Flechte auf Eichenrinde.

Es gibt 21 Antworten in diesem Thema, welches 1.230 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (17. September 2023 um 19:43) ist von KaMaMa.

  • Hallo KaMaMa,

    Hallo Martin,

    es gibt mich noch, mit einer neuen Flechte an einer alten Eiche. Ist mir aufgefallen durch die schöne grünlichgelbe Farbe zwischen anderen Flechten.

    Die winzigen Proben konnte ich ohne Schaden entnehmen!!

    Lappenrand gerundet, Lappen teils knitterig, runzelig, quer gewellt ( Fotos ), zur Mitte hin körnige Soralen ( Foto ).

    Lappenrand unterseits glänzend braun + Rhizinenfrei zur Mitte schwärzlich ( Foto ).

    Foto 3 mit rosa Flechtenpilz + anderer Flechte??:/

    Beim Tüpfeln: C-, P+ rotorange auf Soralen + Mark, KC+ leicht orange, K+/- leicht gelblich.( Fotos )

    Meine Vermutung: Flavoparmelia caperata? :hmmm:

    Was sagst du zu der Flechte?

    LG

    Bernd

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  • Hallo Bernd,

    ich hatte mir schon Sorgen gemacht!

    Da bin ich aber froh, dass es dich noch gibt, ich wieder von dir höre und du weiterhin schöne Flechten einstellst!

    Und dann noch eine so tolle Anfrage, die fordert!

    Also, zu den Flechtenarten, die du heute zeigst.

    1) Bilder 1-2/8,9:

    Die Caperats-Flechte, Flavoparmelia caperata, in Bild1 und Bild 2, hast du meiner Meinung nach richtig erkannt. :thumbup:

    Pseudocyphellen hat diese gelbliche Blattflechte nicht, sondern sehr grobe Soredien.

    Das Lager ist zudem deutlich querrunzelig, damit landet man eigentlich schon makroskopisch bei F. caperata.

    2) Auf Bild 2 scheint zudem noch eine eine Punctelia spec. rechts daneben zu wachsen, etwas mehr gräulich-bläulich, mit Bortensoralen (Punctelia jeckeri oder P. subrudecta).

    Tatsächlich habe ich noch nie einen sortenreinen Bestand an F. caperata - oder einer anderen Blattflechte - am Baum gesehen, sie treten immer mit anderen, durchaus ähnlichen Flechten gemeinsam auf; sie über- und durchwachsen sich dann teilweise!

    Deshalb Vorsicht: die Blattflechten kann man relativ leicht verwechsel und genau das scheint hier passiert zu sein.

    Meiner Meinung nach zeigst du mehrere unterschiedliche Flechtenarten in den Fotos deines Beitrags!


    3) Bilder 3/5/11 sollte etwas anderes sein.

    Ich sehe punktförmige Sorale, die in der gelblichen Thallusmitte zusammenwachsen.

    Das sollte nicht F. caperata sein.

    Pseudocyphellen seinen zu fehlen, die Sorale wirken fein.

    Vergleiche mal mit F. soredians.
    Du zeigt von dieser Flechte nur P+ orange.

    Überprüfe die Sorale dieser Flechte mit KOH auf K+ rot.

    Ich bin auf das Ergebnis gespannt.

    4) Bilder 4/7/10 zeigt graue Blattflechten mit sehr welligem, aufsteigendem Rand, Bortensoralen - vergleiche hier mal mit Parmotremaperlatum!

    Eventuell findest du am Thallusrand einige lange, schwarze Wimpern?

    Der (fast) rhizinienfrei Rand würde passen.

    Auch die kleinen Läppchen an den Lappen passen hierzu:


    Man kann bei den parmelia-artigen Flechten wirklich schnell durcheinander kommen, wenn man sich nicht intensiv damit beschäftigt.

    Große Blattflechtenarten an Rinde mit gelblichem Farbton gibt es nicht viele (Flavoparmelia caperata, F. soredians und Flavopunctelia flaventior).

