Am Frankelbach

Es gibt 8 Antworten in diesem Thema, welches 875 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (13. Februar 2023 um 21:17) ist von KaMaMa.

  • Hallo!

    Am vergangen Sonntag ging's in den Wald in der Nähe des Frankelbachs.

    Es handelt sich um einen Waldabschnitt, der durch Bachnähe auch im Sommer feuchter bleibt.

    Hier wachsen Rotbuchen, Hainbuchen, Eichen und Feldahorn u.a.m., eingestreut auch Nadelbäume wie Kiefern und Fichten.

    Ich wollte mir die Kernflechten (Pyrenula nitida) an den Hainbuchestämmen ansehen, eventuell die Rötliche Stäbchenflechte (Bacidia rubella) am Feldahorn suchen und finden.

    Einfach mal gucken...

    Leider war der Himmel nach einer Woche Sonnenschein bedeckt und das Licht ungünstig.

    Aber die Wochenenden sind halt wettermäßig so wie sie sind.

    Bild 1 Unterwegs in den Wald

    Cladonien gibt es in meiner Gegend nicht sehr viele.

    Die Gewöhnliche Säulenflechte findet sich allerdings öfter und ist hier an der Basis eines einem Kiefernstamms am Wegesrand recht gut entwickelt:

    Bild 2 Cladonia coniocraea, Gewöhnliche Säulenflechte

    Wie erwartet, an einem der ersten spannrückigen Hainbuchenstämme finden sich die fettig glänzenden Kernflechten.

    Seitdem ich diese Flechten, die auf den ersten Blick vielleicht unscheinbare wirken, erstmals entdeckt hatte, gefällt mir ihre elegante Form sehr gut.

    Bild 3 Glänzende Kernflechte, Pyrenula nitida mit großen, schwarzen Perithecien und olivgrünem Thallus

    Sehr pittoresk ist dieser Stammabschnitt mit mehreren Kernflechten-Thalloi, die sich mit ihren dunklen Vorlagern gegeneinander abgrenzen:

    Bild 4 Kernflechten

    Einige Bäume weiter finde ich die erste Rötliche Stäbchenflechte tatsächlich an einem Feldahornstamm.

    Unspektakulär, wenn man keine Lupe dabei hat - sollte man immer bei sich führen!

    Bild 5 Am Mittelstamm eines Feldahorns die erste Stäbchenflechte (Bacidia rubella) mit Fruchtkörper (rötliche Apothecien)

    Kuchenflechten fehlen natürlich auch nicht:

    Bild 6 Große Kuchenflechte, eventuell Lecaonra chlarotera (Helle Kuchenflechte), an Hainbuche mit dicht gedrängt unförmigen, braunen Apothecien.

    An einem Baumstubben eine Clandonie, mit hellbraunen Fruchtkörpern!

    Manche der Podetien sind Säulen, manche mit befingerten, flachen Bechern, oder klassisch mit Bechern entwickelt.

    Die Podetien sind fein-sorediös, besitzen auch Blättchen; andere Stellen schimmern unberindet weiß.

    Das könnte sehr gut Cladonia ramulosa, die Runzelige-Keulenflechte sein:

    Bild 7 Claodina cf. ramulosa an Stubben

    Unter einem abgebrochenem Stück des morschen Stubbens überwintern einträchtig ein schwarzer Käfer und eine Käferlarve mit orangenen Flecken.

    Vielleicht weiß jemand von euch wer die beiden sind?

    Nach dem Foto dürfen die beiden weiterruhen.

    Bild 8 Überwinternde Insekten

    Hundsflechten sind hier nicht sehr häufig.

    Wenn überhaupt, finde ich P. praetextata, hier üppig an einem Stubben in unmittelbarer Bachnähe.

    Die Flechten wachsen an allen Seiten des Stubbens:

    Bild 9 Peltigera praetextata, die Schuppen-Hundsflechte

    Bild 10 Lappen der Hundsflechte mit deutlicher Isidienbildung

    In einem abgelegenerem Abschnitt liegen einige bemooste, liegende Stämme:

    Bild 11 Junges Totholz

    Hier gibt es einen Erstfund für mich, Holwaya mucida, der Linden-Schwarzbecher.

    Hauptfruchtformen und Nebenfruchtformen dicht an dicht wachsend:

    Bild 12 Holwaya mucida, der Linden-Schwarzbecher

    Bild 13 Nebenfruchtform von Holwaya mucida, der Linden-Schwarzbecher mit grauer, klebriger Konidienmasse am oberen Ende, die wohl von Tieren verbreitet wird.

    Samtfüßrüblinge dürfen nicht fehlen:

    Bild 14 Flammulina spec, Samtfüßrübling

    An einem Feldahorn werde ich nochmals fündig!

