Beiträge von KaMaMa

    Hallo Bernd:

    Vorsicht, ich beschrieb ein Vorgehen nicht auf weißem Papier, sondern AUF GLAS ÜBER WEIßEM PAPIER! Beachte den Schattenwurf in Bild A1, die Proben scheinen wegen des Objektträgers über dem weißen Untergrund zu schweben.

    Das Papier saugt sonst die Chemie in Windeseile auf.

    LG, Martin

    Nachtrag:

    Die Apothecien der Usneen habe eine sehr markante Form durch ihre langen Wimpern. Im Vogesen-Urlaub konnte ich endlich mal eine der apothecientragenden Usneen finden:

    Bild A3: Usnea intermedia an gefälltem Baumstamm (Ap.scheibe P-)

    Eine Mikroskopanalyse des Hymniums habe ich nicht gemacht, da sie für die Bestimmung in dieser Felchtengattung gar nicht erheblich ist. Eine Sporenanalyse natürlich auch nicht, das braucht man eher bei den Krusten.

    Hallo Bernd,


    bist du also wieder zurück und kannst dich endlich deinen Funden widmen und fängst gleich mit einer Usnea an. Das Vorgehen ist hier ganz anders, als bei anderen Flechtengattungen - da muss man völlig umdenken, gell? Meistens sind die Dinger steril und man muss die Wuchsform (Verzweigungen, Isidiomporphe, Einschnürungen, Dichte des Marks und und und ...) sehr genau prüfen, die Färbetest an Rinde Mark etc. sehr genau durchführen und auch die Durchmesser von Zentralstrang, Mark und Rinde bestimmen.

    Mit der Bestimmung kannst du Recht haben, K+rosa (Bild 10?) ist ja fast schon rot, P+gelb (sollte besser orange sein) in Bild 9? Waren deine Proben beim Tüpfeln feucht oder trocken?

    Die Bestimmung könnte passen; U. dasopoga ist auch eine häufige Art.

    Du hast deine Probe gequetscht? Wozu denn das? Quetschen macht mit dem Hymenium Sinn, um so die Paraphysen, Asci und Sporen zu vereinzeln und genauer analysieren zu können. Bei einer sterilen Flechte wie dieser hier, also ohne Apothecien, gibt es kein Hymenium zu finden. Das Hymenium (= Meiosporen bildende Fruchtschicht) ist auf die Fruchtkörper (Apothecium, Perithecium, etc.) beschränkt.

    Da has vermutlich einen Strang zerquetscht und zeigst das Mark in Bild 12. Könnte das so sein?

    LG, Martin


    Die Farbreaktionen erkennt man am Besten, wenn man möglichst dünne, trockene Schnitte durch einen Hauptast herstellt, diese auf einem Objektträger über einem weißen Papier unter der Stereolupe plaziert und die Chemie in Form eines kleinen Tropfens mit der Nadel neben der Probe aufträgt. Anschließend kann man die Flüssigkeit mit der Nadel zu Probe und um die Probe ziehen. Sobald die Flüssigkeit die Probe berührt, beginnt die Reaktion. Mit der anderen Hand am Foto (hier Smartphone) kann man recht gut die Entwicklung festhalten.

    Hier ein Beispiel zum Verdeutlichen, wie ich das meine. Die Farben sind auf dem weißen Untergrund gut erkennbar. Die Proben sind dünn und deshalb gut fokussierbar unter der Lupe. Ist so auch übersichtlicher:

    Bild A1: Usnea rubicunda P-, K- und C-Reaktionen an dünnen Querschnitten (zum Vergrößern anklicken!)

    Wenn man einzelne Strukturen gezielt prüfen möchte, muss man sie herauspräparieren, wie den Zentralstrang. Ich hätte besser ein Stück abtrennen sollen, dann wäre der Fokus besser. So ist das meiste im Bild unscharf. Gehtr halt schneller...

    Bild A2: Usnea rubicunda: Zentralstrang K+gelb

    LG, Martin

    Hallo Bernd,

    ja eine Usnea, das ist sofort klar!

    Usean-Bestimmung habe ich bisher erst einmal ernsthaft versucht. Das war schon interessant. Du verwendest den Schlüssel von Italic?

