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Lamellen-Pilz neben Ahorn / GERUECHE-Forum???

  • Liebe Pilzfreunde
    Diesen sehr eigentümlichen Lamellenpilz habe ich heute - zusammen mit einem zweiten Artgenossen - auf einer Wiese neben einem Ahorn gefunden. Auffällig ist der krausenartige Begrenzung des Hutrandes, der zudem gerieft ist, der glatte Stiel mit Myzelrest, und die relativ kräftigen, burggrabenartig angewachsenen Lamellen. In der Hutmitte findet sich eine dunklere Buckelung. Der Geruch ist chlorartig, alkalisch.


    Ich denke, wenn man den Pilz einmal kennengelernt hat, dann erkennt man ihn auch sofort wieder. Kennt jemand den Pilz? (Nelken-)Schwindling, Rötling...?


    Besten Dank für Eure Hilfe...!



  • Hallo matyves,


    falls du diesen, diese Pilze noch hast, versuch mal Folgendes.



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    2


    Das geht zwar auch noch mit ein paar anderen Pilzen, aber ich denke bei den Merkmalen, die ich sehe dürfte es sich wohl um den Nelkenschwindling handeln.
    Bin allerdings etwas erstaunt über das derzeitige Auftreten. Oder hast du ihn schon vor einiger Zeit gefunden und aufgenommen?


    Liebe Grüsse aus Berlin.

  • Hallo.


    Nelkenschwindlinge sind mehr oder weniger Ganzjahrespilze. Wenn die Witterung stimmt, dann bilden sie Fruchtkörper. Auch in meiner Gegend gibt es die derzeit oft zu sehen.
    Mit einer gewissen Restunsicherheit würde ich mich hier der Bestimmung anschließen können. Kann ich mal kurz dran riechen? Weil Chlorgeruch passt natürlich ganz und gar nicht zu der Art. Allerdings fällt mir auch nichts mit Chlorgeruch und so einer Optik ein.



    LG, pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Wie würdet Ihr den Geruch des Nelkenschwindlings beschreiben. Kann man den Geruch anknüpfen an denjenigen eines gängigen Etwas...?


    Bei dieser Gelegenheit möchte ich sehr gerne ein Unterforum anregen, das sich in erster Linie mit Pilzgerüchen beschäftigt und versucht, die Liste assoziierbarer Gerüche zu erweitern. Mir ist nämlich aufgefallen, dass die Auswah der Vergleichsgerüche in der Pilz-Literatur relativ eng gehalten wird und dass die Pilzbuch-Autoren diesbezüglich in der Regel das wiedergeben, was schon hundertfach vorher beschrieben wurde...
    Was soll man sich z.B. unter Karbolgeruch vorstellen?
    Gibt's da nicht bessere, zeitgemässere und vor allem vertrautere Gerüche?


    Was haltet Ihr von einem Forum zum Thema Pilzgerüche?

  • [quote pid='16743' dateline='1413225968']
    Was soll man sich z.B. unter Karbolgeruch vorstellen?
    Gibt's da nicht bessere, zeitgemässere und vor allem vertrautere Gerüche?


    Was haltet Ihr von einem Forum zum Thema Pilzgerüche?
    [/quote]
    Hi,
    Tinte!


    Ich glaube man kann auch ganz gut kosten, denn wieder ausspucken.
    Nur mit dem Hören kommt man nicht weiter, außer eine horde Wildschweine nähert sich.


    Dany

  • Hallo,


    zum Thema Pilzgerüche gibt es hier auf der Homepage eine extra Seite .


    http://www.123pilze.de/DreamHC/Download/2006Pilzgerueche.htm

    Viele Grüße


    Veronika Weisheit
    Pilzberaterin Landkreis Rostock




    Hinweis: Hier im Forum wird es von mir keine Verzehrfreigaben geben, weil eine Bestimmung über Bild immer fehlerhaft sein kann.

  • Hallo.


    Ich denke nicht, daß ein eigenes Unterforum dazu Sinn machen würde.
    Bei den Portraits zur Pilzsuche sind die Gerüche ja angegeben, bei Anfragen wird das hier besprochen.
    Man muss natürlich auch berücksichtigen, daß Gerüche selten ein absolut hartes Bestimmungskriterium sind.
    Dazu muss man die Nase haben und diese auch geübt haben. Das geht meiner Ansicht nach am besten draußen im Feld, idealerweise mit jemendem, der die Gerüche auch kennt und versteht und erklären kann.
    Man kann aber dazu mal im >Merkmals - Board< einen Open - End - Thread starten, wo man zB Beobachtungen sammelt und ein paar Basisgerüche und dazugehörige Arten beschreibt.



    LG, Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Hallo Pablo
    Besten Dank für Deine Stellungsname. Wie bereits erwähnt, glaube ich, dass das Thema der Geruchsbeschreibung in der Pilz-Literatur bisher eher stiefmütterlich behandelt worden ist, sowohl bezüglich Auswahl als auch Aktualität (vgl. Karbol) der vorgeschlagenenen Gerüche. Daher könnte ein Unterforum durchaus sehr spannend sein.


    Mögliche Aufgabe eines solchen Forums wäre z.B. die Beantwortung der Frage, an welche bisher nicht genannten alltäglichen Gerüche könnte ein bestimmter Pilzgeruch noch angeknüpft werden, mit dem Ziel, die Liste assoziierbarer Gerüche zu erweitern.
    Mir ist nämlich aufgefallen, dass die Auswahl von Vergleichsgerüchen in der Pilz-Literatur relativ eng gehalten wird und dass die Pilzbuch-Autoren diesbezüglich in der Regel das wiedergeben, was schon hundertfach vorher beschrieben wurde. Zeitgemässere und vor allem vertrautere Gerüche wären wünschenswert...