    Wieder Bacidia rubella, die Rötliche Stäbchenflechte.

    Hier ist auch das typisch koralloide, grünliche Lager in gröperen Mengen vorhanden:

    Bild 15 Bacidia rubella

    An einem kleinen aufgestauten Weiher finden sich kleine Strauchflechten.

    Bild 16 Mehlige Astflechte, Ramalina farinacea

    Bild 17 Baummoos, Evernai prunastri mit weißlicher Unterseite (verdrehte Thalluslappen in Bildmitte zeigen die weiße Unterseite)

    Bild 18 Lepra amara, Bittere Porenflechte

    Die Grauschüsselflechten (Hypotrachyna), hier die grob-sorediöse Art, kenne ich eher aus Obstgärten, ist aber auch mal im Wald zu finden:

    Bild 19a Hypotrachyna cf. afrorevoluta (Afrikanische Grauschüsselflechte) überwächst hier eine büschelige Astflechte (Ramalina farinacea)

    Bild 19b Ramalia mit Hypotrachyna darüber - beide Flechte sind sorediös

    Bild 20

    Bild 21 Astflechte (Ramalina) mit Schriftflechten (Graphis)

    Es war wieder ein schöner Sonntagvormittag mit hübschen, teils unverhofften Funden.

    Ich hoffe, ich konnte euch etwas am meiner Entdeckerfreude teilhaben lassen.

    LG, Martin

  • Na toll Martin, da muß man ja gar nicht mehr selbst in den Wald, wenn Du uns so interessant teilhaben läßt.:)

    Danke dafür.

    Bild 8: links ist sicherlich eine Leuchtkäfer-Larve. Wegen des Käfers könntest Du bei Kerbtier de anfragen. Eine sehr gute Seite.

    LG Emil

  • Hallo Emil,

    selbst in den Wald zu gehen ist durch kein Forum oder Forumsbeitrag ersetzbar.

    Dennoch freut mich ntürlich dein Lob sehr!

    Außerdem, wenn du nicht mehr in den Wald gingest, müssten wir hier auf deine schönen Beiträge verzichten - und das will niemand!

    Danke für den Tipp mit der Leuchtkäferlarve.

    Der Käfer gehört aber wohl nicht zur gleichen Spezies - Leuchtkäfer gleichen eher den Weichkäfern.

    LG, Martin

  • Danke für den sehr schönen Flechtenbericht!

    Ich würde gerne noch wissen, ob auf Bild 3, links oben, ein Moos oder das Lager einer Cladonie zu sehen ist?

    Der Käfer gehört zu den Aaskäfern, vielleicht Silpha carinata oder 

    Phosphuga atrata. Das kann ich wegen der Perspektive nicht genau sagen.

    LG lulich

  • Hallo Iulich,

    sehr schön!

    Ich hätte tatsächlich noch andere Pespektiven, wobei das Bild von oben leider etwas unscharf geworden ist (Käfer von unten fehlt).

    Vielleicht bestätigt sich damit dein Verdacht.

    LG, Martin

    Bilder:

  • Hallo Martin,

    es ist vermutlich Phosphuga atrata, der schwarze Schneckenjäger oder Schwarze Aaskäfer.

    Kannst du vielleicht noch etwas zu dem grünen Gewächs in Bild 3 sagen?

    Danke, lulich

  • Hallo Iulich,

    gerade merke ich, du bist frisch hier im Forum und ein LichensNewbie! :)

    Super! Es freut mich sehr, wenn du die kleine Flechtentruppe hier verstärken kommen möchtest.

    Willkommen, Willkommen!

    LG, Martin

    PS: In Bild 3 oben links ist keine Flechte, sondern ein Lebermoos zu sehen.

    Welches genau, kann ich (noch) nicht sagen, da habe ich noch keine Ahnung.

    Moose kommen nach den Flechten irgendwann dran, auch sehr interessant - so habe ich mir vorgenommen.

  • @Iulich

    Sorry, deine Frage zu Bild 3 hatte ich ganz übersehen!

    In Bild 3 oben links ist keine Flechte (auch keine Cladonie), sondern ein Lebermoos zu sehen.

    Welches genau, kann ich (noch) nicht sagen, da habe ich noch keine Ahnung.

    LG, Martin

  • ...so, ich habe versucht, das Moos in Bild 3 mit meinen Möglichkeiten etwas einzugrenzen.

    Vielleicht könnte es sowas wie Radula complanata (Flachblättriges Kratzmoos), ein Lebermoos, sein.

    Das wächst epiphytisch an Stämmen und sieht zumindest so aus wie auf dem Foto.

    Aber, ob das so stimmt, kann ich leider nicht sagen!

    LG, Martin