    Ich kann hier auch nur schlüsseln und dazu braucht man mehr Angaben. Usnea ist eine eigene Welt! Den Schlüssel vor Augen, erinnere ich mich wieder, dass es sehr hilfreich ist, den Hauptstrang oder einen dicken Ast unter flachem Winkeln quer durchzuschneiden, und unter der Lupe zu betrachten und an solchen Querschnitten die Färbetests zu machen: Farbe des Marks (weiß, gelblich, rosalich, ...) ? Wie locker oder dicht sind die Hyphen dort gepackt? Farbreaktionen des Marks? Wie dick ist die Rinde im Vergleich zum Gesamtdurchmesser?

    Bei Italic bekommst du auch aufschlussreiche Fotos parallel zum Text im Schlüssel - sehr gut gemacht!

    U. dasopoga kann schon gut sein, sie gilt auch als häufig(st)e Usnea.

    Müsste man genauer untersuchen!

    LG, Martin

    Ahoi Bernd!

    Noch auf hoher See?

    Ich bin seit einer guten Woche im Trockenen und sichte Pröbchen. Zuerst mal das, was makroskopisch geht: Cladonien und Peltigeren.

    Die große Peltigera-Probe, die ich wegen der Lappenabmessungen oben zeigte, hat sich übrigens als P. membranacea herausgestellt. Rufescens ist oberseits meist deutlich bereift und hat - zumindest bei solchen Abmessungen - dunkle Adern und Rhizinien in der Thallusmitte.

    Andere gefunden Peltigera-Arten stellten sich als P. hymenina und P. polydactylon vor - bei den beiden lag ich falsch. :(

    Tatsächlich hatte ich die beiden richtigen Namen schon im Büchlein stehen, dann aber das Steuer in letzter Sekunde beide Male in Richtung P. neckeri abgeändert. Beide Male war der Wunsch Vater des Gedankens! Man sollte vielleicht öfter der ersten Bestimmung folgen und weniger unbewusst "wünscheln". :blush:

    Zu oft habe ich noch den Eindruck - Oh! Das habe ich noch nie gesehen, das muss was "Neues" sein... Das stimmt halt nur selten. Als Anfänger muss man sich die Variationsbreite der Flechten, die man noch nicht gut kennt und nicht kennen kann, noch mühsam erarbeiten.

    Peltigera finde ich da mit am schlimmsten! Und Cladonien sind auch nicht viel besser - aber immerhin kann man mit Chemie testen und etwas einschränken. Schnell verzweifle ich an den variablen Wuchsformen deiser kleinen Biester! :evil:

    LG, Martin

    ...Nachtrag, da ich offenbar zuviele Bilder einfügen wollte, was nicht geklappt hat.

    Ich hoffe es geht dadurch nicht zu sehr durcheinander!

    Bild F0 Felsen Vogesensandstein mit großen Flusskieseleinschlüssen


    Bild F1


    Bild F2 Diese braunfrüchige Flechte mit beschuppten Podetien und offenen Achseln stellt sich als Cladonia squamosa heraus.


    Bild F3


    Bild F4


    Blick zurück


    So könnte es lange weitergehen - da habe ich einiges an Bestimmungsarbeit vor mir. :) Sobald ich mehr weiß, werde ich die Bilder noch beschriften.

    Und das waren nur die Cladonien...

    LG, Martin

    Hallo Bernd,


    leider fragst du ohne Bild.

    Meinst du so etwas?


    Das ist eine Nostoc-Kolonie mit olivgrünen Bakterienketten im Gallert.

    Sie finden sich oft direkt auf der Erde eines Wald- oder Wiesenweges oder im Moos. Sie sind allerdings nur bei feuchtem Wetter gut zu beobachten, wenn der Gallert aufquellen kann. Bei Trockeheit bleibt nur ein dünner grüner Film übrig, den man kaum wahrnimmt, wenn man nicht gezielt danach sucht.


    LG, Martin

    Hallihallo!

    letzte Woche in den Vogesen fühlte ich mich wie im Cladonien-El-Dorado. Gerne möchte ich ein paar Eindrücke von den kleinen Schönheiten hier ausbreiten. Die Flechten sind zwar noch nicht bestimmt, das tut aber gar nicht Not, wenn man ihre Schönheit genießen möchte.

