Spaeropsis sapinea unterm Mikroskop

Es gibt 3 Antworten in diesem Thema, welches 2.591 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (23. Dezember 2023 um 11:51) ist von Rooki.

  • Hallo! :)

    Ich brauche mal die Hilfe von euch, ich besitze weder ein Mikroskop noch habe ich viel Ahnung was alles möglich ist, ich beschäftige mich erst seit kurzem damit.

    Denkt ihr es wäre möglich "Sphaeropsis sapinea" (ein Ascomyceten aus der Gattung Botryosphaeria) unterm Mikroskop zu erkennen? Ich möchte insbesondere wissen, ob ich erkennen kann ob eine abgestorbene Schwarzkiefer rein an Trockenheit gestorben ist, oder ob sie Trockenheit erlitt und dadurch anfälliger für den Pilz und dadurch der Pilz in seiner "aggressiven Form" (finde diesen Wortlaut legendär :'D) die Schwarzkiefer zunichte gemacht hat.

    Problem ist das der Pilz eben fast immer vorkommt, also auch an gesunden Schwarzkiefern, nur wenn die halt unter Trockenheit leiden wird es problematisch.

    Ich schreibe gerade eine Arbeit über dieses Thema, es geht mehr drum einen Schwarzkieferreinbestand zu durchforsten (richtung "Klimastabil") und dafür ist egal warum die abgestorben sind (ich wechsle auf Laubmischwald mit geringem Nadelholzanteil), tot ist halt tot (für die Praxis) und die hätte da nie hingepflanzt werden sollen, aber ich persönlich finde es super interessant!

    Interessant fände ich auch ob es Waldschutzmäßig realistisch ein Vorteil ist die abgestorbenen Bäume zu entnehmen. Ich denke es ist definitv aus Waldbrandsicht vorteilhaft nicht sehr trockenes sehr harzreiches Holz im Bestand zu haben, und es könnte den Infektionsdruck verringern. Den Bestand dadurch aber "zu schützen" kommt mir irgendwie utopisch vor weil Sporen ja so unheimlich weit durch Wind usw. transportiert werden... (positive Punkte von Totholz generell hier nicht erwähnt das wär einfach grade zu viel Text). Entnommen wird es so oder so, da die hießige Bevölkerung nach Brennholz lächtst.

    Danke an jeden der/die sich da Gedanken drüber macht! :)

    Edit:

    Ich habe gerade diesen Beitrag darüber gefunden der ist super interessant:

    Mit der Trockenheit kommt der Pilz - Diplodia-Triebsterben der Koniferen - LWF aktuell 112

    Nur falls es vielleicht noch jmd anderen fesselt, er beantwortet nicht die Frage hier im Thread.

    Einmal editiert, zuletzt von Aileen (27. August 2023 um 13:50)

  • Hallo

    Ja das lässt sich bestimmt mikroskopieren -> hier findest du paar Bilder dazu.

    ssapinea.php

    Es gibt einige Berichte im Internet dazu, einfach mal durch verschiedene Such-Tools eingeben. Gutes gelingen von deiner Arbeit

    BG Andy

  • Danke dir!

    Ich habe jetzt eine Woche Pause gemacht und über etwas schöneres geschrieben (Biotopsanierung für die Gelbbauchunke) und jetzt gehts wieder weiter hier mit den Schwarzkiefern.

    Deine Seite ist sehr hilfreich! Ja es gibt viele Berichte, ich bin schon einige Wochen am durchstöbern, so richtig den goldenen Gral habe ich noch nicht gefunden,

    aber ich schreibe jetzt einfach noch eine Seite über diplodia sapinea und dann muss es passen.

  • Hi Aileen!


    einen Altersklassenwald in Monokultur umzubauen ist nicht so einfach. Besonders wenn es sich um einen benachteiligten Standort handelt. Was das Ganze oft noch verschlimmert, ist mangelnde „Pflege“. hierbei muss man entweder regelmäßig kleine Eingriffe vornehmen, wobei das Schwachholz als Schlagrücklass im Wald verbleibt oder man macht bis zur Hiebsreife quasi gar nichts. diese Option macht aber wirtschaftlich nur Sinn in stabilen Beständen und beißt sich auch mit dem Waldumbau, da man kein Licht Richtung Boden bringt und Keimungsbedingungen für bisher fehlende Arten schafft.
    Wurde lange nichts gemacht, geht der Blick in die Krone und man sucht sich im herrschenden Bereich bedrängte Bäume mit großen Kronen. Durchmesser, Mistelbefall, überwachsene Rindenschäden die nicht direkt auf Pilze hindeuten, etc ist alles erstmal zweitrangig. Kiefern bilden in höherem Alter nur langsam die Kronen aus, deshalb geht in Plantagen Stabilität und Erschließung von Wasser über alles. Am Ende hänge ich ein Bild an, wo auf einem feuchten Standort (Wasser = Höhenwachstum) zu spät und zu stark eingegriffen wurde.

