Hallo, Besucher der Thread wurde 427 mal aufgerufen und enthält 7 Antworten

Bestimmung-Spaß mit Täublingen

  • Hallo allerseits,


    aus der gestrigen MiPa habe ich mir - neben den mir nun gut bekannten R. violeipes - auch noch insgesamt fünf andere Spezies mitbringen können.

    Leider bin ich auch hier trotz Kibby wieder auf eure Unterstützung angewiesen.

    Im Nachfolgenden schildere ich kurz die jeweiligen Eigenschaften (sofern feststellbar) und beziehe mich mit meinen eigenen Vorschlägen auf Kibby. Dabei kann ich soviel schon sagen, dass dieser offenbar mehrere Fehler oder Unvollständigkeiten enthält - dazu im Einzelfall mehr. Alle Funde stammen aus einem relativ trockenen Buchenmischwald, der zuletzt aber recht viel Regen abbekommen hat und wuchsen in direkter Nachbarschaft zu R. violeipes. Die Sporenpulverabwürfe waren leider nicht so ergiebig wie erhofft - wo möglich habe ich es auf Bildern versucht festzuhalten.


    Zunächst Übersichten:


    Dieses Bild soll die Nummerierung vorgeben, die ich nach StephanW`s Kommentar noch vereinheitlicht habe:

    von links nach rechts, von oben nach unten:

    1 - 2

    3 - 4

    5 - 6


    1. Diesen Täubling habe ich zuerst für einen weiteren, etwas atypischen R. violeipes gehalten. Ist er aber offenbar trotz violett überhauchtem Stiel nicht.

    Zum einen ist die Huthaut dünner, weniger elastisch, zum anderen sind die Lamellen biegsam und splittern nicht.

    Huthaut ist grün, abziehbar bis ca. zur Hälfte. Mit Guajak reagiert er grünlich-blau, mit FeSo4 allerhöchstens schwach rosa (auf dem violettierten Stiel summiert sich das in einer leicht grünlichen Verfärbung).

    Geschmack ist mild, Sporenpulver weiß bis blass creme. Die Huthaut erweckte bei genauer Betrachtung auch den Anschein eines Aufreißens in Felder wie bei R. virescens, aber ohne den weißen Hintergrund - eher Ton-in-Ton.

    Mit Kibby komme ich mit den geschilderten Merkmalen nur bei R. langei raus - den Kibby aber als "dubious species" bezeichnet und bei R. cyanoxantha einsortiert.


    Edit: Kein Nadelbaum weit und breit. R. queletii sollte also rausfallen, richtig?



    2. Dieser Täubling stand in der Nähe zu Nr. 1 und fiel durch seine graugrüne Hutoberseite auf, die über Nacht stärker bereift erschien als gestern noch, er ist auch merklich ausgeblasst. Dabei kann es sich um Schimmel handeln, denn ein Täubling Nr. 6 der zunächst direkt nebenan lag musste schon gestern Abend verworfen werden weil er durchgeschimmert war.

    Huthaut war teilweise abziehbar, kein extrem. Das Sporenpulver war blass cremefarben. Mit FeSo4 reagierte er blass lachsfarben, mit Guajak grün und dann rasch (15-20 sec) blau.

    Geschmack war leicht (kaum wahrnehmbar) schärflich. Mit diesen Angaben (ohne Chemikalien) lande ich mit Kibby bei der Auswahl von R. cavipes, fragilis, cyanoxantha var. variata, poikilochroa, aeruginea, gracilima, violacea, xenochlora.

    Die Lamellen waren allerdings brüchig, und die Schärfe war kaum wahrnehmbar, daher würde ich cyanoxantha und fragilis ausschließen.



    (Nummer 3 ist von Mittag nach abends verschimmelt, wurde also nicht weiter betrachtet. Wachstäublinge hatte ich aber in Verdacht. Ich habe keine Merkmale erhoben, außer den anfänglichen Fotos.)


