Welche Blattflechten-Art?

Es gibt 5 Antworten in diesem Thema, welches 992 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (27. Dezember 2022 um 17:00) ist von RestlessBlock3515.

  • Hallo ans Forum

    Hallo KaMaMa,

    Hallo Martin,

    es ist geschafft, nun eine Blattflechte mit Bestimmungsproblemen von einem Marillenstamm. Habe viele Tests probiert und tendiere zu Parotrema perlatum - Breitlappige Schüsselflechte????

    Bin mir nicht sicher ob sich noch eine zweite Flechte eingenistet hat.

    Farbe grau/grünlich/bläulich, zum Teil sehr große gewellte Lappen ( ca. bis 9 mm ), + mit kleineren sorediösen Lappen ( ähnlich Sulcata ), teils Wimpern an den Lappenrändern.

    Unterseite schwarz glänzend, Ränder bräunlich, viele weiße Punkte, schwarze Haftfasern in weißen Netzgeflecht.

    Farbtest: Mark P+ gelborange, KC+ gelborange, K+ gelb.

    Nun raucht mein Kopf:confused: und ist auf deine Meinung gespannt.

    LG

    Bernd

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  • Hallo Bernd,

    schöne Blattflechten zeigst du also heute!

    Du hast recht, es sind zwei unterschiedliche Exemplare durcheinander gewachsen.

    Eine davon ist sehr häufig, und du liegst mit deiner Vermutung natürlich richtig: Parmelia sulcata.

    Recht leicht zu erkennen an der zerknitterten, nicht/kaum bereiften Oberfläche, den weißen Pseudocephyllen, an denen die Rinde aufgeplatzt ist.

    Schwarze Unterseite mit schwarzen Rhizinien, keine Isidien, höchstens zu Soralen erweiterte Pseudocephyllen weiter innen in der Thallusmitte.

    Auch deine Farbtests passen dazu: K+ gelb (Rinde und Mark), P+ gelboranges Mark, was durch die Rindenrisse immer gut zugänglich ist.

    Dass eine P. sulcata durch eine andere Flechte hindurchwächst, ist beobachte ich häufig.

    Das ist so, weil diese Flechtenart derartig häufig ist, dass sie eigentlich allgegenwärtig zu sein scheint.

    Da es sich um zwei Flechten handelt, ist mir nicht ganz klar, welches Bild zu welcher Flechte gehören soll...

    Was mich allerdings ein wenig stört, ist die weißliche Unterseite, die du in Bild 6a/b zeigst.

    Weiße Stellen auf der Thallusunterseite kenne ich nur von Platismatia glauca, die hätte allerdings u.a. kaum oder keine Rhizinien und würde anders wachsen...

    Zwischen den schwarzen Rhizinien sind im Bild 6 aber auch weiße Hyphen o.ä. in hoher Zahl zu sehen, vielleicht ist diese deine Flechte ja nicht mehr die Gesündeste!

    Die Flechte, um die es dir eigentlich geht, sieht ganz anders aus als P. sulcata oder P. glauca:

    Breite, glatte, hellgrau glänzende Lappen, am Rand gekräuselt.

    Die Flechte ist ebenfalls unterseits schwarz mit glatten, braunen Rändern und schwarzen Rhizinien.

    Am Rand sind teilweise schwarze Wimpern zu erkennen.

    Ich denke, mit einer Zuordnung zu Parmotrema perlatum liegst du hier vermutlich richtig!

    Leider zeigt dein Exemplar nicht die typischen Randsorale.

    Der Färbetest sollte in diesem Fall die gleichen Ergebnisse liefern wie bei P.sulcata, das hilft zur Unterscheidung hier also wenig.

    Auf den Obstbaum-Ästen, auf denen ich diese Flechten öfters entdecke, erinnern sie mich immer ein bisschen an Meeres-Nacktschnecken in Bewegung.

    Hier ein kleines Exemplar von P. perlatum, bei dem die Wimpern schön zu erkennen sind, auf einem Apfelbaum entdeckt.

    Einige randständige, feinmehlige Sorale sind auch ausgebildet:

    Parmotrema perlatum

    Ich tue mich noch immer schwer, diese Flechte von den beiden Hypotrachynen zu unterscheiden, bei flüchtiger Betrachtung ist das nicht ganz einfach!

    Sie wachsen an den gleichen Stellen und sehen sich durchaus recht ähnlich.

    Insbesondere H. revoluta mit ihren feinmehligen Soralen kann ähnlich wirken.

    Ihr fehlen allerdings die Wimpern und die Sorale sitzen mehr an den Lappenenden als an den Seiten.

    Zur Unterscheidung hilft "Mark C+rot" bei den Hypotrachynen.

    Aber ich habe immer Skrupel, diese Flechten für Farbtests abzumachen und mitzunehmen, letzlich dadurch abzumurksen und begnüge mich meist mit Fotos.

    Einen sehr guten Übersichtsartikel von 2012 zu diese schönen Blattflechten, und andere, gibt es vom Bochumer Botanischen Verein - er ist hier zu finden und sehr lesenswert.

    Ein weiterer Artikel zu Parmotrem perlatum im Speziellen, 2020 vom gleichen Autor Wolfgang Bomble veröffentlicht, hier.

    Hoffentlich findest du sie bald alle!

    LG, Martin

  • Hallo Martin,

    wieder danke für deine Beschreibungen!! Die beiden Links sind sehr Aufschlussreich, habe ich abgespeichert!!

    Nun noch eine weitere Flechte vom Stamm der Mirabelle, ich tendiere zu Hypogymnia physodes wegen der Farbtests, Rinde K+ gelb, Mark KC+ rot und P+ rot, tubulosa ist ja sehr ähnlich müsste aber P- sein!?

    Keine Haftfasern an runzeliger Unterseite, schwarzbraune Lappen, Lippensoralen an den Lappenenden.

    Was sagst du zu der Flechte?

    LG

    Bernd

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    5c Mark P+ rot

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  • Hallo Bernd,

    ich sage, das passt alles und richtig bestimmt - meiner Meinung nach! :thumbup:

    Die P+gelb bis rote Farbreaktion ist H. physodes zu eigen, die ähnliche Flechte H. tubulosa reagiert nicht auf Phenyendiamin.

    H. tubulosa hat zudem mehr Kopfsorale an den Lappenenden, während H. physodes mehr Lippensorale hat, d.h. die röhrenförmigen Thalli brechen bei letztgenannter an den Enden auf, bei erstgenannter Flechte nicht.

    Ich hoffe das gezeigt passt:

    H. tubulosa mit Kopfsoralen (Röhren geschlossen)

    H. physodes mit Lippensoralen (Röhren offen)

    • Offizieller Beitrag

    Nun noch eine weitere Flechte vom Stamm der Mirabelle, ich tendiere zu Hypogymnia physodes wegen der Farbtests, Rinde K+ gelb, Mark KC+ rot und P+ rot, tubulosa ist ja sehr ähnlich müsste aber P- sein!?

    Keine Haftfasern an runzeliger Unterseite, schwarzbraune Lappen, Lippensoralen an den Lappenenden.

    Was sagst du zu der Flechte?

    Der Unterschied reicht was Lippensorale oder Kopfsorale angeht. Man sieht eindeutige Lippensorale somit ist dieses immer Hypogymnia physodes.