    Der Farbeindruck zwischen grau, grün undgelb ist fleißend - auch je nach Feuchtigkeitsgehalt der Flechte.

    (Ich verstehe bis heute nicht, dass z.B. Pyscien immer als grau beschrieben werden, für mich sind die gräulich, aber eindeutig grün.)

    Auch ich tue mich makroskopisch bei den Pseudocyphellen tragenden Arten wie Parmelia, Punctelia und Flavopunctelia noch immer schwer, ich komme da durchaus ins Grübeln!

    Aber die Blattflechten ohne Pseudocyphellen sind auch nicht unbedingt leicht zu unterscheiden (Parmelia, Parmelina, Parmeliopsis, Parmotrema, Hypotrachyna...).

    Nicht umsonst war das früher (fast) alles in der gleichen Gattung Parmelia vereint (Vgl. Karl Bartsch "Flechtenflora von Südwest-Deutschland").

    Zum Glück kann die Chemie helfen, aber leider nicht immer:

    Der eine Thallus reagiert stärker, der andere Thallus der gleichen Flechtenart (!) schwächer oder auch mal gar nicht...

    Und wo ist der Unterscheid zwischen nass nur gelblich grün und wirklich gelb?

    Zwischen gelb und gelborange?

    Zwischen gelborange und orange, zwischen orange und rot?

    Die Übergänge sich fließend!

    Bild 10 und 11 zeigen definitiv unterschiedliche Flechten und keine entspricht der Flechte auf Bild 1 (F. caperata)!

    Deshalb ganz wichtig:

    Immer nur einen Thallus analysieren, um sicherzugehen, dass man nicht durcheinanderkommt, vor allem, wenn man eine Flechte nocht nicht kennt.

    Dann den nächsten Thallus.

    Achte auf alles, wie

    - Farbe in Thallusmitte und am Rand, sowohl auf Ober- ais auch Unterseite

    - Struktur, Welligkeit der Ränder

    - Lappengröße

    - Lage der Sorale

    - Pseudocyphellen

    - u.s.w., u.s.f., u.v.m.

    Die Gesamtheit der Merkmale entscheidet.

    Deshalb sind die großen parmelia-artigen Flechten (Parmelia s. lat.) ziemlich spannend - es gibt relativ viele Arten zu entdecken!

    Schau dir die Flechtenproben noch mal der Reihe nach in aller Ruhe an, ich bin sicher, du wird sie in mehrere Arten trennen können.

    Zu den Flecken in Bild 3 kann ich nichts weiter sagen.

    Dafür kann sehr gut ein lichenicoler Pilz verantwortlich sein.

    Die Bestimmung der lichenicolen Pilze ist allerdings nicht einfach und mit einem makroskopischen Foto meist nicht zu machen, und ohne Fruchtkörper vermutlich sowieso nicht.

    Ich bin schon auf deine Nachlese sehr gespannt!

    LG, Martin


    P.S. Da muss ich an das für Flechtenliebhaber gerichtete, hervorragende (!) Gedicht "Flechtenbestimmung" von Ute Wernicke denken, das am Anfang des Büchleins ""Flechten einfach bestimmen" abgedruckt ist (oder auch hier online zu finden ist).

    Ich habe es erst gestern wieder einmal gelesen und muss sagen, ICH finde mich darin trefflich wieder - und bin darüber sehr amüsiert!

  • Hallo Martin,

    diese Eiche muss ich noch mal aufsuchen, ist nicht weit entfernt, viel ist von den Proben nicht mehr zu benutzen.

    An dem Stamm schein ja viel zu finden sein. Ich muss mir noch mehr Mühe beim Eintüten machen.;)

    Zur Probe Bild 3,5,11 konnte ich aber noch einen Test mit K machen, Reaktion erst gelblich nach einiger Zeit hin zu

    orangerot ( auf Fotos a1bis a4 zeitlich dokumentiert ), ich kann diese Reaktion aber nicht richtig einordnen.

