben zu den Basiden, Cheilo- und Pleurozystiden kann ich wenig anfangen. Auch meine Täublingsliteratur geht auf diese Merkmale nur selten ein, da ihnen bei Russula nur ein untergeordneter taxonomischer Wert zugeordnet wird. Zum R. violeipes hab ich aber sogar Angaben, denn Romagnesi schreibt zu den Hymenialzystiden 86-130 x 10-19. Was du als Cheilos angiebst, dürften die bajonettförmigen Haare der Lamellenschneide sein, welche typisch für die Samt-/Brätlingstäublinge (R. violeipes, amoena, amoenicolor) sind. Diese kann man makroskopisch sogar mit der Lupe sehen. Die Sporen sind etwas zu groß (6,5-9 x 6-8) aber das kann schon mal schwanken. Wenn du den Pilz noch hast wäre es auch interessant noch mal daran zu riechen wenn er eintrocknet. Nicht umsonst gehört er zu den Brätlingstäublingen und müsste einen schwachen Krabben/Heringsgeruch von sich geben (analog zum Brätling Lactifluus volemus).


    Grundsätzlich ist es bei Täublingen wichtig sich die Huthaut im Mikro anzuschauen. Meist kommt man ohne das Wissen um möglicherweise vorhandene Dermatozystiden, Inkrustierungen und die Form der Haare nicht weit.


    LG Thiemo

    Hallo,


    beim Täubling hätte mich die Farbe des Sporenpulvers interessiert. Falls es hell cremefarben ist, wäre einer der Grautäublinge (GRISEINAE) möglich, wobei der Hut schon sehr einheitlich violett daherkommt - aber das heist erst mal nichts. Mit dunklerem (oder auch weißen) Sporenpulver gibt es nicht wenige, weitere Alternativen ...


    Der Täubling könnte aufgrund deiner Beschreibung Richtung RUSSULA IONOCHLORA gehen. Meine hatten auch solch eine dunkelviolette Hutfarbe und mit Chemie bin ich auf diese Art gekommen.

    Ich befürchte, dass man durch makrochemische Reaktionen allein, keinen der Grautäublinge bestimmen kann. Von allen Täublingen sind die GRISEINAE die schwierigsten. Dein R. ionochlora könnte genausogut ein R. parazurea sein, ohne dass man das Gegenteil ohne Mikromerkmale beweisen könnte. Hier braucht es einfach Sporenornament und Huthaut unter der Linse.


    LG Thiemo

    Hallo,


    mir geht es gerade wie Jens. Es wäre mir neu, dass der Kerbrandige Trichterling giftig ist. Zumindest letztes Jahr wurde er noch von Lothar Krieglsteiner, welcher ein großer Fan des Ockerbraunen Trichterlings im kulinarischen Sinne ist, nicht als giftig benannt :hmmm:. Bitte um Aufklärung.


    LG Thiemo

    Hi,


    ich bin mal so frei und stelle diesen Link: Der Schwarzblauende Röhrling - Cyanoboletus pulverulentus - ist ein extremer Arsensammler und dadurch krebserregend! - Pilze und Wissenschaft - Pilzforum.eu


    Kurzfassung: Der Schwarzblauende Röhrling reichert unabhängig vom Boden aktiv Arsen an. In oranische Arsenverbindungen ist das Arsen jedoch gebunden und nicht akut giftig. Jedoch zählt die Dimethlyarsensäure als wahrscheinlich krebserregend und für krebserregende Stoffe gibt es keine Untergrenze der Unbedeklichkeit. Man hat das berühmte Stochastische Risiko auf eine Krebserkrankung, wie auch beim Rauchen oder anderen Noxen. Je öfter und je mehr desto wahrscheinlicher.


    Die DGfM führt Cyanoboletus pulverulentus daher auf der Liste der Pilze mit uneinheitlich beurteilten Speisewert. Jeder muss für sich entscheiden, ob er den Pilz verzehren möchte oder nicht.


