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Schleimkopf - aber welcher....?

  • Hallo zusammen,


    ich habe heute in einem Fichtenwald vermischt mit ein paar wenigen Buchen diesen Schleimkopf gefunden.
    Jetzt würde ich ihn gerne etwas näher eingrenzen - auch wenn das makroskopisch vermutlich nicht ganz einfach wird.


    Geruch erdig.
    Ich tippe mal in Richtung Violettrandiger Schleimkopf (Cortinarius balteatus) - oder lasse ich mich da vom Hutrand zu sehr in die Irre führen?
    Hut selbst ist nur leicht schleimig.


    Bin gespannt auf Eure Meinung.


    VG JoBi


  • hallo jobi,
    den pilz wollte ich heute auch einstellen, kommt bei uns mehr oder weniger massenhaft vor. ich bin mal so frech und stell noch ein paar bilder ein.
    Pablo hat mal was von hundert? oder mehr violetten schleierlingen geschrieben, makroskopisch wird's wohl wirklich schwer... aber so grundsätzlich finde ich deinen Ansatz sehr gut, mit dem könnt ich mich anfreunden.


    noch ein paar Ergänzungen, dann die bilder (hoffentlich ist auch wirklich die gleiche pilzart- bin mir aber eigentlich sicher).
    die huthaut lässt sich gut abziehen
    sporenpulver rostbraun
    stiel bis auf die äußere schicht leicht brüchig, leicht verdickt am ende





    lg joe

  • Hallo Joe,


    vielen Dank für Deine Rückmeldung.


    In der Tat könnten unsere Funde in die gleiche Richtung gehen.
    Sporenabdruck läuft bei mir gerade aber der erste Eindruck geht auch in Richtung Rostbraun. Huthaut ist bei mir auch leicht abziehbar und der Stiel eher brüchig - allerdings nicht so wie bei einem Täubling ;-)


    Die Stielbais ist bei meinem Fund nicht nur verdickt sondern auch abgeknickt.


    Bei mir kam er nicht massenhaft vor. Habe nur die beiden Exemplare (nach 3 Stunden Waldmarsch) gefunden.


    VG JoBi

  • Hallo, JoBi & Joe!


    Wenn man alle Arten mit violetten Farbtönen aus den Untergattungen Myxacium, Phlegmacium und Telamonia zusammen nimmt, dann kommt man wohl schon auf hundert Arten. Nur Phlegmacien oder nur Telamonien sind es weniger, aber die Vielzahl ist immer noch enorm.


    Im letzten Pilzfreund ist ein Artikel von Stefan Zinke zu den Grundlagen der Schleierlingsbestimmung drin, den lohnt es sich dazu vielleicht mal durchzugehen.


    Was man unbedingt braucht:
    - geeignete Literatur; Funga Nordica (neueste Auflage) ist Maß der Dinge, Großpilze Baden-Württembergs Band 5 geht auch, das allerdings wären schon die Mindestanforderungen. Arbeitet man mit Funga Nordica, braucht man definitiv auch ein Mikroskop.
    Allerdings läuft da durchaus vieles makroskopisch, weil die Mikromerkmale oft diffus und schwer zu deuten sind. Insbesondere da, wo taxonomische Streitfragen offen sind (unklare Synonymien & Artabgrenzungen)
    - KOH 20% (!!!!!!!!!)
    - Vollständige Kollektionen von Fruchtkörpern mit möglichst vielen Alterstufen
    - Zeit und gute Nerven (sonst verzweifelt man beim Schlüsseln und hinterher beim Vergleichen wegen den unterschiedlichen Artauffassungen, schwierigen Artabgrenzungen und taxonomischen Problemen)