    Die Flechte hatte ich auch extra eingetütet und als F. soredians in Vermutung, dann wieder verworfen, angeblich hier nicht so verbreitet, scheint ja nicht zu stimmen.

    Bei 4,7,10 konnte ich keine schwarzen Wimpern feststellen.

    Sende noch 3 Fotos b1 bis b3 mit, die sind mir etwas falsch belichtet warum auch immer.

    Der gesendete Link ist super, genau so ist es aber!!!!!!!!

    LG

    Bernd

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    a2

    a3

    a4

    b1

    b2

    b3

  • Hallo Bernd,

    K+ rot an den Soralen - also doch F. soredians!

    P. perlatum muss keine Wimpern haben.

    Die Flechtethalli, die ich bisher gefunden habe, hatten aber meist welche.

    Die Gesamtheit der Merkmale ist wichtig.

    Ich möchte vorerst bei dieser Zuordnung bleiben, bis Gegenteiligen bewiesen ist.

    LG, Martin

    Ja, so einen Baum (alter Apfelbaum) hatte ich auch gefunden, der mit allen möglichen, schönen Blattflechten bewachsen war/ist (z.B. Hypotrachyna revoluta und afrorevoluta konnte ich dort erstmals entdecken).

    Da muss man natürlich öfter mal hin!

  • Hallo Martin,

    ich glaube der Beweis für Parmotrema perlatum ist vorhanden, hoffe ich.:happy: Was denkst du?

    Diese 2 Fotos sind auch noch von der besagten Eiche und decken sich mit den kleinen Proben, waren irgendwie abhanden gekommen und nun beim einordnen wieder aufgetaucht. Da passen auch die Tüpfeltests.

    Wir waren gestern noch in einem versteckten alten Steinbruch, die gesamten Wände mit einer gelben Flechte bedeckt. Habe Proben, und interessante Fotos gemacht, bin gespannt was ich erkennen kann.

    LG

    Bernd

    1 Flechte Eiche

    2 Flechte Eiche

    Foto vom versteckten Steinbruch

  • Hallo Bernd,

    freut mich, dass eine weitere Flechte bestimmt oder zumindest weiter eingegrenzt werden konnte.

    Aus der Gattung Parmotrema kommen im D-A-Ch-Land neben P. perlatum nur noch einige sehr seltene Arten vor, die ich hier ausschließen würde.

    P. perlatum ist eine sehr anmutige Flechte, insbesondere, wenn sie auf dünnen Ästen wächst.

    Sie erinnern mich ein wenig an Meeres-Nacktschnecken wegen ihres stark gewellten Randes, als ob sie gleich losschwimmen wollte.

    LG, Martin


    Anbei zwei schöne Fotos von P. perlatum - ich glaube beide Flechten wuchsen auf Apfelbäumen in Bachnähe.

    Man kann die welligen, aufsteigenden Thallusränder mit den Bortensoralen gut erkennen.

    Beide Thalli habe lange, schwarze, randständige Wimpern (Cilien) ausgebildet.

    Die Unterseite ist am Rand braun und dort fast rhizinienlos.

    Weiter innen wird die Unterseite schwarz und rhizinienbesetzt.

    Bild A1 Typisch trocken hellgrauerThallus von P. perlatum, die randlich glatte, braune Unterseite entblösend. Weiter innen wird die Unterseite schwarz!

    Bild A2 Vermutlich feuchter Thallus von P. perlatum, deshalb mit grünlicher Färbung

  • Hallo Martin,

    jetzt eine Sondermeldung: Das Mikroskop von Bresser ist auf dem Weg:blush: bin gespannt was ich erlebe. Hoffentlich ist das erste erforderliche Arbeitsmaterial dabei.

    Jetzt geht es an die gelben Flechtenproben aus dem Steinbruch:smilec:. Erster Schnelltest mit UV leuchtend orange.

    Getüpfelt wird auch noch. Mal schauen was ich dann noch unterm Mikroskop sehen kann.

