Krustenflechte auf vertikaler Bruchsteinmauer.

Es gibt 4 Antworten in diesem Thema, welches 164 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (28. Februar 2024 um 17:06) ist von Bemoeh.

  • Hallo KaMaMa

    Hallo Martin,

    nun noch eine andere Krustenflechte von der vertikalen alten Bruchsteinmauer, konnte Proben entfernen und mit Mikro genauer betrachten, mit vielen interessanten Fotos. Versuche mal eine Beschreibung: Thallus krustig, rissig, grau weiß teils gelblich. Apothecien aufsitzend, 0,5/1mm Ø, unregelmäßig. Apo-Scheibe schwarz/braun, feucht deutlich dunkelrotlila, Rand lagerfarbig, kerbig, dicklich. Hymenium dunkel rötlich/braun. Ascus 8 sporig, Sporen einzellig. Getüpfelt K+gelblich ( auch auf Zellstoff ) KC+gelblich, C-, P.

    Nun meine Vermutung: es könnte auf Tephromela atra hindeuten?:/

    Martin, wie ist deine Meinung zu meinem Bestimmungsversuch? War ganz schön spannend, hoffentlich alles richtig beschrieben.

    LG

    Bernd

    0

    1

    2a

    2b

    2c

    3

    4

    5

    6

    7 Querschnitt

    8 Schläuche

    9 Ascus mit Sporen

    10 Ascus mit Sporen

    11 Ascus mit Sporen

    12 Sporen

    13 Sporen

    14 Spore

    15 K+ gelblich

    16 KC+ gelblich

  • Hallo Bernd,

    Tephromela atra ist das jedenfalls nicht.

    T. atra hat einen hellgrauen, uneben-warzigen, kräftig entwickelten Thallus mit richtig großen (2-3mm), nachtschwarzen, deutlich gestielt aufsitzenden Apothecien mit ausgeprägtem Thallusrand, der nicht verschwindet und häufig auffällig wellig ist. Der Thallus ist oft rund / rosettig gewachsen. Das Hymenium ist makroskopisch auch im Schnitt sehr, sehr dunkel. Die Apothecien werden nass nicht rot! Die kräftig rot-violette Färbung, auf die du anspielst, wird erst im Dünnschnitt oder Quetschpräparat unter dem Mikroskop sichtbar.

    Beispiele:

    1 Tephromela atra #1

    2 Tephromela atra #2

    3 Tephromela atra #3

    4 Tephromela atra Quetschpräparat des Hymeniums in Wasser (ungefärbt): Hymenium kräftig rot-violett, Hypothecium braun


    Das was du hier gefunden hast, würde ich bei Trapelia coractata verorten wollen. Diese Flechte sollte dann eigentlich mit C+ rot reagieren. Die C-Reaktion habe ich nicht immer beobachten können, sei es dass meine Chemie nicht wollte oder die Flechte. Deine Chemie passt nicht recht (C- kann passieren, aber K+gelb sollte eigentlich nicht sein), also vielleicht etwas anderes?

    Beispiel:

    Dünner, weißlicher, unförmiger, rissiger, vergleichsweise glatter Thallus mit braunen bis rötlichen Apothecien. Apothecien anfangs mit zerrupft wirkendem Rand - sie schlüpfen regelrecht aus dem aufplatzenden Thallus - später verschwindet der Rand. Die Scheiben werden in Aufsicht, wenn feucht, rosa/rot/rötlich. Ich wäre makroskpoisch ohne deine Chemie bei Trapelia. Du kannst ja noch mal damit vergleichen, vielleicht findest du in der näheren Verwandschaft etwas passendes. Man kann die erwähnten Details von Trapelia coarctata auch auf deiner Probe erkennen.

    LG, Martin


    5 Trapelia coarctata (trocken) mit Apothecien-Anlagen links (weiße Knubbelchen)


    6 feuchtes Exemplar mit roten, gequollenen Apothecien und grünlichem Thallus (Algen!)

    7 Nasse Apothecien

    Die Sporen sind groß und elliptisch mit einem sehr großen Tropfen, so wie du sie zeigst.

  • Hallo Martin,

    war gestern nochmal bei der Bruchsteinmauer, Fotos nun mit Kamera und eine größere Probe entmommen ( habe auf Kalk geteste, kein perlender Efekt ). Man sieht deutlich die rotbraunen Apothecien auf weiß/grau/ beige/grünen Lager, teils mit und ohne lagerfarbenen Scheibenrand. Deutet alles auf Trapelia coarctata hin wenn nur der Farbtest eindeutiger wäre, C+ rot will meine Flechte, nicht bleibt C-negativ, P-negativ, bei K wohl negativ, bei KC +/- gelblich oder?? (Siehe Testfotos) alle Tests mehrfach auf der neuen Probe durchgeführt. Bild 9 UV bläulichrosa.

    Bei Lichens marins + italic-7.0 + Britisch lichens usw. finde ich auch keine Alternative. Also werde ich die Flechte unter Trapelia coarctata speichern.:/ was meinst du?

    Von der anderen unglösten Flechte konnte ich etwas abkratzen und ein besseres Foto machen, mal schauen was das ergibt.

    LG

    Bernd

    1

    2

    3

    4

    5 K- negativ

    6a KC+/- gelblich??

    6b KC- + ???

    7 C- negativ will kein rot

    8 P- negativ

    9 UV bläulichrose

  • Hallo Bernd,

    das passt schon, insbesondere makroskopisch. Der Färbetest mit Hypochlorid-Lösung ist immer fummelig, schwierig und vergänglich.

    Nimmst du zu altes Hypochlorid, weil die Reagenz schnell ihre Wirksamkeit verliert, reagiert es nicht. Nimmt du zuviel davon, verdünnst du die Reaktionsprodukte und erkennst sie nicht. Schaust du zu spät hin, sind sie auch weg, weil die farbigen Reaktionsprodukte weiterreagieren und dann farblos werden. Und es klappt auch nur, wenn die Flechte mitspielt und genügend reaktives Material bereitstellt.

    Noch fummeliger ist die KC-Reaktion...

    Ferner heißt es, dass die in D erhältlichen Rohrreiniger, wovon ich mittlerweile gerne verwende, zu hoch konzentriert sind, unverdünnt falsche Ergebnisse liefern können (fälschlicherweise positiv) und kalibriert verdünnt werden müssen - oh je!

    Was manchmal besser funktioniert, ist, die Reaktion im schmalen Spalt unter dem Deckblättchen im Mikroskop durchzuführen. Lokal ist die Konzentration der reaktiven Flechtenstoffe höher und die Reaktionsprodukte konzentrierter. Außerdem werden sie nicht so schnell verdünnt, da der Spalt sehr schmal ist und alles beieinander bleibt.

    LG, Martin

  • Hallo Martin,

    wieder ein Dankeschön für dein Hilfe nur so kann ich dazu lernen. :) Den Tip, die Reaktion im schmalen Spalt unter dem Deckblättchen am Mikroskop durchzuführen werde ich bei schwieriger Bestimmung probieren.

    Als Beigabe von heute ( alter Steinbruch ) noch eine riesige ca. 20 cm Ø P.sulcata, die wollte aufs Foto.

    LG

    Bernd