Hallo, Besucher der Thread wurde 687 mal aufgerufen und enthält 9 Antworten

Wie nah ist "straßennah" beim Thema Schadstoffbelastung durch Abgase?

  • Hallo miteinander,


    ich hoffe die Frage passt hierher: Üblicherweise wird ja empfohlen, wegen der Abgasbelastung "in Straßennähe" keine Pilze zum Verzehr zu sammeln, weil diese sonst übermäßig schadstoffbelastet sein können.


    Gibt es belastbare Informationen aus wiss. Untersuchungen darüber, wie nah "straßennah" in diesem Sinne ist?


    Natürlich wird es praktisch von einer Menge Randfaktoren abhängen wie sonstige Vegetation, Verkehrsaufkommen, Witterung, Niederschlag, Pilzart, Menge etc., so dass es keine direkt ableitbaren Distanzen gibt. Aber begründbare Faustregeln wären ja schon hilfreich. Interessant fände ich auch, ob der Zusammenhang zwischen Entfernung und Belastung linear oder eher kurvilinear ist.


    Falls Euch nichts bekannt ist, wie handhabt Ihr das Thema? Ab wie viel Abstand zur Stadtstraße, Bundesstraße, Autobahn fühlt Ihr Euch wohl mit Euren Funden?


    vg

    Jan

  • Gute Frage Jan,

    Gestern fand ich 2 Pracht Exemplare des fransigen Wustlings, den ich auch geschmacklich sehr schätze.

    Etwa 2-3 m neben der Hauptstrasse .

    Aus den Bauch heraus , würde ich netzi und andere viel Pilze stehen lassen.
    da ich sonst recht gesund lebe, Halte ich es aber für ein vernachlässigbares risiko, diese zu essen. Denn zubereitet wie Bratkartoffeln, fürs Auge und für Gaumen ein Genuss . Noch sind sie aber im tiefkühler.
    bin gespannt ob es da konkrete Rückmeldungen gibt.

    Lg Jens

  • Servus Jan,


    ob 2 - 3 m neben einer Hauptstraße, 20 - 30 m oder 200 - 300m wäre mir egal, ich würde die Pilze mitnehmen. Nicht aber von Autobahnrastplätzen oder von Hunden frequentierten Stellen. Wir haben selber zwei Vierbeiner, die heben überall ihr Haxl, markieren auch mitten im Wald darüber, wenn eine andere Fellschnute zuvor seine 'Nachricht' hinterlassen hat. Giftig werden's dadurch nicht, aber .... :sick:


    Klagenfurt hat ca. 100.000 Einwohner und dementsprechend viel Verkehrsaufkommen. Auf die Luftverschmutzung, die dir nachdenkliche Gedanken bzgl. Pilzentnahme bereitet, hat er keinen Einfluss. Hat mich selber überrascht, dass wir die sauberste Luft in Österreich haben, Klagenfurt hat sauberste Luft in Österreich - kaernten.ORF.at


    thx für die Bratkartoffelidee, werde ich beim nächsten Fund ausprobieren.


    lgpeter

  • Finde ich auch: gute Frage!


    Da ist erst einmal die nächste Frage, was befindet sich denn im Abgas und im Abrieb der Reifen und wo geht das hin.


    Früher war Blei im Abgas, das bestimmt auch noch in größerer Entfernung von der Straße zu finden war (und noch ist?) und vielleicht eher mitten im Wald abnahm.

    Die Abgase werden durch Wind letztendlich überall verteilt und häufen sich dort, wo es Kessellagen (Stuttgart!) oder sonstige Luftstaulagen gibt. Daher würde ich solche Lagen meiden. Ich weiß nicht genau wieviel Partikel, die schwerer als Luft sind, ausgestoßen werden und daher im Boden der Umgebung landen, aber es werden schon einige Stoffe sein. Je höher die Geschwindigkeit, desto weiter verbreiten sich die Partikel im Umkreis der Straße - das wäre meine Logik zwecks Luftverwirbelung. Je mehr Verkehresaufkommen, desto höher der Schadstoffeintrag in die Erde, ist auch logisch. Und wer abgefahrene Reifen (Gummi aus Öl) kennt, weiß welche Mengen an Material in der Umgebung landen. Wissenschaftliche Studien sind mir diesbezüglich nicht bekannt.