    Noch ein paar Fotos dazu.

    LG

    Bernd

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    3 UV orange

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  • Hallo Bernd,

    herzlichen Glückwunsch, du bist bald stolzer Besitzer eines Mikroskopes! Eine gute Entscheidung!

    Ich weiß ja nicht, ob du jemals vor einem Mikroskop gesessen bist. Aber wie ich dich einschätze, wirst du das problemlos meistern. Objektträger, Deckgläschen und eine kleine Menge Immersionsöl sollten dabei sein. Ohne die drei Sachen geht nix.

    Rasierklingen zum Schneiden, eine Schneidunterlage (Objektträger gehen auch), ein Bleistift mit Radiergummiaufsatz zum sanften Quetschen der sehr (dünnen) Deckgläschen, eine Präpariernadel, um die winzigen Pröbchen zu manupulieren, eine sehr feine Pinzette, all das wird sich finden lassen, oder im Laufe der Zeit besorgt.

    Für den Anfang solltest du dich nicht mit so etwas schwierigen wir leprösen Flechten beschäftigen, die geben auch mikroskopisch wenig her und sind deshalb eher frustrierend.

    Fang mit etwas an, was du kennst! Das hat den Vorteil, du kannst über die Flechte nachlesen, was du sehen solltest und danach im Mikroskop suchen. Fange mit Apothecien an!

    Besorge dir eine Blattflechte, die du kennst mit schönen Apothecien, z.B eine Physcia!

    Die Blattflechte hat schon große FK und du kannst dich in Dünnschnitten üben.

    Eine Physicia hat große, dunkle, zweizellige Sporen, die guten Kontrast bieten. Darauf kannst leicht scharfstellen So kannst du dir gleich die sporengefüllten Schläuche ansehen.

    Ich bin gespannt, wie es weitergeht!

    LG, Martin

  • Hallo Martin,

    diese Gelbflechte aus dem gezeigten verwachsenen Steinbruch ist ganz schön spannend. Auch unter der Lupe habe ich noch einiges gefunden. Sie ist nicht wie ich erst dachte Steril, dann dürfte nur UV+ Orange passen, ist aber nicht so. Somit habe ich Psilolechia lucida ausgeschlossen.

    Das Lager ist großflächig an der Kalksandsteinwand, rissig, körnig, dicklich, gelb, goldgelb, gelbgrün, teils orange gesprenkelt ( Fotos ).

    Getüpfelt: P-, C-, K+/- rötlich, KC+/-rötlich. Könnte dann Chysothrix chlorina sein? Oder?

    Habe soeben noch gelesen bei C. chlorina UV+/- mattorange möglich.

    Aber: ich meine auf den Proben winzige Ø 0,4mm orangene Apothecien entdeckt zu haben ( wenn es welche sind ? ) und teils graue Apo. mit hellen Rand ev. andere Flechte , oder??? ( Foto ). Ich hoffe du kannst das auf den Fotos erkennen, schärfer geht nicht.

    Aber für C. chlorina sind Apothecien unbekannt, oder? Vielleicht kann ich dann unter dem Mikro noch mehr erkennen und eine Apo. ablösen.

    Ich weiß, du magst diese Flechten nicht so sehr, trotzdem interessiert mich deine Meinung, auch wenn alles nur Spekulation ist.

    Ein Link zu Flechte: Absconditella annexa (Arnold) Vězdam=578

    LG

    Bernd mit schwierigen Fall

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  • Hallo Bernd!

    Auf den neuen Fotos ist mehr zu erkennen!

    Du hast gelbe Apothecien gefunden?

    Die kannst und musst du natürlich im Querschnitt oder als Quetschpräparat mikroskopieren.

    Du musst, wenn du wirklich sicher die Flechtengattung bestimmen willst.

    Ich lehne mich mal aus dem Fenster und vermute, hier findest du farblose, zweizellige Sporen.

    Chysothrix chlorina kommt auf Silikat vor, und reagiert laut meinem Buch K+/- und/oder KC+/- schwach orange, fruchtet selten und hat dann 2-4 zellige Sporen.

