täublingsbestimmungsprobleme und ein champignon

Es gibt 6 Antworten in diesem Thema, welches 3.337 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (30. Juni 2017 um 18:30) ist von Beorn.

  • hallo ihr lieben,

    ich bin mal wieder durch die stadt getiegert und habe folgende burschen gefunden:

    1. junger champignon?? habe mich wirklich bemüht, die basis aus dem boden zu bekommen, aber keine chance, die saß sowas von fest. man sieht am stiel gut, wie weit er in der erde war...
    bei einer esche gewachsen, glaube ich
    >brauner hut, leichte risse; man kann das braun leicht abreiben
    >weißer stiel mit angewachsenem ring; wenn man den wegreißt, drunter flockig; zur basis hin bräunlich und das ende (soweit vorhanden) erdig wurzelig
    >lamellen beige, etwas gewellt, ziemlich eng (aber der hut ist ja auch noch ziemlich zu); meine bei reiben einen ganz leichten marzipangeruch auszumachen, direkt nach dem ernten hat er stark pilzig gerochen, hat an getrocknete maronen erinnert
    >fleisch bei anschnitt weiß, hatte mir kurz den anflug einer gilbung eingebildet aber sehe gar nichts mehr, auch nicht bei druck

    sehr fester pilz, hat den rest der tour unbeschadet in meiner jackentasche hinter sich gebracht.

    1.1
    1.2

    2. eine täublingsart (oder zwei verschiedene?)
    einen (ganz komisch rot-grau-braun-grün-farbigen) konnte ich ganz mitnehmen, bei den beiden röteren hab ich gegen die schnecken verloren, und nur hutstücke abgreifen können. nun weiß ich nicht, ob das alles die gleichen sind oder zwei verschiedene.
    ich hab gerade versucht, ein bisschen selber zu bestimmen, aber meine güte, diese täublinge..... X( hoffe, ihr könnt mir da helfen.

    zwischen birken und robinien und ein paar anderen
    der große war sehr rot auf dem hut, sein kleiner bruder war noch etwas blasser, also scheinen sie wohl mit dem alter mehr farbe anzunehmen.

    2.1
    2.2

    der dritte (einen baum weiter) eben etwas anders gefärbt obendrauf
    2.2

    die röteren haben beide leichte zacken am hutrand, und wuchsen an der selben stelle, der kleine unter den jämmerlichen resten des großen.
    bei dem gräulicheren kann ich keine zacken erkennen, der war aber eigentlich gleich daneben. daher bin ich noch verwirrter.
    >alle drei sind unter der huthaut stellenweise rötlich
    >fleisch und stiel weiß rundum, ohne verfärbungen oder ring
    >lamellen spröde (ungefähr so wie lepista nuda), weiß bei den kleinen, beim großen leicht beige
    >bei festem reiben schwacher birnengeruch (?), geschmack neutral

    2.3
    2.4

    fragile pilzchen, die hab ich gleich in der hand heimgetragen.

    sooo, was sagt ihr so dazu?

    liebe grüße,
    valérie

    wer meine einschätzung als verzehrsfreigabe missversteht, ist selbst schuld :rolleyes:

    ich arbeite ausschließlich mit gefährlichem halbwissen und meine vorschläge sind nur denkanstöße.

    sicherheit gibt es beim PSV!:shy:

    Einmal editiert, zuletzt von roetelritterin (29. Juni 2017 um 22:10)

    • Offizieller Beitrag

    Hallo, Val[font="Verdana, Arial, sans-serif"]é[/font]rie!

    Der erste ist ein ganz junger Riesenchampignon (Agaricus augustus).
    Den Geruch hast du ja festgestellt, der ist nicht immer stark. Das Gilben ist bei der Art manchmal schwer zu beobachten, weil vor allem an der Huthaut ausgeprägt und da eben farblich überlagert von den dunkler ockerbraunen Schuppen. Hier ist es auf dem zweiten Bild rechts an der Schnittkante schon zu sehen, aber man muss wirklich genau hingucken.

    Zu den Täublingen kann ich nichts hilfreiches Sagen, da kenne ich mich zu wenig aus.


    LG, Pablo.