    Einer der ersten Anlaufpunkte war ein Felsvorsprung an der Bergstraße über der Vologne bei Longemer. Ein winziger Parkplatz für 3 Autos daneben ermöglicht es, den Ausblick und die Flechten zu genießen.

    Bild A0 Roche du Diable

    An den bemoosten Felsvorsprüngen lassen sich trotz der Nähe zur Straße auf kleinem Raum etliche Flechten, darunter u.a. Peltigeren und vielerlei Blatt- und Krustenflechten finden.

    Bild A1 Cladonia furcata f. morpho palamaea - die liegenden, sehr massiven Stämmchen sind teils über 5 mm dick, und ...


    Bild A2 ... direkt rechts daneben eine weitere, buschig-aufrechte und zierliche Wuchsform der gleichen Flechtenart Cladonia furcata f. morpho corymbosa, mit kopfig-kugeligen, braunen Apothecien an etwa gleich langen Podetienästen. Man denkt gar nicht, dass das die gleiche Flechtenart sein soll...


    Bild A3 Eventuell Cladonia fimbriata mit fein-soredösen Bechern, die sich trompetenartig weiten.


    In den feuchten Wäldern geht es weiter:

    Bild B0 Bergwald

    Bild B1


    Bild B2 Rotfüchtige Becher mit breiten, ungeschlitzt-runden (!), unterseits weiß-sorediösen Grundschuppen kann nur C. digitata sein! Die schlanken Säulen links oben und rechts unten könnten zu C. coniochraea (oder einer anderen Cladonienart) gehören.


    Bild B4 An solchen Stubben wimmelt es von Moosen und Cladonien, mehrere Cladonienarten wachsen durcheinander


    Bild B5 Rotfrüchtige Becherlein mit geschlitzten Grundschuppen, eine Säulenflechtenart mit groben Schollen/Blättchen an den Podetienstielen links davon.


    Weiter unten am See von Gérardmer wiederum andere Arten zwischen den Felsen

    Bild C0 Blick vom Roche de Gérardmer über den Lac de Gérardmer nach Gérardmer


    Bild C1 Massigere, etwas bräunliche Cladonien mit engen Bechern


    In einem engen Seitental steigen die Hänge steil an. Ausgedehnte Blockhalden (franz. "Chaos" !) bieten den Krytogamen Lebensraum und Schutz zur zudringlichen Gästen.

    Bild D0 Ein erster Blick von der Straße aus lässt Interssantes erwarten. Der Zutritt ist extrem schwierig, da teils meterhoch Blöcke wacklig aufeinander liegen und mit Moos auch über die Zwischenräume hinweg bewachsen sind. Mehr als 1-2 Blöcke weit kommt man nicht und will man auch nicht, weil mit jedem Schritt Vegetationsdecke gequetscht oder zerrissen wird.

    Bild D1 Hinter dem Baum lichtet sich der Blick


    Bild D2 Eine anmutige Rentierflechte mit bräunlichen Astenden - noch vor der Bestimmung (Neuland für mich) - aufgrund von Verzeigungen mit vielen Astabgängen, dem zierlichen und weichen Wuchs, der braunen Spitzen und der Reaktion P+orange und K- komme ich zu Cladonia cf. arbuscula.


    Bild D3 Dazwischen zierliche Säulenflechten: Cladonia gracilis


    Bild D5 Rentierflechten-Art ohne braune Astenden - muss genauer untersucht werden. Offenbar eine Cladonia portentosa mit offenen Achseln, sparrig in alle Richtungen verzeigenden Ästen und mit typisch mehr als 3 Ästen pro Verzeigung. Die Oberfläche der Podetien ist matt-filzig. Die Enden der Ästchen sind nicht gebräunt. Es passt alles zur Art C. portentosa, aber die Reaktion P+rot ist nur für einen selteneren Chemotyp der Art bekannt.


