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Quotient (Q) bei der Sporenmaßangabe

  • Hallo und guten Tag,


    in der eben noch rel. pilzarmen Zeit, möchte ich euch heute den Quotient (Q) bei der Sporenmaßangabe der Pilze etwas näher bringen.



    Nein nein …. es wird nicht mathematisch 😉


    Oft sind Sporenmaßangaben wie diese zu sehen:

    [95 % • 21 • SAP • v • H2O(nat)]: 4,3- 5,2 -6,1 x 3,4- 4,0 -4,6(4,7) µm, Q = 1 ,1- 1,3 -1,5, Vm = 43µm³


    Eine Menge an Zahlen und aus meiner Sicht nicht falsch aber kann „verwirrend“ sein. Selbst gebe ich bei meinen Arbeiten ein Vermessungsprotokoll der vermessenen Sporen an, runde aber in der letzten Zeile auf 0,5µm beim Sporenmaß und dahinter steht der Q-Wert.

    Etwas „schlichter“ ist die als Beispiel oben genannte Sporenmaßangabe so wie ich sie angebe:


    4,5 - 6 x 3,5 - 4,5µm Q 1,3


    Um diesen Wert z. B. Q 1,3 soll es gehen. Der Quotient ist das Verhältnis Länge zu Breite, in diesen Fall der Spore/Sporen. Bei Q 1,3 sind die Sporen 1,3-mal so lang wie breit. Bei einer Sporenbreite z. B. 10µm ist die Länge der Spore 13µm. Oder die Spore ist 7µm breit Q = 2,1 dann ist die Länge der Spore 14,7µm. Keine Angst es folgen noch optische Beispiele 😉


    Bsp.: 21 x 9µm 21 : 9 = Q 2,3*

    32 x 11µm 32 : 11 = Q 2,9*

    8 x 6,5µm 8 : 6,5 = Q 1,2*


    * Q Wert gerundet


    Etwas deutlicher ist es an folgenden Beispielen zu sehen:


    Quotient 1,0 runde Sporen

    Q 1,2 nicht ganz runde Sporen

    Q 1,5 breite Sporen

    Q 2,5 schlanke Sporen

    Q 5,3 dünne Sporen


    So kann man bereits beim „überfliegen“ der Maßangabe/Q mit etwas Übung sehen, ob es z. B. schlanke, breite oder eine rundliche Sporen sind. Ach ja ….. auch ohne Maßangabe lässt sich der Quotient errechnen, später mehr dazu 😉


    Vereinfacht kann man sagen: Der Quotient Wert sagt aus, ob es runde, dicke oder schlanke Sporen sind oder je größer der Wert umso schlanker/dünner die Sporen.


    Füge 2 FB`s an auf denen ihr anhand von Sporen, Flächen und ……. seht, was ich bereits geschrieben habe.


    Eine gute Zeit

    Gelbfieber & Co


  • Hallo Gelbfieber

    Sehr gut, vielen Dank für deine Erklärung.

    Die meisten Mikrobilder von dir sind im Wasser gemacht, obwohl man ja mit Kontrastfarben die Ornamente besser hervorheben kann. Wie zum Beispiel mit Baumwollblau oder Kongorot. Hast du da eine Regel für dich erstellt, oder sagst du generell Sporen nur in Wasser.

    Vielen Dank für deine Know how Share. 😉

    BG Andy

  • Hallo und guten Tag Andy,


    schön das du fragst!


    Zitat

    …. Die meisten Mikrobilder von dir sind im Wasser gemacht, obwohl man ja mit Kontrastfarben die Ornamente besser hervorheben kann. Wie zum Beispiel mit Baumwollblau oder Kongorot ….


    Man kann, da hast du recht, Ornamente z. B. mit BW hervorheben oder besser gesagt ein wenig hervorheben, vorausgesetzt BW wird richtig eingesetzt!

    Aber nach meiner Erfahrung benötigt man Baumwollblau nicht denn mit einem rel. kostengünstigen Mikroskop, einem geeigneten Fotoapparat plus Adapter und einer guten Präparat-Erstellung, kann man gut bis sehr gut mikroskopische Merkmale der Pilze sehen und ablichten. Die technischen Gerätschaften müssen nicht tausende Euros kosten. Für 500 bis 600,-€ bekommt man schon ein geeignetes und sehr gutes Equipment.


    Schlechtes Präparat, mangelhafte Optik (Mikroskop), ungeeigneter Fotoapparat und und und….. sind die häufigsten „Fehler“ bei der Pilzmikroskopie und sind mit z. B. Baumwollblau nicht zu korrigieren!


    Ein altes Sprichwort sagt: Aus S…… kann man kein Gold machen.


    Mikroskopieren in BW:

    Sporen in BW können sich verformen bzw. weichen beim Maß stark von den in Wasser gemessenen Sporen ab, werden schlanker. Außerdem gehen Konturen verloren und der Hintergrund ist bei nicht sachgemäßer Anwendung von BW bläulich bis blau! Nun ist die Spore blau aber der Hintergrund auch. Blaue Sporen vor blauem Hintergrund ist in etwa wie Schornsteinfeger vor schwarzer Wand. Baumwollblau richtig angewendet, sind die Sporen blau und der Hintergrund neutral grau.

    Beispiele füge ich an.




