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Verhextes Fronleichnam

  • Hallo zusammen,


    ich konnte heute einige Röhrlinge finden, die ich auf den ersten Blick als "Netz-Hexen" Suillellus luridus bestimmt hätte.

    Jedoch kamen mir bei näherer Betrachtung Zweifel. Der Fruchtkörper war schmächtig, der Stiel dünn und insbesonders die orangerötliche Bataille-Linie fehlte vollständig, der Röhrenboden war deutlich gelb. Vielleicht fehlte der Kollektion einfach das rote Pigment, waren auch die Röhrenmündungen nur mit schwachem Orangestich. Kann das S. luridus?


    Fundort: Günstreifen an einer Straße außerhalb eines Gartens mit Büschen; In der Ferne einige Laubbäumen.
    Hut: Olivgelblich-Olivbräunlich, jung teilweise mit Rosa-Tönen, Hutoberfläche blauend
    Röhren: orangegelblich-gelblich, Röhrenboden gelb, a.D. schnell blauend.
    Stiel: Im obenren Teil gelb mit Netzzeichnung, in Rot übergehend, bei allen Fruchtkörpern ~ab der Mitte ohne Netz, undeutlich flockig.
    Fleisch: weißlich, zügig blauend, jedoch nicht kräftig tintenblau, bei einzelnen Exemplaren mit roter Stielrinde (Stiele leider größtenteils vermadet), amyloid.
    Geruch: pilzartig, unauffällig

    Sp.: aus Abwurf - (11)-12-14 x 5-5,5 Q=2,2

    Ich glaube nicht wirklich an den mysteriösen Kurznetzigen Röhrling S. mendax, andererseits hatte ich einen Netzstieligen mit gelben Röhrenboden auch noch nicht.

    Daher würde ich den Fund mal als wandlungsfähige Netz-Hexe ablegen... . Wie ist eure Meinung dazu, vor allem zum gelben Röhrenboden?



    Schnittbild nach 1 Minute






    LG Steigerwaldpilzchen

    Bestimmungsvorschläge anhand von Fotos sind immer unter Vorbehalt und mit Restrisiko!

    Eine Freigabe zum Verzehr können nur Pilzsachverständige vor Ort geben! -> Pilzsachverständige finden

  • Hallo Steigerwaldpilzchen,


    die Netzhexen gibt es auch ohne rötlichen Röhrenboden. Bei meinem ersten derartigen Fund war ich auch perplex und habe vorsichtshalber nachgefragt. Ich denke dass sich hinter S. luridus mehr als eine Art versteckt.


    Für S. mendax haben deine Funde m.M. nach eine zu deutliche Netzzeichnung obwohl der erste schon eine schöne weinrote Färbung am Stiel zeigt. Das können Netzhexen aber auch.


    VG Jörg

    Weil Pilze keine Bücher lesen sehen sie selten so aus wie sie sollten

  • Hallo, :)

    Jörg: Danke, das ist gut zu wissen. Ich bin bisher davon augegangen, dass der orange Röhrenboden ein konstantes Merkmal ist und war wirklich verwirrt. Das es sich bei S. luridus wieder um ein Aggregat handelt, welches mehere ähnliche Arten umfasst ist durchaus möglich. Den Fundort werde ich weiter begutachtet, ob das konstant bleibt.

    @Der Teufel: Einen Flockenstieligen Hexenröhrling könnte man auf den ersten Blick vermuten. Allerdings kann ich den sicher ausschließen, denn dagegen steht:
    - die Struktur der Hutoberfläche (nicht fein samtig-filzig)
    - der Stiel mit teilweiser Netzzeichnung
    - die Amylodität des Fleisches.

    LG Steigerwaldpilzchen

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  • Hallo zusammen!


    Ich denke nicht, daß das ein Rotporer ist.

    Auch wenn ich die Sporen nicht kenne und erstmal recherchieren müsste, wie da die Amyloidität liegt: Makroskopisch würde ich das für Caloboletus calopus (Schönfußröhrling) halten. Etwas ungewöhnlich die am Hutrand blau fleckende Huthaut, allerdings ist Caloboletus auch eine verhältnismäßig stark blauende Gattung unte den Gelbporern. Normalerweise ohne blauende Huthaut, aber so wie hier könnte das chon noch möglich sein.