    Zurück im Wald

    Bild E0 Blockhalde mitten im Wald


    Bild E1 Cladonia squamosa mit üppigem Apothecienschmuck


    Bild E2 Cladonia cf. pyxidata


    Bild E3 Riesige feinmehlige Säulen! Die gekrümmte Säule rechts ist fast 8 cm hoch, Cladonia subulata. Links (und ev. ganz rechts außen) eine kleinere, rotfrüchtige Art mit gelblicher wirkenden Grundschuppen.


    Bild E4 Vermutlich Cladonia caespiticia, bei der die hellbraunen, feucht transparenten Apothecien direkt auf den Grundschuppen zu sitzen scheinen, weil die Podetien ultrakurz sind.


    Bild E5


    Bild E6 Becher-Parade


    Bild E7 Nochmals Cladonia squamosa, mit offenen Trichtern, braunfrüchtig und über die gesamte Höhe unberindete, beblätterte, schwach verzweigende Podetien, R-, UV+ weißlich.


    Bild E8 Cladonia cenotea, mit nach innen klappenden Rändern an schmalen, offenen Bechern (Trichter), langen fingerartigen Auswüchsen am Becherrand, sorediösen Podetien, vielleicht etwas beblättert an der Basis, R-.


    Offenbar zu viele Bilder, deshalb geht es unten in Teil2 weiter...

    Hallo Bernd,

    vermutlich hast du Recht, aber bei den Rhizocarpones traue ich mit kein Urteil bei makroskopischer Betrachtung zu. Es gibt nicht wenige Landkartenflechten.

    Hübsch anzusehen sind sie alle.

    LG, Martin

    Hallo Bernd,

    ja solche dicht mit Flechten überzogene Bäume sind sehr sehenswert!

    Da wächst wohl hauptsächlich X. parietina - diese Flechte wuchert fast "unkraut"mäßig.

    Ein Zeichen dafür, dass sie sich auf dem Baum sehr wohl fühlt.

    LG, Martin


    Eine gelbe Flechte von mir als Gruß zurück:

    Hallo Bernd

    hallo Bemoeh

    ja, ich darf! Einige Proben sind gerade beim Trocknen, u.a. etliche Peltigeren:

    Im Vordergrund übrigens ein Peltigera-Lappen in voller Breite und annähernd voller Länge. Nach dem Mooszupfen erkennt man, dass die Unterseite bis zum Zentrum hin weißlich bleibt.

    LG, Martin

    Hallo Bernd,

    schöner Fund! Ich denke auch, das das sehr sicher eine Diploschistes ist. Thallus und Apothecienstruktur passen sehr gut. Schöne Makroaufnahmen übrigens!

    Absichern durch Überprüfen am Mikroskop würde ich dir trotzdem anraten, denn es lohnt sich!

    Die Chemie weiß ich nicht auswendig, wird schon so passen, sonst hättest du das ja erwähnt.

    Die Diploschistes-Arten sind, wie ich mich erinnere, auch mikroskopisch nicht zu trennen, sondern anhand des Substrats. Wenn dein Fund also auf Cladonien wuchs, ist das D. muscorum, so wie du schreibst! :thumbup:

    LG, Martin

    Hallo Bernd,

    ich bin seit gestern unterwegs, im Familienurlaub in den Vogesen und ohne Literatur.

    Eine Peltigera ist das sicher!

    Um auf deine Frage zurück zu kommen: die rot-braunen Strukturen an den Lappenenden sind die Apothecien.

    P. didactyla ist jedoch eine sehr kleine Peltigera, die sorediös beginnt, später die Sorale zurückbildet (ja, das gibt es) und Apothecien ausbildet. Ich glaube nicht, da das hier passt! Hast du kleine, sterile, rundliche Läppchen mit weißlichen, runden Soralen darauf gefunden?

    Ich kann dir im Moment leider nicht wirklich helfen, außer auf den Schlüssel bei Italic zu verweisen. Mit Peltigera bin ich nicht wirklich firm. Aber von Habitat her, auf dieser vollsonnigen Fläche, würde ich erwarten, P. rufescens zu finden. Gleiche doch das mal mit deinem Fund ab.