    C. candelaris reagiert ebenso orange, komt aber eher an Bäumen vor.

    Psilolechia, Chrysothrix und Candelariella kann man bei K+purpurrot ausschließen und muss an Caloplaca sen. lat. denken!

    Wenn du eine gelbe Flechte mit gelben Apothecein (auf kalkhaltigem Untergrund) findest, die mit KOH purpurrot reagieren, müssen die Caloplaca-Alarmglocken schellen.

    Hier kannst du zur Sicherheit die Sporenform gegenchecken.

    Die weiß-grauen Apothecien könnten ev. befallen sein.

    Ich könnte mir eventuell eine Flechte aus der Gruppe um F. (flavo)citrina vorstellen!

    Vergleiche mal damit.

    LG, Martin


    PS:

    Sag mal, verwendest du etwa die 20x Okulare an der Stereolupe?

    Das wäre vielleicht die Erklärung für diese extrem unscharfen Bildränder bei deinen Lupenfotos.

    Vergrößere nicht so stark, die Bildränder sind zu unscharf und damit fast unbrauchbar.

    Irgendwann wird das Bild nur noch größer, aber nicht besser.

    Bei schwächerer Vergrößerung ergibt sich gleichzeitig eine größere Tiefenschärfe und die Bildqualität wird besser.

    Ich verwende ausschließlich die 10x Okulare und bin damit zufrieden.

  • Hallo Martin,

    die Spannung steigt, wie es los geht, muss das Paket nun in Ruhe auspacken und Aufbauen.

    Stelle fest: Für diese Mikro passt ja auch mein Mikro Okular Full HD um Bilder direkt am PC zu sehen, da bin ich gespannt.

    Dann werde ich versuchen die gelben Apothecien genauer zu untersuchen. Du sprachst von farblosen und zweizelligen Sporen, hast du ev. ein Foto für mich wie das aussieht, dann habe ich eine bessere Vorstellung was ich sehen muss.

    Diese gelbe Flechte ist sehr interessant, mal sehen was ich dazu noch herausfinde.

    Ja, ich nehme bei der Lupe generell das 10x, leider immer mal wieder das 20x Okular, stelle aber auch fest das das für Fotos zu unscharf ist.

    LG

    Bernd

  • Hallo Bernd,

    du kannst mal auf der Seite hier bei den Italienern schauen. Hier sind immer auch Mikroskopbilder dabei.

    Achtung! Die Mikroskopbilder sind zur besseren Erkennbarkeit tw. mit angefärbten Material hergestellt, z.B. mit Baumwollblau, Kobgorot oder auch Lugolscher Lösung angefärbt!

    Die Asci und Sporen von Caloplaca sind original farblos!

    Die reifen Sopen von Caloplaca sind 2-zellig mit gewissermaßen einer Sanduhrform, einer dünner Verbindung, Plasmabrücke zwischen den beiden Zellen!

    LG, Martin

    Einmal editiert, zuletzt von KaMaMa (14. September 2023 um 15:45)

  • Hallo Martin,

    danke für deine Tipps, werden alle befolgt.

    Habe erstmal alles aufgebaut und versucht einzustellen, ganz schön kompliziert aber ich taste mich heran.

    Eine winziges Stück einer Blüte habe ich zum Scharfstellen genutzt.

    Aber es sind keine Objektträger und Deckgläser mitgeliefert ( nicht im Lieferumfang enthalten ), muss ich gesondert einkaufen. Immersionsoel + eine kleine blaue Scheibe waren dabei, wofür benutzt man diese blaue Scheibe? Ist nicht weiter erklärt.

    Noch eine Frage: Bei der Oel-Immersion soll ein Tropfen direkt auf die Linse des Kondensors geträufelt werden,

    und dann ein Tropfen aufs Präparat + Objektträger, sagt die Beschreibung. Verstehe ich das so richtig?

