Partnerpilze

Es gibt 4 Antworten in diesem Thema, welches 3.670 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (31. Juli 2015 um 23:26) ist von Beorn.

  • Zu Besuch im Immenstaad am Bodensee habe ich heute selbstverständlich einen streifzug durch den nächstgelegenen Wald unternommen. Zwei interessante Funde, aber die Pilze, die ich in dem wunderschönen Mischwald erwartet hätte, waren nicht zu sehen. Obwohl es hier in letzter Zeit deutlich mehr geregnet hat als daheim in München, ist es wohl zu trocken.

    Dachte ich. Bis ich mich mit einem Waldarbeiter unterhielt. Dieser meinte, wenn er drei Pilze im ganzen Jahr finden würde, sei das viel. Der Boden in den Wäldern nahe am See sei zu "kiesig" für Schwammerl. Die einheimischen Pelzjäger würden zum sammeln ins Allgäu fahren.

    Kann das sein? Ich dachte immer, das Gleichgewicht im Wald funktioniere durch die Baum-Pilz-Partnerschaften. Es standen dort prächtige Buchen, alte Fichten und einige Birken. Ist es tatsächlich möglich, dass die alle Singles sind ohne feste (Pilz)Beziehungen?

    Sonnige Grüße von Brigitte

    Großes Glück entsteht oft durch Aufmerksamkeit in kleinen Dingen. Wilhelm Busch
    :pk:

  • Hallo Brigitte,

    das ist nicht einfach zu beantworten. Ich kenne dieses Phänomen aber auch. Natürlich spielen Bodenverhältnisse ein wichtige Rolle. Möglich wäre, dass die Bäume wegen des kieseligen Bodens keine Nährstoffe über Pilze aufnehmen müssen und eben keine Symbiosepartner brauchen.

    Viele Grüße

    Veronika Weisheit
    Pilzberaterin Landkreis Rostock


    Hinweis: Hier im Forum wird es von mir keine Verzehrfreigaben geben, weil eine Bestimmung über Bild immer fehlerhaft sein kann.

    Einmal editiert, zuletzt von weisheit (31. Juli 2015 um 15:06)

  • Hallo,
    Nur keine Sorge , wenn die Bäume gesund sind , sind immer auch diverse Mykorrhizapartnerschaften vorhanden. Ist ja auch nötig , um organische Reste (altes Laub und Holz u.s.w.) zu zersetzen und den Bäumen wieder zuzuführen. Bei ungünstigen Bedingungen unterbleibt aber die Fruchtkörperbildung , die Pilze als Organismus sind vorhanden , aber wir Pilzsucher gehen meistens leer aus.
    Grüße Norbert

    Das Pilzwissen kriecht mir nach , hoffentlich holt es mich mal ein .

  • Danke für eure Erklärung, jetzt habe ich wieder etwas dazu gelernt.

    Großes Glück entsteht oft durch Aufmerksamkeit in kleinen Dingen. Wilhelm Busch
    :pk:

    • Offizieller Beitrag

    Hallo, Brigitte!

    Die Wälder um den Bodensee sind pilztechnisch ein hochinteressantes Gebiet. Dort wachsen viele Arten, die sonst in Deutschland kaum zu finden sind. Auch an Mykorrhizapilzen.
    Was vielleicht weniger wahrgenommen wird, weil es halt nicht die klassischen Speisepilze sind. Die Umgebung des Bondesees ist in großen Gebieten kalkhaltig. Fichtensteinpilze und Flockenstielige Hexenröhrlinge meiden Kalk, sind dort also recht selten. Dafür findet man mehr Sommersteinpilze, sehr viel herbsttrompeten, an Pfifferlingen gerne die selteneren Arten wie Bereiften laubwald - Pfifferling, Amethystschuppigen Pfifferling, Krause Kraterelle, Grauer Leistling...
    Während der Gemeine Pfifferling und der Samtige Leistling isch auch wieder auf sauren Böden wohler fühlen.

    Das Problem in diesem jahr ist aber: Es wächst da unten gar nichts, das Wetter war über weite Strecken des Jahres einfach zu schlecht. Pilze brauchen mehr Wasser und das hat gefehlt.
    Ich denke, man muss da einfach nur etwas warten.


    LG, Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.