Flechten auf Rosen + Haselnuss.

Es gibt 5 Antworten in diesem Thema, welches 1.381 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (24. Oktober 2022 um 15:30) ist von RestlessBlock3515.

  • Hallo KaMaMa

    Hallo Martin,

    wunderschöne Flechtenfarben die eine Besonderheit versteckt haben, erst beim Vergrößern entdeckt. Eigentlich wollte ich nur die schöne Xanthoria parietina im Bild festhalten. Foto 1 auf einen uralten Rosenstamm ansonsten auf einem knöcherigen Haselnuss.

    Dann am PC ein Wunder der Vielfalt! Foto 6 ist wohl Physcia adscendens-Helm-Schwielenflechte ? Aber dann die vergrößerten Fotos 8 bis 10 sind etwas Neues für mich, kann ich nicht einordnen. Habe ein paar Flechtenarten ausgesucht:

    Lecanora chlarotera oder L. saligna oder noch Lecidella elaeochroma oder???? Konnte keinen Farbtest mehr machen. Hättest du einen Hinweis zu der Flechtenart?

    Würde mich freuen wenn du einmal drüber schaust.

    LG

    Bernd

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  • Hallo Bernd!

    Jaja, zwischen den großen Flechten auf einem alten Zweig finden sich fast immer kleinere Flechten, andere Flechtenarten, Flechteninitiale, etc.

    Wahrscheinlich müsstest du Stellen suchen, an denen die Rinde frei liegt und nicht überwachsen ist.

    Mit P. adscendens liegst du meiner Meinung nach hier richtig!

    In Bild 8-10, die gleiche Stelle zeigend, sind wohl 2-3 Krustenflechten zu erkennen.

    Die Krustenflechten hast du schön erkannt und makroskopisch erst mal gut einsortiert!

    Die braunen, lecanorinen Apothecien (also mit hellem Thallusrand) gehören wohl zu einer Kuchenflechte (Lecanora spec).

    Welche nun genau, ist etwas schwierig.

    Die Sammelgattung Lecanora ist sehr umfangreich, lt. Wirth sind über 110 Arten alleine in Deutschland bekannt, und braune Apothecien sind jetzt nicht wirklich ein Alleinstellungsmerkmal.

    L. charotera gilt als die häufigste darunter.

    Ich wüsste nun nichts, was gegen diese Zuordnung spräche - aber sie ist natürlich nicht sicher, da sie, wie du in dem Büchlein ("Flechten einfach bestimmen") gewiss gelesen hast, leicht mit anderen Lecanoren verwechselt werden kann!

    Letztlich nur mikroskopisch zu trennen...

    Aber auch hier hilft die Chemie ein wenig weiter: Thallusreaktion C+ oder C- etc.?

    Bei sehr kleinen Proben nehme ich etwas Reagenz mit einer gewinkelten Zahnarztbesteck-Nadel auf und plaziere die Flüssigkeit gezielt dorthin, wo es im Bestimmungsschlüssel (oft im WWW zu finden) verlangt wird, z.B. in eine Apothecienscheibe.

    So kann man mit etwas Glück und Geschick alle Reaktionen auf wenig Thallus durchführen.

    [L. salina hätte einen gelblichen Apothecienrand. Den kann ich hier nicht erkennen, die ist es nicht!]

    Die schwarzen Apothecien mit dem lecideinen Rand können zu A. punctata, zu L. eleachroma oder C.nigroclavata gehören, vielleicht noch zu etwas ganz anderem!

    Letztlich auch wieder nur mikroskopisch zu entscheiden, hier typischerweise anhand von Sporenfarbe und ob die Sporen einzellig sind oder nicht.

    Makroskopisch ist da eher nix zu machen!

    LG, Martin

    PS:

    Du kannst ja mal noch weiter reinzoomen und prüfen, ob beispielsweise die schwarzen Strukturen in Bild 8 links der Gelben Wandflechte nur Löcher im Holz sind, oder weitere, noch kleinere Frucktkörper einer Flechte oder eines Pilzes sind. Natürlich gibt's auch noch andere Möglichkeiten, wie Springschwanz-Kötel.

    Viel Spass!