    LG Thiemo

    Hallo,


    ganz Recht, das sind schöne Pfiffelinge. Zumindest die, welche man auf den Bildern mit Blick auf die Hutunterseite erkennen kann. Daher sind solche Sammelbilder immer etwas unschön wenn es um den Speisewert geht, nicht dass sich da noch etwas anderes mit rein mischt. Gut dass es per Bild nie eine Verzehrsfreigabe gibt -> Online-Bestimmungshilfen sind keine Verzehrfreigaben!.


    Geschmack ist immer sehr subjektiv - so intensiv wie eine scharfe Chilli wird das natürlich nicht, aber beim längeren Kauen eines rohen, größeren Stückes doch meistens etwas pfeffrig.


    Übrigens wachsen die momentan nicht nur um Dresden, auch in Mittelfranken gab es die ersten vor ca. 10 Tagen, wenn auch nur äußerst spärlich... :|


    LG Thiemo

    Hallo Rigo,


    Lustigerweise habe ich nach der Anfrage Russula carpini selbst zum ersten mal finden können. Die Makro- und Mikromerkmale decken sich.


    Ökologie: Parkanlage mit alten Hainbuchen

    Hut: Durchmesser 6,5 cm, Rand gerieft, Huthaut ~ zu 1/2 des Radius abziehbar, sehr wechselfarbig aber oft mit (rötlichen oder olivgelblichen) Flecken im Zentrum gescheckt.

    Lamellen: gelb, am Grund mit Anastomosen

    Stiel: weiß, von Sporen goldgelb bepudert, wattig ausgestopft, sehr zerbrechlich

    Fleisch: recht zerbrechlich, hier nur sehr schwach gilbend (etwas am nächten Tag)

    Geruch: schwach fruchtig

    Geschmack: mild

    Sporenpulver: IVd (MARXMÜLLER)

    Sporen: Groß 8-10 x 7-8, mit hohen isolierten Stacheln bis zu 1,5 Mikrometer, teilweise leicht gekrümmt, Hillarfleck unregelmäßig

    HDS: Mit mehrfach septierten Zystiden, welche sich kaum-nicht in SV färben lassen, z.T. mit Ausstülpungen; Haare unregelmäßig lang, meist zum Ende verjüngt und teils verzweigt




    Man beachte, dass das rötlich gefärbte Exemplar nicht die typischen Flecken zeigt:




    LG Thiemo

    Hallo Rigo,


    ja super Darstellung. Ich sehe nichts was gegen R. carpini spricht, erst recht mit den Bildern aus dem vorherigen Beitrag. Dort haben die Fruchtkörper die typischen rötlichen Farbflecken auf der Huthaut, die hier bei den jungen Pilzen höchstens zu erahnen sind. Milder Geschmack, kräftig goldgelbes Sporenpulver und das gilbende Fleisch bei recht kräftigen Habitus sind makroskopisch sowie die Sporen mit recht hohen (isolierten?) Stacheln, mehrfach septierten Pileozystiden mit einzelnen Ausstülpungen und am Ende verjüngten Haare mikroskopisch treffend. :thumbup:


    Kleine Kritik zur Collage: Du hast doch Melzers Reagenz, warum kein Bild der Sporen damit? Erst so kann man die Ornamentierung wirklich beurteilen und sieht ob die Stacheln isoliert stehen. Geht doch ganz fix (im Gegensatz zu den chemischen Reaktionen mit Sulfovanillin und Karbolfuchsin) und man hat ein wirklich wichtiges Merkmal mehr.


    LG Thiemo

    Hey,


    diese Stachelbärte haben es mir angetan. Den Ästigen konnte ich noch nicht bestauenen, nur den Tannen am Großen Arbersee sowie den Igel (in Kultur). Sehr schöne Bilder, danke fürs zeigen.


    LG Thiemo

    Hallo Jens,


    leider nein, dafür ist das Sporenpulver und die Lamellenfarbe noch zu hell. Über R. postiana hatte ich kürzlich mal mit Andreas Gminder diskutiert, er kennt den Pilz nur mit fast orangen Lamellen und dem dunkelsten Sporen aller Täublinge. Weiterhin ist das eine Art des montanen Nadelwaldes.


    LG Thiemo