    Was du als Lappen ausmisst, sind nur die Apothecien-Auswüchse aus den Lappen. Die Lappen sind das, was du als Probe mitgenommen hast, oder größer. Typischerweise reißt der Lappen bei der Probennahme irgendwo durch (es sei denn, du nimmst den kompletten Thallus mit) und dann hast du nur einen Teil eines Lappen erwischt. Peltigera-Lappen sind typ. 1-2-3 cm breit und etliche Zentimeter lang! Du solltest auch immer die Unterseite weit entfernt vom Rand mit den Apothecien beurteilen, da diese Flechten u.U.dunklere Adern un der Thallusmitte haben. Das ist bestimmungsrelevant und verlangt zuhause Engelsgeduld beim Mooszupfen! Dabei aufpassen, möglichst wenige Rhizinien kaputt zu reißen. Schau nochmal, ob du nur einfache Rhizinien findest, oder auch büschelige, verfilzende oder sonst was. Ebenfalls sehr bestimmungsrelevant!

    LG, Martin


    Es ist übrigens toll hier, ich konnte gleich am ersten Tag neue Nabelflechten entdecken. :)

    Aber gerne doch!

    LG, Martin

    P.S.:

    Falls du nochmal bei der Flechte Vorbeikommen solltest und dein Glück bei der Bestimmung versuchen möchtest, braucht's einen Bestimmungsschlüssel für Peltigera. Einen sehr guten (und auch für alle anderen Flechtengattungen) findest du bei Italic. Da kannst du vorab mal Dialekten, durchchecken, worauf zu achten ich.

    Hallo!

    Der gezeigte lichenisierte Pilz ist eine Flechte der Gattung Peltigera. Es gibt etliche Peltigeraarten, die mit ungeübtem Auge nur äußert schwer zu unterscheiden sind - das wurde schon gesagt.

    Die gemeine Hundsflechte (P.canina) ist das nicht, die hätte auf der Unterseite buschig-weiße, zusammenwachsende, verfilzende Rhizinien.

    Die Zwergschildflechte ist es auch nicht, die ist viel kleiner (und hat Sorale, zumindest im frühen Entwicklungsstadium.)

    Es könnte sich vielleicht um eine P. praetextata handen, eine vom Habitat her passende und häufigere Art.

    Um den Verdacht abzusichern, müsste man die Oberfläche der Flechte an den Lappenrändern und entlang älterer Risse nach kleinen blättchenartigen Isidien absuchen. Sie wäre - nur im trockenen Zustand gut erkennbar! - am Rand fein-filzig auf der Oberseite. Die Unterseite hell mit langen, dunkleren Rhizinien, die beim unvorsichtigen Ablösen häufig abreißen und am Substrat haften bleiben.

    Beispiel für P. praetextata:

    Bild A1: P. praetextata auf bemoostem Baumstamm


    Bild A2: Helle Unterseite mit dunkleren Adern und dunkleren Rhizinien


    Bild A3: Isidien am Lappenrand und längs altem Riss


    Bild A4: Tomentum (Filz) auf Oberseite am Lappenrand in trockenem Zustand


    Um die Peltigera genauer zu bestimmen, benötigt man Detailaufnahmen (Lupe) im trockenen und feuchtem Zustand. Ein Mikroskop ist unnötig.

    LG, Martin


    PS:

    Meist wird nur über die sichtbaren Fruchtkörper von Pilzen diskutiert, die dann salopp "Pilze" genannt werden, am liebsten mit Hut und Stiel, und noch besser essbar. Tatsächlich steckt der eigentliche Pilz als Myzel aber im Substrat. Der Flechtenthallus hingegen ist ein vollständiger Pilz, d.h. das vollständige Pilzmyzel liegt mehr oder minder kompakt im Thallus vor, auf dem die Fruchtkörpern gebildet werden (es gibt wie überall natürlich jede Menge Ausnahmen). Insofern ist eine Flechte vielleicht sogar mehr Pilz als ein Champignon... ;)

    In mykologischer Fachliteratur werden Flechten selbstverständlich mit abgehandelt. Es gibt aber natürlich speziell Flechtenliteratur.

