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Flammulina fennae (Weißblättriger Samtfussrübling)?

  • Hallo zusammen,


    ich frag für eine Bekannte mit der Erlaubnis, ihre Bilder hier zu zeigen. Sie vermutet Flammulina fennae - und falls auch ihr das makroskopisch nicht eindeutig bestimmen könnt, wäre sie auch daran interessiert, die Fruchtkörper zur Mikroskopie zuzusenden (falls jemand dazu bereit ist bzw. Lust darauf hat :-) ).

    Gefunden heute (05.12.2022), Raum BW, exaktes Substrat leider nicht bekannt.


    Geht hier was ohne das scharfe Glas? Und falls nicht: Hat jemand Lust und Zeit, das für sie zu erledigen?


    Danke schon mal für Eure Hilfe / Antworten!


    VG, Boris


  • Hallo Boris

    Was man sonst noch versuchen kann ist der Geschmack -> F. velutipes ist geschmacklich pilzig aromatisch und der F. fennea leicht bitterlich. Selbstverständlich der Geschmacksversuch wieder ausspucken und nur für jene zu empfehlen die auch Samtfussrüblinge als Gattung erkennen.


    Jedoch denke ich ohne Mikrodaten, kann man die def. Art nicht ermitteln.

    Es gibt ja noch weitere als diese zwei....

    BG Andy

  • Hallo zusammen


    Nachdem das Päckchen etwa zwei Wochen im Weihnachtsstress herumlag, habe ich mir die Flammulina's nur zu Gemüte geführt:


    Cheilozystiden nur der Vollständigkeit halber, die helfen bei der Bestimmung nicht weiter.



    Ganz wichtig bei Flammulina ist der Aufbau der HDS. Ich hatte befürchtet dass ich das an Trockenmaterial nicht mehr richtig sehe. Aber es klappt gut.

    Hier sieht man rot eingefärbt die palisadenförmigen Pileozystiden, darüber in der diffusen Schleimschicht die verzweigten Ixohyphidien.

    Es gibt keine hymeniforme Grundschicht, die hätte keulig-gestielte Zellen.


    Die Sporen sind recht schlank, etwa 7.5-8.5 x 3.3-3.8 µm.


    So, und damit ist das nun eindeutig bestimmbar.

    Die HDS-Struktur schliesst kaum bekannte Arten wie F. populicola aus.

    Aufgrund der langen Sporen mit einem Koeffizient von über 2.0, kombiniert mit den überall vorhandenen Ixohyphidien, kommt man nur zu einem Schluss:

    Es ist eine "banale" Flammulina velutipes. Denkbar wäre aufgrund der blassen Hutfarbe die var. lactea, aber die sollte trocken reinweiss sein, das Exsikkat ist aber gelbocker.


    F. fennae hätte weniger schlanke Sporen, Koeffzient unter 1.9, und weniger ausgeprägte Ixohyphidien

    Es gibt noch eine kürzlich beschriebene Flammulina finlandica, die müsste stark koralloide Ixohyphidien haben. Ansonsten sehr ähnlich (siehe Wang et al. 2018).


    Wer noch mehr wissen will:

    Bas, C. 1983 - Flammulina in western Europe. Persoonia 12: 51-66

    Hahn 2016 - Bestimmungsschlüssel zu ausgewählten Gattungen der Agaricales 2, Die Gattung Flammulina - Mycologia Bavarica 17

    Ripková et al. 2010 - The delimitation of Flammulina fennae - Mycological Progress 9

    Wang et al. 2018 - Phylogeny and species delimitation of Flammulina - Mycological Progress 17


    Gruss Raphael

  • Tolle Arbeit Raphael, vielen dank für deine Mühe. BG Andy

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