Was wuchs da noch im Januar 2024 (1) - Ockerfarbene Tramete?

Es gibt 1 Antwort in diesem Thema, welches 133 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (2. Februar 2024 um 19:35) ist von Emil.

  • Guten Tag in die Runde, ich hatte schon an dieser Stelle über zumeist frischgewachsene Pilze im Januar berichtet, u.a. über den Winterporling (LENTINUS BRUMALIS), den Orangeseitling (PHYLLOTOPSIS NIDULANS), Gemeinen Spaltblättling (SCHIZOPHYLLUM COMMUNE), Gemeinen Wurzelschwamm (HETEROBASIDION ANNOSUM), die Schmetterlingstramete (TRAMETES VERSICOLOR), den Birkenblättling (LENZITES BETULINUS) und den Zimtfarbenen Weichporling (HAPALOPILUS RUTILANS). Es folgen hier in loser Reihenfolge noch einige Ergänzungen mit entsprechender Diskussion.

    Den Anfang macht ein Fund der letzten Januartage aus einem sehr kleinen Laubholzrevier, das normale Leute nie betreten würden. An einem liegenden Totholz-Birkenstamm fiel mir der in Bild 1 dargestellte Pilzaufbau auf. Mehr Braun-/Ockerfarbigkeit geht wahrscheinlich nicht. Das Bild ähnelt stark dem in der Internetquelle 1 (S. am Ende). Ich will hier keine neue Diskussion über eventuelle Schwefelsäureversuche oder über schwarze Streifen etc. aufmachen, die ohnehin mit Fragezeichen behaftet sind (s. frühere Beiträge im Forum), um die Frage Ockertramete (Ockerfarbene Tramete, Zonentramete) oder Schmetterlingstramete zu klären. Für mich war es vom ersten Blick an keine Schetterlingstramete, da die Zonenausprägung bzw. Farbintensitäten und das Fehlen von „Glanzzonen“ sich von der Schmetterlingstramete unterschieden.

    Bild 1

    Die Wuchsform war ästhetisch rosettenartig mit kreiseliger Anordnung der einzeln angewachsenen Fruchtkörper (Bild 1). Die Parameter des leicht trichterförmigen „säulenförmigen Gebildes“ waren eine Breite von ca. 11 cm bei vergleichbarer Höhe. Die Konsistenz war typisch für Trameten, auch der Geruch leicht holzig-pilzig. Die Fruchtkörperoberseite war filzig. Die Dicke der Fruchtkörper nahm nur geringfügig von außen nach innen zu. Die Zuwachszone war heller, aber nicht weißlich. Die Unterseite war weißlich mit sehr zartem Cremestich und mit feinen Poren strukturiert (Bild 2).

    Bild 2

    Die Anwachsstelle war nicht verdickt, sondern eher flach (resupinate Anwuchsform), (Bild 3), was wohl nach „Lehrbuch“ eher für eine Schmetterlingstramete spricht.

    Bild 3

    Aber: Schon wenige Meter entfernt an einem anderen, ebenfalls schon stark verrotteten Birkenstamm mit ähnlichen Pilzexemplaren ergab sich ein anderes Bild (Bild 4). Man beachte die z.T. extremen Verdickungen der beiden Fruchtkörper links oben. Es ist eben mal wieder fast alles möglich im Reich der Pilze.

    Bild 4

    Ausgewählte Fruchtkörper sporulierten weißlich (Bild 5).

    Bild 5

    Eine „künstliche Alterung“ durch Aufbewahrung bei Raumtemperatur verringerte drastisch die Lebhaftigkeit der Fruchtkörperansicht und resultierte in letztlich bräunliche Zonungen, wie man sie oft bei alten Pilzen in der Natur finden kann, die nicht von Sonne und Regen geschädigt wurden (Bild 6).

    Der Vergleich nach makroskopischen Eigenschaften ist hier zwar bei Trameten üblich, aber wie so oft schwierig. Einerseits werden in Publikationen bei der Ockertramete idR ältere Pilze, teilweise mit Algeneinlagerungen, dargestellt, andererseits wird von vielen Bildautoren zwecks Erzielung eines eindrucksvolleren Bildes bei den Trameten häufig der Kontrast der Photos künstlich erhöht, was zu deutlichen Farbabweichungen führen kann. Das Besondere des hier beschriebenen ersten Fundes besteht u.a. darin, dass er den Pilz in noch relativ jungem Alter sehr natürlich zeigt.

    Fazit:

    -In einer Abstimmung würde ich zu Gunsten der Ockerfarbenen Tramete und nicht zur Schmetterlingstramete tendieren, falls beide wirklich unterschiedliche Arten sind.

    -Den Merkmalangaben in verschiedenen Literaturquellen kann man nur eingeschränkt glauben.

    -Die publizierten Photos sind leider in vielen Fällen nicht realistisch.


    Anbei noch einige hilfreiche (photographische) Internetquellen:

    https://www.marylandbiodiversity.com/view/21335

    https://www.projectnoah.org/spottings/245200523/fullscreen

    https://www.inaturalist.org/taxa/118111-Trametes-ochracea

    https://www.flickr.com/photos/eye_moths/46301916344

    Trametes ochracea, Ochre Bracket fungus


    Hinweise sind wie immer willkommen. Mit besten Grüßen aus Anhalt Henry

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  • Hallo Henry, Du sprichst hier ein sehr interessantes Thema an.

    In allen von Dir genannten Punkten kann ich Dir sehr gut folgen, da ich auch oft die vermeintliche Ockertramete meist an Birke finde. Ich kann sie mangels Mikroskop auch nur makroskopisch bestimmen und hatte hier auch schon viel über Trameten insbesondere von unserem allseits geschätzten Fachmann Pablo gelernt.

    Insofern bin ich zwar zurückhaltend bei einer Bestimmung meiner Funde, stimme aber Deiner Meinung zu den Bildern 1 -3. zu. Für mich sind das Ockertrameten.

    Im Nov. 2020 fand ich Ocker und Schmetterling an einem Holz.

    L.G. Emil