Hallo, Besucher der Thread wurde 534 mal aufgerufen und enthält 8 Antworten

Striegelige Tramete

  • Hallo!


    Letzten Sommer fand ich auf der schwäbischen Kalk-Alb, auf einem großen Stapel Baumstämmen (Eiche?) einen konsolenartig wachsenden Porling.

    Die wulstige Oberseite ist fein filzig behaart und im Zentrum vermutlich durch Algen grün gefärbt. Der Hutrand ist wulstig und weiß.

    Die Unterseite zeigt bräunliche Poren bis zum Rand.

    Könnte es sich um den Rotporigen Feuerschwamm (Fuscopora torulosa) handeln?


    LG, Martin


    Stapel mit Baumstämmen in der Bildmitte


    Bilck von oben


    Blick von unten

  • Hallo

    Leider kenne ich den Rotporiger Feuerschwamm, Fuscoporia torulosa nicht.

    Aber wenn ich Feuerschwamm höre dann in Verbindung mit einem sehr zähen und harten Kern. Sieht hier eher nach etwas Trametenartiges aus.

    Auf jeden Fall sehr interessanter Fund.

    BG Andy

  • Ahoi, Martin & Andy!


    Auch hier wäre ein Schnitt hilfreich. Es reicht ein kleines Eckchen eines Fruchtkörpers, einfach um die Farbe von Kontext und Röhrenfleisch sehen zu können.
    Ich würde schon denken, daß das hier braun ist (die Porenfarbe lässt darauf schließen), und damit wär's durchaus am ehesten ein Feuerschwamm im weiteren Sinne (Phellinus s.l.).

    Die Bestimmung der Art könnte allerdings schwierig werden. Wie Phellinus (Fuscoporia) torulosus wirkt das auf mich eher nicht - auch wenn ich den aus eigener Anschauung nicht kenne. Die Fruchtkörper der Art sehen aber eher etwas aus wie die von Phellinus ribis (Strauchporling), wenn auch etwas kräftiger. Jedenfalls wohl feinporiger als hier und etwas anders geformt. Zudem wäre Fuscoporia torulosa eine wärmeliebende Art, die nördlich der Alpen sehr selten ist. Zu finden wäre der am ehesten in naturbelassenen Eichen oder Rotbuchen - Eichen - Mischwäldern in wärmebegünstigten Regionen.

    Das Holz müsste man halt genauer angucken, was das wirklich ist...



    LG; Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Vielen Dank, Andy und Pablo für eure Analysen!


    Ich nehme mal das Wissen mit, künftig möglichst immer einen Schnitz herausschneiden und mitnehmen.

    Dann sehe ich das Innere des Pilzes und kann später auch einen Sporenabwurf probieren!



    Wegen der Unklarheiten habe ich nochmal gründlich das Bildarchiv durchwühlt und noch folgendes gefunden, was helfen könnte:


    1) Die Stämme, auf denen der Pilz wuchs, haben glatte Rinde (Bild B1)

    2) Viele Rotbuchen und nur wenig Eiche steht auf der Wiese herum, und auch im angrenzenden Wald dominiert die Rotbuche (Bild B2)

    => Vermutlich handelt es sich also eher um Rotbuche beim Substrat.


    Bild B1


    Bild B2: Im Wald


    Die Schwäbische Alb liegt zwar im Süden Baden-Württembergs, aber dort gilt der Satz, "Auf der Schwäbischen Alb ist es immer einen Kittel kälter" als im Tal,

    was wärmeliebende Arten vielleicht nicht ganz so wahrscheinlich erscheinen lässt.

    Da bin ich also vom falschen Substrat ausgegangen und wusste nichts vom Wärmebedürfnis von Fuscopora torulosa.


    Auch hatte ich gehofft, es gibt nicht sooo viele stiegelige, große Porlinge - und da zählt Fuscopora torulosa wahrscheinlich gar nicht dazu.

    Ich hatte mich verleiten, lassen nur unter den mehrjährigen Pilzen mit braunen Poren zu suchen.

    Aber mit dem rotporigen Feuerschwamm lag ich wohl voll daneben!

    Bild B3


    Weiter ist mir unter den Fotos auch noch folgendes aufgefallen:


    3) Ähnlich wulsig-striegelige, weiß-braune Pilze sind am gleichen Stamm oder an einem der Nachbarstämme im Holzhaufen zu finden.

    Die Farbgebung wirkt - auf den ersten Blick - anders, aber vielleicht gehören diese Pilze doch zusammen?