    4. Ein (dunkel)roter Täubling mit massigem Stiel und relativ kleinem Hut. Guajak schnell blau, FeSO4 gelblich-pinklich, blass pinkorange oder pink-rostfarben (schwer zu beschreiben), Sporenpulver weiß bis blass cremefarben, Geschmack scharf aber erträglich. R. decipiens sollte aufgrund der hellen Sporenpulverfarbe rausfallen, bei R. mairei bin ich unsicher wegen der eher leichten Schärfe und des dunklen Hutes. Was meint ihr?



    5. Klein (3.5 cm), grün-braune Huthaut, abziehbar bis zur Hälfte, Sporenpulver weiss bis blass creme, Geschmack scharf aber erträglich. Guajak dunkelgrün, auch nach längerer Zeit, FeS04 fast keine Reaktion. Vorschläge lt. Kibby: cavipes, fragilis, cyanoxantha var. variata, poikilochroa, aeruginea, gracilima, violacea, xenochlora.


    6. Sicher einer der Schwärztäublinge, da Stiel und Stielbruchstellen sofort schwarz anlaufen. Auch die Lamellen teilweise geschwärzt, aber die Bruchstelle der Kostprobe blieb über Nacht weitgehend unverändert. Geschmack war leicht schärflich, Huthaut abzuziehen bis ca. zur Hälfte und dunkelbraun gefärbt. Jüngere, laubbedeckte Exemplare waren heller, eher weißlich. Kibby verliert insofern Punkte, als dass er tatsächlich die Schwärztäublinge überhaupt nicht unter "Flesh discolors when cut or bruised" schlüsselt. Grober Fehler, wie ich finde. Welcher ist das denn nun genau? :) R. anthracina?


    Edit: Ja, StephanW, ich habe kein Röten feststellen können, der Pilz wurde sofort schwarz. R. nigricans und R. densifolia kenne ich aus live-Ansicht (inkl. Röten).



    Danke für eure Hilfe,

    Bernhard

  • Hallo Bernhard,

    so macht das noch nicht wirklich Spaß. Aber erste Ideen habe ich, wobei ich aufgrund der Datenlage natürlich auch schief liegen kann. Ich richte mich einfach mal nach dem letzten Bild.

    Der oberhalb der umkreisten 1: Stachelbeertäubling (mit Stachelbeer-Geruch?)

    Der oberhalb der umkreisten 2: eine Griseinae

    Der unterhalb der umkreisten 1: Milder Wachstäubling (R. puellaris)

    Der oberhalb der umkreisten 3: eine Atropurpurinae

    Der oberhalb der umkreisten 4: ein Schwärztäubling, auf jeden Fall nicht der Dickblättrige; du hast sinngemäß geschrieben: Fleisch sofort schwarz anlaufend (also nicht erstmal rötend und erst danach schwärzend). Das wäre ein ganz wichtiges Merkmal, sofern es denn korrekt erhoben wurde. Dann landet man in der Tat beim Kohlentäubling (R. anthracina).

    FG

    StephanW

    Für meine hier gemachten Aussagen zu Pilzen übernehme ich keinerlei Haftung, es sind insbesondere keine Essfreigaben.

  • Hallo,


    ich hätte auch etwas Senf dazu:


    #1 Hier wäre der Violettstielige Pfirsichtäubling Russula violeipes mein Arbeitstitel. Der Hut kann durchaus solche Olivtöne entwickeln.

    Die Huthaut erweckte bei genauer Betrachtung auch den Anschein eines Aufreißens in Felder wie bei R. virescens, aber ohne den weißen Hintergrund

    Sehr gute Beobachtung! R. violeipes ist tatsächlich nah verwandt mit dem Grüngefelderten Täubling und neigt am Hutrand zum felderigen aufbrechen.