    Relevante Merkmale, ohne die keinie Bestimmung funktioniert:
    - Beschaffenheit der Hutoberfläche + Stieloberfläche
    - Farben der Hutoberfläche im verlauf von ganz jungen zu alten fruchtkörpern
    - Lamellenfarbe bei ganz jungen Fruchtkörpern
    - Stielfarben (auch Verlauf Stielspitze zu Stielbasis) bei jungen und bei alten fruchtkörpern
    - Tramafarben im Schnitt, auch im vergleich von jungen und alten fruchtkörpern einer Kollektion
    - KOH - Reaktion Hutoberfläche + Trama
    - Velumfarben
    - Form der Stielbasis (mehrere fruchtkörper beachten)
    - Geruch
    - eventuell Geschmack. Achtung: Das sollte man erst anfangen, wenn man in der Gattung so fortgeschritten ist, daß man nicht auf irgendwelchen tödlich giftigen Arten rumkaut.
    - Ökologie, dazu sind unbedingt zu erfassen: Meereshöhe, klimatische Faktoren, Baumbestand im Umkreis von 15 Metern (vollständig), Bodenart + Bodenazidität


    Insofern: Es ist möglich, daß eure Funde zur selben Art gehören. Es ist aber eher wahrscheinlich, daß das verschiedene Arten sind. bestimmungen sind in dem Fall nicht möglich, weil... Siehe Liste der erforderlichen Mindestmerkmale. :what:



    LG, Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Hallo Pablo,


    na ja, so ungefähr habe ich mir Deine Antwort vorgestellt.... ;-)


    GPBW Band 5 habe ich, allerdings kommt bei dem hier aufgeführten Schlüssel auch sehr schnell die makroskopische Bestimmung an ihre Grenzen.
    Immerhin habe ich hieraus die Info mit KOH. Bei meinem Fund ergibt sich im Trama eine eindeutige Gelbfärbung - mit ein Grund weshalb ich meinen Fund zu den Schleimköpfen geschoben habe.


    Gute Nerven habe ich eigentlich auch - Zeit ist etwas knapp :rolleyes:


    Was definitiv fehlt ist die komplette Kollektion über mehrere Altersstufen und die vermutlich notwendige Erfahrung so einen Fund dann in die Richtige Schublade zu sortieren.
    Und..... ja und vielleicht ein Mikroskop.......
    Aber da möchte ich noch nicht ran - erst mal die Basics und dann noch etwas mehr Zeit, ja die suche ich gerade noch. Das Berufsleben stört manchmal doch erheblich!


    Besten Dank und VG
    JoBi

  • Hallo, JoBi.


    Ja, dann wohl eine Phlegmacie (Schleimkopf).
    Es ist wirklich kompliziert, die GPBWs hast du ja und kannst also ungefähr abschätzen, wie viele Arten da in Frage kommen. Die Gattung ist echt zum Gruseln, da verzweifle ich auch mit eigenen Funden oftmals.



    LG; Pablo.

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  • Hoi pablo&jobi
    Tja ein klassischer "pablo" als antwort ;-)
    Ich habs ja leider auch schon befürchtet dass diese pilze in meine kategorie "unbestimmt" fallen werden.
    KOH werd ich mir wohl auch zulegen müssen (neben mehr sitzfleisch zum lernen)
    Lg joe

  • Hallo, Joe!


    Was nicht bheißen soll, daß den niemand so bestimmen kann. Es gibt eine handvoll Schleierlingsspezis in Deutschland (die aber im Forum nicht aktiv sind), die schon eine extrem starke Formenkenntnis in dem Bereich haben, basierend halt auf langjärhiger Erfahrung.
    Aber das ist für unsereins auch immer nur eine halbe Hilfe, wenn jetzt ein Gattungskenner sagt: "Dat ist nu genau die und die Art", weil dann wissen wir ja immer noch nicht warum, bzw. hätten beim nächsten Fund wieder Schwierigkeiten mit der Bestimmung.


    Solche Schleierlinge, die deinen sehr ähnlich sehen, habe ich auch schon zwei oder drei mal versucht zu bestimmen. Hat leider nicht geklappt nach den oben genannten merkmalen und Schlüsseln. Bzw. blieb am Ende immer noch eine restunsicherheit.
    Bei anderen hat es schon mal gekplatt (Schleimköpfe mit violetten Farben), aber das scheint mir keine art zu sein, die ich schon mal bestimmt habe.



    LG, Pablo.

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