    Die ganzen weichfleischigen Hexenröhrlinge (Gattung: Suillellus) kann man hier ausschließen: Wenn man sich das Schnittbild anguckt, insbesondere das doch bereits recht verfallene und zerfressene Fleisch nahe der Stielbasis, müsste das bei allen Suillellus - Arten (luridus, mendax & queletii) doch deutlich weinrot dort sein.

    Ansonsten: Sieht von außen schon einem medax gar nicht so unähnlich.

    Man muss da ein wenig achtpassen, weil sich die Variationsbreiten von mendax und luridus in den Extremwerten schon auch mal überschneiden (auch mikroskopisch, also der Sporenquotient!). Einigermaßen ideal ausgeprägte Kollektionen von mendax (und luridus) sind aber schon makroskopisch ziemlich sicher anzusprechen. Netz kann aber auch bei mendax mal über den ganzen Stiel gehen. Oder völlig fehlen.

    Hier ein paar Impressionen von Suillellus mendax (Kurznetziger Hexenröhrling):










    ... das aber nur am Rande.
    Wie gesagt, ich halte Steigrwalds Fund für einen Gelbporer (mit leicht rostfarben überlaufenden Poren, das können nahezu alle Gelbporer bei entsprechenden Witterungsverhältnissen).

    Und dann wäre ein Schönfuß eben die logischste Lösung.



    LG, Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Hallo Pablo,


    hier bin ich irgendwie auf dem falschen Fuß erwischt worden. C. calopus paßt hier natürlich viel besser. Warum ich von einem Rotporer ausgegangen bin kann ich nicht verstehen. Vor allem das jüngere rechte Exemplar zeigt doch eindeutig das es hier keiner sein kann.


    Asche auf mein Haupt.


    VG Jörg

    Weil Pilze keine Bücher lesen sehen sie selten so aus wie sie sollten

  • Hallo,


    Der Orangeton in den Röhren hat mich da wohl aufs Glatteis geführt. Ich hatte den Schönfußröhrling auch in Betracht gezogen, jedoch wieder wegen der Röhrenfarbe verworfen. Noch dazu habe ich ihn noch nie in der Hand gehabt. Ich hätte wohl doch einen Geschmackstest machen sollen - mein Fehler. :shy:

    Wie gesagt, ich halte Steigrwalds Fund für einen Gelbporer (mit leicht rostfarben überlaufenden Poren, das können nahezu alle Gelbporer bei entsprechenden Witterungsverhältnissen).

    Das hatte ich nicht gewusst. Die "entsprechenden Witterungsverhältnisse" sind dann Sonnenexposition und Trockenheit? Ich hatte bisher immer nur gelbentfärbte Rotporer, von orange überhauchten Gelbporen habe ich mich wohl überraschen lassen.

    Amyloidität von Caloboletus calopus hab ich nachgeschaut; Reagiert ebenfalls, passt also auch.

    Sollten noch mal Fruchtkörper kommen, werde ich kosten um den Deckel auf den Topf zu machen.


    Schon lustig, innerhalb von ein paar hundert Metern um den Fundort herum habe ich die letzten Jahre Wurzelnden Bitterröhrlinge, Satansröhrlinge, Netzstieligen Hexenröhrlinge und nun auch Schönfußröhrlinge finden können. Die scheinen sich ja hier sehr wohl zu fühlen. ^^


    Danke noch mal für eure Antworten und natürlich Dir Pablo, für die super Darstellung von S. mendax.


    LG Steigerwaldpilzchen

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  • Hallo, Jörg & Steigerwaldpilzchen!


    Die Färbung der Poren sehe ich auf meinem Monitor auch, insofern: Da brauchst man sich echt keinen Vorwurf zu machen, wenn man da auf die falsche Spur kommt.