    Mikroskopieren in Wasser:

    Neutraler (grau) Hintergrund, Farben lassen sich exakt beurteilen, Messungen ohne Abweichungen, Konturen bleiben erhalten, Ornamente lassen sich sehr gut und ohne Verzeichnung sehen, mikroskopieren und ablichten.

    Die drei Sporen in Wasser links sind plastisch abgebildet, dagegen die beiden in BW sehr flach.



    Gerade ein farblich gleichbleibender Hintergrund ist bei der Darstellung m. E. wichtig um abgelichtete Details nebeneinander zu betrachten und zu beurteilen. Farblich abweichende Hintergründe wirken sich farblich auf die mikroskopischen Merkmale aus, sind störend wenn nicht gar ablenkend.

    Ein Beispiel zeigt, das bei gleichbleibenden Hintergründen z. B. Sporen und ihre Farben sehr gut zu erfassen und auch farblich einzuordnen sind.



    Zitat

    ….. Hast du da eine Regel für dich erstellt, oder sagst du generell Sporen nur in Wasser.


    Andy, sollte es nicht ausdrücklich gewünscht werden, mikroskopier ich fast ausnahmslos in Wasser.


    Mit Färbemitteln, so ist meine Erfahrung, wird oft versucht etwas zu kaschieren. Nun möchte ich nicht alle Reagenzien (Farbstoffe) für den Hobbymykologen ausschließen, denn einige sind auch sinnvoll. Viel wichtiger erscheint mir aber, das man bei der Darstellung und Präsentation etwas mehr machen kann, wenn z. B. ohne geeigneten Adapter durchs Okular geknipst wird.

    Oft wird der schwarze Rand nicht abgeschnitten und kein Weißabgleich gemacht. Mit wenigen Handgriffen lässt sich aus einem „unvorteilhaften“ Foto ein zielgerichtetes Foto erstellen 😊



    Nochmal zurück zum Färben von Sporen. Ist es nicht vielleicht so, das man den Betrachter auf ein farbiges Objekt z. B. Sporen lenken möchte oder sich selbst vormacht, blau, rote oder gelb gefärbte Sporen besser beurteilen zu können, als schlichte olle graue?

    Natürlich fallen farbige Objekte mehr auf aber lassen sie sich auch besser beurteilen? Ist es eine optische Täuschung das das gelbe Objekt in der folgenden Grafik länger wirkt als die übrigen und schaut man tatsächlich zuerst auf die farbigen?



    Auch Melzers Reagenz möchte ich z. B. bei Russula/Lactarius aufgreifen. Beim folgendem Beispiel sieht man gut, das Melzers (rechtes Bild) das Sporenornament zwar kräftig färbt aber das Ornament auch sehr viel „flacher“ macht. Auf dem linken Bild sieht man die Sporen und das Ornament viel plastischer. Melzers gut und reduziert eingesetzt, ist schon eine wertvolle Ergänzung bei den Gattungen Russula/Lactarius. Um näher darauf einzugehen, würde es in diesem Zusammenhang den Rahmen sprengen.



    Farbstoffe für die Pilz-Mikroskopie hin oder her, ich rate zu einer guten Optik (Mikroskop/Fotoapparat) dann sind Färbemittel aus meiner Sicht überflüssig, na ja fast überflüssig 😉


    Eine gute Zeit

    Gelbfieber & Co

  • Hallo Gelbfieber

    Wow sehr, sehr interessant und lehrreich, recht herzlichen dank für deine Ausführliche Erklärung🙏. Das müsste man unbedingt in der Kategorie, mikroskopieren anheften.

    Ich denke auch am Anfang steht eine einwandfreies Präparat, ohne dies kann auch nichts gescheites rauskommen. Hierzu muss ich bestimmt noch einige Handgriffe und Techniken bei den Profis erlernen.

    Weitere Schwierigkeiten ist das Bild auch richtig zu interpretieren, was genau sieht man und was erwarte ich zu sehen.

    Anschliessend der richtige Schlüssel anwenden, vergleichen, ausschliessen und nachlesen in den verschiedenen Literaturen.

    Ich starte daher besser mal, rückwärts -> ich weiss zu wissen was ich hier erwarten kann und schaue ob ich auch alles gem. Literatur sehen kann. Ich freue mich jetzt schon auf diese Herausforderung.

    BG Andy

  • 'n Abend,


    weil's Thema grad aktuell ist, Sporen von einem Schleimpilz, heute aufgenommen.


    In Wasser,




    und in KOH 3% + Baumwollblau,



    Für die Beurteilung der Sporenoberfläche recht gut geeignet, finde ich.

    Die Interpretation von Sporenmerkmalen ist ein anderes Kapitel. Ich zB sehe Warzen, die plusminus miteinander verbunden sind.

    Auf beiden Aufnahmen,


    lgpeter

  • Servus Gelbfieber,


    weil mir der Finder des Myxomyceten auch einen Teil der Hülle übermittelt hat.


    Nur mit KOH 3 % hätte ich die 'Haut' nicht so schnell hinbekommen, da musste ich den Objektträger auch von unten 'befeuern'.


    Was spricht gegen KOH 3 %, wenn zuvor in Wasser mikroskopiert wurde?


    Wenn dir grad fad ist, kannst dir den Betrag dazu ansehen, Daldinia oder was anderes? - Bestimmungsanfragen - Das neue Naturforum


    lgpeter

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