    Daher würde ich von Fall zu Fall entscheiden. Pilze nehmen bekanntlich viele Schadstoffe auf, man kann sie ja sogar zu Sanierung von ölverseuchten Flächen einsetzen, daher gehe ich nicht zu lax damit um.


    Die Schadstoffe in der Luft sind auch nicht ohne. Braunkohleheizkraftwerke jagen viel Quecksilber in die Luft, andere Schornsteine sind extra hoch gebaut, damit sich die Schadstoffe möglichst weit und breit verteilen und die Konzentration in der Umgebung eher gering ausfällt, das aber nur nebenbei. Pilze, Pflanzen und Tiere enthalten alle diese Stoffe.

    Pilze sind für mich eine Delikatesse, daher möchte ich auch mit Freude essen und mir nicht Gedanken machen müssen, ob ich mich vergifte, egal ob das Pilzgift, Umweltgift oder verdorbenes Eiweiß ist. Daher meide ich Pilze am Straßenrand.

  • Vielen Dank für Eure Einschätzungen und Rückmeldungen, sehr interessant.


    Aufgrund der vielen Unbekannten in der Rechnung, nicht zuletzt auch das subjektive Sicherheitsbedürfnis und -empfinden, geht es wahrscheinlich gar nicht anders, als dass man sich seine eigenen Faustregeln macht.


    Weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass es keine Untersuchungen dazu gibt, habe ich trotzdem vorhin selbst mal ein wenig gesucht und habe in diesem SZ-Artikel den Hinweis auf einen Überblicksartikel von 2010 zum Thema gefunden. In einem kurzen Abschnitt "4. The effects of environmental factors on trace element contents in fruiting bodies" geht es um Faktoren, die einen Einfluss auf die Schadstoffkonzentration nehmen. Dort findet sich auch ein Absatz zu unserer Fragestellung:


    Zitat

    Several works continued in the observations on the level of contaminating elements in polluted areas. The increased contents of cadmium, lead and zinc were reported in several mushroom species picked along a French motorway (Cuny, van Haluwyn, & Pesch, 2001). Fruiting bodies of Lactarius sanguifluus collected near a highway had higher contents of cadmium, lead, manganese and cobalt than bodies from inner parts of forests. However, for zinc, copper, nickel and iron such differences were not observed, as well as in other five mushroom species (Is ßiloğlu, Yilmaz, & Merdivan, 2001). Considerably increased contents of cadmium, lead and mercury were determined in Agaricus maleolens and Agaricus arvensis growing within a town (Svoboda & Kalač, 2003).

    Nun sind wir mit Formulierungen wie "near a highway" oder "within a town" auch nicht so viel schlauer als zuvor. Vielleicht steht in den zitierten Originalquellen auch noch Genaueres, hier ist es ja nur ein Überblicksartikel.


    Interessant, vielleicht aber auch schon bekannt, fand ich noch folgende Passagen des Abschnitts (meine Hervorhebungen):



    So viel mehr davon darf ich aber gar nicht mehr lesen, sonst fehlt mir noch die Zeit für die heutigen Funde... :cheeky:



    vg

    Jan

  • Ich habe mich 2007 mal intensiv mit der Metallbelastung beschäftigt zuzüglich der Radioaktivität. Die Unterlagen habe ich mal rausgesucht.


    Ich hatte von 5 Stellen Bodenproben und Pilzproben auf Radioaktivität in einem Stahlwerkslabor messen lassen. Bei 2 der Proben (Oberboden und Pilz) waren die Grenzwerte überschritten, hätte man sie, wären die Proben Stahl gewesen, nicht verkaufen dürfen. Wobei das Cäsium aber unter dem Wert lag, der für Wildpilze im Verkauf gilt. Der Witz bei Lebensmittel ist, das nur das Cäsium zählt und die anderen Elemente, die in Tschernobyl freigesetzt wurden unberücksichtigt bleiben. Im Stahlwerk müssen alle Elemente gemessen werden.

    Seither gehe ich fast ausschließlich in ein bestimmtes Gebiet für das wir die geringste Belastung nachweisen konnten. Wir gehen davon aus, dass es unmittelbar nach dem Reaktorunglück dort nicht regnete, weil die Strahlung recht unauffällig war.


