Xanthomendoza (Oxneria) ulophyllodes (?)

Es gibt 3 Antworten in diesem Thema, welches 502 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (17. März 2023 um 21:31) ist von Hilmgridd.

  • Hallo Flechtenfreunde!

    Hallo lulich !

    Nicht zuletzt wegen Iulichs Nachfrage nach der orangenen Flechte aus Bad Dürrheim, hier eine kurze Zusammenstellung zur Flechte.

    Unweit, in Daunaueschingen (ein Kälteloch) fand ich eine sehr auffallend tief orange Blattflechte an der Basis einer Birke.

    Ich hatte notiert:

    Kleinblättige, (tief) orangene Blattflechte

    Blättchen um 1mm, mehrfach gelappt

    Blättchen horizontal ausgerichtet, teils überlappend

    Keine zylindrische Anteile am Thallus / Blättchen

    Ränder sorediös/blastidiat(?)

    Soredien/Blastidien orange

    Durchmesser um 20-30µm

    Seitenränder aufsteigend

    Unterseite weißlich mit hellen Rhizinien

    Thallus K+ violett-rot

    Durch diese Merkmale gelange ich durch Schlüsseln zu Oxneria bzw. Xanthomendoza ulophyllodes (hoffentlich verschreibe ich mich nicht!), der Krausblättrigen Gelbflechte.

    Fundstelle neben Straße

    Schlechtes Bild in Eile an Fundstelle

    Probe

    Unterseite

    KOH + Rot-Violett

    Flechte nass; Blättchen wirkt fast doppelt gelappt, ein bisschen farnartig (mir gerade fällt kein besserer Vergleich ein)

    Mehrfach gelappte Blättchen mit aufsteigenden Rändern, überlappend

    Unterseite, Bruchstelle

    Die folgenden Funde kurze Zeit später und nur eingie wenige Kilometer weiter in Bad Dürrheim an der Süd- bis Westseite am Unter- und Mittelstamm von sonnig stehenden Ahorn-Alleebäumen halte ich - allerdings ohne genauere Untersuchung - für die gleiche Flechte, da sich zumindest stellenweise die gleichen Blättchen finden lassen:

    Baum 1

    Detail

    Baum 2 Flechte mit kleinen Apothecien

    Baum 3

    LG, Martin

  • Hallo Martin,

    tolle Vorstellung der Flechte !

    Natürlich kann ich zur Art nichts sagen, hab aber mal bisl im Netz recherchiert und dein Fund sieht ziemlich ähnlich aus wie auf anderen Funden von X.ulophyllodes. Was mir bei der Suche jedoch aufgefallen ist, es gibt keine (zumindest fand ich keine) Vergleichsbilder der Unterseite. Ich habe nur die Info gelesen, dass viele Rhizinen auf der weißen US vorhanden sein sollen. Ich tu mich schwer die auf deinen Bildern zu sehen, bin ja aber auch totaler Anfänger. Zeigst du mir die nochmal genauer?

    LG Sandra

  • Hallo Sandra,

    ich habe mich für dich nochmal hingesetzt und versucht, die Rhizinien besser sichtbar zu machen.

    Das ist nicht einfach, denn die Flechte ist klein und die Rhizinien noch kleiner.

    Wenn man den Thallus vom Substrat löst, hängt meistens noch etwas Substrat am Ende der Rhizinien oder die Rhizinien reißen ab.

    Deshalb:

    1.Versuch - Schrägansicht in situ

    Bild N1: Blick unter den Thallus; das zentral sichtbare Läppchen steht links und rechts auf jeweils einer hellen Säule, den Rhizinien.

    Die linke Rhizinie ist fast in gesamter Höhe sichtbar, nur der oberste Teil wird vom Thallus verdeckt. An dieser Rhizinie haften einige orange Soredien an, die sich vom Thallusrand gelöst haben.

    Die rechte Rhizinie wird im unteren Teil von einer vorgelagerten Thallusläppchen verdeckt.

    Die Rhizinien halten die Flechte auf Abstand zum Substrat!

    Einerseits kann eine relativ schnellwüchsige Blattflechte Krustenflechten oder auch andere Blattflechten eine Etage höher besser überwachsen, andererseits hält sich die Feuchtigkeit unter dem Thallus auch länger als darauf (Kapillareffekt, Schatten).

    2. Versuch - Thallus ablösen und Stacken

    Bild N2: Trotz des Stacking-Versuchs unter der Stereolupe, der eigentlich im Vorherein zum Scheitern verurteilt war, da das Bild beim Verstellen der Fokalebene in der Stereolupe seitlich wandert, kann man mit ein wenig Fantasie einige der Rhizinien erkennen. Etliche andere Rhizinien sind schlechter erkennbar und/oder verdeckt.

    3. Versuch - Blick auf die Unterseite

    Bild N3: Ich habe das Bild von Originalbeitrag hergenommen und das, was ich für Rhizinien halten würde, markiert.

    Ein Teil der Rhizinien ist beim Ablösen abgerissen und nur kurze, weißliche Stümpfe davon sind übrig.

    Man kann auch erkennen, dass an der Wachstumszone am Thallusrand, wo u.a. die gelb-orangenen Soredien gebildet werden, neue, noch gelbliche Rhizinien angelegt werden.

    Die gelbe Färbung geht übrigens bei dieser Flechtengattung auf Anthrachinone zurück, die gebildet werden, nicht zuletzt um die Pilz- und Algenzellen gegen intensive Sonneneinstrahlung zu schützen.

    Am Thallusrand werden diese Flechtenstoffe benötigt, auf der Unterseite, weiter innen nicht mehr.

    Ich hoffe, Farbe, Funktion, Gestalt und Häufigkeit der Rhizinien sind auf diesen Fotos besser zu erkennen!

    LG, Martin

  • Hallo Martin,

    danke für Deine ausführliche Beschreibung und die Arbeit, die Du Dir extra für mich gemacht hast! Jetzt sehe ich wesentlich klarer. Ich glaube,gerade wegen der unterschiedlichen Farben war ich verwirrt, was denn nun was ist. Danke für's erklären.

    Ich finde das Flechtenthema unheimlich spannend und werde sicher dranbleiben, hab noch viel zu lernen.

    Grüßle Sandra