    Die ganz jungen Exemplare im Bild B4 sind ganz braun und filzig, das ältere Exemplar ist in der Fläche weiß, hat aber einen braunen Rand.

    Wenn man Bild B3 genau betrachtet, haben die Pilze auch einen zumindest schmalen braunen Rand, sind weiter innnen weiß - dann grün (durch Algen).

    Alle diese Pilze haben ringförmige Zonen mit langen Haaren!


    Nebenan also folgende Pilze:

    Bild B4 Striegelige Tramete?


    Hiervon ein Stück abgebrrochen und auf der Porenseite fotografiert, zeigt teils bräunlich-graue Poren - und weiße Hyphen im Hutfleisch:

    Bild B5


    Von den jüngeren, braun-filzigen Exemplaren, die auf Bild B4 zu sehen sind, habe ich auch einen gepflückt und umgedreht.

    Hier finden sich weiße Poren:

    Bild B6 Junges Exemplar


    Bild B7: Poren des jungen Exemplars


    Bei den Pilzen in den Bildern B3-7 vermute ich die gute alte, striegelige Tramete (T. hirsuta):

    Sie hat eine striegelige Oberfläche, kann wulsig-zoniert wachsen, wird gerne von Algen besiedelt - und kommt hierzulande definitiv vor.

    Kann sie aber so dunkelbraun werden?


    Ich hatte die Pilze für unterschiedlich gehalten, langsam kommen mir aber zumindest leichte Zweifel daran.

    Könnte der Pilz meiner ursprünglichen Anfrage oben womöglich der gleiche Pilz wie die braun-weißen Pilze in einem späteren Entwicklungsstadium sein??


    Dann hättest du Recht gehabt mit deiner Trameten-Ahnung, Andy!


    LG, Martin

  • Hallo Martin

    Sehr umfangreicher Nachtrag zu deinem Fund, vielen dank das macht Freude. Sagen wir mal so das was ich nun sehe - > Substrat mit höchster Wahrscheinlichkeit Fagus sylvatica / Rotbuche. Die gezeigten Fruchtkörper sind auch für mich Trametes hirsuta / Striegelige Tramete.

    Ob es sich nun in den ersten Bilder um FK in einem erweiterten Stadion, bzw. sozusagen um letztjährigen Exemplare handelt und dadurch ohne das typisch behaarten Oberfläche so präsentieren.

    Dies ist nun die Frage und könnte evt. Mit einem Schnittbild aufgelöst werden, durch Pablo 😉

    BG Andy

  • Hallo Andy,


    ich bin ja eigentlich der Meinung, dass der grüne Pilz ebenso striegelig ist, wie die weißen Exemplare.


    Vgl. mit Bild 3a, einen vergrößerter Ausschnitt zeigend und die hummelige Bepelzung der Hutoberfläche. Dazu vielleicht am besten auch das Bild in Originalgröße anschauen.


    LG, Martin

  • MoinMoin!


    Genau, die liegenden Stämme im Bild sind sichelrich Rotbuche (Fagus sylvatica). :thumbup:

    Die im letzten Beitrag gezeigten Pilze sind allesamt Striegelige Trameten (Trametes hirsuta), auch die kleineren, dunkelbraunen Knubbel. Sieht man ja auch auf Bild 4: Da sind neben dem größeren, hellen (und bereits bealgten) Fruchtkörper ebensolche Initialstadien.

    In der Vergrößerung des ersten Fundes sieht man in der Tat sehr gut die striegelig - haarige Oberfläche: Das werden dann tatsächlich auch Striegelige Trameten sein. Auch wenn die einigermaßen seltsam geformt sind, aber das ist durchaus im Rahmen des Möglichen. Die Fruchtkörper sind ja normalerweise flacher und gleichmäßiger geformt, aber das muss eben nicht immer so sein.



    LG; Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • KaMaMa

    Hat den Titel des Themas von „Rotporiger Feuerschwamm?“ zu „Striegelige Tramete“ geändert.
  • Hallo Martin

    Ja jetzt wenn ich am PC schaue und vergrössern sieht man es gut die beharrte Oberfläche.... Interessanter Fall.

    Vielen Dank BG Andy

    • Gäste Informationen
    Hallo, gefällt Dir das Thema und willst auch Du etwas dazu schreiben, dann melde dich bitte an.
    Hast Du noch kein Benutzerkonto, dann bitte registriere dich, nach der Freischaltung kannst Du das Forum uneingeschränkt nutzen.