    Und die ist sogar interessant. :)

    Hallo Freude der Flechten!

    letzten Samstag konnte ich oben an den Felsen über Baden-Baden Lasallia pustulata finden. Diese wirklich hübsche Nabelflechte zeichnet sich durch viele weiß bereifte Pusteln in der Fläche ihres schüsselförmigen Thallus und dunkelbraune, koralloide Isidien am Rand aus. Leider ist die Flechte im trockenen Zustand sehr brüchig, weshalb bei vielen Exemplaren die Isidien und Teile des Thallus selbst fehlen. Die Brüchigkeit gehört zur Ausbreitungsstrategie, da Bruchstücke und insbesondere die dunklen Isidien auf dem Substrat neue Thalli bilden sollen. So kommt es, dass an ungestörten Stellen die Flechten dichte Teppiche bilden können.

    Ein paar Eindrücke:

    Bild 1 An der Wasser, Wind und Wetter exponierten Felskante


    Bild 2 Wundervoller Flechtenbewuchs: Lasallia pustulata, diverse Umbilicarien (U. grisea, hirsuta und polyphylla), Xanthoparmelia stenophylla, Parmelia saxatilis, Melanelixia spec. etc. etc...


    Bild 3 Lasallia pustulata als Doppelt-pusteliges Lottchen


    Bild 4 Blick auf Unterseite wird freigegeben: Wo oberseits Pusteln sind, sind auf der Unterseite Eindellungen.


    Bild 5 Lasallia mit etwas zerbröseltem Rand zwischen grauen Blattflechten


    Bild 6 mit üppigen Isidienrändern, darüber kleine, noch unbereifte, braune Exemplare


    Bild 7 Nabelflechten


    Bild 8 Die gleiche Flechte angefeuchtet (besprüht) in schönem olivgrünem Farbton


    Wunderbar solches entdecken zu dürfen!

    Nur schade, dass keine der Flechten Fruchtkörper gebildet hatte.

    LG, Martin


    Bild 9 Lupenbild der bereiften Pusteln

    Hallo Bernd,

    das ist ja mal eine große Ansammlung von P. jeckeri!

    Die Flechte hat du einwandfrei bestimmt, hast alle typischen Merkmale genannt und gegengeprüft. Du hast an alles gedacht! :thumbup:

    Vorsicht allerdings, wenn du mehrere Proben unterschiedlicher Thalli mitnimmst und an diesen großen Probenstücken nur jeweils einen Test durchführst. Achte darauf, dass du besser alle Tests nach Möglichkeit an der gleichen Probe durchführst. Das ist hier und jetzt vermutlich kein Problem, aber all zu leicht kann man vermeintlich identische, aber eben doch unterschiedliche Arten beproben und dadurch die Ergebnisse zweier Arten durcheinanderbringen!

    Das gilt für dicht durcheinander wachsende Blattflechten, besonders aber bei Cladonien. Ich versuche deshalb immer die Chemie an sehr dicht benachbarten Stellen des gleichen Thallus durchzuführen. Das ist sicherer!

    LG, Martin

    Hallo Murmel,

    eine Bestimmung mit diesen Fotos ist nicht einfach. Die Flechte scheint auch nicht mehr im besten Zustand zu sein.

    Die gelbgrüne Färbung fällt mir zuerst auf. Das kann natürlich auf den Foto täuschen, wenn der Weißabgleich nicht richtig funktioniert hat. Du beschreibst die Farbe als grünlich grau. waren da keine Gelbtöne zu erkennen?

    Falls die Gelbtöne echt sind, könnte ich mir eine Flavoparmelua soredians vorstellen. Bei dieser Flechte sollten fein pulvrige Sorale in der Thallusmitte vorkommen und auf Lauge (KOH) erst gelb reagieren, und sich dann langsam nach rot verfärben.

    Etwas stören mich die abstehenden Lappen in den beiden ersten Fotos. Du solltest unbedingt mit der Lupe prüfen, ob Sorale vorkommen, und wo! Thallusmitte, Lappenränder, Lappenspitze, ..., wenn Sorale an den Lappenrändern vorkommen, kommen andere Flechtengattungen in Betracht.

    Schwarze Pünktchen können erstmal vieles sein: z.B. Pyknidien, die zu Flechte gehören, Pilzbefall, Springschwanzköttel, u.v.m. Da müsste man schon unterscheiden: stehen sie hoch, kann man sie leicht abkratzen, sind sie in den Thallus eingesenkt...