    wieso sind die Kronen so wichtig? Die sorgen für die Stabilität der Bäume, hier ein Video, in dem der H/D Wert erklärt wird:

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    das war jetzt „wie bekomme ich Licht auf den Boden?“ Wir haben aber noch keine neuen Baumarten! Deshalb brauchen wir als erstes einen Zaun, außer wir können selbst jagen.
    dann machen wir uns Gedanken über den Standort und was da wachsen könnte. Typischerweise haben wir trockene, sauere Standorte für die Kiefer. Bleibt also nur eine geringere Auswahl. Birke, Eiche kommt quasi überall von selbst, aber auch Eichelhäherkästen auf den Zaunpfählen können das ganze natürlich beschleunigen. Zu einem gewissen Grad kann man auch den Eichelhäher für die Buchensaat „missbrauchen“. Ob man Edelkastanie mit dem Pflanzstock ausbringen kann, weiß ich nicht. Aber ich halte nur Direktsaat für sinnvoll auf kargen, trockenen Standorten. Die spärlichen, gekappten Wurzeln von Schulpflanzen werden sobald die Nährlösung aufgebraucht ist ein großes Problem für die Bäumchen darstellen. Dann zahlt man extra und der Baum entwickelt sich trotzdem viel langsamer und schwächer. Bäumchen, die aus dem Äser gewachsen sind stellen ein zu hohes Risiko dar, durch den Verpflanzungsschock einzugehen und der Aufwand bei Pflanzung und Pflege (wässern) steht in keinem Verhältnis. Drohnensaat (Fallhöhe -> Mineralboden) oder Streusaat mit dem Wasserwerfer sind interessante Möglichkeiten für schwieriges Gelände.

    Bisher haben wir nur Pionierbäume. Fehlt noch Buche*, Bergahorn und Weißtanne um auch Naturverjüngung im Unterwuchs auf Vorrat zu haben. Gerne nimmt man auch alles an Vogelkirsche, Schwarzerle usw mit, was von alleine kommt, auch wenn die auf trockenen Standorten keine hohe Konkurrenzkraft haben.
    *Buche stellt auf 80% der deutschen Flächen den historisch dominanten, natürlichen Bewuchs dar (Überall, wo keine Staunässe zu erwarten ist) und kommt mit sehr hoher genetischer Bandbreite/Anpassungsfähigkeit. In diesem Zusammenhang empfehle ich die Vorträge von Lutz Fähser und seinen Kollegen rund um den Lübecker Stadtwald um einen Ausblick auf das Endziel naturnaher und maximal profitabler, wenig arbeitsintensiver Waldwirtschaft zu bekommen. Das braucht natürlich erstmal eine recht lange Transformationsphase, wenn wir bei einer Kiefernplantage starten, aber auch die kurzfristigen Veränderungen können schon sehr befriedigend sein. Der Dauerwaldkanal von Wilhelm Bode ist wärmstes zu empfehlen und FVA BW und Hochschule Rottenburg sind auch gute Anlaufstellen.

    Nun zum letzten Punkt: Schwarzkiefer ist bei uns extrem anfällig. Ich vermute fast, dass da genetisch extrem verarmte Varianten bei uns unterwegs sind. In meiner Umgebung von Mittelfranken fallen die fast komplett aus und sind der Waldkiefer eindeutig unterlegen, die ja auch massiv Probleme hat. Mittelfristig betrachtet werden die aber im Mischwald vielleicht wieder besser klarkommen, bevor sie dann unweigerlich verdrängt werden von heimischen Arten. Dementsprechend bleibt die Frage: was können kranke und abgestorbene Bäume noch für den Wald tun? Das ist einiges: Schattenspender, Windbrecher, Habitatbaum (Specht und dann im Anschluss Fledermäuse sind zB extrem wertvoll und nützlich für den Wald), als liegendes Totholz ein hervorragender Wasserspeicher und langfristig Nährstofflieferant für die nachwachsenden Generationen. Vor allem sollte man keine großen Erntemaschinen da rein jagen, die den Boden verdichten, das rechnet sich alles überhaupt nicht. Wenn du einzelne Stämme für deinen Holzofen rausziehst, ist das natürlich gar kein Problem.

    Grüße Rooki