"Baumpilz"

Es gibt 8 Antworten in diesem Thema, welches 5.493 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (15. Oktober 2015 um 07:20) ist von joe.

  • Hallo zusammen!
    Auf meiner letzten vergeblichen Austernsuche habe ich an einer Buche in ca 6m Höhe folgende Pilze gefunden (und mit einem langen Stock zwei Exemplare heruntergeholt).
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    Die Hüte hatten einen Durchmesser von knappen 20cm, der Stiel (leicht beflockt, sehr fest/grobfasrig, nicht hohl) ist um die 15cm lang gewesen. Das Hutfleisch hatte eine gelbliche Farbe und zeigte auf Druck keine Verfärbung, die Lamellen gehen ins kakaobraune und stehen frei. Auf der Hutoberseite sind sind leichte Schuppenreste zu erkennen, die Sporenfarbe ist ebenfalls bräunlich (an der Hutoberseite Bild 3 zu erkennen). Einen Ring konnte ich nicht mehr ausmachen, der Geruch hatte etwas chemisches, eine eventuelle Knolle ist im Astloch geblieben...
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    Irgendwie erinnern sie mich ein bisschen an den goldfarbenen Glimmerschüppling (voriges Jahr in einem knappen km Abstand gefunden), nur die Höhe im Baum und die vielen Fruchtkörper auf so engem Platz stören mich gewaltig. Die Knolle fehlt und die Pilze sind leider schon halbe Leichen, vielleicht hat aber doch jemand eine Idee dazu.

    Hier noch massenhaft Sporen, der Pilz wächst auf einem Buchenstock direkt neben dem Waldweg- und gefällt mir immer wieder.

    lg joe

  • Hallo Joe,
    Wird schon ein Schüppling sein , ich glaube aber nicht , daß der sich so alt noch auf Artebene festmachen läßt.
    Trotz der Wuchshöhe kanns nicht der Hochthronende (Goldfellschüppling) sein , der braucht ja Nadelholz.
    Der Zweite ist der Flache Lackporling.
    Gruß Norbert

    Das Pilzwissen kriecht mir nach , hoffentlich holt es mich mal ein .

  • Hallo joe,

    dein erster Pilz ist kein Goldfarbener Glimmerschüppling (Pholiota aurea), der wächst nicht an einem Baum. Dein Pilz ist aber ein Schüppling, er ist ziemlich alt und es könnte der Hochthronende oder Goldfellschüppling (Pholiota aurivella) sein.
    Der ander Baumpilz ist ein Flacher Lackporling (Gandoderm applanatum).

    Viele Grüße

    Veronika Weisheit
    Pilzberaterin Landkreis Rostock


    Hinweis: Hier im Forum wird es von mir keine Verzehrfreigaben geben, weil eine Bestimmung über Bild immer fehlerhaft sein kann.

    Einmal editiert, zuletzt von weisheit (14. Oktober 2015 um 19:59)

  • Hallo Norbert,

    dass der Goldfellschüppling Nadelholz braucht, ist mir neu. Ich habe ihn an dieser Holzart noch nicht gefunden.

    Viele Grüße

    Veronika Weisheit
    Pilzberaterin Landkreis Rostock


    Hinweis: Hier im Forum wird es von mir keine Verzehrfreigaben geben, weil eine Bestimmung über Bild immer fehlerhaft sein kann.

  • Hallo Veronika,
    Steht so in den Großpilzen Baden-Württembergs , auch in 123 Pilze der Hochthronende nur an Nadelholz.
    Wobei Goldfell und Hochthronender Bei BaWü zusammengeworfen werden und bei 123 getrennt sind nach Laub,- und Nadelholzart.
    Mal wieder Namenswirrwar.
    Kurz : ich bin gerade verwirrt.
    Gruß Norbert

    Das Pilzwissen kriecht mir nach , hoffentlich holt es mich mal ein .

  • Hallo,

    Flacher Lackporling, Ganoderma applantum also, eurer Meinung nach.

    Wie unterscheidet ihr diesen vom Wulstigem Lackporling, G. adspersum?

    Lerne gerne dazu,

    LG
    Peter

    Einmal editiert, zuletzt von Habicht (14. Oktober 2015 um 21:51)

  • Hallo Peter,
    Den wulstigen habe ich hier bewußt noch nie gesehen, aber der sollte niemals solche scharfen Kanten haben, der endet mit einem Wulst (Name) an dem sich die Fruchtschicht auch hochzieht.
    Gruß Norbert

    Das Pilzwissen kriecht mir nach , hoffentlich holt es mich mal ein .

    • Offizieller Beitrag

    Hallo zusammen!

    In der Gruppe der Schüpplinge mit großen Fruchtkörpern und schleimigen Hüten ist bei den Großpilzen BWs einiges nicht in Ordnung.
    Die Trennung zwischen Pholiota adiposa und Pholiota aurivella stimmt nicht, die beiden Arten muss man synonym setzen. Und keinesfalls eine davon mit Pholiota cerifera synonymisieren, das ist eine eigene Art. ich empfehle dazu eher den Gröger (Bestimmungsschlüssel) oder den Ludwig (Pilzkompendium), der zwar taxonomisch nicht ganz ideal ist, aber die Pilze hervorragend beschreibt und abbildet.

    Pholiota adiposa (= Pholiota aurivella) kommt wie Pholiota cerifera meist an Laubholz vor. An Nadelholz kommt gerne Pholiota squarrosa vor, aber der gehört nicht in die Gruppe. Eher im Auge haben muss man da noch Pholiota jahnii, Pholiota lucifera usw.

    Spielt aber hier kaum eine Rolle, denn der Pilz ist leider nicht mehr in einem bestimmbaren Zustand.
    In Frage käme zB auch der Beringte Flämmling (Gymnopilus junonius), den ich hier sogar favorisieren würde.

    Die Unterscheidung zwischen Ganoderma applanatum und Ganoderma australe kann man nicht an der Wuchsform fest machen. Das Merkmal kann man zwar hinzuziehen und bei so ultimativ flach ausgeprägten Fruchtkörpern wie hier kann man sicher auf Ganoderma apllanatum schließen. Aber dann wirds kompliziert, weil Ganoderma applanatum eben auch mal dick wulstig wachsen kann. Eher Aufschluss bringt noch die Tramafarbe und die Dicke der Hutkruste sowie die Auffindsituation (Substrat und Position am Substrat), aber auch das kann in die Irre führen. Ich hatte beide Arten schon oft in der Hand und bin manchmal dann beim Blick durchs Okular ziemlich überrascht worden.
    Fazit: Das einzige wirklich sichere Trennmerkmal ist die Sporengröße.


    LG, Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.