    Des Weiteren fand ich damals folgenden Artikel, der ab S. 16 Pilzmessung beschreibt der beantwortet die Frage zu Teil.:

    87141-Schwermetalle__Arsen__Organochlorverbindungen.pdf

    Hier wird eine Messung angegeben: 5-50m soll höher belastet sein, als im Wald


    Und noch ein Hinweis: auch im Wald kann man auf "Unvorhergesehenes" stoßen. Hier gab es mal eine Buntmetallgrube, in der Blei, Zink und Kupfer abgebaut wurden. Die Grube ist vor knapp 100 Jahren geschlossen worden und alles ist von Wald überwuchert. Einen Pilz, der auf den alten Halden wächst, möchte ich nicht wirklich essen.

  • Hallo und guten Tag,


    die Bedenken was die Gesundheit anbetrifft ist es jedem selbst überlassen und einzuschätzen. Finde es richtig, das vor möglichen Ansammlungen in Pilzen gewarnt wird. Aber wie Du schon, wie oben beschrieben, festgestellt hast,

    sind die Warnungen und Messungen für die Belastungen doch recht sonderbar. Man bedenke die bestrahlung der Lebensmittel, auch für die achso guten Tomaten aus Holland; die Guten behält Holland für sich, auf jedenfall.

    Bei uns in Frankfurt, wurde zum Beispiel der Mainkai gesperrt, für den angeblichen Abgas-Schutz und zum flanieren für die Bürger. (Oder wollten sich die Beamten im Römer der schlechten Luft entledigen?);)Mittlerweile ist die Staße wieder für den Verkehr freigegeben.

    Ein Schildbürger-Streich im wahrsten Sinne der Handlung. Der Main hat eine Breite von ca. 150 Metern. Die Abgase, welche durch die Sperrung des Mainkai ""gespart"" worden sind, haben sich auf der gegenüberliegende Seite ,

    Sachsenhäuser Ufer, in diesem Bereich verdoppelt, diese bleiben ja nicht in den nun befahrenen Bereich sondern weiten sich aus. Durch Wind, bestimmt auch in die ""gesperrt"" Seite des Ufers.

    Einfach herrlich, wie doch so studierte schlaue Köpfe mit einem guten Gehalt, welches zu Lasten des Steuerzahlers geht, einfach so, mir nichts Dir nichts Dinge beschließen ohne nur einen einzigen Schritt weiterdenken.

    In anderen Berufen, haben solche Fehlentscheidungen ev. weitreichende Konsequenzen.


    Grüße Ralph


    PS: Stelle mich auf einen eventuellen Shit Storm ein.:smilec:

  • Falls ich mit dem "Du" gemeint bin

    Falls ich Ihnen mit der Ansprache "Du" auf die Füße getreten bin, entschuldigung.

    Aber anhand den von Ihnen zitierten Bericht, in denen Sie sich wohl kundig gemacht haben, wundert es mich doch sehr, das Sie keine Feststellungen gemacht haben.

    Und was das den weiteren Teil meines Beitrages betrifft, sollte er beispielhaft darstellen, das es unterschiedliche Feststellungen/Darlegungen gibt. Allerdings ging es ja im weitesten(?)

    Sinne um die mögliche Aufnahme von Giftstoffen bzw. solche die in der Luft oder hier in Pilzen vorhanden sind.


    aber nun denn.......


    Aber begründbare Faustregeln wären ja schon hilfreich.

    Hierbei sollte man sich nicht an Faustregeln halten, dies liegt in der eigenen Entscheidungsgewalt des Sammlers wie schon von Peter oben sehr gut erwähnt wurde, und dazu noch ein weiteres off topic:

    Die Sendung ist für Zuschauer unter 16 Jahren nicht geignet, nun wird ein Zuschauer sagen, hey morgen werde ich 16, was solls.

    Dann wünsche ich Ihnen noch einen angenehmen Tag und das Sie immer gesundes Essen haben (:))


    Gruß Ralph

    • Gäste Informationen
    Hallo, gefällt Dir das Thema und willst auch Du etwas dazu schreiben, dann melde dich bitte an.
    Hast Du noch kein Benutzerkonto, dann bitte registriere dich, nach der Freischaltung kannst Du das Forum uneingeschränkt nutzen.