    #2 Eine Griseinae würde ich hier auch sehen. Wenn die Huthaut derart bereift ist, dass man meint es sei Schimmel, liegt der Verdacht des Blaugrünen Reiftäublings Russula parazurea nahe.

    #3 Den Vergammelten, hätte ich auch als Milden Wachs-Täubling/Mädchen Täubling R. puellaris eingeschätzt.

    #4 Ich würde hier wie Stephan eine Atropurpurinae vermuten. Da bräuchte es ein paar Angaben zum genauen Habitat.

    #5 evtl mit #2 zu vereingen

    #6 Schwärztäubling ist klar. Da er nur schwärzt, scheiden ja schon mal ein paar aus. Wenn wir es uns einfach machen bleiben R. anthracina, R. atramentosa und R. albonigra im Rennen. R. atramentosa und R. albonigra wären meines Wissens nach vollständig mild, R. anthracina sollte einen lachsfarben Schein in den Lamellen haben. Passt alles nicht ganz. Daher: Wenn man es genau wissen möchte verstecken sich hinter R. albonigra noch folgende, kürzlich neu beschrieben Arten: R. roseonigra, R. ustulata, R. nigrifacta & R. ambusta. Was sich alles hinter R. anthracina inkl. atramentosa versteckt ist noch nicht abschließend bekannt, da sitzt das Team von Felix Hampe gerade dran.

    Das mit der Abziehbarkeit der Huthaut ist, wenn es ganz leicht vollständig oder überhaupt nicht geht, manchmal ein gutes Merkmal. Leider aber vom Frischegrad der Fruchtkörper abhängig und keineswegs so konstant wie Kibby es gern hätte.

    LG Thiemo

    Bestimmungsvorschläge anhand von Fotos sind immer unter Vorbehalt und mit Restrisiko!

    Eine Freigabe zum Verzehr können nur Pilzsachverständige vor Ort geben! -> Pilzsachverständige finden

  • Hallöchen,


    Danke für die aufschlussreichen Antworten!


    zu Nr. 1: R. violeipes war ja auch mein erster Verdacht, schon wegen der räumlichen Nähe. Allerdings brachen die Lamellen nicht. Das war für mich der initiale Grund, von einer anderen Spezies auszugehen.


    zu Nr. 2: Die Bereifung nahm über Nacht im Wohnzimmer zu. Ist das typisch oder eher ein Hinweis auf Verfall?


    zu Nr. 5. Das kann ich jetzt natürlich schwer mit harten Argumenten belegen, außer mit den schon angegebenen Eigenschaften. Allerdings waren die Pilze vom Gesamteindruck her deutlich unterschiedlich, auch haptisch. Der zweite war fester, kompakter.


    Ich gewinne zunehmend den Eindruck - s. auch Bestimmungsspaß mit Täublingen Teil II - dass der Kibby nicht unbedingt besonders geeignet ist. Zu viele Lücken und Fehler beim Schlüsseln sind in der kurzen Zeit schon aufgetaucht...

    Oder liegt es daran, dass mir die Abgrenzung der Eigenschaften noch nicht so gut gelingen will?

    Welches Buch eignet sich gut, um Russula zu schlüsseln? Darf gerne sehr wissenschaftlich sein.



    Viele Grüße,

    Bernhard

  • Hallo Bernhard,

    so schlecht ist der Kibby nicht, es sind ziemlich viele Täublinge drin, die auch richtig benannt sind. Der Schlüssel allerdings... nun ja, er wollte mal was neues probieren für die Leute, die kein Mikroskop haben.

    FG

    StephanW

    Für meine hier gemachten Aussagen zu Pilzen übernehme ich keinerlei Haftung, es sind insbesondere keine Essfreigaben.

    • Gäste Informationen
    Hallo, gefällt Dir das Thema und willst auch Du etwas dazu schreiben, dann melde dich bitte an.
    Hast Du noch kein Benutzerkonto, dann bitte registriere dich, nach der Freischaltung kannst Du das Forum uneingeschränkt nutzen.