    Wegen der besseren Kamera: du kannst dir auch überlegen eine Stereolupe zuzulegen und mit dem Händi damit Makrofotos zuhause zu machen. Eine einfache Stereolupe ist in der Regel günstger als eine neue Kamera.

    Bestimmt kann auch Bernd Bemoeh etwas zum Thema sagen!

    LG, Martin

    Hallo Bernd,

    ich bin ganz deiner Meinung!

    Allerdings: P. tenella und P.adscendens sind jung fast nicht unterscheidbar. Die typischen Lappen bilden sich meist erst bei großen Thalli / Thalloi / Thallüssen, äh... Lagern. Auch P. adscendens hat erstmal flache Läppchen ohne Kaputzen. Da bin ich etwas unentschlossen beim Benamsen...

    Kennst du das sehr gute Papier in den Bochumer von Norbert Stapper über P. orbicularis und verwandte und ähnliche Arten? Es ist wirklich sehr zu empfehlen!

    "Phaeophyscia orbicularis – Kreisförmige Schwielenflechte (Physciaceae), Stadtpflanze des Jahres 2021" (Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 13, 222–240, 2022)

    Meine Wenigkeit hat auch schon Exemplare von P.orbicularis mit Rhizinien unter der Apothecienrändern gefunden (falls dich so etwas interessiert ;)). Das wirkt recht seltsam, ist aber wohl auch typisch für diesen Artenkomplex. Dieses Phaenomen gibt es übrigens noch bei anderen Blattflechtenarten, wie z.B. bei Parmelina carporrhizans.

    LG, Martin

    Hallo!

    Heute bin ich die 200m runter an den Neckar und hab mir wieder einmal die Kalksteinblöcke, die seit ein paar Jahren einen alten, aber kaum Wasser führenden Bach kanalisieren, angesehen. Sonnig gelegen ist er und doch feucht, da meist ein klein wenig Wasser fließt. Ganz interessant fand ich besonders die mittlerweile erdgefüllten Spalten zwischen den Blöcken. Hier findet sich so mache Cyanoflechte und anderes. Ein einer Stelle eine echte Überraschung!

    Einfach ein paar Eindrücke:

    Bild 1 Kalksteinblöcke als Kanalisierung eines Bachs, Wasser fließt derzeit nur in den Ritzen in der unterste Ebene


    Bild 2 Dicke Lagen von Krustenflechten in angenehm erdigen Farbtönen


    Bild 3 Hier dominieren mehr gelb-orange Farbtöne


    Bild 4 Schönes Exemplar von Lecanora muralis


    Bild 5 Ein sehr helles Exemplar


    Bild 6 Collema crispum trägt nicht immer Fruchtkörper


    Bild 7 Was wächst denn da zwischen den Cyanoflechten auf Erde?

    Leider erst auf dem Foto entdeckt. Hoffentlich finde ich die Stelle wieder! :love:


    Bild 8 Rusavskia elegans


    Bild 9 Lecanora / Protoparmeliopsis muralis


    Bild 10 Eine elegante Physcia caesia zwischen einer Vielzahl an Krustenflechtenarten - wie viele sind es wohl?


    Bild 11 Physica caesia


    Bild 12 Mehrere Thalli von R. elegans sich wirr durchdringend


    Bild 13 Flechten über Flechten


    Bild 14 Moose


    Bild 15 Noch mehr Moose und Flechten


    Bild 16 Einsetzende Bodenbildung und Spuren der Verwitterung


    Bild 17 Collema crispum zwischen Moosen


    Bild 18 Circinaria contorta zwischen Moosen


    Bild 19 Farbtupfer... Die kleinen, unscheinbaren, ganz schwarzen Flechten lohnen sich unter das Mikroskop zu bringen, oft sind sie mikroskopisch knallbunt!


    Bild 20 Physcia caesia wird von Moos überwachsen


    Bild 21 Flechten in Etagen


    Bild 22 Calogaya decipiens und mehr


    Bild 24 Blick in Richtung Neckar


    Das waren ein paar Eindrücke aus etwa 20-30 m Kanal.

    Es ist hier ordentlich was los auf und zwischen diesen Kalksteinblöcken!

    LG, Martin