Interessante Blattflechte auf Nadelholz-Borke.

Es gibt 4 Antworten in diesem Thema, welches 422 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (25. Juli 2023 um 19:27) ist von KaMaMa.

  • Hallo ans Forum,

    Hallo KaMaMa ,

    Hallo Martin,

    noch eine interessante Blattflechte aus dem Raum Willingen an der Borke eines Nadelbaumriesen.

    Keine Probe entnommen, wollte die alte Borke nicht schädigen.

    Thallus hellgrau/grünlich/bräunlich, Lappenenden mit Isidien + bräunlichen Rand, weißliches Netzwerk über Thallus?

    Apothecien rotbraun, Rand gekerbt/runzelig.

    Die gesamte Borke hatte einen rötlichen Schimmer vom Sonnenlicht oder ev. noch ein Parasit!?

    Meine Vermutung: Parmelia-saxatilis?:hmmm:

    Martin, wie ist deine Meinung dazu?

    LG

    Bernd

    1

    2

    3

  • Hallo Bernd,

    Vergleiche doch mit der Essigflechte, Pleuristicta acetabulum.

    Hat sie schwarze Pyknidien, wenn sie feucht ist?

    LG, Martin

    Einmal editiert, zuletzt von KaMaMa (24. Juli 2023 um 20:11) aus folgendem Grund: Handy und dicke Finger passen nicht zusammen!

  • Zum Verdeutlichen:

    die Appothecienränder deines Fundes sind sehr verräterisch, der runzelige Thallus, die eigentümlich blau-grün-graue Färbung.

    Keine Sorale, keine Isidien, keine (netzförmigen) Pseudocyphellen!

    Manchmal begegnet diese Flechte einem mehr grau als grün:

    Bild A1 Fruchtendes Exepmlar von P. acetabulum

    Bild A2 Junges noch steriles Exemplar mit vielen schwarzen Pyknidien aude dem runzeligen Thallus

    Bild A3 Großes, vital-grünes Exemplar mit reichlich napf-tiefen, braunen Apothecien mit runzeligen Rändern

    Bild A4 Pyknidien


    Parmelia saxatilis ist eher grau und isidiös und erinnert zumindest am am isidienfreien Rand sehr an P. sulcata.

    Typisch sind hier die netzförmig angeordneten, weißen Pseudocyphellen in der oberen Thallusrinde, die sich je nach Artgruppe zu Isidien oder Soralen weiterentwickeln (können).

    Bild A5 Parmelia saxatilis (s. lat.)

    Bild A6 Isidien von P. saxatilis (s.lat.)

    Mit Apothecien habe ich sie noch nicht gefunden, aber falls sie welche haben sollte, würden sie wohl eher wie bei P. sulcata aussehen und nicht so wie oben bei P.acetabulum.

    Bild A7 Fruchtende Parmelia sulcata mit brauen Apothecien, die nicht sehr vertieft sind und gerade, wenn auch mit Soralen besetzte Ränder besitzen.

    (P.S. auch die Chemie der beiden Gattungen ist unterschiedlich) Muss ich revidieren, weil so nicht richtig!

    LG, Martin

  • Hallo Martin,

    völlig klar, es ist P. acetabulum. Die Flechte ist für mich völlig neu, vorher noch nie gesehen.

    Habe auf Grund deines Tipps meine Flechtenfotos nochmal genau angeschaut und mit Fotos von P. acetabulum

    verglichen und die Beschreibung gelesen. Ist doch schade das es keine Probe gibt.

    Entgegen meiner ersten Beschreibung sind die Lappen deutlich aufsteigend gebogen mit vielen schwarzen Punkten ( nicht wie ich dachte Isidien sondern schwarzen Pyknidien) unterseits hellbraun.

    Die sehr großen Apothecien sehen auch sitzend/mini gestielt mit hellen gekerbten welligen Rand aus.

    Habe nochmal einen Fotoausschnitt gemacht.

    Was stelle ich fest: wieder etwas gelernt!!!

    LG

    Bernd

  • Hallo Bernd,

    ja, ich denke, der Fund ist ganz eindeutig der Essigflechte, P. acetabulum, zuordenbar!

    Das ist eine sehr schöne und interessante Flechtenart, hier am Neckar gar nicht so selten.

    Kommt mehr an freistehenden Laubbäumen, weniger im Wald vor.

    In den niederen Lagen, an trockenen Orten und in Nadelwaldgebieten eher selten und gar nur in Kümmerformen zu finden.

    LG, Martin