    Das ist so ein Verhalten, das man auch erstmal kennen muss. Also daß manche Gelbporer eben so einen Schimmer auf den Poren entwickeln, oft übrigens gerade bei heißem Wetter.

    Beim WuBi (Caloboletus radicans) sieht man das noch recht häufig, beim verdallerten Röhrling (Hemileccinum depilatum) ist es manchmal erstaunlich kräftig ausgeprägt, beim Schönfuß ist es eher selten.



    LG, Pablo.

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  • Hallo Pablo,


    beim Radikalen kenne ich die Verfärbung auch. Der jüngere von beiden hat die aber m.M. nach auch nicht.


    Sind die Mendaxe auf Bild 1 sicher? So etwas wie den jungen Pilz habe ich nähmlich auch schon gefunden. Ich dachte immer die haben viel mehr Rottöne.


    VG Jörg

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  • Hallo, Jörg!


    Die hatten Rottöne, also mehr, als auf dem Bild durchkommt.

    Das zweite und dritte Bild (sowie die anschließenden Mikros) zeigen die selbe Kollektion, da kommt das Rot etwas besser zur Geltung.

    Auf die Sporen darf man sich bei so jungen Fruchtkörpern nicht verlassen, denn die erreichen keineswegs einen Qm deutlich über 2,5.
    Es sind trotzdem sicher mendaxe, auch wegen der mikroskopischen Struktur der Huthaut, und - schwer zu erklären, ohne die Fruchtkörper in der Hand - weil sie im Habitus, Netzausprägung und gesamter Färbung der Fruchtkörper schon noch anders aussehen als Netzhexen.



    LG; Pablo.

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  • Hallo zusammen,

    Sollten noch mal Fruchtkörper kommen, werde ich kosten um den Deckel auf den Topf zu machen.


    der Regen der letzten Wochen lässt auch hier die Pilze aus dem Boden schießen. Nach dem ich die obige Fundstelle fast durchgehend observiert habe (300m vor der Haustür:wink:) ist nun wieder ein Fruchtkörper erschienen.

    Sonnenexposition und Hitze Einwirkung kan man dieses mal ausschließen. Bitter geschmeckt hat (das erbsengroße Stück nach 1 Minute) überhaupt nicht. Dieses mal ist der Röhrenboden auch kräftig orangerot. Entweder wächst dort außerdehm noch eine Netzhexe oder die Funde gehören doch zum gleichen Myzel. :hmmm:


    Leider war es außen schon zu dunkel, die Pilze haben etwas gelitten und das Foto ist unter Kunstlicht entstanden.


    PS: Die Maden sind halt immer schneller ...


    LG Steigerwaldpilzchen

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  • Salut!


    Jedenfalls kann man meine Idee mit dem Caloboletus abhaken, das ist hiermit vom Tisch.
    Das sind definitiv Hexenröhrlinge, aber ob nun kurznetzige (Suillellus mendax) oder "normale" (Suillellus luridus) ist von meienr Prespektive aus schwer zu sagen - da wären zB auch die Hutoberflächen interessant, welches Farbspektrum die so zu bieten haben.


    LG, Pablo.

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  • Hey Pablo,


    dazu habe ich natürlich auch Bilder, die ich wegen mangelhafter Qualität, Kunstlicht und so, nicht zeigen wollte.

    Die Hutoberfläche ist dieses mal mit mehr Rotanteil, v.a. gegen Hutrand. Also beigebräunlich auf rötlicher Grundfarbe. Und natürlich wieder schwarzblauend auf Druck.





    Vielleicht kommen die Tage noch weitere, die dann weniger vermadet sind und die Variationsbreite besser erkennen lassen. :)

    LG Steigerwaldpilzchen

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  • Salve!


    Also farblich könnten das aus meiner sicht schon mendaxe sein. Darum die Frage nach den Oberflächen.

    Mikroskopisch sind die halt echt undankbar, wenn die Fruchtkörper noch nicht ausgereift sind (denn dann sind die Sporen zu kurz und der Quotient ist eher wie bei ausgereiften S. luridus).



    LG; Pablo.

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