    Sollte ich mir diese Färbemittel zum besseren erkennen ev. auch bestellen?

    Ein Gruß ohne Flechten

    Bernd

  • Hallo Bernd,

    oh das ist jetzt blöd!

    Es sind keine Objektträger und Deckgläschen, kein Immersionsöl im Lieferumfang enthalten?

    Dann musst du dich bis zu deren Lieferung weiterhin gedulden. ;(

    Ein Stück blaues Kobaltglas war vor Jahrzehnten bei meinem Schülermikroskop dabei.

    Es sieht als Farbfilter für irgendwas, kann mich nicht erinnern. Bei Pilzen und Flechten benötigst du es nicht.

    Bitte das Öl nur auf Deckgläschen aufträufeln, sonst nirgendwo hin!

    Und nach Gebrauch zeitznah vom Objektiv abwischen, und regelmäßig mit Waschbenzin nachreinigen, sonst wird die Bildqualität durch verharzte Ölreste schnell schlechter!

    Hierzu eine etwas längere Erklärung, die hoffentlich für das Verständnis hilft:

    Bei der Ölimmersion musst du zuerst bedenken, dass du nur das 100er hierfür verwenden kannst!

    Ist erstmal Öl auf dem Deckglas, solltest du vermeiden, zurück zum 40er zu wechseln, da du es sonst ins Öl eintauchst und unnötig verunreinigst!

    Also erst mit den 4x und 10x Objektiven arbeiten, um einen Überblick zu bekommen.

    Diese beiden Objektive haben einen großen Arbeitsabstand, so dass du ein Deckglas noch nicht unbedingt brauchst:

    Hier kannst du auch noch wie mit der Stereolupe arbeiten und z.B. mit einer Taschenlampe seitlich von oben beleuchten, oder halt von Anfang an das Durchlicht verwenden.

    Auflicht ist nicht schlecht bei manchen dickeren Schnitten.

    Nicht vergessen, immer Bilder aufzunehmen, da im Verlauf des Mikroskopierens die Probe unwiederbringlich verändert wird (Quetschen, KOH oder andere Chemikalien, ...).

    Kein Weg führt zurück, es sei denn, man macht ein neues Präparat und fäng von vorne an...

    Nachdem du dir den nötigen Überblick verschafft hast, muss spätestens jetzt das Deckglas darauf - die Probe schwimmt in ein kleinen Menge Leitungswasser (bei hydrophoben Probenmaterial auch mal in Immersionsöl) - damit du zum 40er wechseln kannst.

    Der Arbeitsabstand ist viel zu klein, als dass das 40er durch die Probe nicht verschmutzt würde.

    Spätestens beim Wechsel zum 100x muss die Probe hauchdünn sein, sonst hast du keine Chance, die interessanten Strukturen innerhalb des Tiefenschärfebereiches des 100ers liegen zu bekommen.

    Wenn du super gut schneiden könntest, müsstet du nicht quetschen.

    Da du keine Mikrotom-Hand hast, wird das aber vermutlich nicht klappen.

    Deshalb mit einem Radiergummi - ich finde einen Bleistift mit Radiergummi am Ende ideal - das dünne Deckglas auf die Probe drücken und die Probe auseinander quetschen.

    Beim Quetschen seitlich austretende, überschüssige Flüssigkeit mit Zellstoff aufnehmen.

    Sie soll nicht auf des Deckglas gelangen und auch nicht zurück unter das Deckglas strömen!

    Ehe die Zellen platzen, lösen sie sich unter Druck meist voneinander - oder das Deckgals bricht.

    Dann zurück auf Los! Pech gehabt.

    Ist das Material sehr zäh, hilft 3% KOH (Zusatz zum Wasser) unter dem Deckglas.

    Hierfür ein bisschen einwirken lassen.

    Mit etwas Erfahrung bekommst du ein Gefühl dafür, ob du KOH brauchst oder nicht.