    Es würde mich interessieren, wie Ingo W sich zu einem solchen Unterforum der GERUECHE stellen würde...

  • Hallo matyves!


    Gerüche sind neben "meinen" Kleinbechern natürlich das 2.Steckenpferd von mir.
    Erst letzte Woche habe ich wieder in der Pilzausstellung auf dem ega-Gelände von Thüringens Landeshauptstadt bei meinem Pilzgerüche-Tisch schöne Erfahrungen sammeln können.


    Insofern bin ich natürlich einer Diskussion um Pilzgerüche immer sehr aufgeschlossen.
    Ob das jetzt ein Unterforum sein muss, weiß ich nicht.


    Kurz aber noch zu Geruchsfragen oben:
    Kaum einer kennt heutzutage noch den Karbolgeruch. Der lässt sich umschreiben mit "Tinte, Tusche, Desinfektionsmittel, Apotheke, Krankenhaus", so auf jedem Fall meine Aussage zum Karbol-Egerling.


    Obiges Ausgangsbild zeigt eindeutig den Nelkenschwindling (M. oreades), momentanes Vorkommen ist überhaupt kein Problem.
    Sein Geruch war noch nie chlorartig oder alkalisch, aber wir kommen schon in die Nähe mit so einer "chemischen" Einschätzung.
    Der Geruch ist "bittermandelartig" oder "nach Blausäure". Den gibt es in der Pilzwelt öfter, z.B. beim Mönchskopf (Cl. geotropa), beim Keulenfuß-Trichterling (Cl. clavipes), beim Ockerbraunen Trichterling (Cl. gibba) oder in stark abgeschwächter Form (riecht kaum noch jemand) auch beim Kaffeebraunen Gabeltrichterling (Pseudoclitocybe cyathiformis).


    Der Geruch gehört übrigens in die Kategorie: nur noch etwa 50% der Menschen schaffen es, den noch wahrzunehmen.


    VG Ingo W

    Bezüglich Pilzbildanfragen: Pilz nur von oben ist wie Käfer nur von unten.

  • Hallo Ingo
    Besten Dank für Deine Stellungsnahme zu meinem Vorschlag eines Unterforums zum Thema Pilzgerüche. Wahrscheinlich ist es in der Tat schwierig, in einem eigens dafür vorgesehenen Forum über Gerüche zu diskutieren, sozusagen ohne direkten Bezug zu einer Pilzbestimmung.
    Aber nichtsdestoweniger bin ich davon überzeugt, dass der Geruch eines Pilzes ebenso eigentümlich sei wie sein Aussehen, und dass wir uns die Fähigkeit, den Pilz anhand seines Geruchs zu erkennen, von Grund auf wieder antrainieren müssen.


    Es ist schön, Ingo, dass wir in Deiner Person einen Geruchsprofi hier im Forum haben, dessen hilfreiche Kommentare helfen, uns die faszinierende Welt der Pilzgerüche zu eröffnen...


    LG Matyves

  • Hallo Matyves!

    Zitat


    Aber nichtsdestoweniger bin ich davon überzeugt, dass der Geruch eines Pilzes ebenso eigentümlich sei wie sein Aussehen, und dass wir uns die Fähigkeit, den Pilz anhand seines Geruchs zu erkennen, von Grund auf wieder antrainieren müssen.


    Zumindest hat "Gutriechen-Können" wohl auch was mit Training zu tun.


    Der eventuell vorhandene Geruch eines Pilzes ist eine seiner Eigenschaften, die zusammen mit anderen Merkmalen manchmal schon gut weiterhilft.
    Unbedingt spezifisch muss ein Geruch allerdings nicht sein, oft kommt ein bestimmter Geruch bei mehreren Arten vor (z.B. Anis, Rettich, spermatisch).
    Allerdings kenne ich auch Pilz-Arten, deren Geruch ich nirgendwoher kenne, manchmal ist er auch nicht in Worte zu fassen (trotzdem für´s Hirn wiedererkennbar).


    VG Ingo W

    Bezüglich Pilzbildanfragen: Pilz nur von oben ist wie Käfer nur von unten.

  • Hallo nochmal!


    War gerade auf der verlinkten 123-Geruchs-Tabelle. Schon mal nicht schlecht, auch wenn ich bestimmte Einschätzungen nicht teilen kann.
    Stinkschirmling nach Mehl?
    Schwefelritterling nach Schwefel?
    Weißer Rasling ranzig, säuerlich? (dann wär´s ein Mehlräsling);
    Veilchen-Rötelritterling nach Feilchen? Also nach kleinen Feilen? Weiß schon, ist verschrieben.
    Fälblinge allgemein meist nach Rettich? Nöö! Kommt von mir aus oft vor, aber nicht meist.
    Der Feld-Trichterling nach Mehl/ Gurken? Nö, dann ist er fehlbestimmt und der Mehl-Räsling,
    Geselliger Rasling nach Nitrat?


    Schade finde ich, dass man vielfach mit den Nur-deutschen-Namen nichts anfangen kann:
    Nabeltrichterling, Gelber Anis-Champignon, Vielgestaltiger Trichterling, Grauender Speitäubling mit Kokosflockengeruch (sowas möchte ich auch mal an einem Täubling riechen), keine Ahnung, was da genau für ein Pilz gemeint ist!


    VG Ingo W

    Bezüglich Pilzbildanfragen: Pilz nur von oben ist wie Käfer nur von unten.

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