  • hi pablo,

    danke für die schnelle antwort! ich freu mich, endlich mal kein karbolgeruch...

    nun müssen noch die täublingsexperten her :)

    lg
    valérie

    wer meine einschätzung als verzehrsfreigabe missversteht, ist selbst schuld :rolleyes:

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    sicherheit gibt es beim PSV!:shy:

  • hi jörg,
    die fotos sind eher suboptimal, der ist auf dem hut auch rot, nur eben nicht so rot wie die anderen und gefleckter. aber auf dem letzten sieht man wie rosa er unterm hut ist, genau wie die anderen. von daher hatte ich jetz schon vermutet, dass es der gleiche ist, gibt ja einige sehr variable hutfarben, und vllt kommen diese kleinen zacken auch erst, die waren bei den beiden röteren ja auch nicht sonderlich stark ausgeprägt.
    vielleicht finde ich ja heute ein weniger zerfressenes exemplar und kann etwas besser belichtete fotos machen!
    bin jedenfalls hart überfordert mit den russulae.... und die kann man wirklich essen wenn sie roh mild schmecken? oder gibts da fiese betrüger? weil makroskopisch/optisch bestimmen kann man ja vergessen als anfänger... nicht dass ich jetz sofort welche essen will, aber interessieren tut's mich natürlich!

    liebe grüße
    valérie

    wer meine einschätzung als verzehrsfreigabe missversteht, ist selbst schuld :rolleyes:

    ich arbeite ausschließlich mit gefährlichem halbwissen und meine vorschläge sind nur denkanstöße.

    sicherheit gibt es beim PSV!:shy:

  • UPDATE
    hallo ihr lieben,
    ich hab keine weiteren mehr gefunden/mitnehmen wollen, aber von den (etwas vertrockneten) gestrigen nochmal bessere fotos gemacht.
    da sieht man ganz gut den halbierten pilz, der sieht auf den anderen fotos zu grau aus.

    außerdem hat mich der andere überrest mit einem sporenabdruck belohnt!

    vielleicht ist ja jetzt bisschen besser einzugrenzen.
    lg
    valérie

    wer meine einschätzung als verzehrsfreigabe missversteht, ist selbst schuld :rolleyes:

    ich arbeite ausschließlich mit gefährlichem halbwissen und meine vorschläge sind nur denkanstöße.

    sicherheit gibt es beim PSV!:shy:

    • Offizieller Beitrag

    Hi.

    Bei den Täublingen braucht man zur Bestimmung vor allem die wichtigsten Eckdaten:
    1) Sporenpulverfarbe (scheint hier sowas wie hellgelb zu sein)
    2) Geschmack (ganz wichtig, aber nur dann unbedenklich, wenn man den Pilz sicher als Täubling einordnen kann) von jeweils Fleisch und Lamellen (auch getrennt zu betrachten)
    3) Untergrund (Boden sauer / kalkig, Art des Untergrundgesteins, generelle Feuchte des Standortes)
    4) Begleitbäume (möglichst umfassend alle Baumarten im Umkreis von mindestens mal 15 Metern um den Pilz notieren)
    5) Eventuelle Verfärbungen des Stieles (insbesondere Stielbasis) beim Antrocknen
    6) Geruch beim Antrocknen
    7) Haptische Eigenschaften der Huthaut
    8) Eigenschaften des Fleisches von Hut und Stiel (fest, locker, fluffig-krümelig usw.)
    9) ein paar chemische Reaktionen an unterschiedlichen Teilen des Fruchtkörpers (zB mit Eisensulfat - Lösung, KOH, Melzer)
    10) Und manchmal noch ein paar mikroskopische Eigenschaften, wie zB Aussehen und Anordnung der Zellen der Huthaut, Sporenornamentik und -größe, Hymenialzystiden
    :confused:
    Achja, und das wichtigste: Ein richtiges Täublingsbuch. Eine geeignete Internetseite gibt es dazu nicht, Bücher wie Pilze Der Schweiz oder BLV (egal welche Ausgabe) sind da wenig ergiebig in Sachen Bestimmung. Ich glaube, es müsste in Europa so 250 bis 300 Täublingsarten geben.

    ...und das ist so ungefähr der Grund, warum ich mich mit der Gattung nicht auch noch beschäftige, zusätzlich zu den Gattungsgruppen, die ich ohnehin schon im Fokus habe.

    Aber: Täublinge sind schicke und spannende Pilze.
    Und so überwältigend diese Liste oben auch aussieht: Es gibt eine ganze Menge gut erkennbarer Arten in der Gattung, die sich zB auch ohne mikroskopische Merkmale und oft auch ohne die chemischen Reaktionen bestimmen lassen (obwohl gerade die sehr hilfreich sind, um die richtigen Sektionen herauszufinden).
    Mit Konsistenz, Ökologie, Sporenpulverfarbe und Geschmack lässt sich schon eine Menge machen und da lernt man schon bald einige gut erkennbare Arten kennen.
    Ist ja bei mir auch so, obwohl ich da bei den meisten Fällen nicht durchsteige, daß es so etwa ein Dutzend Täublinge gibt, die ich zumindest mit dem Pilz in der Hand im Wald sicher bestimmen kann.


    LG, Pablo.