    Nächstes Mal vielleicht sanfter drücken, oder KOH verwenden oder etwas mehr KOH oder länger einwirken lassen oder am Besten einen dünneren Probenschnitt verwenden.

    Gibt immer Acht, dass keine KOH oder andere Chemikalien an deine Objektive gelangen!

    Erst jetzt beim 100er kommt das Immersionsöl zum Einsatz!

    Ich wechsle vom 40er zurück auf eine Zwischenposition zwischen die kurzen Objektive 4er und 10er und habe Platz für mein kleines Öl-Tropffläschchen, mit dem ich genau auf die Stelle ein Tröpfchen Öl absetzt und dann über das 4er (nicht über das 40er!!) das 100er ins Öl eintauche, ein paar Mal über die hin und her Einrastposition schwenke.

    Man kann auch den Objektträger entnehmen und so das Öl aufbringen; anschließend muss man halt in der Y-Richtung fahren und die Stelle mit dem 4er oder 10er wiederfinden.

    Ein kleines Tröpfchen ÜBER der interessanten Stelle AUF dem Deckglas genügt!

    Ist erstmal Öl auf dem Deckglas hat sich's mit dem Radiergummi gehabt oder es gibt eine Sauerei!

    Schau dir auch mal diesen Beitrag hier im Forum an.

    Mögliche Bezugsquelle z.B. hier.

    Übersicht Chemikalien und deren Haltbarkeit hier.

    Die Beiträge beantworten vielleicht weitere Unklarheiten.

    LG, Martin

    PS zu Chemikalien:

    3%ige KOH ist langfristig schon nützlich!

    Du kannst dir auch mit der 20%igen KOH (oder 30%igen) behelfen, indem du halt ganz wenig davon unter das Deckglas zum Wasser gibst.

    Natriumhypochlorid (oder ersatzweise DanKlorix aus dem Bad), Paraphenylen-Diamin und Lugol hast du ja bereits.

    Ansonsten, wenn du erstmal bei Flechten bleibst, brauchst du eigentlich nichts weiter.

    Ah - setz dir ein Fläschchen konzentrierte Zitronensäure an (Entkalker aus der Küche), damit kannst du Steine auf Kalkhaltigkeit prüfen!

    Sehr selten wird bei Flechten Salptersäure ("N") verlangt z.B. für Löslichkeitstest von Kristallen im Hymenium bei Lecanoren - hab ich aber gar nicht.

    Ist auch nicht mehr frei verkäuflich wegen der Blödmänner, die die Chemikalien für hässliche Zwecke misbrauchen!X(

    Kongorot braucht man, um Hyphenwände einzufärben,

    Melzers für Sporenornamente, z.B. bei Täublingen,

    Baumwollblau für andere Sporenornamentierungen,

    Karmin-Essigsäure zum Färben vom Chromatin,

    u.s.w.

    Diese anderen Chemikalien sind eigentlich nur für Spezialanwendungen nötig.

  • Hallo Martin,

    vielen Dank :shy: für diese Arbeitsvorbereitung, habe alles kopiert und ausgedruckt, das liegt neben mir wenn es dann los geht. Werkzeug dürfte alles vorhanden sein, habe noch Einwegskalpelle für den super dünnen Schnitt bekommen.

    Immersionsöl war dabei, den Rest werde ich nun bestellen. Vom Myko-shop habe ich bisher auch meine Chemie bekommen.

    LG

    Bernd

  • Hallo Bernd,

    ich habe ein wenig gewühlt und dies gefunden:

    Eine Spore von F. cf. citrina oder F. flavocitrina, Arten-Aggregate:

    Bild B1

    Die Spore gehört zu dieser gelben Krustenflechte:

    Bild B2 Flechte auf Putz

    Hier ein Apothecien-Querschnitt in Wasser liegend im Aufllcht bei 40x Vergrößerung im Mikroskop (unter Deckgläschen)

    Bild B3 Apothecienquerschnitt in Wasser, 40x, von schräg oben beleuchtet mit Taschenlampe

    Gequetscht wird so etwas daraus (leider unscharf):

    Bild B4 Gequetschter Apothecien-Querschnitt 40x in Durchlicht

    Hiewr gilt es die interessanten / wichtigen Strukturen ausfindig zu machen

    Bild B5 Hymenium & Epihymenium, 1000x in Ölimmerison: Asci, 2-zellige Sporen und Paraphysen mit gelb inkrustierten Enden - eigentlich noch zu dick, müsste stärker quetschen, um sehr gut zu erkennen!