  • Hallo in die kleine Runde,

    schöne Nahaufnahmen deiner Flechten 😁 und Martin hat gut beraten 👍. Ich sehe das genauso. Die Lecanora kannst du in die L. hagini - Gruppe stellen, da gehört zb. auch L. sambuci mit rein. Das sind alles so kleinfrüchtige Arten der Gattung, deren Endbestimmung ohne Mikro kaum möglich ist (zumindest mir nicht). L. chlarotera allerdings hätte im Verhältnis zum restlichen Flechtenallerlei auf deinen Bildern größere Apothecien, die schließe ich hier aus. Bei der Schwarzen würde ich aufgrund der Größe und dem eher undeutlichen grünlich/grauen Lager zu A. punctata tendieren. Das Lager von L.ealeo... Wäre deutlicher und die Apos größer. N. nigroclavata kann ich nicht gänzlich ausschließen.

    Einen schönen Abend noch.

    René

  • Hallo Bernd,

    beim "Nochmaldrübergucken" könnte ich mir auch gut vorstellen, dass Phaeophyscia orbicularis auf deinen Ästen wächst (Bild 9/10).

    Leider sind die Fotos nicht scharf genug, das zu entscheiden.

    Schau dir die Äste dahin gehend mal an. P.orbicularis ist eine sehr häufige, rasen-bildende Flechte, gerne auf Stämmen, aber auch auf Betonmauern zu finden. Sie ist meist mit flächenständigen Soralen, manchmal auch mit Apothecien zu finden.

    LG, Martin

  • Hallo Martin,

    Hallo René,

    da habt ihr mir aber eine super ausführliche Recherche übermittelt, klasse!!! Habe nicht damit gerechnet das an diesen kleinen Ausschnitten eine Eingrenzung möglich ist.

    Habe erstmal alles ausgedruckt und kann mich nun ausführlich damit beschäftigen:blush::angry: bis der Kopf raucht.

    Habe das Foto 8 nochmal soweit es geht vergrößert, es sind schwarze Fruchtkörper, Foto 4 auch dort habe ich noch schwarze Fruchtkörper auf grauen Lager entdeckt, Foto 7 ebenfalls noch Fruchtkörper.

    Fotos hochgeladen.

    Die Vergrößerungen sind leider nicht mehr so gut, werde in Zukunft noch mehr in die Tiefe schauen.


    Hatte heute noch ein tolles Erlebnis, auf einem uralten Friedhof mit uralten Bäumen fallen plötzlich Borkenreste von weit oben herab. Ein Buntspecht schmeißt mir Flechten von hoch oben ( Birke ) vor die Füße.

    Habe alles eingesammelt, bin gespannt was ich daraus sehe.

    LG + Dank

    Bernd

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    • Offizieller Beitrag

    In den Bilder 2,3,4 sieht man eine Xanthoria parietina. Hier siehst du eine schatten variante. Parietin wird nur ind er Sonne gebildet. Liegt die Flechte mehr im Schatten, passiert genau das wie auf deinen Bildern.

    Was die Lecanora angeht, sehe ich hier nur eine Lecanora. Lecanoren muss man immer das Apothecium schneiden und unter dem Mikroskop anfärben. Auch die Sporen und der Ascus spielt hier eine Rollen.

    Anhand eines Bildes, keine sehr gute Bestimmung möglich.

    Deine Physcia, könnte eine Physcia adscendens sein.
    In dem Buch findest du auch Bilder von mir. Da hatte ich mit Felix das Buch angefangen. Aus Zeitmangel, hat er es mit Andre Aptroot zuende gebracht.

    F. Schumm & A. Aptroot

    Virtuelles Herbarium der Flechtgattungen: Hyperphyscia, Phaeophyscia, Physcia und Physconia

    1. Auflage 2019

    ISBN: 978-3749423408

    BoD-Leseprobe: Virtuelles Herbarium der Flechtgattungen

    Auf den ersten Seiten kannst du sehen worauf es bei Hyperphyscia, Phaeophyscia, Physcia und Physconia ankommt. Vor allem die Beschaffenheit der Ober- und Unterrinde (Paraplektenchym, Prosoplektenchym) sind hier entscheident bei der Bestimmung. Darum muss hier ein Längsschnitt gemacht werden, um das zu erkennen.