Fast kreisrunde Flechten auf Kalkstein

Es gibt 6 Antworten in diesem Thema, welches 917 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (9. März 2023 um 07:46) ist von UPS.

  • Hallo UPS,

    sehr schöne Exemplare und Fotos.

    Ohne weitere Informationen kann man die Flechten vermutlich nicht bestimmen.

    Aber der Thallusrand erinnert mich irgendwie an Lecanora muralis???

    Gruß, lulich

  • Hallo Urs-Peter und Iulich!

    Eine Leconora muralis ist das nicht, sondern etwas anderes.

    In diesem Fall kommt man mit den Fotos schon ein ganzes Stück weiter, meine ich:

    Die Flechte mag auf den ersten Blick ein klein wenig an L. muralis erinnern, aber nur, wenn man noch keine Lobothallia gesehen hat.

    Der Thallus der gezeigten Flechten ist rosettig, mit schmalen Randlappen, im Inneren stark areoliert.

    Der Thallus zerfällt in schmale, radial ausgerichtete Felder, die jungen Apothecien sind ins Lager eingesenkt, was alles zu Lobothallia (radiosa) passt.

    Auch die eher weißgraue Farbe (Flechte wird auch feucht nicht grünlich) mit der starken Bereifung, sowie die dunklen Apothecienscheiben sprechen für Lobothallia cf. radiosa.

    Auch das Substrat passt: L. radiosa bevorzugt kalkiges Substrat, am liebsten reinen Kalk, an warmen, sonnigen Stellen.

    Lobothallia radiosa:

    Lecanora muralis sieht ganz anders aus, hat eine eher gelbliche bis grünliche Färbung, die Apothecien sind hellbraun, die Randlappen sind viel breiter, überlappen manchmal ein wenig.

    L. muralis färbt sich grünlich, wenn nass.

    Lecanora muralis, links mit niedlichem Pinselfüßer als Größenvergleich:

    Pinselfüßer (Polyxenus lagurus), letztes Jahr mit Nahlinse aufgenommen:

    LG, Martin

  • Vielen Dank Martin für deine eingehenden Erläuterungen zu dieser Flechte und zum Vergleich mit Leconora muralis;

    liebe Grüsse

    Urs-Peter

  • Hallo Urs-Peter und Martin,

    vielen Dank für die Fotos und Erläuterungen. Es ist schön, wieder etwas dazugelernt zu haben.

    In der Tat habe ich Lobothallia radiosa bisher nicht gekannt. Natürliche Kalksteine kommen in meiner Gegend nicht vor. Nun konnte ich bei Wirth & Kirschbaum (2014) nachlesen, dass L. muralis als Verwechslungsart von Lobothallia radiosa genannt wird. Daher war meine Aussage "... der Thallusrand erinnert mich irgendwie an Lecanora muralis???" nicht ganz abwegig. Und als Anfänger ist man ohnehin froh, die unterschiedlichen Formen einer Flechte erkennen und wenigstens einer Gattung zuordnen zu können.

    Gruß, Ludwig

  • Hallo Iulich,

    ich bin heute über ein älteres Foto gestoßen, auf dem beide Flechtenarten direkt nebeneinander wachsen.

    Das finde ich in diesem Zusammenhang ganz interessant.

    Ich denke, man kann die beiden Flechtenarten hier nebeneinander gut erkennen:

    Vergesellschaftete Lecanora muralis und Lobothallia radiosa auf Randsteineinfassung eines Weinbergweges