    Bild B6 Algenzellen (Coccoide Grünalgen, z.B. Trebouxia), 1000x Ölimmersion

    LG, Martin

  • Hallo Martin,

    eine super Demonstration, danke!!:shy: Alles gespeichert, hoffentlich kann ich bald loslegen.

    Frage zur Zitronensäure: welche Reaktion bekomme ich auf Kalkstein zu sehen?

    Beschäftige mich jetzt wieder mit den Einstellungen vom Mikroskop, ein bisschen kann man doch schon probieren dann geht es später sicher besser.

    LG

    Bernd

  • Hallo Berd,

    kommt Säure mit Kalk in Berührung, kommt es zur CO2-Bildung, und es blubbert (Bläschenbildung).

    Das kann man im Prinzip schon makroskopisch beobachten.

    Bei kleinen Proben empfiehlt sich die Beobachtung unter der Stereolupe, da sieht man jedes Bläschen.

    Je mehr Bläschen, desto mehr Kalkanteil.

    Keine Bläschen = kalkfreies Gestein

    Gerade bei Sandsteinen ist der Kalkanteil erst mal nicht klar, er kann z.B. mit Carbonat gebunden sein und damit basisch oder mit Silikat gebunden sein und sauer.

    Er kann zwar im Volumen mit Karbonat gebunden sein, aber oberflächlich so verwittert, dass das Karbonat ausgewaschen ist und er wiederum sauer reagiert.

    Probier's einfach mal mit Mörtel, Beton oder Putz aus, das ist alles kalkgebundener Kunststein und damit basisch, Säure löst das CO2 aus dem Gestein.

    LG, Martin

  • Hallo Martin,

    jetzt ist das mit der Zitronensäure klar.:happy:

    Ich schreibe es dir einfach mal, habe mich intensiv mit dem Mikroskop beschäftigt, gelesen und geprobt ( soweit es ging ) einen kleinen Objektträger ( war wohl bei der Lupe ) noch gefunden. Dann ein dünnes Häutchen einer Zwiebel ausgeschnitten, ein Tröpfchen Wasser mit Probe auf den Objektträger angedrückt und los gings. Mit dem 4x und auch mit dem 10x Objektiv.

    Dann das Kamera-Okular eingesetzt und die Fotos als Bilder und Video am PC gespeichert.

    War schon beindruckend dieser erste Versuch.

    Schicke mal einen Fotoversuch mit. Kritik erwünscht!

    Nun habe ich dich genug vollgelabert, musste ich aber loswerden.

    LG

    Bernd

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  • Hallo Bernd,

    jaja, so geht das also!

    Dun siehst aber gleich, dass nur ein kleiner Teil des Ojektes scharf zu sehen ist, da das Häutchen halt relativ dick ist.

    Die Zwiebelhaut ist sicher sehr fest und nicht zerdrückbar, wahrscheinlich zerbricht dein Deckglas beim Versuch.

    Wenn du was weiches, drückbares ausprobieren willst, nimm mal von einem der übriggebliebenen, reifen Champignos (A. bisporus) aus der Küche ein kleines Stückchen der braunen (!) Lamellen (1-2mm²) mit der Pinzette und zerdrücke sie in Wasser vorsichtig zwischen den Gläsern. Wenn die Lamellen noch nicht braun sind, warte mal einen Tag.

    Vielleicht findest du auch ein weiches Lamellenpilzchen im Garten?

    Da kannst du Sporen und Hyphen anschauen, und Basidien usw.

    LG, Martin